Politische Ökonomie des Kapitalismus: Unterschied zwischen den Versionen

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Für die Kapitalisten ist die individuelle Konsumtion der Arbeiter nur produktiv, wenn sie zur Erhaltung der Arbeiter dient, weil sie so für neue auszubeutende Arbeiter sorgt. Bekommt der Arbeiter einen höheren Lohn, um mehr konsumieren zu können, ohne danach mehr zu arbeiten, ist das für den Kapitalist unproduktiv. <br>
 
Für die Kapitalisten ist die individuelle Konsumtion der Arbeiter nur produktiv, wenn sie zur Erhaltung der Arbeiter dient, weil sie so für neue auszubeutende Arbeiter sorgt. Bekommt der Arbeiter einen höheren Lohn, um mehr konsumieren zu können, ohne danach mehr zu arbeiten, ist das für den Kapitalist unproduktiv. <br>
 
Die Arbeiterklasse ist also Zubehör des Kapitals, die individuelle Konsumtion der Arbeiter nur ein Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals. <br>
 
Die Arbeiterklasse ist also Zubehör des Kapitals, die individuelle Konsumtion der Arbeiter nur ein Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals. <br>
Dieser Prozess sorgt dafür, dass der Arbeiter durch unsichtbare Fäden an den Kapitalisten gebunden ist. Da die von der Arbeiterklasse hergestellten Konsumtionsgüter nicht ihnen gehören und sie sie nur bekommen, wenn sie ihrere Arbeitskraftauf auf dem Arbeitsmarkt verkaufen und ihren Lohn gegen Konsumtionsgüter eintauschen.
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Dieser Prozess sorgt dafür, dass der Arbeiter durch unsichtbare Fäden an den Kapitalisten gebunden ist. Da die von der Arbeiterklasse hergestellten Konsumtionsgüter nicht ihnen gehören und sie sie nur bekommen, wenn sie ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt verkaufen und ihren Lohn gegen Konsumtionsgüter eintauschen.
  
 
{{Zitat |Daher betrachtet auch der Kapitalist und sein Ideolog, der politische Ökonom, nur den Teil der individuellen Konsumtion des Arbeiters als produktiv, der zur Verewigung der Arbeiterklasse erheischt ist, also in der Tat verzehrt werden muß, damit das Kapital die Arbeitskraft verzehre; was der Arbeiter außerdem zu seinem Vergnügen verzehren mag, ist unproduktive Konsumtion.<br/>Würde die Akkumulation des Kapitals eine Erhöhung des Arbeitslohns und daher Vermehrung der Konsumtionsmittel des Arbeiters verursachen ohne Konsum von mehr Arbeitskraft durch das Kapital, so wäre das zuschüssige Kapital unproduktiv konsumiert.<br/>In der Tat: die individuelle Konsumtion des Arbeiters ist für ihn selbst unproduktiv, denn sie reproduziert nur das bedürftige Individuum; sie ist produktiv für den Kapitalisten und den Staat, denn sie ist Produktion der den fremden Reichtum produzierenden Kraft.<br/>Von gesellschaftlichem Standpunkt ist also die Arbeiterklasse, auch außerhalb des unmittelbaren Arbeitsprozesses, ebensosehr Zubehör des Kapitals als das tote Arbeitsinstrument. Selbst ihre individuelle Konsumtion ist innerhalb gewisser Grenzen nur ein Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals.<br/>Der Prozeß aber sorgt dafür, daß diese selbstbewußten Produktionsinstrumente nicht weglaufen, indem er ihr Produkt beständig von ihrem Pol zum Gegenpol des Kapitals entfernt. Die individuelle Konsumtion sorgt einerseits für ihre eigne Erhaltung und Reproduktion, andrerseits durch Vernichtung der Lebensmittel für ihr beständiges Wiedererscheinen auf dem Arbeitsmarkt.<br/>Der römische Sklave war durch Ketten, der Lohnarbeiter ist durch unsichtbare Fäden an seinen Eigentümer gebunden. Der Schein seiner Unabhängigkeit wird durch den beständigen Wechsel der individuellen Lohnherrn und die fictio juris des Kontrakts aufrechterhalten.| (Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.598f.)}}
 
{{Zitat |Daher betrachtet auch der Kapitalist und sein Ideolog, der politische Ökonom, nur den Teil der individuellen Konsumtion des Arbeiters als produktiv, der zur Verewigung der Arbeiterklasse erheischt ist, also in der Tat verzehrt werden muß, damit das Kapital die Arbeitskraft verzehre; was der Arbeiter außerdem zu seinem Vergnügen verzehren mag, ist unproduktive Konsumtion.<br/>Würde die Akkumulation des Kapitals eine Erhöhung des Arbeitslohns und daher Vermehrung der Konsumtionsmittel des Arbeiters verursachen ohne Konsum von mehr Arbeitskraft durch das Kapital, so wäre das zuschüssige Kapital unproduktiv konsumiert.<br/>In der Tat: die individuelle Konsumtion des Arbeiters ist für ihn selbst unproduktiv, denn sie reproduziert nur das bedürftige Individuum; sie ist produktiv für den Kapitalisten und den Staat, denn sie ist Produktion der den fremden Reichtum produzierenden Kraft.<br/>Von gesellschaftlichem Standpunkt ist also die Arbeiterklasse, auch außerhalb des unmittelbaren Arbeitsprozesses, ebensosehr Zubehör des Kapitals als das tote Arbeitsinstrument. Selbst ihre individuelle Konsumtion ist innerhalb gewisser Grenzen nur ein Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals.<br/>Der Prozeß aber sorgt dafür, daß diese selbstbewußten Produktionsinstrumente nicht weglaufen, indem er ihr Produkt beständig von ihrem Pol zum Gegenpol des Kapitals entfernt. Die individuelle Konsumtion sorgt einerseits für ihre eigne Erhaltung und Reproduktion, andrerseits durch Vernichtung der Lebensmittel für ihr beständiges Wiedererscheinen auf dem Arbeitsmarkt.<br/>Der römische Sklave war durch Ketten, der Lohnarbeiter ist durch unsichtbare Fäden an seinen Eigentümer gebunden. Der Schein seiner Unabhängigkeit wird durch den beständigen Wechsel der individuellen Lohnherrn und die fictio juris des Kontrakts aufrechterhalten.| (Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.598f.)}}

Aktuelle Version vom 12. Juli 2019, 15:34 Uhr

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Inhaltsverzeichnis

Ware und ihre Eigenschaften[Bearbeiten]

Schlagworte

Gebrauchswert, Tauschwert, Wert, Konsumtion, Quantitatives Verhältnis, Ware, Produkt, Austausch, Rock, Verhältnis, Erscheinungsform, Arbeitsprodukt, abstrakt menschliche Arbeit, Warenwert, Arbeitszeit, Arbeitskraft, Durchschnitt, Produktionsbedingungen

Annahme 1

Eine Ware ist zunächst ein Gegenstand, der menschliche Bedürfnisse aller Art befriedigt, ob als Lebensmittel oder als Produktionsmittel.


„Die Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt. Die Natur dieser Bedürfnisse, ob sie z.B. dem Magen oder der Phantasie entspringen, ändert nichts an der Sache. Es handelt sich hier auch nicht darum, wie die Sache das menschliche Bedürfnis befriedigt, ob unmittelbar als Lebensmittel, d. h. als Gegenstand des Genusses, oder auf einem Umweg, als Produktionsmittel. Jedes nützliche Ding, wie Eisen, Papier usw., ist unter doppeltem Gesichtspunkt zu betrachten, nach Qualität und Quantität.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.49)


Annahme 2

Der Gebrauchswert einer Ware verwirklicht sich im Gebrauch, in seinem Nutzen, abhängig von der Eigenschaft der Ware, von der Qualität der Ware. Zugleich bilden Gebrauchswerte den stofflichen Inhalt des Reichtums. Im Kapitalismus bilden sie zugleich die stofflichen Träger des Tauschwerts. Der Tauschwert erscheint, wenn man verschiedene Gebrauchswerte miteinander tauschen möchte und drückt somit ein quantitatives Verhältnis aus.


„Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben. Der Warenkörper selbst, wie Eisen, Weizen, Diamant usw., ist daher ein Gebrauchswert oder Gut. Dieser sein Charakter hängt nicht davon ab, ob die Aneignung seiner Gebrauchseigenschaften dem Menschen viel oder wenig Arbeit kostet. Bei Betrachtung der Gebrauchswerte wird stets ihre quantitative Bestimmtheit vorausgesetzt, wie Dutzend Uhren, Elle Leinwand, Tonne Eisen usw. Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde. Der Gebrauchswert verwirklicht sich nur im Gebrauch oder der Konsumtion. Gebrauchswerte bilden den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei. In der von uns zu betrachtenden Gesellschaftsform bilden sie zugleich die stofflichen Träger des – Tauschwerts. Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.50)


Annahme 3

Der Grund, um überhaupt Produkte zu tauschen, sind ihre unterschiedlichen Gebrauchswerte. In diesem Tauschprozess wird ein Produkt zur Ware.


„Um Ware zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert dient, durch den Austausch übertragen werden. Endlich kann kein Ding Wert sein, ohne Gebrauchsgegenstand zu sein.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.55)


„Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.56)


Annahme 4

Eine gewisse Ware lässt sich in einem bestimmten Verhältnis mit einer anderen Ware tauschen, z. B. x kg Weizen gegen y kg Kartoffeln oder z kg Möhren. Also hat der Weizen unzählig viele Tauschwerte. Die Tauschwerte müssen aber auch etwas Gleiches haben, um vergleichbar zu sein, der Tauschwert kann also nur die "Erscheinungsform" eines Dritten sein.


„Eine gewisse Ware, ein Quarter Weizen z.B. tauscht, sich mit x Stiefelwichse oder mit y Seide oder mit z Gold usw., kurz mit andern Waren in den verschiedensten Proportionen. Mannigfache Tauschwerte also hat der Weizen statt eines einzigen. Aber da x Stiefelwichse, ebenso y Seide, ebenso z Gold usw. der Tauschwert von einem Quarter Weizen ist, müssen y Stiefelwichse, y Seide, z Gold usw. durch einander ersetzbare oder einander gleich große Tauschwerte sein. Es folgt daher erstens: Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die ‚Erscheinungsform‛ eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.51)


Annahme 5

Alle Gebrauchswerte sind Arbeitsprodukte und damit auf abstrakte Arbeit reduzierbar. Diese Arbeit produziert Wert, Warenwert. Das Gemeinsame der unterschiedlichen Waren, was sich beim Tauschen darstellt, ist also ihr Wert.


„Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. Jedoch ist uns auch das Arbeitsprodukt bereits in der Hand verwandelt. Abstrahieren wir von seinem Gebrauchswert, so abstrahieren wir auch von den körperlichen Bestandteilen und Formen, die es zum Gebrauchswert machen. Es ist nicht länger Tisch oder Haus oder Garn oder sonst ein nützlich Ding. Alle seine sinnlichen Beschaffenheiten sind ausgelöscht. Es ist auch nicht länger das Produkt der Tischlerarbeit oder der Bauarbeit oder der Spinnarbeit oder sonst einer bestimmten produktiven Arbeit. Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit. […] Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Substanz sind sie Werte – Warenwerte.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.52)


Annahme 6

Die Größe des Werts misst sich an der Quantität der Arbeit, an der Arbeitszeit in Minuten, Stunden, Tagen etc.


„Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen ‚wertbildenden Substanz‛, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.53)


Annahme 7

Die Arbeitszeit für den Wert einer Ware bemisst sich nicht nach einem individuellen (faulen, schnellen, ungeschickten) Arbeiter, sondern an der durchschnittlich gesellschaftlich notwendigen Dauer zur Erstellung dieser Ware unter normalen Produktionsbedingungen.


„Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich- normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.53)


Arbeitswerttheorie/ Wertgesetz[Bearbeiten]

Schlagworte

Wertgröße, Arbeitszeit, Produktivkraft, Wert, Preise, Wertgesetz

Annahme 1

Der Grad der Entwicklung der Produktivkraft beeinflusst die Arbeitszeit, die zur Herstellung einer Ware nötig ist und somit beeinflusst sie auch die Wertgröße der Ware und ihren Preis: Je größer die Produktivkraft, umso kürzer die benötigte Arbeitszeit, umso kleiner der Wert der Ware, umso kleiner der Preis.


„Die Wertgröße einer Ware bliebe daher konstant, wäre die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit konstant. Letztere wechselt aber mit jedem Wechsel in der Produktivkraft der Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.54)


„Je größer die Produktivkraft der Arbeit, desto kleiner die zur Herstellung eines Artikels erheischte Arbeitszeit, desto kleiner die in ihm kristallisierte Arbeitsmasse, desto kleiner sein Wert. Umgekehrt, je kleiner die Produktivkraft der Arbeit, desto größer die zur Herstellung eines Artikels notwendige Arbeitszeit, desto größer sein Wert. Die Wertgröße einer Ware wechselt also direkt wie das Quantum und umgekehrt wie die Produktivkraft der sich in ihr verwirklichenden Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.55)


„In welcher Weise immer die Preise der verschiedenen Waren zuerst gegeneinander festgesetzt oder geregelt sein mögen, das Wertgesetz beherrscht ihre Bewegung. Wo die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit fällt, fallen die Preise; wo sie steigt, steigen die Preise, bei sonst gleichbleibenden Umständen.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.186)


Warenproduktion und gesellschaftliche Teilung der Arbeit[Bearbeiten]

Schlagworte

Arbeitsteilung, Gebrauchswert, nützliche Arbeit, Warenproduzenten, Arbeitsteilung, Warenproduktion, Existenzbedingung

Annahme 1

Die gesellschaftliche Teilung der Arbeit ist die Voraussetzung der Warenproduktion. Jeder Produzent stellt Waren unterschiedlicher Gebrauchswerte her, die durch ihre Unterschiedlichkeit tauschbar sind.


„[…]: in dem Gebrauchswert jeder Ware steckt eine bestimmte zweckmäßig produktive Tätigkeit oder nützliche Arbeit. Gebrauchswerte können sich nicht als Waren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken. In einer Gesellschaft, deren Produkte allgemein die Form der Ware annehmen, d. h. in einer Gesellschaft von Warenproduzenten, entwickelt sich dieser qualitative Unterschied der nützlichen Arbeiten, welche unabhängig voneinander als Privatgeschäfte selbständiger Produzenten betrieben werden, zu einem vielgliedrigen System, zu einer gesellschaftlichen Teilung der Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.57)


„[…] – eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit. Sie ist Existenzbedingung der Warenproduktion, obgleich Warenproduktion nicht umgekehrt die Existenzbedingung gesellschaftlicher Arbeitsteilung.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.56)


Wertform[Bearbeiten]

Schlagworte

Wertform, Wertverhältnis, Austauschverhältnis, Quantum, Äquivalent

Annahme 1

Der Tauschwert erscheint erst im Austauschverhältnis zweier Waren. Der Wert einer Ware wird im Äquivalent einer anderen quantitativ ausgedrückt.


„Die einfache Wertform einer Ware ist enthalten in ihrem Wertverhältnis zu einer verschiedenartigen Ware oder im Austauschverhältnis mit derselben. Der Wert der Ware A wird qualitativ ausgedrückt durch die unmittelbare Austauschbarkeit der Ware B mit der Ware A. Er wird quantitativ ausgedrückt durch die Austauschbarkeit eines bestimmten Quantums der Ware B mit dem gegebenen Quantum der Ware A. In andren Worten: Der Wert einer Ware ist selbständig ausgedrückt durch seine Darstellung als ‚Tauschwert‛.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.74)


Annahme 2

Einfache Wertform: xWareA = yWareB

Entfaltete Wertform: xWare = unendliche viele unterschiedliche Waren

Allgemeine Wertform: viele unterschiedliche Waren = yWareZ (allgemein anerkanntes Äquivalent)

Es kristallisiert sich eine Ware heraus, die als allgemein gültiges Äquivalent zu allen anderen Waren tauschbar ist.


„Die einfache oder vereinzelte relative Wertform einer Ware macht eine andre Ware zum einzelnen Äquivalent. Die entfaltete Form des relativen Werts, dieser Ausdruck des Werts einer Ware in allen andren Waren, prägt ihnen die Form verschiedenartiger besonderer Äquivalente auf. Endlich erhält eine besondre Warenart die allgemeine Äquivalentform, weil alle andren Waren sie zum Material ihrer einheitlichen, allgemeinen Wertform machen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.82)


Geld[Bearbeiten]

Schlagworte

Geldform, Wertform, Vergegenständlichte menschliche Arbeit, Ware, Wertausdruck, Zirkulationsmittel, Wertmaß, Tauschwert, Geld, Krise

Annahme 1

Die Allgemeine Wertform geht über zur Geldform. Geld hat die gesellschaftliche Gültigkeit bekommen, allgemeines Äquivalent zu allen anderen Waren zu sein.


„Und erst vom Augenblick, wo diese Ausschließung sich endgültig auf eine spezifische Warenart beschränkt, hat die einheitliche relative Wertform der Waren weit objektive Festigkeit und allgemein gesellschaftliche Gültigkeit gewonnen. Die spezifische Warenart nun, mit deren Naturalform die Äquivalentform gesellschaftlich verwächst, wird zur Geldware oder funktioniert als Geld. Es wird ihre spezifisch gesellschaftliche Funktion, und daher ihr gesellschaftliches Monopol, innerhalb der Warenwelt die Rolle des allgemeinen Äquivalents zu spielen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.109)


Annahme 2

Da allen Waren vergegenständlichte menschliche Arbeit sind, können sie in dem gleichen Wertmaß, in Geldform oder Preis ausgedrückt werden.


„Weil alle Waren als Werte vergegenständlichte menschliche Arbeit, daher an und für sich kommensurabel sind, können sie ihre Werte gemeinschaftlich in derselben spezifischen Ware messen und diese dadurch in ihr gemeinschaftliches Wertmaß oder Geld verwandeln. Geld als Wertmaß ist notwendige Erscheinungsform des immanenten Wertmaßes der Waren, der Arbeitszeit. Der Wertausdruck einer Ware in Gold – x Ware A (ist gleich) y Geldware – ist ihre Geldform oder ihr Preis.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.109)


Annahme 3

Die Ware, die als Zirkulationsmittel funktioniert, ist Geld. Geld ist somit die adäquate Daseinsform des Tauschwerts, die alle anderen Waren als bloße Gebrauchswerte fixiert. Dabei ist es gleich, ob das Geld in „leiblicher“ Form (Goldstück) oder ideell auftritt.


„Die Ware, welche als Wertmaß und daher auch, leiblich oder durch Stellvertreter, als Zirkulationsmittel funktioniert, ist Geld. Gold (resp. Silber) ist daher Geld. Als Geld funktioniert es, einerseits wo es in seiner goldnen (resp. silbernen) Leiblichkeit erscheinen muß, daher als Geldware, also weder bloß ideell, wie im Wertmaß, noch repräsentationsfähig, wie im Zirkulationsmittel; andrerseits wo seine Funktion, ob es selbe nun in eigner Person oder durch Stellvertreter vollziehe, es als alleinige Wertgestalt oder allein adäquates Dasein des Tauschwerts allen andren Waren als bloßen Gebrauchswerten gegenüber fixiert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.143)


Annahme 4

Dadurch dass die Ware Geld nicht nur leiblich, sondern auch ideell als Zahlungsmittel benutzt wird, entsteht ein Widerspruch. Dieser Widerspruch zwischen Ware und Wertgestalt wird sichtbar, wenn dass Geld – durch Produktions- und Handelskrisen – nicht mehr nur repräsentatives Rechengeld sein kann, sondern harte Ware sein muss. Plötzlich wird der Gegensatz zwischen der Ware und ihrer Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert.


„Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schließt einen unvermittelten Widerspruch ein. Soweit sich die Zahlungen ausgleichen, funktioniert es nur ideell als Rechengeld oder Maß der Werte. Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des Stoffwechsels, sondern als die individuelle Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, selbständiges Dasein des Tauschwerts, absolute Ware. Dieser Widerspruch eklatiert in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise heißt. Sie ereignet sich nur, wo die prozessierende Kette der Zahlungen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störungen dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, schlägt das Geld plötzlich und unvermittelt um aus der nur ideellen Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld. Es wird unersetzlich durch profane Waren. Der Gebrauchswert der Ware wird wertlos, und ihr Wert verschwindet vor seiner eignen Wertform.
In der Krise wird der Gegensatz zwischen der Ware und ihrer Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform des Geldes ist hier daher auch gleichgültig. Die Geldhungersnot bleibt dieselbe, ob in Gold oder Kreditgeld, Banknoten etwa, zu zahlen ist.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.151)


Einfache Warenzirkulation[Bearbeiten]

Schlagworte

Warenzirkulation, Kapital, Handel, Ware, Zirkulation, Konsumtion, Aneignung, Befriedigung

Annahme 1

Warenzirkulation ist Ausgangspunkt des Kapitals. Damit Kapital entstehen kann, braucht es historische Voraussetzungen: Warenproduktion, entwickelte Warenzirkulation und Handel.


„Die Warenzirkulation ist der Ausgangspunkt des Kapitals. Warenproduktion und entwickelte Warenzirkulation, Handel, bilden die historischen Voraussetzungen, unter denen es entsteht.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.161)


Annahme 2

Einfache Warenzirkulation Ware – Geld – Ware (W – G – W) endet in der Aneignung von Gebrauchswerten.


„Der Kreislauf W – G – W geht aus von dem Extrem einer Ware und schließt ab mit dem Extrem einer andren Ware, die aus der Zirkulation heraus und der Konsumtion anheimfällt. Konsumtion, Befriedigung von Bedürfnissen, mit einem Wort, Gebrauchswert ist daher sein Endzweck.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.164)


„Die einfache Warenzirkulation – der Verkauf für den Kauf – dient zum Mittel für einen außerhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten, die Befriedigung von Bedürfnissen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.167)


Kapitalkreislauf[Bearbeiten]

Schlagworte

Zirkulation, Geld, Ware, Geldsumme, Mehrwert, Kapital, Verwertung, Bewegung, Selbstverwertung, Kapitalkreislauf

Annahme 1

Bei der Zirkulation Geld – Ware – Geld (G – W – G) tauscht man Geld gegen Ware, um sie wieder gegen Geld zu tauschen, kurz Austausch von Geld gegen Geld.


„Sehn wir uns die Zirkulation G – W – G näher an. Sie durchläuft, gleich der einfachen Warenzirkulation, zwei entgegengesetzte Phasen. In der ersten Phase, G – W, Kauf, wird das Geld in Ware verwandelt. In der zweiten Phase, W – G, Verkauf, wird die Ware in Geld rückverwandelt. Die Einheit beider Phasen aber ist die Gesamtbewegung, welche Geld gegen Ware und dieselbe Ware wieder gegen Geld austauscht, Ware kauft, um sie zu verkaufen, oder wenn man die formellen Unterschiede von Kauf und Verkauf vernachlässigt, mit dem Geld Ware und mit der Ware Geld kauft. Das Resultat, worin der ganze Prozeß erlischt, ist Austausch von Geld gegen Geld, G – G.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.162)


Annahme 2

Der Prozess G – W – G macht nur Sinn, wenn G quantitativ verschieden ist, wenn G – W – G', wo G' größer als G ist. Den Zuwachs zu G nennt man Mehrwert. In dem Prozess, in dem G zu G' wird, wird G zu Kapital.


„Eine Geldsumme kann sich von der andren Geldsumme überhaupt nur durch ihre Größe unterscheiden. Der Prozeß G – W – G schuldet seinen Inhalt daher keinem qualitativen Unterschied seiner Extreme, denn sie sind beide Geld, sondern nur ihrer quantitativen Verschiedenheit. Schließlich wird der Zirkulation mehr Geld entzogen, als anfangs hineingeworfen ward. Die zu 100 Pfd.St. gekaufte Baumwolle wird z.B. wieder verkauft zu 100 (plus) 10 Pfd.St. oder 110 Pfd.St. Die vollständige Form dieses Prozesses ist daher G – W – G' , wo G' (gleich) G + A G, d. h. gleich der ursprünglich vorgeschossenen Geldsumme plus einem Inkrement. Dieses Inkrement oder den Überschuß über den ursprünglichen Wert nenne ich – Mehrwert (surplus value). Der ursprünglich vorgeschoßne Wert erhält sich daher nicht nur in der Zirkulation, sondern in ihr verändert er seine Wertgröße, setzt einen Mehrwert zu oder verwertet sich. Und diese Bewegung verwandelt ihn in Kapital.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.165)


Annahme 3

Zirkulation des Geldes als Kapital ist Selbstzweck, Verwertung des Werts. Treibendes Motiv ist der Tauschwert selbst. Man kann diese Bewegung endlos wiederholen. Wer dies tut, wird zum Kapitalist.


„Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist dagegen Selbstzweck, denn die Verwertung des Werts existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos. Als bewußter Träger dieser Bewegung wird der Geldbesitzer Kapitalist.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.167)


Annahme 4

Ware und Geld sind verschiedene Existenzweisen des Werts, im Verändern seiner Erscheinungsformen (Geld – Ware – Geld) vergrößert er sich. Zum ursprünglichen Wert gibt sich Mehrwert dazu, er verwertet sich somit selbst.


„Die selbständigen Formen, die Geldformen, welche der Wert der Waren in der einfachen Zirkulation annimmt, vermitteln nur den Warenaustausch und verschwinden im Endresultat der Bewegung. In der Zirkulation G – W – G funktionieren dagegen beide, Ware und Geld, nur als verschiedne Existenzweisen des Werts selbst, das Geld seine allgemeine, die Ware seine besondre, sozusagen nur verkleidete Existenzweise. […] Fixiert man die besondren Erscheinungsformen, welche der sich verwertende Wert im Kreislauf seines Lebens abwechselnd annimmt, so erhält man die Erklärungen: Kapital ist Geld, Kapital ist Ware. In der Tat aber wird der Wert hier das Subjekt eines Prozesses, worin er unter dem beständigen Wechsel der Formen von Geld und Ware seine Größe selbst verändert, sich als Mehrwert von sich selbst als ursprünglichem Wert abstößt, sich selbst verwertet. Denn die Bewegung, worin er Mehrwert zusetzt, ist seine eigne Bewegung, seine Verwertung also Selbstverwertung. Er hat die okkulte Qualität erhalten, Wert zu setzen, weil er Wert ist. Er wirft lebendige Junge oder legt wenigstens goldne Eier.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.169)


Annahme 5

Kapitalkreislauf: Wert kommt aus dem Kreislauf, geht wieder in ihn hinein, erhält sich und vergrößert sich (Mehrwert), kommt insgesamt größer aus ihm heraus und beginnt von neuem denselben Kreislauf. Dieser sich verwertende Wert ist Kapital. Sein Kreislauf ist unendlich wiederholbar.


„Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Geld und als solches Kapital. Er kommt aus der Zirkulation her, geht wieder in sie ein, erhält und vervielfältigt sich in ihr, kehrt vergrößert aus ihr zurück und beginnt denselben Kreislauf stets wieder von neuem. G – G ', geldheckendes Geld – money which begets money – lautet die Beschreibung des Kapitals im Munde seiner ersten Dolmetscher, der Merkantilisten.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.170)


Mehrwert[Bearbeiten]

Schlagworte

Tausch, Äquivalent, Mehrwert, Warenaustausch, Kapital, Verteilung, Minderwert, Zirkulation, Arbeit, Mehrwert, Wertbildung

Annahme 1

Beim Tausch von Äquivalenten wird kein Mehrwert produziert. Auch beim Tausch von Nicht-Äquivalenten (wenn Käufer über oder unter Wert kauft bzw. Verkäufer unter oder über Wert verkauft) wird kein Mehrwert produziert, da sich dieser kurzfristige Vorteil im Kreislauf wieder aufheben wird. Die Zirkulation oder der Warenaustausch schafft keinen Wert.


„Werden Waren oder Waren und Geld von gleichem Tauschwert, also Äquivalente ausgetauscht, so zieht offenbar keiner mehr Wert aus der Zirkulation heraus, als er in sie hineinwirft. Es findet dann keine Bildung von Mehrwert statt.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.174)


„Die Bildung von Mehrwert und daher die Verwandlung von Geld in Kapital, kann also weder dadurch erklärt werden, daß die Verkäufer die Waren über ihrem Werte verkaufen, noch dadurch, daß die Käufer sie unter ihrem Werte kaufen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.175)


„Der zirkulierende Wert hat sich um kein Atom vergrößert, seine Verteilung zwischen A und B hat sich verändert. Auf der einen Seite erscheint als Mehrwert, was auf der andren Minderwert ist, auf der einen Seite als Plus, was auf der andren als Minus.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.177)


„Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Fazit bleibt dasselbe. Werden Äquivalente ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwert, und werden Nicht-Äquivalente ausgetauscht, so entsteht auch kein Mehrwert. Die Zirkulation oder der Warenaustausch schafft keinen Wert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.177f.)


„Kann aber der Mehrwert anderswoher entspringen als aus der Zirkulation? Die Zirkulation ist die Summe aller Wechselbeziehungen der Warenbesitzer. Außerhalb derselben steht der Warenbesitzer nur noch in Beziehung zu seiner eignen Ware. […] Aber seine Arbeit stellt sich nicht dar im Werte der Ware und einem Überschuß über ihrem eignen Wert, nicht in einem Preise von 10, der zugleich ein Preis von 11, nicht in einem Wert, der größer als er selbst ist. Der Warenbesitzer kann durch seine Arbeit Werte bilden, aber keine sich verwertenden Werte. Er kann den Wert einer Ware erhöhn, indem er vorhandnem Wert neuen Wert durch neue Arbeit zusetzt, z.B. aus Leder Stiefel macht.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.179f.)


Ware Arbeitskraft[Bearbeiten]

Schlagworte

Arbeitskraft, Wert, Gebrauchswert, Arbeitsvermögen, Kapitalist, Geldbesitzer, Arbeiter, Warenbesitzer, Eigentum, Kapital, Warenmarkt, Freiheit, Ware, Produktion, Reproduktion, Arbeitszeit, Lebensmittel, Grenze, Minimum

Annahme 1

Der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft ist es Wert zu schaffen. Zur Arbeitskraft zählen alle körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die beim Arbeiten benutzt werden.


„Die Veränderung muß sich also zutragen mit der Ware, die im ersten Akt G – W gekauft wird, aber nicht mit ihrem Wert, denn es werden Äquivalente ausgetauscht, die Ware wird zu ihrem Werte bezahlt. Die Veränderung kann also nur entspringen aus ihrem Gebrauchswert als solchem, d. h. aus ihrem Verbrauch. Um aus dem Verbrauch einer Ware Wert herauszuziehn, müßte unser Geldbesitzer so glücklich sein, innerhalb der Zirkulationssphäre, auf dem Markt, eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein, deren wirklicher Verbrauch also selbst Vergegenständlichung von Arbeit wäre, daher Wertschöpfung. Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Ware vor – das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft. Unter Arbeitskraft oder Arbeitsvermögen verstehen wir den Inbegriff der physischen und geistigen Fähigkeiten, die in der Leiblichkeit, der lebendigen Persönlichkeit eines Menschen existieren und die er in Bewegung setzt, sooft er Gebrauchswerte irgendeiner Art produziert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.181)


Annahme 2

Der Kapitalist und der Arbeiter begegnen sich als juristisch gleiche Personen, als ebenbürtige Warenbesitzer auf dem Markt. Der einzige Unterschied ist, dass der eine Käufer, der andere Verkäufer ist. Der Arbeiter muss immer Besitzer seiner Ware, also Arbeitskraft, sein und kann sie somit nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stellen.


„Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis zueinander als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden, daß der eine Käufer, der andre Verkäufer, beide also juristisch gleiche Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für bestimmte Zeit verkaufe, denn verkauft er sie in Bausch und Bogen, ein für allemal, so verkauft er sich selbst, verwandelt sich aus einem Freien in einen Sklaven, aus einem Warenbesitzer in eine Ware. Er als Person muß sich beständig zu seiner Arbeitskraft als seinem Eigentum und daher seiner eignen Ware verhalten, und das kann er nur, soweit er sie dem Käufer stets nur vorübergehend, für einen bestimmten Zeittermin, zur Verfügung stellt, zum Verbrauch überläßt, also durch ihre Veräußerung nicht auf sein Eigentum an ihr verzichtet.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.182)


Annahme 3

Voraussetzung für die Verwandlung von Geld in Kapital ist, dass es Arbeiter auf dem Warenmarkt gibt. Die Arbeiter müssen über ihre Arbeitskraft als Ware verfügen können und besitzen keine eigenen Produktionsmittel.


„Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, daß er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.183)


Annahme 4

Der Wert der Ware Arbeitskraft wird gemessen an dem Wert der Summe der Lebensmittel, die der Arbeiter benötigt, um existieren zu können, sowie sich selbst fortzupflanzen.


„Die Arbeitskraft existiert nur als Anlage des lebendigen Individuums. Ihre Produktion setzt also seine Existenz voraus. Die Existenz des Individuums gegeben, besteht die Produktion der Arbeitskraft in seiner eignen Reproduktion oder Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe von Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.185)


Annahme 5

Besonderheit des Werts der Ware Arbeitskaft: Er ist beeinflussbar; abhängig von der Kulturstufe, den Ansprüchen, die die Arbeiter stellen, die sich historisch entwickelt haben und als natürliche Bedürfnisse gelten.


„Die Summe der Lebensmittel muß also hinreichen, das arbeitende Individuum als arbeitendes Individuum in seinem normalen Lebenszustand zu erhalten. Die natürlichen Bedürfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usw., sind verschieden je nach den klimatischen und andren natürlichen Eigentümlichkeiten eines Landes. Andrerseits ist der Umfang sog. notwendiger Bedürfnisse, wie die Art ihrer Befriedigung, selbst ein historisches Produkt und hängt daher großenteils von der Kulturstufe eines Landes, unter andrem auch wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen, und daher mit welchen Gewohnheiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien Arbeiter sich gebildet hat. Im Gegensatz zu den andren Waren enthält also die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element. Für ein bestimmtes Land, zu einer bestimmten Periode jedoch, ist der Durchschnitts-Umkreis der notwendigen Lebensmittel gegeben.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.185)


Annahme 6

Da der Wert der Ware Arbeitskraft an der Summe der Lebensmittel gemessen wird, die der Arbeiter zur Reproduktion seiner Arbeitskraft benötigt, verändert sich dieser Wert, wenn der Wert der Lebensmittel sich verändert.


„Der Wert der Arbeitskraft löst sich auf in den Wert einer bestimmten Summe von Lebensmitteln. Er wechselt daher auch mit dem Wert dieser Lebensmittel, d. h. der Größe der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.186)


Annahme 7

Die Minimalgrenze des Werts der Ware Arbeitskraft ist erreicht, wenn ein weiteres Absenken dazu führen würde, dass die tägliche Reproduktion des Arbeiters nicht mehr gewährleistet wäre und er sterben würde.


„Die letzte Grenze oder Minimalgrenze des Werts der Arbeitskraft wird gebildet durch den Wert einer Warenmasse, ohne deren tägliche Zufuhr der Träger der Arbeitskraft, der Mensch, seinen Lebensprozeß nicht erneuern kann, also durch den Wert der physisch unentbehrlichen Lebensmittel.
Sinkt der Preis der Arbeitskraft auf dieses Minimum, so sinkt er unter ihren Wert, denn sie kann sich so nur in verkümmerter Form erhalten und entwickeln. Der Wert jeder Ware ist aber bestimmt durch die Arbeitszeit, erfordert, um sie in normaler Güte zu liefern.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.187)


Konstantes und variables Kapital[Bearbeiten]

Schlagworte

Arbeitskraft, lebendige Arbeit, Kapital, Produktionsmittel, Verausgabung, Produkt, Wert, Konstantes Kapital, Variables Kapital, Verwertungsprozess, Wertzusammensetzung, Technische Zusammensetzung des Kapitals, Organische Zusammensetzung des Kapitals

Annahme 1

Im Arbeitsprozess überträgt der Arbeiter den Wert der verwendeten Produktionsmittel (Rohstoffe, Hilfsstoffe, Teilwert der verwendeten Maschinen) und schafft neuen Wert durch seine hinzugefügte Arbeit.


„Es ist also eine Naturgabe der sich betätigenden Arbeitskraft, der lebendigen Arbeit, Wert zu erhalten, indem sie Wert zusetzt, eine Naturgabe, die dem Arbeiter nichts kostet, aber dem Kapitalisten viel einbringt, die Erhaltung des vorhandnen Kapitalwerts.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.221)


„In ihrer abstrakten, allgemeinen Eigenschaft also, als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, setzt die Arbeit des Spinners den Werten von Baumwolle und Spindel Neuwert zu, und in ihrer konkreten, besondren, nützlichen Eigenschaft als Spinnprozeß, überträgt sie den Wert dieser Produktionsmittel auf das Produkt und erhält so ihren Wert im Produkt. Daher die Doppelseitigkeit ihres Resultats in demselben Zeitpunkt. Durch das bloß quantitative Zusetzen von Arbeit wird neuer Wert zugesetzt, durch die Qualität der zugesetzten Arbeit werden die alten Werte der Produktionsmittel im Produkt erhalten.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.215)


Annahme 2

Konstantes Kapital sind Ausgaben für Rohmaterialien, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel, die ihre Wertgröße im Produktionsprozess nicht verändern. Variables Kapital ist die Bezahlung der Arbeitskraft. Die Arbeitskraft überträgt nicht nur ihren eigenen Wert auf das Produkt, sondern schafft zusätzlich neuen (Mehrwert), der mal größer, mal kleiner sein kann.


„Der Überschuß des Gesamtwerts des Produkts über die Wertsumme seiner Bildungselemente ist der Überschuß des verwerteten Kapitals über den ursprünglich vorgeschoßnen Kapitalwert. Produktionsmittel auf der einen Seite, Arbeitskraft auf der andren sind nur die verschiednen Existenzformen, die der ursprüngliche Kapitalwert annahm bei Abstreifung seiner Geldform und seiner Verwandlung in die Faktoren des Arbeitsprozesses.
Der Teil des Kapitals also, der sich in Produktionsmittel, d. h. in Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel umsetzt, verändert seine Wertgröße nicht im Produktionsprozeß. Ich nenne ihn daher konstanten Kapitalteil, oder kürzer: konstantes Kapital.
Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert dagegen seinen Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert sein eignes Äquivalent und einen Überschuß darüber, Mehrwert, der selbst wechseln, größer oder kleiner sein kann. Aus einer konstanten Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapitals fortwährend in eine variable. Ich nenne ihn daher variablen Kapitalteil, oder kürzer: variables Kapital. Dieselben Kapitalbestandteile, die sich vom Standpunkt des Arbeitsprozesses als objektive und subjektive Faktoren, als Produktionsmittel und Arbeitskraft unterscheiden, unterscheiden sich vom Standpunkt des Verwertungsprozesses als konstantes Kapital und variables Kapital.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.223f.)


Annahme 3

Der Teil des Mehrwerts, der in Kapital verwandelt wird, teilt sich in konstantes und variables Kapital. Ein Teil wird also für den Kauf von Produktionsmitteln, der andere für den Kauf von Arbeitskräften genutzt.


„Nach dieser Vorstellung würde aller Mehrwert, der in Kapital verwandelt wird, zu variablem Kapital. Er teilt sich vielmehr, wie der ursprünglich vorgeschoßne Wert, in konstantes Kapital und variables Kapital, in Produktionsmittel und Arbeitskraft. Arbeitskraft ist die Form, worin das variable Kapital innerhalb des Produktionsprozesses existiert. In diesem Prozeß wird sie selbst vom Kapitalisten verzehrt. Sie verzehrt durch ihre Funktion - die Arbeit - Produktionsmittel. Zugleich verwandelt sich das im Ankauf der Arbeitskraft gezahlte Geld in Lebensmittel, die nicht von der „produktiven Arbeit", sondern vom „produktiven Arbeiter" verzehrt werden.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.616)


Annahme 4

Das Kapital teilt sich dem Wert nach in einen konstanten und einen variablen Teil. Dem Stoff nach in Produktionsmittel und Arbeitskraft. Das erste ist die Wertzusammensetzung, das zweite die technische Zusammensetzung. Diese sind in enger Wechselbeziehung. Die Wertzusammensetzung ist bestimmt durch und spiegelt die technische Zusammensetzung wider, sie ist die organische Zusammensetzung. Wenn von Zusammensetzung des Kapitals die Rede ist, ist seine organische Zusammensetzung zu verstehen. 


„Die Zusammensetzung des Kapitals ist in zweifachem Sinn zu fassen. Nach der Seite des Werts bestimmt sie sich durch das Verhältnis, worin es sich teilt in konstantes Kapital oder Wert der Produktionsmittel und variables Kapital oder Wert der Arbeitskraft, Gesamtsumme der Arbeitslöhne. Nach der Seite des Stoffs, wie er im Produktionsprozeß fungiert, teilt sich jedes Kapital in Produktionsmittel und lebendige Arbeitskraft; diese Zusammensetzung bestimmt sich durch das Verhältnis zwischen der Masse der angewandten Produktionsmittel einerseits und der zu ihrer Anwendung erforderlichen Arbeitsmenge andrerseits. Ich nenne die erstere die Wertzusammensetzung, die zweite die technische Zusammensetzung des Kapitals. Zwischen beiden besteht enge Wechselbeziehung. Um diese auszudrücken, nenne ich die Wertzusammensetzung des Kapitals, insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt wird und deren Änderungen widerspiegelt: die organische Zusammensetzung des Kapitals. Wo von der Zusammensetzung des Kapitals kurzweg die Rede ist, ist stets seine organische Zusammensetzung zu verstehn.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.640)


Die Mehrwertrate[Bearbeiten]

Schlagworte

Konstantes Kapital, Variables Kapital, Mehrwertrate, Exploitationsgrad, Mehrprodukt, Mehrwert

Annahme 1

Damit das variable Kapital sich verwerten kann, braucht es vorgeschossenes konstantes Kapital in entsprechenden Proportionen.


„Um einen Teil des Kapitals durch seinen Umsatz in Arbeitskraft zu verwerten, muß ein andrer Teil des Kapitals in Produktionsmittel verwandelt werden. Damit das variable Kapital funktioniere, muß konstantes Kapital in entsprechenden Proportionen, je nach dem bestimmten technischen Charakter des Arbeitsprozesses, vorgeschossen werden.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.229f.)


Annahme 2

Die Mehrwertrate (m´) bestimmt das Verhältnis des Mehrwerts (m) zu den Lohnkosten (v) oder der Mehrarbeitszeit zu der notwenigen Arbeitszeit.(m´) = Mehrwert (m) / variables Kapital (v) oder Mehrarbeitszeit / notwendige Arbeitszeit. Somit lässt sich durch die Mehrwertrate der Ausbeutungsgrad des Arbeiters durch den Kapitalisten bestimmen.


„Der Mehrwert verhält sich zum variablen Kapital, wie die Mehrarbeit zur notwendigen, oder die Rate des Mehrwerts m (geteilt durch) v gleich Mehrarbeit (geteilt durch) Notwendige Arbeit. Beide Proportionen drücken dasselbe Verhältnis in verschiedner Form aus, das eine Mal in der Form vergegenständlichter, das andre Mal in der Form flüssiger Arbeit. Die Rate des Mehrwerts ist daher der exakte Ausdruck für den Exploitationsgrad der Arbeitskraft durch das Kapital oder des Arbeiters durch den Kapitalisten.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.231f.)


Annahme 3

Zweck der kapitalistischen Produktion ist die des Mehrwerts. Gemessen wird er nicht an der absoluten Größe des Produkts, sondern an der relativen Größe des Mehrprodukts.


„Wie die Produktion von Mehrwert der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion, so mißt nicht die absolute Größe des Produkts, sondern die relative Größe des Mehrprodukts den Höhegrad des Reichtums.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.243f.)


Der Arbeitstag[Bearbeiten]

Schlagworte

Länge des Arbeitstags, Arbeitstag, notwendige Arbeit, Minimalgrenze des Arbeitstags, Maximalgrenze des Arbeitstags, Klassenkampf, Recht als Käufer/Verkäufer, Klassenkampf, Notwendigkeit der Organisierung der Arbeiter, Staatsgesetz

Annahme 1

Die Länge des Arbeitstags hat gewisse Schranken, in denen sie variieren kann.


„Obgleich nun der Arbeitstag keine feste, sondern eine fließende Größe ist, kann er andrerseits nur innerhalb gewisser Schranken variieren.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.246)


Annahme 2

In der kapitalistischen Produktionsweise kann sich der Arbeitstag nie nur auf den Teil der notwendigen Arbeit verkürzen.


„Auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise kann die notwendige Arbeit […] immer nur einen Teil seines [des Arbeiters] Arbeitstages bilden, der Arbeitstag sich also nie auf dies Minimum verkürzen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.246)


Annahme 3

Die Maximalgrenze ist doppelt bestimmt. Der Arbeiter hat eine physische Grenze. Ein Teil des Tages muss er schlafen, essen, sich reinigen etc. Und es gibt eine moralische Grenze. Der Arbeiter braucht Zeit, geistige und soziale Bedürfnisse zu befriedigen, deren Umfang abhängig vom allgemeinen Kulturzustand ist.


„Er ist über eine gewisse Grenze hinaus nicht verlängerbar. Diese Maximalschranke ist doppelt bestimmt. Einmal durch die physische Schranke der Arbeitskraft. Ein Mensch kann während des natürlichen Tags von 24 Stunden nur ein bestimmtes Quantum Lebenskraft verausgaben. So kann ein Pferd tagaus, tagein nur 8 Stunden arbeiten. Während eines Teils des Tags muß die Kraft ruhen, schlafen, während eines andren Teils hat der Mensch andre physische Bedürfnisse zu befriedigen, sich zu nähren, reinigen, kleiden usw. Außer dieser rein physischen Schranke stößt die Verlängrung des Arbeitstags auf moralische Schranken. Der Arbeiter braucht Zeit zur Befriedigung geistiger und sozialer Bedürfnisse, deren Umfang und Zahl durch den allgemeinen Kulturzustand bestimmt sind. Die Variation des Arbeitstags bewegt sich daher innerhalb physischer und sozialer Schranken. Beide Schranken sind aber sehr elastischer Natur und erlauben den größten Spielraum. So finden wir Arbeitstage von 8, 10, 12, 14, 16, 18 Stunden, also von der verschiedensten Länge.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.246f.)


Annahme 4

Aus Sicht des Kapitalisten darf er größtmöglichen Nutzen aus seiner gekauften Ware Arbeitskraft herauszuschlagen, wie jeder andere auch aus seiner gekauften Ware. Das konstante (tote) Kapital und die Produktionsmittel sind nur da, um lebendige Arbeit einzusaugen. Das Interesse des Kapitalisten ist es sein Kapital zu verwerten und so viel Mehrwert wie möglich zu schaffen.
Der Kapitalist kauft den Gebrauchswert der Arbeitskraft, der Arbeiter erhält den Tauschwert. Dennoch zieht der Kapitalist Mehrwert aus diesem Tausch, der den Gesetzen des Warentauschs entspricht.


„Der Kapitalist hat die Arbeitskraft zu ihrem Tageswert gekauft. Ihm gehört ihr Gebrauchswert während eines Arbeitstags. Er hat also das Recht erlangt, den Arbeiter während eines Tags für sich arbeiten zu lassen. Aber was ist ein Arbeitstag? Jedenfalls weniger als ein natürlicher Lebenstag. Um wieviel? Der Kapitalist hat seine eigne Ansicht über dies ultima Thüle, die notwendige Schranke des Arbeitstags. Als Kapitalist ist er nur personifiziertes Kapital. Seine Seele ist die Kapitalseele. Das Kapital hat aber einen einzigen Lebenstrieb, den Trieb, sich zu verwerten, Mehrwert zu schaffen, mit seinem konstanten Teil, den Produktionsmitteln, die größtmögliche Masse Mehrarbeit einzusaugen. Das Kapital ist verstorbne Arbeit, die sich nur vampyrmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit und um so mehr lebt, je mehr sie davon einsaugt. Die Zeit, während deren der Arbeiter arbeitet, ist die Zeit, während deren der Kapitalist die von ihm gekaufte Arbeitskraft konsumiert. Konsumiert der Arbeiter seine disponible Zeit für sich selbst, so bestiehlt er den Kapitalisten.
Der Kapitalist beruft sich also auf das Gesetz des Warenaustausches. Er, wie jeder andre Käufer, sucht den größtmöglichen Nutzen aus dem Gebrauchswert seiner Ware herauszuschlagen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.223f.)


Annahme 5

Stillliegendes konstantes Kapital bringt Verlust. Die Ausdehnung der Arbeitszeit in die Nacht hinein und generell auf alle 24 Stunden des Tages ist Trieb der kapitalistischen Produktion.


„Das konstante Kapital, die Produktionsmittel, sind, vom Standpunkt des Verwertungsprozesses betrachtet, nur da, um Arbeit und mit jedem Tropfen Arbeit ein proportionelles Quantum Mehrarbeit einzusaugen. Soweit sie das nicht tun, bildet ihre bloße Existenz einen negativen Verlust für den Kapitalisten, denn sie repräsentieren während der Zeit, wo sie brachliegen, nutzlosen Kapitalvorschuß, und dieser Verlust wird positiv, sobald die Unterbrechung zusätzliche Auslagen nötig macht für den Wiederbeginn des Werks. Die Verlängrung des Arbeitstags über die Grenzen des natürlichen Tags in die Nacht hinein wirkt nur als Palliativ, stillt nur annähernd den Vampyrdurst nach lebendigem Arbeitsblut. Arbeit während aller 24 Stunden des Tags anzueignen ist daher der immanente Trieb der kapitalistischen Produktion.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.271f.)


Annahme 6

Von den elastischen Schranken abgesehen, gibt es keine Grenze des Arbeitstages. Der Kapitalist als Käufer will den Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft so lange wie möglich nutzen. Der Arbeiter als Verkäufer behauptet sein Recht, den Arbeitstag auf eine Normalgröße zu beschränken. Hier bringt die kapitalistische Produktionsweise also den Klassenkampf hervor, damit einhergehend auch die Formierung der vielen einzelnen Kapitalisten zur Bourgeoisie und die Formierung der vielen einzelnen Angehörigen der Arbeiterklasse zu einer gemeinsam handelnden Arbeiterklasse.


„Man sieht: Von ganz elastischen Schranken abgesehn, ergibt sich aus der Natur des Warenaustausches selbst keine Grenze des Arbeitstags, also keine Grenze der Mehrarbeit. Der Kapitalist behauptet sein Recht als Käufer, wenn er den Arbeitstag so lang als möglich und womöglich aus einem Arbeitstag zwei zu machen sucht. Andrerseits schließt die spezifische Natur der verkauften Ware eine Schranke ihres Konsums durch den Käufer ein, und der Arbeiter behauptet sein Recht als Verkäufer, wenn er den Arbeitstag auf eine bestimmte Normalgröße beschränken will. Es findet hier also eine Antinomie statt, Recht wider Recht, beide gleichmäßig durch das Gesetz des Warenaustausches besiegelt. Zwischen gleichen Rechten entscheidet die Gewalt. Und so stellt sich in der Geschichte der kapitalistischen Produktion die Normierung des Arbeitstags als Kampf um die Schranken des Arbeitstags dar – ein Kampf zwischen dem Gesamtkapitalisten, d.h. der Klasse der Kapitalisten, und dem Gesamtarbeiter, oder der Arbeiterklasse.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.249)


Annahme 7

Historisch zeigt sich die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Arbeiter als Klasse um einen Normalarbeitstag zu erreichen. Ab einer gewissen Reifestufe der kapitalistischen Produktion ist der einzelne Arbeiter machtlos.


„Die Geschichte der Reglung des Arbeitstags in einigen Produktionsweisen, in andren der noch fortdauernde Kampf um diese Reglung, beweisen handgreiflich, daß der vereinzelte Arbeiter, der Arbeiter als ‚freier‘ Verkäufer seiner Arbeitskraft, auf gewisser Reifestufe der kapitalistischen Produktion, widerstandslos unterliegt. Die Schöpfung eines Normalarbeitstags ist daher das Produkt eines langwierigen, mehr oder minder versteckten Bürgerkriegs zwischen der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.316)


Annahme 8

Die Arbeiter als Klasse müssen zu ihrem eigenen Schutze ein Staatsgesetz erzwingen, ein Vertrag mit den Kapitalisten eingehen, um sich nicht individuell zu Tode zu arbeiten.


„Zum ‚Schutz‘ gegen die Schlange ihrer Qualen müssen die Arbeiter ihre Köpfe zusammenrotten und als Klasse ein Staatsgesetz erzwingen, ein übermächtiges gesellschaftliches Hindernis, das sie selbst verhindert, durch freiwilligen Kontrakt mit dem Kapital sich und ihr Geschlecht in Tod und Sklaverei zu verkaufen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.320)


Annahme 9

Der Kapitalist passt auf, dass der Arbeiter mit Intensität Arbeit verrichtet. Kapital wird zum Zwangsverhältnis, welches die Arbeiterklasse nötigt, mehr Arbeit zu verrichten, als der enge Kreis der Lebensbedürfnisse vorschrieb.
Hoher Grad der Ausbeutung der Arbeitskraft.


„Innerhalb des Produktionsprozesses entwickelte sich das Kapital zum Kommando über die Arbeit, d.h. über die sich betätigende Arbeitskraft oder den Arbeiter selbst. Das personifizierte Kapital, der Kapitalist, paßt auf, daß der Arbeiter sein Werk ordentlich und mit dem gehörigen Grad von Intensität verrichte. Das Kapital entwickelte sich ferner zu einem Zwangsverhältnis, welches die Arbeiterklasse nötigt, mehr Arbeit zu verrichten, als der enge Umkreis ihrer eignen Lebensbedürfnisse vorschrieb. Und als Produzent fremder Arbeitsamkeit, als Auspumper von Mehrarbeit und Exploiteur von Arbeitskraft übergipfelt es an Energie, Maßlosigkeit und Wirksamkeit alle frühern auf direkter Zwangsarbeit beruhenden Produktionssysteme.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.328)


Annahme 10

Produktionsmittel wenden den Arbeiter an. Sie verzehren ihn als Element ihres eigenen Lebensprozesses, als Lebensprozess des Kapitals. Das bedeutet die Verkehrung der Verhältnisses von toter und lebendiger Arbeit.


„Es ist nicht mehr der Arbeiter, der die Produktionsmittel anwendet, sondern es sind die Produktionsmittel, die den Arbeiter anwenden. Statt von ihm als stoffliche Elemente seiner produktiven Tätigkeit verzehrt zu werden, verzehren sie ihn als Ferment ihres eignen Lebensprozesses, und der Lebensprozeß des Kapitals besteht nur in seiner Bewegung als sich selbst verwertender Wert. Schmelzöfen und Arbeitsgebäude, die des Nachts ruhn und keine lebendige Arbeit einsaugen, sind ‚reiner Verlust‘ (‚mere loss‘) für den Kapitalisten. Darum konstituieren Schmelzöfen und Arbeitsgebäude einen ‚Anspruch auf die Nachtarbeit‘ der Arbeitskräfte. Die bloße Verwandlung des Geldes in gegenständliche Faktoren des Produktionsprozesses, in Produktionsmittel, verwandelt letztre in Rechtstitel und Zwangstitel auf fremde Arbeit und Mehrarbeit.
Wie diese der kapitalistischen Produktion eigentümliche und sie charakterisierende Verkehrung, ja Verrückung des Verhältnisses von toter und lebendiger Arbeit, von Wert und wertschöpferischer Kraft, sich im Bewusstsein der Kapitalistenköpfe abspiegelt [...]“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.329)


Der Arbeitslohn[Bearbeiten]

Schlagworte

Preis der Arbeitskraft, Wert der Arbeitskraft, Verelendung der Arbeiterklasse, bezahlte Arbeit, unbezahlte Arbeit, notwendige Arbeit, Mehrarbeit, Stundenlohn

Annahme 1

Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch den Wert der gewohnheitsmäßig notwendigen Lebensmittel des Durchschnittsarbeiters.
Die relativen Größen von Preis der Arbeitskraft und von Mehrwert werden durch drei Umstände bedingt: 1. die Länge des Arbeitstags, 2. die Intensität der Arbeit und 3. endlich die Produktivkraft der Arbeit.


„Der Wert der Arbeitskraft ist bestimmt durch den Wert der gewohnheitsmäßig notwendigen Lebensmittel des Durchschnittsarbeiters. Die Masse dieser Lebensmittel, obgleich ihre Form wechseln mag, ist in einer bestimmten Epoche einer bestimmten Gesellschaft gegeben und daher als konstante Größe zu behandeln. Was wechselt, ist der Wert dieser Masse. Zwei andre Faktoren gehn in die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein. Einerseits ihre Entwicklungskosten, die sich mit der Produktionsweise ändern, andrerseits ihre Naturdifferenz, ob sie männlich oder weiblich, reif oder unreif. Der Verbrauch dieser differenten Arbeitskräfte, wieder bedingt durch die Produktionsweise, macht großen Unterschied in den Reproduktionskosten der Arbeiterfamilie und dem Wert des erwachsnen männlichen Arbeiters. Beide Faktoren bleiben jedoch bei der folgenden Untersuchung ausgeschlossen . Wir unterstellen. 1. daß die Waren zu ihrem Wert verkauft werden, 2. daß der Preis der Arbeitskraft wohl gelegentlich über ihren Wert steigt, aber nie unter ihn sinkt.
Dies einmal unterstellt, fand sich, daß die relativen Größen von Preis der Arbeitskraft und von Mehrwert durch drei Umstände bedingt sind: 1. die Länge des Arbeitstags oder die extensive Größe der Arbeit; 2. die normale Intensität der Arbeit oder ihre intensive Größe, so daß ein bestimmtes Arbeitsquantum in bestimmter Zeit verausgabt wird; 3. endlich die Produktivkraft der Arbeit, so daß je nach dem Entwicklungsgrad der Produktionsbedingungen dasselbe Quantum Arbeit in derselben Zeit ein größeres oder kleineres Quantum Produkt liefert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.542)


Annahme 2

Der Preis der Arbeitskraft könnte bei steigender Produktivkraft sinken, bei gleichzeitigem Wachstum der Lebensmittelmasse des Arbeiters. Aber im Vergleich zum Mehrwert sänke der Arbeitslohn. Die Kluft zwischen den Lebenslagen der Arbeiter und Kapitalisten wächst.


„Der Preis der Arbeitskraft könnte so bei steigender Produktivkraft der Arbeit beständig fallen mit gleichzeitigem, fortwährendem Wachstum der Lebensmittelmasse des Arbeiters. Relativ aber, d.h. verglichen mit dem Mehrwert, sänke der Wert der Arbeitskraft beständig und erweiterte sich also die Kluft zwischen den Lebenslagen von Arbeiter und Kapitalist.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.546)


Annahme 3

Die Form des Arbeitslohn verschleiert die Teilung des Arbeitstages in bezahlte und unbezahlte Arbeit.


„Die Form des Arbeitslohns löscht also jede Spur der Teilung des Arbeitstags in notwendige Arbeit und Mehrarbeit, in bezahlte und unbezahlte Arbeit aus. Alle Arbeit erscheint als bezahlte Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.562f.)


Annahme 4

Bei Zahlung einzelner Arbeitsstunden wird der Zusammenhang zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit aufgehoben. Dem Arbeiter ist nicht garantiert auf die notwendige Arbeitszeit zu kommen um seine Selbsterhaltung zu gewährleisten.


„Wird der Stundenlohn in der Weise fixiert, daß der Kapitalist sich nicht zur Zahlung eines Tages- oder Wochenlohns verpflichtet, sondern nur zur Zahlung der Arbeitsstunden, während deren es ihm beliebt, den Arbeiter zu beschäftigen, so kann er ihn unter der Zeit beschäftigen, die der Schätzung des Stundenlohns oder der Maßeinheit für den Preis der Arbeit ursprünglich zugrunde liegt. Da diese Maßeinheit bestimmt ist durch die Proportion Tageswert der Arbeitskraft/Arbeitstag von gegebener Stundenzahl, verliert sie natürlich allen Sinn, sobald der Arbeitstag aufhört, eine bestimmte Stundenzahl zu zählen. Der Zusammenhang zwischen der bezahlten und unbezahlten Arbeit wird aufgehoben. Der Kapitalist kann jetzt ein bestimmtes Quantum Mehrarbeit aus dem Arbeiter herausschlagen, ohne ihm die zu seiner Selbsterhaltung notwendige Arbeitszeit einzuräumen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.568)


Produktive und unproduktive Arbeit im Kapitalismus[Bearbeiten]

Schlagworte

Produktive Arbeit, Mehrwert, Kaufmann, Kaufmannskapital, Zirkulationsprozess, Wert, industrielles Kapital, unbezahlte Arbeit, Zirkulationskosten, Profitrate, Kopfarbeit, Handarbeit, Gesamtarbeiter

Annahme 1

Für die Bourgoisie ist produktive Arbeit die, die Mehrwert schafft, die sich also in Kapital verwandelt.


„Bloß die bürgerliche Borniertheit, die die kapitalistische Formen der Produktion für die absoluten Formen derselben hält – daher für ewige Naturformen der Produktion – kann die Frage, was produktive Arbeit vom Standpunkt des Kapitals aus ist, mit der Frage, welche Arbeit überhaupt produktiv ist oder was produktive Arbeit überhaupt ist, verwechseln und daher sich sehr weise dünken in der Antwort, daß jede Arbeit, die überhaupt etwas produziert, in irgendetwas resultiert, von sich aus produktive Arbeit ist. [...] Nur die Arbeit, die sich direkt in Kapital verwandelt, ist produktiv; [...] Arbeit, die Mehrwert setzt oder dem Kapital als Hebel dient, Mehrwert zu setzen und daher sich als Kapital, als sich verwertenden Wert zu setzen.“
(Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW Band 26, S.369)


Annahme 2

Es gibt gesellschaftlich notwendige Bereiche, die keine Werte – und damit keinen Mehrwert – schaffen, weil sich die dort geleistete Arbeit nicht in Produkten materialisiert. Unproduktive Arbeit hat den Nutzen, einen geringeren Teil der Arbeitskraft der Gesellschaft zu binden.


„Er [der Kaufmann] verrichtet eine notwendige Funktion, weil der Reproduktionsprozess selbst unproduktive Funktionen einschließt. Er arbeitet so gut wie ein anderer, aber der Inhalt seiner Arbeit schafft weder Wert noch Produkt. Er selbst gehört zu den faux frais der Produktion. Sein Nutzen besteht nicht darin, eine unproduktive in eine produktive zu verwandeln, oder unproduktive Arbeit in produktive. […] Sein Nutzen besteht vielmehr darin, dass ein geringerer Teil der Arbeitskraft und Arbeitszeit der Gesellschaft in dieser unproduktiven Form gebunden wird.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.133f.)


Annahme 3

Im Zirkulationsprozess wird kein Wert und damit kein Mehrwert produziert.


„Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Zirkulationssphäre fungierendes Kapital. Der Zirkulationsprozeß ist eine Phase des gesamten Reproduktionsprozesses. Aber im Zirkulationsprozeß wird kein Wert produziert, also auch kein Mehrwert.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.290)


Annahme 4

Das industrielle Kapital produziert den Mehrwert durch direkte Aneignung unbezahlter, fremder Arbeit. Das Kaufmannskapital eignet sich einen Teil dieses Mehrwerts an.


„Das Verhältnis des Kaufmannskapitals zum Mehrwert ist ein anderes als das des industriellen Kapitals. Das letztere produziert den Mehrwert durch direkte Aneignung unbezahlter fremder Arbeit. Das erstere eignet sich einen Teil dieses Mehrwerts an, indem es diesen Teil vom industriellen Kapital auf sich übertragen lässt.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.304)


Annahme 5

Dem industriellen Kapital sind die Zirkulationskosten Unkosten, für das Handelskapital Quelle des Profits.


„Dem industriellen Kapital erscheinen und sind die Zirkulationskosten Unkosten. Dem Kaufmann erscheinen sie als Quelle seines Profits, der – die allgemeine Profitrate vorausgesetzt – im Verhältnis zur Größe derselben steht.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.313.)


Annahme 6

Im kooperativen Arbeitsprozess wird unterteilt in Hand- und Kopfarbeit. Im Sinne des Gesamtarbeiters verrichten aber beide Teile produktive Arbeit.


„Wie im Natursystem Kopf und Hand zusammengehören, vereint der Arbeitsprozeß Kopfarbeit und Handarbeit. Später scheiden sie sich bis zum feindlichen Gegensatz. Das Produkt verwandelt sich überhaupt aus dem unmittelbaren Produkt des individuellen Produzenten in ein gesellschaftliches, in das gemeinsame Produkt eines Gesamtarbeiters, d.h. eines kombinierten Arbeitspersonals, dessen Glieder der Handhabung des Arbeitsgegenstandes näher oder ferner stehn. Mit dem kooperativen Charakter des Arbeitsprozesses selbst erweitert sich daher notwendig der Begriff der produktiven Arbeit und ihres Trägers, des produktiven Arbeiters. Um produktiv zu arbeiten, ist es nun nicht mehr nötig, selbst Hand anzulegen; es genügt, Organ des Gesamtarbeiters zu sein, irgendeine seiner Unterfunktionen zu vollziehn.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.531)


Absolute Mehrwertproduktion[Bearbeiten]

Schlagworte

Exploitationsgrad, variables Kapital

Annahme 1

Unter absoluter Mehrwertproduktion versteht Marx die Verschärfung der Ausbeutung durch die Verlängerung des Arbeitstages, damit also der Verlängerung der Mehrarbeit, und durch die Abnahme der beschäftigten Arbeiter.


„Verminderung des variablen Kapitals ist […] ausgleichbar durch proportionelle Erhöhung im Exploitationsgrad der Arbeitskraft oder die Abnahme in der Anzahl der beschäftigten Arbeiter durch proportionelle Verlängerung des Arbeitstags.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.322f.)


„Durch Verlängrung des Arbeitstags produzierten Mehrwert nenne ich absoluten Mehrwert; […]“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.334)


Relative Mehrwertproduktion[Bearbeiten]

Schlagworte

Länge des Arbeitstags, Mehrwertproduktion, Mehrarbeit, notwendige Arbeit, relativer Mehrwert, Notwendige Arbeit, Wert der Arbeitskraft, Produktivkraftentwicklung, Produktivkraftsteigerung, Mehrwertrate

Annahme 1

Wenn der Teil der Arbeitszeit, den der Arbeiter für seine Reproduktion braucht (notwendige Arbeitszeit), verkürzt wird, ohne dass sich die gesamte Arbeitszeit reduziert, erzielt der Kapitalist eine relative Mehrwertsteigerung. Die Verlängerung des Arbeitstages führt zu einer absoluten Mehrwertsteigerung.


„Wie kann nun die Produktion von Mehrwert vergrößert, d.h. die Mehrarbeit verlängert werden, ohne jede weitere Verlängrung oder unabhängig von jeder weiteren Verlängrung [des Arbeitstages] […]?“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.331)


„Der Verlängrung der Mehrarbeit entspräche die Verkürzung der notwendigen Arbeit, oder ein Teil der Arbeitszeit, die der Arbeiter bisher in der Tat für sich selbst verbraucht, verwandelt sich in Arbeitszeit für den Kapitalisten. Was verändert, wäre nicht die Länge des Arbeitstags, sondern seine Teilung in notwendige Arbeit und Mehrarbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.321f.)


„Durch Verlängrung des Arbeitstags produzierten Mehrwert nenne ich absoluten Mehrwert; den Mehrwert dagegen, der aus Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und entsprechender Verändrung im Größenverhältnis der beiden Bestandteile des Arbeitstags entspringt – relativen Mehrwert“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.334)


Annahme 2

Die notwendige Arbeitszeit kann sich nur verkürzen, wenn der Wert der Ware Arbeitskraft sinkt. Dieser kann nur sinken, wenn die Masse Lebensmittel in kürzerer Arbeitszeit hergestellt wird und damit geringeren Wert hat. Dies ist jedoch ohne eine Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit unmöglich.


„Bei gegebner Länge des Arbeitstags muß die Verlängrung der Mehrarbeit aus der Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit entspringen, […] in unsrem Beispiel muß der Wert der Arbeitskraft wirklich um ein Zehntel sinken, damit die notwendige Arbeitszeit um ein Zehntel abnehme, von 10 auf 9 Stunden, und daher die Mehrarbeit sich von 2 auf 3 Stunden verlängre. Eine solche Senkung des Werts der Arbeitskraft um ein Zehntel bedingt aber ihrerseits, daß dieselbe Masse Lebensmittel, die früher in 10, jetzt in 9 Stunden produziert wird. Dies ist jedoch unmöglich ohne eine Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit. […] Unter Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit verstehn wir hier überhaupt eine Verändrung im Arbeitsprozeß, wodurch die zur Produktion einer Ware gesellschaftlich erheischte Arbeitszeit verkürzt wird, ein kleinres Quantum Arbeit also die Kraft erwirbt, ein größres Quantum Gebrauchswert zu produzieren. Während also bei der Produktion des Mehrwerts in der bisher betrachteten Form die Produktionsweise als gegeben unterstellt war, genügt es für die Produktion von Mehrwert durch Verwandlung notwendiger Arbeit in Mehrarbeit keineswegs, daß das Kapital sich des Arbeitsprozesses in seiner historisch überlieferten oder vorhandnen Gestalt bemächtigt und nur seine Dauer verlängert. Es muß die technischen und gesellschaftlichen Bedingungen des Arbeitsprozesses, also die Produktionsweise selbst umwälzen, um die Produktivkraft der Arbeit zu erhöhn, durch die Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit den Wert der Arbeitskraft zu senken und so den zur Reproduktion dieses Werts notwendigen Teil des Arbeitstags zu verkürzen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.333f.)


Annahme 3

Die Steigerung der Produktivkraft muss Industriezweige betreffen, deren Produkte den Wert der Arbeitskraft bestimmen.


„Um den Wert der Arbeitskraft zu senken, muß die Steigerung der Produktivkraft Industriezweige ergreifen, deren Produkte den Wert der Arbeitskraft bestimmen, also entweder dem Umkreis der gewohnheitsmäßigen Lebensmittel angehören oder sie ersetzen können.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.334)


Annahme 4

Der Wert der Ware Arbeitskraft nimmt ab mit der zu seiner Reproduktion notwendigen Arbeitszeit, deren Gesamtverkürzung gleich der Summe ihrer Verkürzungen in allen jenen besonderen Produktionszweigen ist. Wenn ein einzelner Kapitalist durch Steigerung der Produktivkraft der Arbeit z. B. Hemden verbilligt, schwebt ihm keineswegs notwendig der Zweck vor, den Wert der Arbeitskraft und daher die notwendige Arbeitszeit pro tanto zu senken, aber nur soweit er schließlich zu diesem Resultat beiträgt, trägt er zur Erhöhung der allgemeinen Rate des Mehrwerts bei. Die allgemeinen Bewegungsgesetze des Kapitals setzen sich hinter dem Rücken der Menschen durch, ohne dass sie den Kapitalisten bewusst sind, aber immer im Sinne der Steigerung des Werts.


„Die verwohlfeilerte Ware senkt natürlich den Wert der Arbeitskraft nur pro tanto, d.h. nur im Verhältnis, worin sie in die Reproduktion der Arbeitskraft eingeht. Hemden z.B. sind ein notwendiges Lebensmittel, aber nur eins von vielen. Ihre Verwohlfeilerung vermindert bloß die Ausgabe des Arbeiters für Hemden. Die Gesamtsumme der notwendigen Lebensmittel besteht jedoch nur aus verschiednen Waren, lauter Produkten besondrer Industrien, und der Wert jeder solchen Ware bildet stets einen aliquoten Teil vom Wert der Arbeitskraft. Dieser Wert nimmt ab mit der zu seiner Reproduktion notwendigen Arbeitszeit, deren Gesamtverkürzung gleich der Summe ihrer Verkürzungen in allen jenen besondren Produktionszweigen ist.
Wir behandeln dies allgemeine Resultat hier so, als wäre es unmittelbares Resultat und unmittelbarer Zweck in jedem einzelnen Fall. Wenn ein einzelner Kapitalist durch Steigerung der Produktivkraft der Arbeit z.B. Hemden verwohlfeilert, schwebt ihm keineswegs notwendig der Zweck vor, den Wert der Arbeitskraft und daher die notwendige Arbeitszeit pro tanto zu senken, aber nur soweit er schließlich zu diesem Resultat beiträgt, trägt er bei zur Erhöhung der allgemeinen Rate des Mehrwerts. Die allgemeinen und notwendigen Tendenzen des Kapitals sind zu unterscheiden von ihren Erscheinungsformen.
Die Art und Weise, wie die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion in der äußern Bewegung der Kapitale erscheinen, sich als Zwangsgesetze der Konkurrenz geltend machen und daher als treibende Motive dem individuellen Kapitalisten zum Bewußtsein kommen, ist jetzt nicht zu betrachten, aber soviel erhellt von vornherein: Wissenschaftliche Analyse der Konkurrenz ist nur möglich, sobald die innere Natur des Kapitals begriffen ist, ganz wie die scheinbare Bewegung der Himmelskörper nur dem verständlich, der ihre wirkliche, aber sinnlich nicht wahrnehmbare Bewegung kennt. Dennoch ist zum Verständnis der Produktion des relativen Mehrwerts und bloß auf Grundlage der bereits gewonnenen Resultate folgendes zu bemerken.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.334f.)


Die Jagd nach dem Extraprofit[Bearbeiten]

Schlagworte

Produktivkraftsteigerung, Wert der Ware, Extramehrwert, Wert der Arbeitskraft, Produktivkraftentwicklung, relativer Mehrwert, Extramehrwert

Annahme 1

Wenn es einem Kapitalisten gelingt, die Produktivkraft zu steigern, produziert er mehr Waren in gegebener Zeit. Der individuelle Wert einer dieser Waren steht nun unter ihrem gesellschaftlichen Wert, d. h., sie kostet weniger Arbeitszeit als der große Haufen derselben Artikel, produziert unter den gesellschaftlichen Durchschnittsbedingungen. Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr individueller, sondern ihr gesellschaftlicher Wert, d. h., er wird nicht durch die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall den Produzenten tatsächlich kostet, sondern durch die gesellschaftlich zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit. Verkauft also der Kapitalist, der die neue Methode anwendet, seine Ware zu ihrem gesellschaftlichen Wert, kann er Extramehrwert realisieren. Diese Steigerung des Mehrwerts findet für ihn statt, ob oder ob nicht seine Ware dem Umkreis der notwendigen Lebensmittel angehört und daher bestimmend in den allgemeinen Wert der Arbeitskraft eingeht.


„Stellt sich eine Arbeitsstunde in einem Goldquantum von 6 d. oder einen halben sh. dar, so wird in zwölfstündigem Arbeitstag ein Wert von 6 sh. produziert. Gesetzt, mit der gegebnen Produktivkraft der Arbeit würden 12 Stück Waren in diesen 12 Arbeitsstunden verfertigt. Der Wert der in jedem Stück vernutzten Produktionsmittel, Rohmaterial usw. sei 6 d. Unter diesen Umständen kostet die einzelne Ware 1 sh., nämlich 6 d. für den Wert der Produktionsmittel, 6 d. für den in ihrer Verarbeitung neu zugesetzten Wert.
Es gelinge nun einem Kapitalisten, die Produktivkraft der Arbeit zu verdoppeln und daher 24 statt 12 Stück dieser Warenart in dem zwölfstündigen Arbeitstag zu produzieren. Bei unverändertem Wert der Produktionsmittel sinkt der Wert der einzelnen Ware jetzt auf 9 d., nämlich 6 d. für den Wert der Produktionsmittel, 3 d. für den durch die letzte Arbeit neu zugesetzten Wert. Trotz der verdoppelten Produktivkraft schafft der Arbeitstag nach wie vor nur einen Neuwert von 6 sh., welcher sich jedoch jetzt auf doppelt soviel Produkte verteilt. Auf jedes einzelne Produkt fällt daher nur noch ein Vierundzwanzigstel statt ein Zwölftel dieses Gesamtwerts, 3 d. statt 6 d. oder, was dasselbe ist, den Produktionsmitteln wird bei ihrer Verwandlung in Produkt, jedes Stück berechnet, jetzt nur noch eine halbe statt wie früher eine ganze Arbeitsstunde zugesetzt.
Der individuelle Wert dieser Ware steht nun unter ihrem gesellschaftlichen Wert, d.h., sie kostet weniger Arbeitszeit als der große Haufen derselben Artikel, produziert unter den gesellschaftlichen Durchschnittsbedingungen. Das Stück kostet im Durchschnitt 1 sh. oder stellt 2 Stunden gesellschaftlicher Arbeit dar; mit der veränderten Produktionsweise kostet es nur 9 d. oder enthält nur IV2 Arbeitsstunden.
Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr individueller, sondern ihr gesellschaftlicher Wert, d.h., er wird nicht durch die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall dem Produzenten tatsächlich kostet, sondern durch die gesellschaftlich zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit.
Verkauft also der Kapitalist, der die neue Methode anwendet, seine Ware zu ihrem gesellschaftlichen Wert von 1 sh., so verkauft er sie 3 d. über ihrem individuellen Wert und realisiert so einen Extramehrwert von 3 d. Andrerseits stellt sich aber der zwölfstündige Arbeitstag jetzt für ihn in 24 Stück Ware dar statt früher in 12. Um also das Produkt eines Arbeitstags zu verkaufen, bedarf er doppelten Absatzes oder eines zweifach größern Markts. Unter sonst gleichbleibenden Umständen erobern seine Waren nur größern Marktraum durch Kontraktion ihrer Preise. Er wird sie daher über ihrem individuellen, aber unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen, sage zu 10 d. das Stück. So schlägt er an jedem einzelnen Stück immer noch einen Extramehrwert von 1 d. heraus. Diese Steigerung des Mehrwerts findet für ihn statt, ob oder ob nicht seine Ware dem Umkreis der notwendigen Lebensmittel angehört und daher bestimmend in den allgemeinen Wert der Arbeitskraft eingeht.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.335f.)


Annahme 2

Mit der Produktivkraftentwicklung wächst der relative Mehrwert, während der Wert der Ware Arbeitskraft sinkt. Somit ist der immanente Trieb und die beständige Tendenz des Kapitals, die Produktivkräfte der Arbeit zu steigern, um die Ware und durch die Vergünstigung der Ware den Arbeiter selbst zu vergünstigen, zu erklären.


„Es ist daher der immanente Trieb und die beständige Tendenz des Kapitals, die Produktivkraft der Arbeit zu steigern, um die Ware und durch die Verwohlfeilerung der Ware den Arbeiter selbst zu verwohlfeilern.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.338)


Annahme 3

Der absolute Wert der Ware ist dem Kapitalisten gleichgültig. Ihn interessiert nur der Mehrwert. Der relative Mehrwert steigt durch die Produktivkraft der Arbeit, der Wert der Waren sinkt dagegen. Dem Kapitalisten geht es nur um die Produktion von Tauschwert, er will den Tauschwert der Waren beständig senken.


„Der absolute Wert der Ware ist dem Kapitalisten, der sie produziert, an und für sich gleichgültig. Ihn interessiert nur der in ihr steckende und im Verkauf realisierbare Mehrwert. Realisierung von Mehrwert schließt von selbst Ersatz des vorgeschoßnen Werts ein. Da nun der relative Mehrwert in direktem Verhältnis zur Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit wächst, während der Wert der Waren in umgekehrtem Verhältnis zur selben Entwicklung fällt, da also derselbe identische Prozeß die Waren verwohlfeilert und den in ihnen enthaltnen Mehrwert steigert, löst sich das Rätsel, daß der Kapitalist, dem es nur um die Produktion von Tauschwert zu tun ist, den Tauschwert der Waren beständig zu senken strebt, […]“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.338f.)


Annahme 4

Der Extramehrwert verschwindet, sobald sich die neue Produktionsweise verallgemeinert und bestimmend ist für den gesellschaftlichen Wert der Ware.


„Andrerseits aber verschwindet jener Extramehrwert, sobald die neue Produktionsweise sich verallgemeinert und damit die Differenz Zwischen dem individuellen Wert der wohlfeiler produzierten Waren und ihrem gesellschaftlichen Wert verschwindet.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.337)


Die Profitrate[Bearbeiten]

Schlagworte

Profit, Kapital, Mehrwert, Kapitalverhältnis, Konstantes Kapital, variables Kapital, Profitrate, Mehrwertrate

Annahme 1

Der Kapitalist kann keinen Unterschied zwischen konstantem und variablen Kapital erkennen, da er nur sieht, dass er für beide Ausgaben Kapital vorschießen muss. So misst er den Grad des Gewinns an der Differenz von Ausgaben und Überschuss = Profit.
Die Wertveränderung, die sich während des Produktionsprozesses ereignet, wird vom variablen Kapital in das Gesamtkapital verlegt.
Der Profit ist zunächst dasselbe wie der Mehrwert, nur in mystifizierter Form, die aus der kapitalistischen Produktionsweise entsteht.


„Als solcher vorgestellter Abkömmling des vorgeschoßnen Gesamtkapitals erhält der Mehrwert die verwandelte Form des Profits. Eine Wertsumme ist daher Kapital, weil sie ausgelegt wird, um einen Profit zu erzeugen, oder der Profit kommt heraus, weil eine Wertsumme als Kapital angewandt wird. Nennen wir den Profit p, so verwandelt sich die Formel W = c + v + m = k + m in die Formel W = k + p oder Warenwert = Kostpreis + Profit. Der Profit, wie wir ihn hier zunächst vor uns haben, ist also dasselbe, was der Mehrwert ist, nur in einer mystifizierten Form, die jedoch mit Notwendigkeit aus der kapitalistischen Produktionsweise herauswächst. Weil in der scheinbaren Bildung des Kostpreises kein Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital zu erkennen ist, muß der Ursprung der Wertveränderung, die während des Produktionsprozesses sich ereignet, von dem variablen Kapitalteil in das Gesamtkapital verlegt werden.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.46)


Annahme 2

Weil alle Teile des Kapitals gleichmäßig als Quelle des Profits erscheinen, wird das Kapitalverhältnis mystifiziert.


„Indem alle Teile des Kapitals gleichmäßig als Quelle des überschüssigen Werts (Profits) erscheinen, wird das Kapitalverhältnis mystifiziert.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.55)


Annahme 3

Der Kapitalist kann keinen Unterschied zwischen konstantem und variablem Kapital erkennen, da er nur sieht, dass er für beide Ausgaben Kapital vorschießen muss. So misst er den Grad des Gewinns an der Differenz von Ausgaben und Überschuss = Profit.


„Da der Kapitalist die Arbeit nur exploitieren kann durch Vorschuß des konstanten Kapitals, da er das konstante Kapital nur verwerten kann durch Vorschuß des variablen, so fallen ihm diese in der Vorstellung alle gleichmäßig zusammen, und dies um so mehr, als der wirkliche Grad seines Gewinns bestimmt ist nicht durch das Verhältnis zum variablen Kapital, sondern zum Gesamtkapital, nicht durch die Rate des Mehrwerts, sondern durch die Rate des Profits, die, wie wir sehn werden, dieselbe bleiben, und doch verschiedne Raten des Mehrwerts ausdrücken kann.
Zu den Kosten des Produkts gehören alle seine Wertbestandteile, die der Kapitalist gezahlt, oder für die er ein Äquivalent in die Produktion geworfen hat. Diese Kosten müssen ersetzt werden, damit das Kapital sich einfach erhalte oder in seiner ursprünglichen Größe reproduziere.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.52)


Annahme 4

Der Profit des Kapitalisten kommt daher, dass er etwas zu verkaufen hat, das er nicht bezahlt hat. Der Mehrwert resp. Profit besteht gerade in dem Überschuss des Warenwerts über ihren Kostpreis, d. h. in dem Überschuss der in der Ware enthaltenen Gesamtsumme von Arbeit über die in ihr enthaltene bezahlte Summe Arbeit. Dieser Überschuss steht also in einem Verhältnis zum Gesamtkapital, das sich ausdrückt in dem Bruch m/C, wo C das Gesamtkapital bedeutet. So erhalten wir die Profitrate m/(c+v).


„Der in der Ware enthaltne Wert ist gleich der Arbeitszeit, die ihre Herstellung kostet, und die Summe dieser Arbeit besteht aus bezahlter und unbezahlter. Die Kosten der Ware für den Kapitalisten bestehn dagegen nur aus dem Teil der in ihr vergegenständlichten Arbeit, den er gezahlt hat. Die in der Ware enthaltne Mehrarbeit kostet dem Kapitalisten nichts, obgleich sie dem Arbeiter, ganz so gut wie die bezahlte, Arbeit kostet, und obgleich sie, ganz so gut wie jene, Wert schafft und als wertbildendes Element in die Ware eingeht. Der Profit des Kapitalisten kommt daher, daß er etwas zu verkaufen hat, das er nicht bezahlt hat. Der Mehrwert resp. Profit besteht gerade in dem Uberschuß des Warenwerts über ihren Kostpreis, d.h. in dem Uberschuß der in der Ware enthaltnen Gesamtsumme von Arbeit über die in ihr enthaltne bezahlte Summe Arbeit. […] Dieser Überschuß steht also in einem Verhältnis zum Gesamtkapital, das sich ausdrückt in dem Bruch m/C, wo C das Gesamtkapital bedeutet. So erhalten wir die Profitrate m/c+v im Unterschiede von der Rate des Mehrwerts m/v.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.52)


Annahme 5

m/C drückt den Verwertungsgrad des vorgeschossenen Kapital aus.


„In der Tat drückt das Verhältnis m/C den Verwertungsgrad des ganzen vorgeschoßnen Kapitals aus, […].“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.55)


Akkumulationsprozess des Kapitals[Bearbeiten]

Schlagworte

Rückverwandlung, Reproduktion des vorgeschossenen Kapitals, Akkumulation, Mehrwert, Geld, Verwandlung in Kapital, Reproduktionsprozess auf erweiterter Stufenleiter, Überschuss, Kapitalakkumulation, Reproduktion, Ausbeutung, Kapital, Eigentum

Annahme 1

Jeder gesellschaftliche Produktionsprozess ist Reproduktionsprozess. 


„So wenig eine Gesellschaft aufhören kann zu konsumieren, so wenig kann sie aufhören zu produzieren. In einem stetigen Zusammenhang und dem beständigen Fluß seiner Erneuerung betrachtet, ist jeder gesellschaftliche Produktionsprozeß daher zugleich Reproduktionsprozeß.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.591)


Annahme 2

Ein Teil der Produkte muss in Produktionsmittel rückverwandelt werden. 


„Die Bedingungen der Produktion sind zugleich die Bedingungen der Reproduktion. Keine Gesellschaft kann fortwährend produzieren, d. h. reproduzieren, ohne fortwährend einen Teil ihrer Produkte in Produktionsmittel oder Elemente der Neuproduktion rückzuverwandeln.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.591)


Annahme 3

Die kapitalistische Reproduktion dient nur als ein Mittel dazu, den vorgeschossenen Wert als Kapital zu reproduzieren. 


„Hat die Produktion kapitalistische Form, so die Reproduktion. Wie in der kapitalistischen Produktionsweise der Arbeitsprozeß nur als ein Mittel für den Verwertungsprozeß erscheint, so die Reproduktion nur als ein Mittel, den vorgeschoßnen Wert als Kapital zu reproduzieren, d.h. als sich verwertenden Wert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.591)


Annahme 4

Der Produktionsprozess verwandelt den stofflichen Reichtum in Kapital, der Arbeiter bleibt entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für sich zu verwirklichen. Seine eigene Arbeit vergegenständlicht sich im fremden Produkt, das sich in Kapital verwandelt. Das Kapital saugt die wertschöpfende Kraft – Arbeit – aus. Der Arbeiter selbst produziert den gesellschaftlichen Reichtum als Kapital, ihn beherrschende und ausbeutende Macht. Der Kapitalist produziert beständig Arbeitskraft als abstrakte, in der bloßen Leiblichkeit des Arbeiters existierende Reichtumsquelle, den Arbeiter als Lohnarbeiter. Diese beständige Reproduktion ist die unerlässliche Bedingung der kapitalistischen Produktion. 


„Was aber anfangs nur Ausgangspunkt war, wird vermittelst der bloßen Kontinuität des Prozesses, der einfachen Reproduktion, stets aufs neue produziert und verewigt als eignes Resultat der kapitalistischen Produktion. Einerseits verwandelt der Produktionsprozeß fortwährend den stofflichen Reichtum in Kapital, in Verwertungs- und Genußmittel für den Kapitalisten. Andrerseits kommt der Arbeiter beständig aus dem Prozeß heraus, wie er in ihn eintrat - persönliche Quelle des Reichtums, aber entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für sich zu verwirklichen. Da vor seinem Eintritt in den Prozeß seine eigne Arbeit ihm selbst entfremdet, dem Kapitalisten angeeignet und dem Kapital einverleibt ist, vergegenständlicht sie sich während des Prozesses beständig in fremdem Produkt. Da der Produktionsprozeß zugleich der Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft durch den Kapitalisten, verwandelt sich das Produkt des Arbeiters nicht nur fortwährend in Ware, sondern in Kapital, Wert, der die wertschöpfende Kraft aussaugt, Lebensmittel, die Personen kaufen, Produktionsmittel, die den Produzenten anwenden. Der Arbeiter selbst produziert daher beständig den objektiven Reichtum als Kapital, ihm fremde, ihn beherrschende und ausbeutende Macht, und der Kapitalist produziert ebenso beständig die Arbeitskraft als subjektive, von ihren eignen Vergegenständlichungs- und Verwirklichungsmitteln getrennte, abstrakte, in der bloßen Leiblichkeit des Arbeiters existierende Reichtumsquelle, kurz den Arbeiter als Lohnarbeiter. Diese beständige Reproduktion oder Verewigung des Arbeiters ist das sine qua non der kapitalistischen Produktion.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.595f.)


Annahme 5

Anwendung von Mehrwert als Kapital oder die Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals.


„Anwendung von Mehrwert als Kapital oder Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.605)


Annahme 6

Kapitalwert war in Geldform vorgeschossen, der Mehrwert besteht aber als Teil des Produkts.
Mit Verkauf des Produkts wird Kapitalwert wieder in Geld zurückverwandelt, der Mehrwert ändert aber seine ursprüngliche Daseinsweise in Geld. Der Kapitalwert und der Mehrwert sind dann beides Geldsummen, die sich in Kapital verwandeln.
Mit dem Kauf von Waren, die es dem Kapitalisten ermöglichen, die Produktion fortzusetzen verwandeln sich beide Geldsummen wieder in Kapital. Damit beginnt der Reproduktionsprozess auf erweiterter Stufenleiter, vorausgesetzt die Waren sind auf dem Markt vorzufinden. 


„Der Kapitalwert war ursprünglich vorgeschossen in Geldform; der Mehrwert dagegen existiert von vornherein als Wert eines bestimmten Teils des Bruttoprodukts. Wird dieses verkauft, in Geld verwandelt, so gewinnt der Kapitalwert seine ursprüngliche Form wieder, aber der Mehrwert verwandelt seine ursprüngliche Daseinsweise.
Von diesem Augenblick an sind jedoch Kapitalwert und Mehrwert beides Geldsummen, und ihre Wiederverwandlung in Kapital vollzieht sich auf ganz dieselbe Weise.
Die eine wie die andre legt der Kapitalist an im Ankauf der Waren, die ihn instand setzen, die Verfertigung seines Artikels von neuem zu beginnen, und zwar diesmal auf erweiterter Stufenleiter. Um aber diese Waren zu kaufen, muß er sie auf dem Markte vorfinden.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.606)


Annahme 7

Das Mehrprodukt kann nur in Kapital durch Produktionsmittel und Lebensmittel verwandelt werden. Ein Teil der jährlichen Mehrarbeit muss zur Herstellung zusätzlicher Produktions- und Lebensmittel – über das Quantum – verwandt worden sein, das zum Ersatz des vorgeschossenen Kapitals erforderlich war. Das Mehrprodukt, dessen Wert der Mehrwert ist, enthält bereits die sachlichen Bestandteile eines neuen Kapitals. Deshalb ist der Mehrwert in Kapital verwandelbar. 


„Um zu akkumulieren, muß man einen Teil des Mehrprodukts in Kapital verwandeln. Aber, ohne Wunder zu tun, kann man nur solche Dinge in Kapital verwandeln, die im Arbeitsprozeß verwendbar sind, d. h. Produktionsmittel, und des ferneren Dinge, von denen der Arbeiter sich erhalten kann, d.h. Lebensmittel.
Folglich muß ein Teil der jährlichen Mehrarbeit verwandt worden sein zur Herstellung zusätzlicher Produktions- und Lebensmittel, im Überschuß über das Quantum, das zum Ersatz des vorgeschossenen Kapitals erforderlich war.
Mit einem Wort: der Mehrwert ist nur deshalb in Kapital verwandelbar, weil das Mehrprodukt, dessen Wert er ist, bereits die sachlichen Bestandteile eines neuen Kapitals enthält.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.606f.)


Annahme 8

Die Arbeiterklasse hat durch ihre diesjährige Mehrarbeit das Kapital geschaffen, mit dem im nächsten Jahr zuschüssige Arbeit beschäftigt wird. Das nennt man Kapital durch Kapital erzeugen. 


„In allen Fällen hat die Arbeiterklasse durch ihre diesjährige Mehrarbeit das Kapital geschaffen, das im nächsten Jahr zuschüssige Arbeit beschäftigen wird. Das ist es, was man nennt: Kapital durch Kapital erzeugen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.608)


Annahme 9

Das Eigentum an vergangener unbezahlter Arbeit ist Bedingung für die Aneignung gegenwärtiger lebendiger Arbeit. Je mehr der Kapitalist akkumuliert hat, desto mehr kann er akkumulieren.  (Das ist bereits ein wichtiger Hinweis auf die Konzentration und Zentralisation.) 


„Eigentum an vergangner unbezahlter Arbeit erscheint jetzt als die einzige Bedingung für gegenwärtige Aneignung lebendiger unbezahlter Arbeit in stets wachsendem Umfang. Je mehr der Kapitalist akkumuliert hat, desto mehr kann er akkumulieren.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.609)


Annahme 10

In allen Gesellschaftsformationen findet Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter statt, es erscheint aber nicht als Akkumulation des Kapitals, solange dem Arbeiter seine Produktionsmittel noch nicht in der Form von Kapital gegenüberstehen. 


„In den verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformationen findet nicht nur einfache Reproduktion statt, sondern, obgleich auf verschiednem Maßstab, Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter. Es wird progressiv mehr produziert und mehr konsumiert, also auch mehr Produkt in Produktionsmittel verwandelt. Dieser Prozeß erscheint aber nicht als Akkumulation von Kapital und daher auch nicht als Funktion des Kapitalisten, solange dem Arbeiter seine Produktionsmittel, daher auch sein Produkt und seine Lebensmittel, noch nicht in der Form von Kapital gegenüberstehn.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.624)


Annahme 11

Die Arbeitskraft wird gekauft zur Verwertung des Kapitals. Die Produktion von Mehrwert ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise. Nur soweit sie die Produktionsmittel als Kapital erhält, ihren eigenen Wert als Kapital reproduziert und unbezahlte Arbeit eine Quelle von Zuschusskapital liefert, ist die Arbeitskraft verkaufbar. Die Bedingung für den Verkauf ist die stets erweiterte Reproduktion des Reichtums als Kapital. 


„So wenig aber bessere Kleidung, Nahrung, Behandlung und ein größeres Peculium das Abhängigkeitsverhältnis und die Exploitation des Sklaven aufheben, so wenig die des Lohnarbeiters. Steigender Preis der Arbeit infolge der Akkumulation des Kapitals besagt in der Tat nur, daß der Umfang und die Wucht der goldnen Kette, die der Lohnarbeiter sich selbst bereits geschmiedet hat, ihre losere Spannung erlauben. In den Kontroversen über diesen Gegenstand hat man meist die Hauptsache übersehn, nämlich die differentia specifica der kapitalistischen Produktion. Arbeitskraft wird hier gekauft, nicht um durch ihren Dienst oder ihr Produkt die persönlichen Bedürfnisse des Käufers zu befriedigen. Sein Zweck ist Verwertung seines Kapitals, Produktion von Waren, die mehr Arbeit enthalten, als er zahlt, also einen Wertteil enthalten, der ihm nichts kostet und dennoch durch den Warenverkauf realisiert wird. Produktion von Mehrwert oder Plusmacherei ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise. Nur soweit sie die Produktionsmittel als Kapital erhält, ihren eignen Wert als Kapital reproduziert und in unbezahlter Arbeit eine Quelle von Zuschußkapital liefert, ist die Arbeitskraft verkaufbar. Die Bedingungen ihres Verkaufs, ob mehr oder minder günstig für den Arbeiter, schließen also die Notwendigkeit ihres steten Wiederverkaufs und die stets erweiterte Reproduktion des Reichtums als Kapital ein.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.646f.)


Mehrwertproduktion durch Ausbeutung der Arbeitskraft[Bearbeiten]

Schlagworte

Mehrwert, Konsumtionsfonds, Variables Kapital, Ausbeutung, Verschleierung, Lohn, Reproduktion, Arbeitslohn, Mehrarbeit

Annahme 1

Der Arbeiter produziert den Mehrwert, der als Konsumtionsfonds des Kapitalisten dient und den Fonds seiner eigenen Zahlung, das variable Kapital, bevor es ihm als Arbeitslohn zufließt. 


„Der Produktionsprozeß wird eingeleitet mit dem Kauf der Arbeitskraft für eine bestimmte Zeit, und diese Einleitung erneuert sich beständig, sobald der Verkaufstermin der Arbeit fällig und damit eine bestimmte Produktionsperiode, Woche, Monat usw., abgelaufen ist. Gezahlt wird der Arbeiter aber erst, nachdem seine Arbeitskraft gewirkt und sowohl ihren eignen Wert als den Mehrwert in Waren realisiert hat. Er hat also wie den Mehrwert, den wir einstweilen nur als Konsumtionsfonds des Kapitalisten betrachten, so den Fonds seiner eignen Zahlung, das variable Kapital, produziert, bevor es ihm in der Form des Arbeitslohnes zurückfließt, und er wird nur so lange beschäftigt, als er ihn beständig reproduziert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.592)


Annahme 2

Die Warenform des Produkts und die Geldform der Ware verkleiden die Transaktion, in der die Kapitalistenklasse der Arbeiterklasse Anweisungen in Geldform auf das von ihr produzierte und durch die Kapitalistenklasse angeeignete Produkt gibt. 


„Die Illusion, welche die Geldform erzeugt, verschwindet sofort, sobald statt des einzelnen Kapitalisten und des einzelnen Arbeiters Kapitalistenklasse und Arbeiterklasse betrachtet werden. Die Kapitalistenklasse gibt der Arbeiterklasse beständig in Geldform Anweisungen auf einen Teil des von der letzteren produzierten und von der erstren angeeigneten Produkts. Diese Anweisungen gibt der Arbeiter der Kapitalistenklasse ebenso beständig zurück und entzieht ihr damit den ihm selbst zufallenden Teil seines eignen Produkts. Die Warenform des Produkts und die Geldform der Ware verkleiden die Transaktion.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.593)


Annahme 3

Das variable Kapital ist nur eine historische Erscheinungsform des Fonds von Lebensmitteln oder Arbeitsfonds, den der Arbeiter zu seiner Selbsterhaltung benötigt. 


„Das variable Kapital ist also nur eine besondre historische Erscheinungsform des Fonds von Lebensmitteln oder des Arbeitsfonds, den der Arbeiter zu seiner Selbsterhaltung und Reproduktion bedarf und den er in allen Systemen der gesellschaftlichen Produktion stets selbst produzieren und reproduzieren muß.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.593)


Annahme 4

Die bloße Kontinuität des Reproduktionsprozesses verwandelt Kapital in akkumuliertes Kapital. Es wird Materiatur unbezahlter, fremder Arbeit. 


„Ganz abgesehn von aller Akkumulation verwandelt also die bloße Kontinuität des Produktionsprozesses, oder die einfache Reproduktion, nach kürzerer oder längerer Periode jedes Kapital notwendig in akkumuliertes Kapital oder kapitalisierten Mehrwert. War es selbst bei seinem Eintritt in den Produktionsprozeß persönlich erarbeitetes Eigentum seines Anwenders, früher oder später wird es ohne Äquivalent angeeigneter Wert oder Materiatur, ob in Geldform oder anders, unbezahlter fremder Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.595)


Annahme 5

Um die Bestandteile als Kapital fungieren zu lassen, braucht es zusätzliche Arbeitskräfte. Daher ist die Arbeiterklasse die vom Lohn abhängige Klasse, deren Lohn auch zur Vermehrung hinreicht.


„Um nun diese Bestandteile tatsächlich als Kapital fungieren zu lassen, bedarf die Kapitalistenklasse eines Zuschusses von Arbeit. Soll nicht die Ausbeutung der schon beschäftigten Arbeiter extensiv oder intensiv wachsen, so müssen zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. Dafür hat der Mechanismus der kapitalistischen Produktion ebenfalls schon gesorgt, indem er die Arbeiterklasse reproduziert als vom Arbeitslohn abhängige Klasse, deren gewöhnlicher Lohn hinreicht, nicht nur ihre Erhaltung zu sichern, sondern auch ihre Vermehrung.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.607)


Annahme 6

Auch die Lebensmittel, von denen sich die Arbeiterklasse erhält, sind Bestandteile des Mehrprodukts. Wenn die Kapitalistenklasse mit dem Mehrprodukt neue Arbeitskräfte kauft, bezahlt er sie mit ihrem eigenen Geld.   

„Die Produktionsmittel, denen die zuschüssige Arbeitskraft einverleibt wird, wie die Lebensmittel, von denen diese sich erhält, sind nichts als integrierende Bestandteile des Mehrprodukts, des der Arbeiterklasse jährlich durch die Kapitalistenklasse entrissenen Tributs. Wenn diese mit einem Teil des Tributs von jener zusätzliche Arbeitskraft kauft, selbst zum vollen Preise, so daß Äquivalent sich austauscht gegen Äquivalent - es bleibt immer das alte Verfahren des Eroberers, der den Besiegten Waren abkauft mit ihrem eignen, geraubten Geld.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.608)


Annahme 7

Die gewaltsame Herabsetzung des Arbeitslohns unter den Wert der Arbeitskraft spielt in der praktischen Bewegung eine wichtige Rolle. Sie verwandelt faktisch, innerhalb gewisser Grenzen, den notwendigen Konsumtionsfonds des Arbeiters in einen Akkumulationsfonds von Kapital.


„Man erinnert sich, daß die Rate des Mehrwerts in erster Instanz abhängt vom Exploitationsgrad der Arbeitskraft. Die politische Ökonomie würdigt diese Rolle so sehr, daß sie gelegentlich die Beschleunigung der Akkumulation durch erhöhte Produktionskraft der Arbeit identifiziert mit ihrer Beschleunigung durch erhöhte Exploitation des Arbeiters. In den Abschnitten über die Produktion des Mehrwerts ward beständig unterstellt, daß der Arbeitslohn wenigstens gleich dem Wert der Arbeitskraft ist. Die gewaltsame Herabsetzung des Arbeitslohns unter diesen Wert spielt jedoch in der praktischen Bewegung eine zu wichtige Rolle, um uns nicht einen Augenblick dabei aufzuhalten. Sie verwandelt faktisch, innerhalb gewisser Grenzen, den notwendigen Konsumtionsfonds des Arbeiters in einen Akkumulationsfonds von Kapital.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.626)


Trennung von Arbeitsprodukt und Produzenten[Bearbeiten]

Schlagworte

Entfremdung, Trennung von Arbeitsprodukt und Produzenten, Ursprüngliche Akkumulation, Kapitalverhältnis, Klasse, Lohnarbeiter, Kapitalisten

Annahme 1

Die Scheidung zwischen Arbeitsprodukt und Arbeit, Besitzer von Produktionsmitteln und Besitzer von Arbeitskraft und sonst nichts war der Ausgangspunkt des kapitalistischen Produktionsprozesses.


„Um Geld in Kapital zu verwandeln, genügte nicht das Vorhandensein von Warenproduktion und Warenzirkulation. Es mußten erst, hier Besitzer von Wert oder Geld, dort Besitzer der wertschaffenden Substanz; hier Besitzer von Produktions- und Lebensmitteln, dort Besitzer von nichts als Arbeitskraft, einander als Käufer und Verkäufer gegenübertreten. Scheidung zwischen dem Arbeitsprodukt und der Arbeit selbst, zwischen den objektiven Arbeitsbedingungen und der subjektiven Arbeitskraft, war also die tatsächlich gegebne Grundlage, der Ausgangspunkt des kapitalistischen Produktionsprozesses.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.595)


Annahme 2

Der Reproduktionsprozess reproduziert das Kapitalverhältnis selbst, auf der einen Seite den Kapitalisten, auf der anderen den Lohnarbeiter. 


„Der kapitalistische Produktionsprozeß, im Zusammenhang betrachtet oder als Reproduktionsprozeß, produziert also nicht nur Ware, nicht nur Mehrwert, er produziert und reproduziert das Kapitalverhältnis selbst, auf der einen Seite den Kapitalisten, auf der andren den Lohnarbeiter.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.604)


Produktive und individuelle Konsumtion[Bearbeiten]

Schlagworte

Produktive Konsumtion, Individuelle Konsumtion, Wertschöpfung, Unproduktive Konsumtion, Akkumulationsfonds, Konsumtionsfonds, Mehrwert

Annahme 1

Die produktive Konsumtion bedeutet: durch die Arbeit konsumiert der Arbeiter Produktionsmittel und verwandelt sie in Produkte von höherem Wert. 
Die individuelle Konsumtion bedeutet: von dem vom Kapitalisten gezahlten Geld kauft der Arbeiter Lebensmittel.
Es gibt zwei verschiedene Prozesse: der eine ist Leben des Kapitalisten und der andere Leben des Arbeiters. 


„Die Konsumtion des Arbeiters ist doppelter Art. In der Produktion selbst konsumiert er durch seine Arbeit Produktionsmittel und verwandelt sie in Produkte von höherem Wert als dem des vorgeschoßnen Kapitals. Dies ist seine produktive Konsumtion. Sie ist gleichzeitig Konsumtion seiner Arbeitskraft durch den Kapitalisten, der sie gekauft hat. Andrerseits verwendet der Arbeiter das für den Kauf der Arbeitskraft gezahlte Geld in Lebensmittel: dies ist seine individuelle Konsumtion. Die produktive und die individuelle Konsumtion des Arbeiters sind also total verschieden. In der ersten handelt er als bewegende Kraft des Kapitals und gehört dem Kapitalisten; in der zweiten gehört er sich selbst und verrichtet Lebensfunktionen außerhalb des Produktionsprozesses. Das Resultat der einen ist das Leben des Kapitalisten, das der andern ist das Leben des Arbeiters selbst.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.596f.)


Annahme 2

Für die Kapitalisten ist die individuelle Konsumtion der Arbeiter nur produktiv, wenn sie zur Erhaltung der Arbeiter dient, weil sie so für neue auszubeutende Arbeiter sorgt. Bekommt der Arbeiter einen höheren Lohn, um mehr konsumieren zu können, ohne danach mehr zu arbeiten, ist das für den Kapitalist unproduktiv.
Die Arbeiterklasse ist also Zubehör des Kapitals, die individuelle Konsumtion der Arbeiter nur ein Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals.
Dieser Prozess sorgt dafür, dass der Arbeiter durch unsichtbare Fäden an den Kapitalisten gebunden ist. Da die von der Arbeiterklasse hergestellten Konsumtionsgüter nicht ihnen gehören und sie sie nur bekommen, wenn sie ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt verkaufen und ihren Lohn gegen Konsumtionsgüter eintauschen.


„Daher betrachtet auch der Kapitalist und sein Ideolog, der politische Ökonom, nur den Teil der individuellen Konsumtion des Arbeiters als produktiv, der zur Verewigung der Arbeiterklasse erheischt ist, also in der Tat verzehrt werden muß, damit das Kapital die Arbeitskraft verzehre; was der Arbeiter außerdem zu seinem Vergnügen verzehren mag, ist unproduktive Konsumtion.
Würde die Akkumulation des Kapitals eine Erhöhung des Arbeitslohns und daher Vermehrung der Konsumtionsmittel des Arbeiters verursachen ohne Konsum von mehr Arbeitskraft durch das Kapital, so wäre das zuschüssige Kapital unproduktiv konsumiert.
In der Tat: die individuelle Konsumtion des Arbeiters ist für ihn selbst unproduktiv, denn sie reproduziert nur das bedürftige Individuum; sie ist produktiv für den Kapitalisten und den Staat, denn sie ist Produktion der den fremden Reichtum produzierenden Kraft.
Von gesellschaftlichem Standpunkt ist also die Arbeiterklasse, auch außerhalb des unmittelbaren Arbeitsprozesses, ebensosehr Zubehör des Kapitals als das tote Arbeitsinstrument. Selbst ihre individuelle Konsumtion ist innerhalb gewisser Grenzen nur ein Moment des Reproduktionsprozesses des Kapitals.
Der Prozeß aber sorgt dafür, daß diese selbstbewußten Produktionsinstrumente nicht weglaufen, indem er ihr Produkt beständig von ihrem Pol zum Gegenpol des Kapitals entfernt. Die individuelle Konsumtion sorgt einerseits für ihre eigne Erhaltung und Reproduktion, andrerseits durch Vernichtung der Lebensmittel für ihr beständiges Wiedererscheinen auf dem Arbeitsmarkt.
Der römische Sklave war durch Ketten, der Lohnarbeiter ist durch unsichtbare Fäden an seinen Eigentümer gebunden. Der Schein seiner Unabhängigkeit wird durch den beständigen Wechsel der individuellen Lohnherrn und die fictio juris des Kontrakts aufrechterhalten.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.598f.)


Annahme 3

Der Mehrwert bzw. das Mehrprodukt ist indivudeller Konsumtionsfonds des Kapitalisten und zugleich Akkumulationsfonds. 


„Im vorigen Kapitel betrachteten wir den Mehrwert, resp. das Mehrprodukt, nur als individuellen Konsumtionsfonds des Kapitalisten, in diesem Kapitel bisher nur als einen Akkumulationsfonds. Er ist aber weder nur das eine noch das andre, sondern beides zugleich. Ein Teil des Mehrwerts wird vom Kapitalisten als Revenue verzehrt ein andrer Teil als Kapital angewandt oder akkumuliert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.617f.)


Annahme 4

Der Kapitalist zwingt zur Verwertung des Werts, und so zur Produktion der Produktion willen, zur Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte, und zur Schöpfung der materiellen Produktionsbedingungen, die die reale Basis einer höheren Gesellschaftsformation bilden.
Der Kapitalist ist das Triebrad des gesellschaftlichen Mechanismus.
Die kapitalistische Produktion macht eine fortwährende Steigerung des in einem industriellen Unternehmens angelegten Kapitals zur Notwendigkeit. Die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als äußere Zwangsgesetze auf, das Kapital fortwährend auszudehnen, um es zu erhalten, was nur mit ansteigender Akkumulation möglich ist. 


„Als Fanatiker der Verwertung des Werts zwingt er rücksichtslos die Menschheit zur Produktion um der Produktion willen, daher zu einer Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und zur Schöpfung von materiellen Produktionsbedingungen, welche allein die reale Basis einer höheren Gesellschaftsform bilden können, deren Grundprinzip die volle und freie Entwicklung jedes Individuums ist. Nur als Personifikation des Kapitals ist der Kapitalist respektabel.
Als solche teilt er mit dem Schatzbildner den absoluten Bereicherungstrieb. Was aber bei diesem als individuelle Manie erscheint, ist beim Kapitalisten Wirkung des gesellschaftlichen Mechanismus, worin er nur ein Triebrad ist. Außerdem macht die Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine fortwährende Steigerung des in einem industriellen Unternehmen angelegten Kapitals zur Notwendigkeit, und die Konkurrenz herrscht jedem individuellen Kapitalisten die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise als äußere Zwangsgesetze auf. Sie zwingt ihn, sein Kapital fortwährend auszudehnen, um es zu erhalten, und ausdehnen kann er es nur vermittelst progressiver Akkumulation.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.618)


Warenproduktion als Grundlage der kapitalistischen Produktion[Bearbeiten]

Schlagworte

Warenproduktion, Eigentum, Ausbeutung, Mehrarbeit, Ware Arbeitskraft, Wertübertragung, Geld, Kapital, Doppelt freier Lohnarbeiter, Kapitalistische Produktion

Annahme 1

Das Eigentum als Recht auf Aneignung unbezahlter Arbeit erscheint als Verletzung der Gesetze der Warenproduktion, resultiert aber aus ihrer Anwendung. 


„Eigentum erscheint jetzt auf Seite des Kapitalisten als das Recht, fremde unbezahlte Arbeit oder ihr Produkt, auf Seite des Arbeiters als Unmöglichkeit, sich sein eignes Produkt anzueignen. Die Scheidung zwischen Eigentum und Arbeit wird zur notwendigen Konsequenz eines Gesetzes, das scheinbar von ihrer Identität ausging. Sosehr die kapitalistische Aneignungsweise also den ursprünglichen Gesetzen der Warenproduktion ins Gesicht zu schlagen scheint, so entspringt sie doch keineswegs aus der Verletzung, sondern im Gegenteil aus der Anwendung dieser Gesetze.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.610)


Annahme 2

Der Verbrauch der Ware Arbeitskraft durch den Käufer, nicht die Übervorteilung des Verkäufers, führt zum Mehrwert.


„Wenn also die in Arbeitslohn vorgeschoßne Wertsumme sich in Produkt nicht bloß einfach wieder vorfindet, sondern um einen Mehrwert vermehrt vorfindet, so rührt dies nicht her aus einer Übervorteilung des Verkäufers, der ja den Wert seiner Ware erhalten, sondern nur aus dem Verbrauch dieser Ware durch den Käufer.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.611)


Annahme 3

Die Verwandlung von Geld in Kapital hat zum Ergebnis, dass das Produkt dem Kapitalisten gehört und nicht dem Arbeiter, dass es einen Mehrwert enthält, der den Arbeiter Arbeit, den Kapitalisten nichts gekostet hat, aber dennoch ihm gehört; dass der Arbeiter seine Arbeitskraft erhalten kann. Einfache Reproduktion ist periodische Wiederholung dieser ersten Operation.   


„Die ursprüngliche Verwandlung des Geldes in Kapital vollzieht sich also im genauesten Einklang mit den ökonomischen Gesetzen der Warenproduktion und mit dem daraus sich ableitenden Eigentumsrecht. Trotzdem aber hat sie zum Ergebnis:
1. daß das Produkt dem Kapitalisten gehört und nicht dem Arbeiter; 
2. daß der Wert dieses Produkts, außer dem Wert des vorgeschoßnen Kapitals, einen Mehrwert einschließt, der dem Arbeiter Arbeit, dem Kapitalisten aber nichts gekostet hat und der dennoch das rechtmäßige Eigentum des Kapitalisten wird;
 3. daß der Arbeiter seine Arbeitskraft forterhalten hat und sie aufs neue verkaufen kann, wenn er einen Käufer findet. Die einfache Reproduktion ist nur die periodische Wiederholung dieser ersten Operation; jedesmal wird, stets von neuem, Geld in Kapital verwandelt. Das Gesetz wird also nicht gebrochen, im Gegenteil es erhält nur Gelegenheit, sich dauernd zu betätigen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.611)


Annahme 4

Sobald die Arbeitskraft durch den Arbeiter frei verkauft wird, verallgemeinert sich die Warenproduktion zur typischen Produktionsform. Die Warenproduktion bildet sich nach ihren eigenen immanenten Gesetzen zur kapitalistischen Produktion fort, ihre Eigentumsgesetze schlagen um in Gesetze der kapitalistischen Aneignung. 


„Dies Resultat wird unvermeidlich, sobald die Arbeitskraft durch den Arbeiter selbst als Ware frei verkauft wird. Aber auch erst von da an verallgemeinert sich die Warenproduktion und wird sie typische Produktionsform; erst von da an wird jedes Produkt von vornherein für den Verkauf produziert und geht aller produzierte Reichtum durch die Zirkulation hindurch.
Erst da, wo die Lohnarbeit ihre Basis, zwingt die Warenproduktion sich der gesamten Gesellschaft auf; aber auch erst da entfaltet sie alle ihre verborgnen Potenzen. Sagen, daß die Dazwischenkunft der Lohnarbeit die Warenproduktion fälscht, heißt sagen, daß die Warenproduktion, will sie unverfälscht bleiben, sich nicht entwickeln darf. Im selben Maß, wie sie nach ihren eignen immanenten Gesetzen sich zur kapitalistischen Produktion fortbildet, in demselben Maß schlagen die Eigentumsgesetze der Warenproduktion um in Gesetze der kapitalistischen Aneignung.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.613)


Wachstum des Kapitals[Bearbeiten]

Schlagworte

Ausdehnung, Herrschaft, Wachstum, Wachstumsbeschleunigung, Produktenmasse, Gesellschaftlicher Reichtum, Produktivität, Aufschwung, Akkumulation, Wertübertragung, Abstrakte Arbeit, Kapitalfetisch, Selbstverwertung, Mehrarbeit, Aneignung, Ausbeutung, Tote und lebendige Arbeit

Annahme 1

Die Akkumulation ist die Eroberung der Welt, denn sie dehnt ausbeutbares Menschenmaterial und die Herrschaft der Kapitalisten aus.


„Die Akkumulation ist Eroberung der Welt des gesellschaftlichen Reichtums. Sie dehnt mit der Masse des exploitierten Menschenmaterials zugleich die direkte und indirekte Herrschaft des Kapitalisten aus.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.618)


Annahme 2

Das Kapital verleibt sich Arbeitskraft und Erde ein und erwirbt neue Expansionskraft, die es erlaubt, die Elemente der Akkumulation auszudehnen.


„Allgemeines Resultat: Indem das Kapital sich die beiden Urbildner des Reichtums, Arbeitskraft und Erde, einverleibt, erwirbt es eine Expansionskraft, die ihm erlaubt, die Elemente seiner Akkumulation auszudehnen jenseits der scheinbar durch seine eigne Größe gesteckten Grenzen, gesteckt durch den Wert und die Masse der bereits produzierten Produktionsmittel, in denen es sein Dasein hat.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.630f.)


Annahme 3

Mit wachsender Produktivität wächst die Produktenmasse. Bei gleichbleibender und selbst bei fallender Mehrwertrate wächst die Masse des Mehrprodukts. 


„Ein andrer wichtiger Faktor in der Akkumulation des Kapitals ist der Produktivitätsgrad der gesellschaftlichen Arbeit. Mit der Produktivkraft der Arbeit wächst die Produktenmasse, worin sich ein bestimmter Wert, also auch Mehrwert von gegebner Größe, darstellt. Bei gleichbleibender und selbst bei fallender Rate des Mehrwerts, sofern sie nur langsamer fällt, als die Produktivkraft der Arbeit steigt, wächst die Masse des Mehrprodukts.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.631)


Annahme 4

Mit wachsender Produktivität geht eine wachsende Rate des Mehrwerts einher. Derselbe variable Kapitalteil setzt mehr Arbeitskraft und daher mehr Arbeit in Bewegung. Derselbe konstante Kapitalteil stellt sich in mehr PM dar, liefert mehr Produktbildner oder Arbeitseinsauger. Es findet bei gleichbleibendem Wert des Zusatzkapitals beschleunigte Akkumulation statt. Die Produktion des Mehrwerts wächst schneller als der Wert des Zusatzkapitals. 


„Aber mit der wachsenden Produktivität der Arbeit geht, wie man gesehn, die Verwohlfeilerung des Arbeiters, also wachsende Rate des Mehrwerts, Hand in Hand, selbst wenn der reelle Arbeitslohn steigt. Er steigt nie verhältnismäßig mit der Produktivität der Arbeit. Derselbe variable Kapitalwert setzt also mehr Arbeitskraft und daher mehr Arbeit in Bewegung. Derselbe konstante Kapitalwert stellt sich in mehr Produktionsmitteln, d.h. mehr Arbeitsmitteln, Arbeitsmaterial und Hilfsstoffen dar, liefert also sowohl mehr Produktbildner als Wertbildner oder Arbeitseinsauger. Bei gleichbleibendem und selbst abnehmendem Wert des Zusatzkapitals findet daher beschleunigte Akkumulation statt. Nicht nur erweitert sich die Stufenleiter der Reproduktion stofflich, sondern die Produktion des Mehrwerts wächst schneller als der Wert des Zusatzkapitals.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.631)


Annahme 5

Die Arbeit überträgt den Wert der von ihr konsumierten Produktionsmittel auf das Produkt. Deren Wert und Masse steigt mit der Produktivität der Arbeit. Auch wenn dieselbe Arbeitsmenge ihren Produkten immer nur dieselbe Summe Neuwert zusetzt, wächst doch der alte Kapitalwert, den sie ihnen überträgt. 


„Die Arbeit überträgt auf das Produkt den Wert der von ihr konsumierten Produktionsmittel. Andrerseits wächst Wert und Masse der durch gegebne Arbeitsmenge in Bewegung gesetzten Produktionsmittel im Verhältnis, wie die Arbeit produktiver wird. Setzt also auch dieselbe Arbeitsmenge ihren Produkten immer nur dieselbe Summe Neuwert zu, so wächst doch der alte Kapitalwert, den sie ihnen gleichzeitig überträgt, mit steigender Produktivität der Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.632)


Annahme 6

Die Arbeit erhält Wert und schafft neuen. Mit steigender Produktivität erhält und verewigt die Arbeit in stets neuer Form einen stets schwellenden Kapitalwert. 


„Es ist die Naturgabe der lebendigen Arbeit, alten Wert zu erhalten, während sie Neuwert schafft. Mit dem Wachstum von Wirksamkeit, Umfang und Wert ihrer Produktionsmittel, also mit der die Entwicklung ihrer Produktivkraft begleitenden Akkumulation erhält und verewigt die Arbeit daher in stets neuer Form einen stets schwellenden Kapitalwert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.633)


Annahme 7

Diese Kraft der Arbeit erscheint als Selbsterhaltungskraft des Kapitals. Die beständige Aneignung der Mehrarbeit durch den Kapitalisten erscheint als beständige Selbstverwertung des Kapitals.


„Diese Naturkraft der Arbeit erscheint als Selbsterhaltungskraft des Kapitals, dem sie einverleibt ist, ganz wie ihre gesellschaftlichen Produktivkräfte als seine Eigenschaften, und wie die beständige Aneignung der Mehrarbeit durch den Kapitalisten als beständige Selbstverwertung des Kapitals. Alle Kräfte der Arbeit projektieren sich als Kräfte des Kapitals, wie alle Wertformen der Ware als Formen des Geldes.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.633f.)


Annahme 8

Mit dem Wachstum des Kapitals wächst die Differenz zwischen angewandtem und konsumiertem Kapital. Der Gratisdienst der vergangenen Arbeit – wenn von lebendiger Arbeit ergriffen – akkumuliert mit der wachsenden Stufenleiter der Akkumulation. 


„Mit dem Wachstum des Kapitals wächst die Differenz zwischen angewandtem und konsumiertem Kapital. Im Verhältnis, worin diese Arbeitsmittel als Produktbildner dienen, ohne dem Produkt Wert zuzusetzen, also ganz angewandt, aber nur teilweise konsumiert werden, leisten sie, wie früher erwähnt, denselben Gratisdienst wie Naturkräfte, Wasser, Dampf, Luft, Elektrizität usw. Dieser Gratisdienst der vergangnen Arbeit, wenn ergriffen und beseelt von der lebendigen Arbeit, akkumuliert mit der wachsenden Stufenleiter der Akkumulation.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.635)


Annahme 9

Die Masse des Mehrwerts ist bestimmt durch die Anzahl der gleichzeitig ausgebeuteten Arbeiter. Diese entspricht in wechselndem Verhältnis der Größe des Kapitals. Je mehr das Kapital durch Akkumulation wächst, desto mehr wächst die Wertsumme, die sich in Konsumtionsfonds und Akkumulationsfonds spaltet.


„Bei gegebnem Exploitationsgrad der Arbeitskraft ist die Masse des Mehrwerts bestimmt durch die Anzahl der gleichzeitig ausgebeuteten Arbeiter, und diese entspricht, obgleich in wechselndem Verhältnis, der Größe des Kapitals. Je mehr also das Kapital vermittelst sukzessiver Akkumulationen wächst, desto mehr wächst auch die Wertsumme, die sich in Konsumtionsfonds und Akkumulationsfonds spaltet. Der Kapitalist kann daher flotter leben und zugleich mehr „entsagen". Und schließlich spielen alle Springfedern der Produktion um so energischer, je mehr ihre Stufenleiter sich erweitert mit der Masse des vorgeschossenen Kapitals.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.635f.)


Annahme 10

Mit Wachstum des Kapitals ist Wachstum des variablen Kapitals verbunden – also Wachstum des Arbeitsfonds der Arbeitskraft.


„Wachstum des Kapitals schließt Wachstum seines variablen oder in Arbeitskraft umgesetzten Bestandteils ein. Ein Teil des in Zusatzkapital verwandelten Mehrwerts muß stets rückverwandelt werden in variables Kapital oder zuschüssigen Arbeitsfonds. Unterstellen wir, daß, nebst sonst gleichbleibenden Umständen; die Zusammensetzung des Kapitals unverändert bleibt, d.h. eine bestimmte Masse Produktionsmittel oder konstantes Kapital stets dieselbe Masse Arbeitskraft erheischt, um in Bewegung gesetzt zu werden, so wächst offenbar die Nachfrage nach Arbeit und der Subsistenzfonds der Arbeiter verhältnismäßig mit dem Kapital und um so rascher, je rascher das Kapital wächst.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.641)


Annahme 11

Das Wachstum des Kapitals schließt das Wachstum seines variablen Teils ein. Eine bestimmte Masse Produktionsmittel erheischt stets dieselbe Masse Arbeitskraft, um in Bewegung gesetzt zu werden. Die Nachfrage nach Arbeit wächst. Akkumulation des Kapitals ist also Vermehrung des Proletariats. 


„Wie die einfache Reproduktion fortwährend das Kapitalverhältnis selbst reproduziert, Kapitalisten auf der einen Seite, Lohnarbeiter auf der andren, so reproduziert die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter oder die Akkumulation das Kapitalverhältnis auf erweiterter Stufenleiter, mehr Kapitalisten oder größere Kapitalisten auf diesem Pol, mehr Lohnarbeiter auf jenem.
Die Reproduktion der Arbeitskraft, die sich dem Kapital unaufhörlich als Verwertungsmittel einverleiben muß, nicht von ihm loskommen kann und deren Hörigkeit zum Kapital nur versteckt wird durch den Wechsel der individuellen Kapitalisten, woran sie sich verkauft, bildet in der Tat ein Moment der Reproduktion des Kapitals selbst. Akkumulation des Kapitals ist also Vermehrung des Proletariats.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.641f.)


Annahme 12

Die Kapitalisten können unter bestimmten Bedingungen (z.B. Eröffnung neuer Märkte, Entstehung neuer gesellschaftlicher Bedürfnisse) eine verstärkte Nachfrage nach Arbeitern entwickeln, die sie nur befriedigen können, wenn sie höhere Arbeitslöhne zahlen. Das können sie jederzeit ohne vorherige Mehrwertsteigerung, indem sie den Teil des Mehrwerts den sie für ihren Privatkonsum nutzen (Revenue) kürzen und den, den sie wieder in den Produktionsprozess werfen (Kapital), vergrößern.


„und da endlich, unter besondrem Sporn des Bereicherungstriebs wie z. B. Öffnung neuer Märkte, neuer Sphären der Kapitalanlage infolge neu entwickelter gesellschaftlicher Bedürfnisse Usw., die Stufenleiter der Akkumulation plötzlich ausdehnbar ist durch bloß veränderte Teilung des Mehrwerts oder Mehrprodukts in Kapital und Revenue, können die Akkumulationsbedürfnisse des Kapitals das Wachstum der Arbeitskraft oder der Arbeiteranzahl, die Nachfrage nach Arbeitern ihre Zufuhr überflügeln und daher die Arbeitslöhne steigen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.641)


Wissenschaftlich-technischer Fortschritt[Bearbeiten]

Schlagworte

Wissenschaft, Technik, Fortschritt

Annahme 1

Die Wissenschaft und die Technik bilden eine von der Größe des Kapitals unabhängige Potenz seiner Expansion. In seine neue Form einverleibt es gratis den vollzogenen gesellschaftlichen Fortschritt.


„Gleich vermehrter Ausbeutung des Naturreichtums durch bloß höhere Spannung der Arbeitskraft, bilden Wissenschaft und Technik eine von der gegebnen Größe des funktionierenden Kapitals unabhängige Potenz seiner Expansion. Sie reagiert zugleich auf den in sein Erneuerungsstadium eingetretenen Teil des Originalkapitals. In seine neue Form einverleibt es gratis den hinter dem Rücken seiner alten Form vollzogenen gesellschaftlichen Fortschritt.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.632)


Aufschwung und Krise[Bearbeiten]

Schlagworte

Krise, Aufschwung, Lohnhöhe, Arbeit, Konsumtion

Annahme 1

Das Verhältnis zwischen Kapital, Akkumulation und Lohnrate ist das Verhältnis zwischen unbezahlter, in Kapital verwandelter Arbeit und der zur Bewegung des Zusatzkapitals erforderlichen zuschüssigen Arbeit. Das Verhältnis von unbezahlter und bezahlter Arbeit der Arbeiterbevölkerung.
Wenn die Menge der unbezahlten Arbeit rasch wächst, um außergewöhnlichen Zuschuss bezahlter Arbeit in Kapital verwandeln zu können, steigt der Lohn, die unbezahlte Arbeit nimmt ab.
Sobald aber der Punkt eintritt, wo die das Kapital ernährende Mehrarbeit nicht in normaler Menge angeboten wird, erlahmt die Akkumulation, die steigende Lohnbewegung erhält Gegenschlag.
Die Erhöhung des Arbeitspreises bleibt eingebannt in Grenzen, die die Grundlagen des kapitalistischen Systems nicht nur unangetastet lassen, sondern auch seine Reproduktion auf wachsender Stufenleiter sichern.


„Das Verhältnis zwischen Kapital, Akkumulation und Lohnrate ist nichts als das Verhältnis zwischen der unbezahlten, in Kapital verwandelten Arbeit und der zur Bewegung des Zusatzkapitals erforderlichen zuschüssigen Arbeit.
Es ist also keineswegs ein Verhältnis zweier voneinander unabhängigen Größen, einerseits der Größe des Kapitals, andrerseits der Zahl der Arbeiterbevölkerung, es ist vielmehr in letzter Instanz nur das Verhältnis zwischen der unbezahlten und der bezahlten Arbeit derselben Arbeiterbevölkerung. Wächst die Menge der von der Arbeiterklasse gelieferten und von der Kapitalistenklasse akkumulierten, unbezahlten Arbeit rasch genug, um nur durch einen außergewöhnlichen Zuschuß bezahlter Arbeit sich in Kapital verwandeln zu können, so steigt der Lohn, und alles andre gleichgesetzt, nimmt die unbezahlte Arbeit im Verhältnis ab.
Sobald aber diese Abnahme den Punkt berührt, wo die das Kapital ernährende Mehrarbeit nicht mehr in normaler Menge angeboten wird, so tritt eine Reaktion ein: ein geringerer Teil der Revenue wird kapitalisiert, die Akkumulation erlahmt, und die steigende Lohnbewegung empfängt einen Gegenschlag. Die Erhöhung des Arbeitspreises bleibt also eingebannt in Grenzen, die die Grundlagen des kapitalistischen Systems nicht nur unangetastet lassen, sondern auch seine Reproduktion auf wachsender Stufenleiter sichern.
Das in ein Naturgesetz mystifizierte Gesetz der kapitalistischen Akkumulation drückt also in der Tat nur aus, daß ihre Natur jede solche Abnahme im Exploitationsgrad der Arbeit oder jede solche Steigerung des Arbeitspreises ausschließt, welche die stetige Reproduktion des Kapitalverhältnisses und seine Reproduktion auf stets erweiterter Stufenleiter ernsthaft gefährden könnte.
Es kann nicht anders sein in einer Produktionsweise, worin der Arbeiter für die Verwertungsbedürfnisse vorhandner Werte, statt umgekehrt der gegenständliche Reichtum für die Entwicklungsbedürfnisse des Arbeiters da ist. Wie der Mensch in der Religion vom Machwerk seines eignen Kopfes, so wird er in der kapitalistischen Produktion vom Machwerk seiner eignen Hand beherrscht.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.649)


Annahme 2

Im Verlauf der Akkumulation tritt ein Punkt ein, wo die Entwicklung der Produktivität der Arbeit der mächtigste Hebel der Akkumulation wird.


„Die allgemeinen Grundlagen des kapitalistischen Systems einmal gegeben, tritt im Verlauf der Akkumulation jedesmal ein Punkt ein, wo die Entwicklung der Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit der mächtigste Hebel der Akkumulation wird.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.650)


Annahme 3

Krisen gehen aus Mangel an zahlungsfähiger Konsumtion hervor. Das ist eine Tautologie. Abhilfe schaffen zu wollen, in dem die Arbeiterklasse einen größeren Teil ihres Produkts erhält, ignoriert, dass Krisen vorbereitet werden durch eine Periode, in der der Arbeitslohn allgemein steigt und die Arbeiterklasse größeren Anteil erhält. Die kapitalistische Produktion schafft unabhängig von gutem oder schlechtem Willen Bedingungen, die die relative Prosperität der Arbeiterklasse nur vorübergehend – als Vorlauf der Krise - zulassen.


„Es ist eine reine Tautologie zu sagen, daß die Krisen aus Mangel an zahlungsfähiger Konsumtion oder an zahlungsfähigen Konsumenten hervorgehn. Andre Konsumarten, als zahlende, kennt das kapitalistische System nicht, ausgenommen die sub forma pauperis oder die des „Spitzbuben". Daß Waren unverkäuflich sind, heißt nichts, als daß sich keine zahlungsfähigen Käufer für sie fanden, also Konsumenten (sei es nun, daß die Waren in letzter Instanz zum Behuf produktiver oder individueller Konsumtion gekauft werden).
Will man aber dieser Tautologie einen Schein tiefrei" Begründung dadurch geben, daß man sagt, die Arbeiterklasse erhalte einen zu geringen Teil ihres eignen Produkts, und dem Übelstand werde mithin abgeholfen, sobald sie größern Anteil davon empfängt, ihr Arbeitslohn folglich wächst, so ist nur zu bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt und die Arbeiterklasse realiter größern Anteil an dem für Konsumtion bestimmten Teil des jährlichen Produkts erhält. Jene Periode müsste – von dem Gesichtspunkt dieser Ritter vom gesunden und „einfachen" (!) Menschenverstand - umgekehrt die Krise entfernen.
Es scheint also, daß die kapitalistische Produktion vom guten oder bösen Willen unabhängige Bedingungen einschließt, die jene relative Prosperität der Arbeiterklasse nur momentan zulassen, und zwar immer nur als Sturmvogel einer Krise.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.409f.)


Produktivkraftentwicklung[Bearbeiten]

Schlagworte

Produktivität, Wachstum, Produktivkraftentwicklung, Wertzusammensetzung, Organische Zusammensetzung des Kapitals, Relative Mehrwertproduktion, Vergesellschaftung der Produktion

Annahme 1

Der gesellschaftliche Produktivgrad der Arbeit drückt sich im relativen Größenumfang der Produktionsmittel aus, die ein Arbeiter während gegebener Zeit, mit derselben Anspannung von Arbeitskraft, in Produkt verwandelt. Die Masse der Produktionsmittel, womit er funktioniert, wächst mit der Produktivität seiner Arbeit.
Das Wachstum der einen Produktionsmittel ist Folge der wachsenden Produktivität der Arbeit, das Wachstum der anderen Bedingung. 


„Abgesehn von Naturbedingungen, wie Fruchtbarkeit des Bodens usw., und vom Geschick unabhängiger und isoliert arbeitender Produzenten, das sich jedoch mehr qualitativ in der Güte als quantitativ in der Masse des Machwerks bewährt, drückt sich der gesellschaftliche Produktivgrad der Arbeit aus im relativen Größenumfang der Produktionsmittel, welche ein Arbeiter, während gegebner Zeit, mit derselben Anspannung von Arbeitskraft, in Produkt verwandelt.
Die Masse der Produktionsmittel, womit er funktioniert, wächst mit der Produktivität seiner Arbeit. Diese Produktionsmittel spielen dabei eine doppelte Rolle. Das Wachstum der einen ist Folge, das der andren Bedingung der wachsenden Produktivität der Arbeit.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.650)


Annahme 2

Die Zunahme der Produktivität der Arbeit erscheint in der Abnahme der Arbeitsmasse verhältnismäßig zu der von ihr bewegten Masse von PM oder in der Größenabnahme des subjektiven Faktors des Arbeitsprozesses, verglichen mit seinen objektiven Faktoren.
Diese Veränderung in der technischen Zusammensetzung des Kapitals – das Wachstum der PM verglichen mit der AK, spiegelt sich wider in seiner Wertzusammensetzung, in der Zunahme des konstanten Bestandteil des Kapitals. 


„Die Zunahme der letzteren erscheint also in der Abnahme der Arbeitsmasse verhältnismäßig zu der von ihr bewegten Masse von Produktionsmitteln oder in der Größenabnahme des subjektiven Faktors des Arbeitsprozesses, verglichen mit seinen objektiven Faktoren. Diese Veränderung in der technischen Zusammensetzung des Kapitals, das Wachstum in der Masse der Produktionsmittel, verglichen mit der Masse der sie belebenden Arbeitskraft, spiegelt sich wider in seiner Wertzusammensetzung, in der Zunahme des konstanten Bestandteils des Kapitalwerts auf Kosten seines variablen Bestandteils.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.651f.)


Annahme 3

Die Kooperation auf großer Stufenleiter, PM durch massenhafte Konzentration ökonomisiert,….ist Voraussetzung für die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit.


„Im vierten Abschnitt wurde gezeigt, wie die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit Kooperation auf großer Stufenleiter voraussetzt, wie nur unter dieser Voraussetzung Teilung und Kombination der Arbeit organisiert, Produktionsmittel durch massenhafte Konzentration ökonomisiert, schon stofflich nur gemeinsam anwendbare Arbeitsmittel, z.B. System der Maschinerie usw., ins Leben gerufen, ungeheure Naturkräfte in den Dienst der Produktion gepreßt und die Verwandlung des Produktionsprozesses in technologische Anwendung der Wissenschaft vollzogen werden können.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.652)


Annahme 4

Ein gewisser Grad der Kapitalakkumulation ist Bedingung für kap. Produktionsweise und verursacht beschleunigte Akkumulation. Beide Faktoren bedingen den Wechsel in der technischen Zusammensetzung des Kapitals. 


„Die kontinuierliche Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital stellt sich dar als wachsende Größe des in den Produktionsprozeß eingehenden Kapitals. Diese wird ihrerseits Grundlage einer erweiterten Stufenleiter der Produktion, der sie begleitenden Methoden zur Steigerung der Produktivkraft der Arbeit und beschleunigter Produktion von Mehrwert. Wenn also ein gewisser Grad der Kapitalakkumulation als Bedingung der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise erscheint, verursacht die letztere rückschlagend eine beschleunigte Akkumulation des Kapitals. Mit der Akkumulation des Kapitals entwickelt sich daher die spezifisch kapitalistische Produktionsweise und mit der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise die Akkumulation des Kapitals. Diese beiden ökonomischen Faktoren erzeugen, nach dem zusammengesetzten Verhältnis des Anstoßes, den sie sich gegenseitig erteilen, den Wechsel in der technischen Zusammensetzung des Kapitals, durch welchen der variable Bestandteil immer kleiner und kleiner wird, verglichen mit dem konstanten.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.653)


Relative Mehrwertproduktion[Bearbeiten]

Schlagworte

Produktivkraftentwicklung, Relative Mehrwertproduktion, Organische Zusammensetzung des Kapitals

Annahme 1

Die Änderung der Zusammensetzung der stofflichen Bestandteile ist größer als die der Wertzusammensetzung, da der Wert der PM sinkt. 


„Die Abnahme des variablen Kapitalteils gegenüber dem konstanten oder die veränderte Zusammensetzung des Kapitalwerts zeigt jedoch nur annähernd den Wechsel in der Zusammensetzung seiner stofflichen Bestandteile an. […] Der Grund ist einfach der, daß mit der wachsenden Produktivität der Arbeit nicht nur der Umfang der von ihr vernutzten Produktionsmittel steigt, sondern deren Wert, verglichen mit ihrem Umfang, sinkt. Ihr Wert steigt also absolut, aber nicht proportionell mit ihrem Umfang. Das Wachstum der Differenz zwischen konstantem und variablem Kapital ist daher viel kleiner als das der Differenz zwischen der Masse der Produktionsmittel, worin das konstante, und der Masse Arbeitskraft, worin das variable Kapital umgesetzt wird. Die erstere Differenz nimmt zu mit der letzteren, aber in geringerem Grad.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.651f.)


Annahme 2

Die absolute Größe von v kann trotz seiner relativen Abnahme steigen, da mehr v notwendig ist, um k zu bewegen.


„Übrigens, wenn der Fortschritt der Akkumulation die relative Größe des variablen Kapitalteils vermindert, schließt er damit die Steigerung ihrer absoluten Größe keineswegs aus.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.652)


Konzentration des Kapitals[Bearbeiten]

Schlagworte

Kapitalkonzentration, Kapitalakkumulation

Annahme 1

Das Wachstum des gesellschaftlichen Kapitals vollzieht sich im Wachstum vieler individueller Kapitale. Mit ihnen wächst die Konzentration der PM. Zugleich reißen sich Ableger los und fungieren als neue Kapitale. Mit der Akkumulation wächst daher auch die Anzahl der Kapitalisten. Dieser Prozess ist identisch mit der Akkumulation: Wachsende Konzentration der gesellschaftlichen Produktionsmittel in den Händen individueller Kapitalisten. Das Kapital ist verteilt auf viele Punkte, das Wachstum der Kapitale ist durchkreuzt durch die Bildung neuer und die Spaltung alter Kapitale. Akkumulation stellt sich dar als wachsende Konzentration der PM einerseits, andererseits als Repulsion vieler individueller Kapitale.


„Jedes individuelle Kapital ist eine größere oder kleinere Konzentration von Produktionsmitteln mit entsprechendem Kommando über eine größere oder kleinere Arbeiterarmee. Jede Akkumulation wird das Mittel neuer Akkumulation. Sie erweitert mit der vermehrten Masse des als Kapital funktionierenden Reichtums seine Konzentration in den Händen individueller Kapitalisten, daher die Grundlage der Produktion auf großer Stufenleiter und der spezifisch kapitalistischen Produktionsmethoden. Das Wachstum des gesellschaftlichen Kapitals vollzieht sich im Wachstum vieler individuellen Kapitale. Alle andren Umstände als gleichbleibend vorausgesetzt, wachsen die individuellen Kapitale, und mit ihnen die Konzentration der Produktionsmittel, im Verhältnis, worin sie aliquote Teile des gesellschaftlichen Gesamtkapitals bilden. Zugleich reißen sich Ableger von den Originalkapitalen los und funktionieren als neue selbständige Kapitale. Eine große Rolle spielt dabei unter anderm die Teilung des Vermögens in Kapitalistenfamilien. Mit der Akkumulation des Kapitals wächst daher auch mehr oder minder die Anzahl der Kapitalisten. Zwei Punkte charakterisieren diese Art Konzentration, welche unmittelbar auf der Akkumulation beruht oder vielmehr mit ihr identisch ist. Erstens: Die wachsende Konzentration der gesellschaftlichen Produktionsmittel in den Händen individueller Kapitalisten ist, unter sonst gleichbleibenden Umständen, beschränkt durch den Wachstumsgrad des gesellschaftlichen Reichtums. Zweitens: Der in jeder besondren Produktionssphäre ansässige Teil des gesellschaftlichen Kapitals ist verteilt unter viele Kapitalisten, welche einander als unabhängige und miteinander konkurrierende Warenproduzenten gegenüberstehn. Die Akkumulation und die sie begleitende Konzentration sind also nicht nur auf viele Punkte zersplittert, sondern das Wachstum der funktionierenden Kapitale ist durchkreuzt durch die Bildung neuer und die Spaltung alter Kapitale. Stellt sich die Akkumulation daher einerseits dar als wachsende Konzentration der Produktionsmittel und des Kommandos über Arbeit, so andrerseits als Repulsion vieler individueller Kapitale voneinander.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.653f.)


Zentralisation der Kapitale[Bearbeiten]

Schlagworte

Zentralisation der Kapitale, Kredit, Zentralisation, Konkurrenz, Kreditwesen, Übernahme, Akkumulation, Vergesellschaftung der Produktion, Organische Zusammensetzung des Kapitals, Arbeitslosigkeit, Industrielle Reservearmee

Annahme 1

Dem entgegen wirkt die nicht mehr einfache Konzentration, die mit der Akkumulation identisch ist, sondern Konzentration bereits gebildeter Kapitale, Aufhebung ihrer individuellen Selbständigkeit, Expropriation von Kapitalist durch Kapitalist. Verwandlung vieler kleinerer in weniger größere Kapitale. Der Unterschied zur Konzentration durch Akkumulation ist, dass er nur eine veränderte Verteilung der bereits vorhandenen und funktionierenden Kapitale voraussetzt. Es ist die eigentliche Zentralisation um Unterschied zur Akkumulation und Konzentration. 


„Dieser Zersplitterung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals in viele individuelle Kapitale oder der Repulsion seiner Bruchteile voneinander wirkt entgegen ihre Attraktion. Es ist dies nicht mehr einfache, mit der Akkumulation identische Konzentration von Produktionsmitteln und Kommando über Arbeit. Es ist Konzentration bereits gebildeter Kapitale, Aufhebung ihrer individuellen Selbständigkeit, Expropriation von Kapitalist durch Kapitalist, Verwandlung vieler kleineren in weniger größere Kapitale. Dieser Prozeß unterscheidet sich von dem ersten dadurch, daß er nur veränderte Verteilung der bereits vorhandnen und funktionierenden Kapitale voraussetzt, sein Spielraum also durch das absolute Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums oder die absoluten Grenzen der Akkumulation nicht beschränkt ist. Das Kapital schwillt hier in einer Hand zu großen Massen, weil es dort in vielen Händen verlorengeht. Es ist die eigentliche Zentralisation im Unterschied zur Akkumulation und Konzentration.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.654)


Annahme 2

Das Kreditwesen wird eine neue Waffe im Konkurrenzkampf und schließlich in einen ungeheuren sozialen Mechanismus zur Zentralisation der Kapitale verwandelt.


„Abgesehn hiervon bildet sich mit der kapitalistischen Produktion eine ganz neue Macht, das Kreditwesen, das in seinen Anfängen verstohlen, als bescheidne Beihilfe der Akkumulation, sich einschleicht, durch unsichtbare Fäden die über die Oberfläche der Gesellschaft in größern oder kleinern Massen zersplitterten Geldmittel in die Hände individueller oder assoziierter Kapitalisten zieht, aber bald eine neue und furchtbare Waffe im Konkurrenzkampf wird und sich schließlich in einen ungeheuren sozialen Mechanismus zur Zentralisation der Kapitale verwandelt.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.654f.)


Annahme 3

Die Konkurrenz und der Kredit entwickeln sich mit Akkumulation. Einzelkapitale werden vermehrt. Gesellschaftliches Bedürfnis und technische Mittel schaffen gewaltige industrielle Unternehmungen, deren Durchführung an eine vorangegangene Zentralisation des Kapitals gebunden ist. Der Fortschritt der Zentralisation hängt nicht vom Größenwachstum des gesellschaftlichen Kapitals ab, sie kann durch bloße veränderte Verteilung schon bestehender Kapitale erfolgen. Kapital kann in einer Hand zu gewaltigen Massen anwachsen, weil es vielen einzelnen Händen entzogen wird. In einem Geschäftszweig hätte die Zentralisation ihre Grenze erreicht, wenn alle dort angelegten Kapital zu einem Einzelkapital verschmolzen wären. 


„Im Maß wie die kapitalistische Produktion und Akkumulation, im selben Maß entwickeln sich Konkurrenz und Kredit, die beiden mächtigsten Hebel der Zentralisation. Daneben vermehrt der Fortschritt der Akkumulation den zentralisierbaren Stoff, d.h. die Einzelkapitale, während die Ausweitung der kapitalistischen Produktion, hier das gesellschaftliche Bedürfnis, dort die technischen Mittel jener gewaltigen industriellen Unternehmungen schafft, deren Durchführung an eine vorgängige Zentralisation des Kapitals gebunden ist. Heutzutage ist also die gegenseitige Attraktionskraft der Einzelkapitale und die Tendenz zur Zentralisation stärker als je zuvor. Wenn aber auch die relative Ausdehnung und Energie der zentralisierenden Bewegung in gewissem Grad bestimmt ist durch die schon erreichte Größe des kapitalistischen Reichtums und die Überlegenheit des ökonomischen Mechanismus, so hängt doch der Fortschritt der Zentralisation keineswegs ab von dem positiven Größenwachstum des gesellschaftlichen Kapitals. Und dies speziell unterscheidet die Zentralisation von der Konzentration, die nur ein andrer Ausdruck für die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter ist. Die Zentralisation kann erfolgen durch bloße veränderte Verteilung schon bestehender Kapitale, durch einfache Veränderung der quantitativen Gruppierung der Bestandteile des gesellschaftlichen Kapitals. Das Kapital kann hier zu gewaltigen Massen in einer Hand anwachsen, weil es dort vielen einzelnen Händen entzogen wird. In einem gegebnen Geschäftszweig hätte die Zentralisation ihre äußerste Grenze erreicht, wenn alle darin angelegten Kapitale zu einem Einzelkapital verschmolzen wären.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.655)


Annahme 4

Die Zentralisation ergänzt die Akkumulation. Sie kann auf verschiedenen Wegen stattfinden, durch Annexion, Verschmelzung oder der Bildung von Aktiengesellschaften - die Wirkung bleibt dieselbe. Die Ausdehnung der industriellen Tätigkeit ist Ausgangspunkt für umfassendere Organisation der Gesamtarbeit. Einzelne Produktionsprozesse werden zu gesellschaftlich kombinierten und wissenschaftlich disponierten Produktionsprozessen. 


„Die Zentralisation ergänzt das Werk der Akkumulation, indem sie die industriellen Kapitalisten instand setzt, die Stufenleiter ihrer Operationen auszudehnen. Sei dies letztre Resultat nun Folge der Akkumulation oder der Zentralisation; vollziehe sich die Zentralisation auf dem gewaltsamen Weg der Annexion - wo gewisse Kapitale so überwiegende Gravitationszentren für andre werden, daß sie deren individuelle Kohäsion brechen und dann die vereinzelten Bruchstücke an sich ziehn - oder geschehe die Verschmelzung einer Menge bereits gebildeter, resp. in der Bildung begriffner Kapitale vermittelst des glatteren Verfahrens der Bildung von Aktiengesellschaften - die ökonomische Wirkung bleibt dieselbe. Die gewachsne Ausdehnung der industriellen Etablissements bildet überall den Ausgangspunkt für eine umfassendere Organisation der Gesamtarbeit vieler, für eine breitre Entwicklung ihrer materiellen Triebkräfte, d.h. für die fortschreitende Umwandlung vereinzelter und gewohnheitsmäßig betriebner Produktionsprozesse in gesellschaftlich kombinierte und wissenschaftlich disponierte Produktionsprozesse.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.656)


Annahme 5

Die Akkumulation ist ein langsamer, allmählicher Prozess, Zentralisation dagegen schnell. Ohne Zentralisation hätte es sehr lange gedauert, bis einzelne Unternehmen groß genug gewesen wären, um die Eisenbahn zu bauen. Die Zentralisation steigert und beschleunigt die Wirkung der Akkumulation und beschleunigt gleichzeitig die Umwälzungen in der technischen Zusammensetzung des Kapitals – Zunahme des konstanten Kapitals auf Kosten des variablen. Abnahme der Nachfrage nach Arbeit.


„Es ist aber klar, daß die Akkumulation, die allmähliche Vermehrung des Kapitals durch die aus der Kreisform in die Spirale übergehende Reproduktion ein gar langsames Verfahren ist, im Vergleich mit der Zentralisation, die nur die quantitative Gruppierung der integrierenden Teile des gesellschaftlichen Kapitals zu ändern braucht. Die Welt wäre noch ohne Eisenbahnen, hätte sie solange warten müssen, bis die Akkumulation einige Einzelkapitale dahin gebracht hätte, dem Bau einer Eisenbahn gewachsen zu sein. Die Zentralisation dagegen hat dies, vermittelst der Aktiengesellschaften, im Handumdrehn fertiggebracht. Und während die Zentralisation so die Wirkungen der Akkumulation steigert und beschleunigt, erweitert und beschleunigt sie gleichzeitig die Umwälzungen in der technischen Zusammensetzung des Kapitals, die dessen konstanten Teil vermehren auf Kosten seines variablen Teils und damit die relative Nachfrage nach Arbeit vermindern.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.656)


Annahme 6

Das Kapital erneuert sich, vervollkommnete technische Gestalt, geringere Arbeit genügt, um größere Masse Maschinen in Gang zu setzen. Die Abnahme der Nachfrage nach Arbeit wird größer, je mehr Zentralisation. 


„Die im Lauf der normalen Akkumulation gebildeten Zusatzkapitale (s. Kap.XXII, 1) dienen vorzugsweise als Vehikel zur Exploitation neuer Erfindungen und Entdeckungen, überhaupt industrieller Vervollkommnungen. Aber auch das alte Kapital erreicht mit der Zeit den Moment seiner Erneuerung an Haupt und Gliedern, wo es sich häutet und ebenfalls wiedergeboren wird in der vervollkommneten technischen Gestalt, worin eine geringere Masse Arbeit genügte, eine größere Masse Maschinerie und Rohstoffe in Bewegung zu setzen. Die hieraus notwendig folgende absolute Abnahme der Nachfrage nach Arbeit wird selbstredend um so größer, je mehr die diesen Erneuerungsprozeß durchmachenden Kapitale bereits zu Massen angehäuft sind vermöge der zentralisierenden Bewegung. Einerseits attrahiert also das im Fortgang der Akkumulation gebildete Zuschußkapital, verhältnismäßig zu seiner Größe, weniger und weniger Arbeiter. Andrerseits repelliert das periodisch in neuer Zusammensetzung reproduzierte alte Kapital mehr und mehr früher von ihm beschäftigte Arbeiter.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.657)


Kapitalistische Konkurrenz[Bearbeiten]

Schlagworte

Konkurrenz, Übernahme, Kredit

Annahme 1

Die Konkurrenz wird durch Preis der Waren geführt, der von der Produktivität der Arbeit abhängt, dieser wiederum von der Stufenleiter der Produktion. Die größeren Kapitale schlagen die kleineren. Mit Entwicklung der kap. PW ist Minimalumfang des Kapitals größer. Kleinere Kapital drängen daher in Produktionssphären, deren sich die große Industrie noch nicht bemächtigt hat. Viele kleine gehen unter oder landen in der Hand des Siegers.
Mit der kapitalistischen Produktion bildet sich eine neue Macht: Das Kreditwesen. Anfangs als Hilfe der Akkumulation, sich einschleichend, durch unsichtbare Fäden die über die Oberfläche der Gesellschaft in größere oder kleinere Massen zersplitterte Geldmittel in die Hände individueller oder assoziierter Kapitalisten zieht.


„Der Konkurrenzkampf wird durch Verwohlfeilerung der Waren geführt. Die Wohlfeilheit der Waren hängt, caeteris paribus, von der Produktivität der Arbeit, diese aber von der Stufenleiter der Produktion ab. Die größeren Kapitale schlagen daher die kleineren. Man erinnert sich ferner, daß mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise der Minimalumfang des individuellen Kapitals wächst, das erheischt ist, um ein Geschäft unter seinen normalen Bedingungen zu betreiben. Die kleineren Kapitale drängen sich daher in Produktionssphären, deren sich die große Industrie nur noch sporadisch oder unvollkommen bemächtigt hat. Die Konkurrenz rast hier im direkten Verhältnis zur Anzahl und im umgekehrten Verhältnis zur Größe der rivalisierenden Kapitale. Sie endet stets mit Untergang vieler kleineren Kapitalisten, deren Kapitale teils in die Hand des Siegers übergehn, teils untergehn.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.654f.)


Entstehung und Funktion der Industriellen Reservearmee[Bearbeiten]

Schlagworte

Arbeitslosigkeit, Industrielle Reservearmee, Wachstum des Gesamtkapitals, Überbevölkerung, Krise, Aufschwung, Ausbeutung, Relative Mehrwertproduktion, Mehrarbeit, Produktivkraftentwicklung, Variables Kapital, Organische Zusammensetzung des Kapitals, Arbeitslosigkeit, Arbeitslohn, Lohndruck, Nachfrage nach Arbeit, Zyklus

Annahme 1

Mit Wachstum des Gesamtkapitals wächst zwar auch sein variabler Bestandteil, die ihm einverleibte Arbeitskraft, aber in beständig abnehmender Proportion. 


„Da die Nachfrage nach Arbeit nicht durch den Umfang des Gesamtkapitals, sondern durch den seines variablen Bestandteils bestimmt ist, fällt sie also progressiv mit dem Wachstum des Gesamtkapitals, statt, wie vorhin unterstellt, verhältnismäßig mit ihm zu wachsen. Sie fällt relativ zur Größe des Gesamtkapitals und in beschleunigter Progression mit dem Wachstum dieser Größe. Mit dem Wachstum des Gesamtkapitals wächst zwar auch sein variabler Bestandteil, oder die ihm einverleibte Arbeitskraft, aber in beständig abnehmender Proportion.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.658)


Annahme 2

Auf der anderen Seite wächst die Arbeiterbevölkerung schneller als das variable Kapital, es kommt zu einer relativen, also für die durchschnittlichen Verwertungsbedürfnisse des Kapitals überschüssigen, daher überflüssigen Arbeiterbevölkerung.  

 

„Diese mit dem Wachstum des Gesamtkapitals beschleunigte und rascher als sein eignes Wachstum beschleunigte relative Abnahme seines variablen Bestandteils scheint auf der andren Seite umgekehrt stets rascheres absolutes Wachstum der Arbeiterbevölkerung als das des variablen Kapitals oder ihrer Beschäftigungsmittel. Die kapitalistische Akkumulation produziert vielmehr, und zwar im Verhältnis zu ihrer Energie und ihrem Umfang, beständig eine relative, d.h. für die mittleren Verwertungsbedürfnisse des Kapitals überschüssige, daher überflüssige oder Zuschuß-Arbeiterbevölkerung.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.658)


Annahme 3

Mit Ausdehnung der Produktionsleiter, der Produktivität der Arbeit dehnt sich auch die Stufenleiter, worin größere Attraktion der Arbeiter mit größerer Repulsion derselben verbunden ist. Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbevölkerung in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eigenen relativen Überzähligmachung. Das ist das der kapitalistischen Produktionsweise eigene Populationsgesetz.  


„Mit der Größe des bereits funktionierenden Gesellschaftskapitals und dem Grad seines Wachstums, mit der Ausdehnung der Produktionsleiter und der Masse der in Bewegung gesetzten Arbeiter, mit der Entwicklung der Produktivkraft ihrer Arbeit, mit dem breiteren und volleren Strom aller Springquellen des Reichtums dehnt sich auch die Stufenleiter, worin größere Attraktion der Arbeiter durch das Kapital mit größerer Repulsion derselben verbunden ist, nimmt die Raschheit der Wechsel in der organischen Zusammensetzung des Kapitals und seiner technischen Form zu, und schwillt der Umkreis der Produktionssphären, die bald gleichzeitig, bald abwechselnd davon ergriffen werden. Mit der durch sie selbst produzierten Akkumulation des Kapitals produziert die Arbeiterbevölkerung also in wachsendem Umfang die Mittel ihrer eignen relativen Uberzähligmachung. Es ist dies ein der kapitalistischen Produktionsweise eigentümliches Populationsgesetz, wie in der Tat jede besondre historische Produktionsweise ihre besondren, historisch gültigen Populationsgesetze hat. Ein abstraktes Populationsgesetz existiert nur für Pflanze und Tier, soweit der Mensch nicht geschichtlich eingreift.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.659f.)


Annahme 4

Die überschüssige Bevölkerung ist notwendiges Resultat der Akkumulation und sie ist umgekehrt Hebel der Akkumulation, eben Existenzbedingung der kap. Produktionsweise. Sie ist disponible industrielle Reservearmee, die dem Kapital ganz gehört, ist stets ausbeutbares Menschenmaterial unabhängig von der wirklichen Bevölkerungszunahme. 


„Wenn aber eine Surplusarbeiterpopulation notwendiges Produkt der Akkumulation oder der Entwicklung des Reichtums auf kapitalistischer Grundlage ist, wird diese Übervölkerung umgekehrt zum Hebel der kapitalistischen Akkumulation, ja zu einer Existenzbedingung der kapitalistischen Produktionsweise. Sie bildet eine disponible industrielle Reservearmee, die dem Kapital ganz so absolut gehört, als ob es sie auf seine eignen Kosten großgezüchtet hätte. Sie schafft für seine wechselnden Verwertungsbedürfnisse das stets bereite exploitable Menschenmaterial, unabhängig von den Schranken der wirklichen Bevölkerungszunahme.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.661)


Annahme 5

Der zehnjährige Zyklus von Krise und Boom beruht auf der beständigen Bildung der Überbevölkerung. Der industrielle Zyklus rekrutiert wiederum die Überbevölkerung, wird zum entscheidenden Faktor ihrer Reproduktion. 


„Der charakteristische Lebenslauf der modernen Industrie, die Form eines durch kleinere Schwankungen unterbrochnen zehnjährigen Zyklus von Perioden mittlerer Lebendigkeit, Produktion unter Hochdruck, Krise und Stagnation, beruht auf der beständigen Bildung, größern oder geringem Absorption und Wiederbildung der industriellen Reservearmee oder Übervölkerung. Ihrerseits rekrutieren die Wechselfälle des industriellen Zyklus die Übervölkerung und werden zu einem ihrer energischsten Reproduktionsagentien.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.661)


Annahme 6

In der frühen Periode des Kapitalismus veränderte sich die Zusammensetzung des Kapitals nur allmählich, es gab keine Überbevölkerung. 


„Dieser eigentümliche Lebenslauf der modernen Industrie, der uns in keinem frühern Zeitalter der Menschheit begegnet, war auch in der Kindheitsperiode der kapitalistischen Produktion unmöglich. Die Zusammensetzung des Kapitals veränderte sich nur sehr allmählich. Seiner Akkumulation entsprach also im Ganzen verhältnismäßiges Wachstum der Arbeitsnachfrage.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.661)


Annahme 7

Die Bewegungsform der modernen Industrie erwächst aus der beständigen Verwandlung eines Teils der Arbeiterbevölkerung in unbeschäftigte oder halbbeschäftigte Hände. 


„Die ganze Bewegungsform der modernen Industrie erwächst also aus der beständigen Verwandlung eines Teils der Arbeiterbevölkerung in unbeschäftigte oder halbbeschäftigte Hände. Die Oberflächlichkeit der politischen Ökonomie zeigt sich u.a. darin, daß sie die Expansion und Kontraktion des Kredits, das bloße Symptom der Wechselperioden des industriellen Zyklus, zu deren Ursache macht.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.662)


Annahme 8

Wenn der individuelle Arbeiter mehr Arbeit liefert und daher sein Arbeitslohn steigt, obgleich der Arbeitspreis gleich bleibt, wird der Zuwachs von variablem Kapital zu Index von mehr Arbeit, aber nicht mehr Arbeitern. Jeder Kapitalist hat das absolute Interesse, ein bestimmtes Arbeitsquantum aus kleinerer Arbeiterzahl auszupressen


„Bei gleichbleibender oder selbst verminderter Zahl der von ihm kommandierten Arbeiter wächst jedoch das variable Kapital, wenn der individuelle Arbeiter mehr Arbeit liefert und daher sein Arbeitslohn wächst, obgleich der Arbeitspreis gleichbleibt oder selbst sinkt, nur langsamer, als die Arbeitsmasse steigt. Der Zuwachs des variablen Kapitals wird dann Index von mehr Arbeit, aber nicht von mehr beschäftigten Arbeitern. Jeder Kapitalist hat das absolute Interesse, ein bestimmtes Arbeitsquantum aus kleinerer, statt ebenso wohlfeil oder selbst wohlfeiler aus größerer Arbeiterzahl auszupressen. In dem letzten Fall wächst die Auslage von konstantem Kapital verhältnismäßig zur Masse der in Fluß gesetzten Arbeit, im ersten Fall viel langsamer. Je größer die Stufenleiter der Produktion, desto entscheidender dies Motiv. Seine Wucht wächst mit der Akkumulation des Kapitals.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.664)


Annahme 9

Die Produktivkraft der Arbeit befähigt Kapitalisten mit derselben Auslage von v mehr Arbeit durch größere extensive oder intensive Ausbeutung der individuellen Arbeitskräfte flüssig zu machen. Er kauft mit demselben Kapitalwert mehr Arbeitskräfte, indem er geschicktere durch ungeschicktere, reife durch unreife, männliche durch weibliche,…ersetzt.
Ein größeres v macht mehr Arbeit flüssig, ohne mehr Arbeiter zu werben. 
v von derselben Größe macht mehr Arbeit mit derselben Masse Arbeitskraft flüssig und mehr niedere durch Verdrängung höherer Arbeitskräfte. 
Dies ist wichtig für die Zusammensetzung der AK bzw. für die industrielle Reservearmee (IR).


„Man hat gesehn, daß die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und Produktivkraft der Arbeit - zugleich Ursache und Wirkung der Akkumulation - den Kapitalisten befähigt, mit derselben Auslage von variablem Kapital mehr Arbeit durch größere extensive oder intensive Exploitation der individuellen Arbeitskräfte flüssig zu machen. Man hat ferner gesehn, daß er mit demselben Kapitalwert mehr Arbeitskräfte kauft, indem er progressiv geschicktere Arbeiter durch ungeschicktere, reife durch unreife, männliche durch weibliche, erwachsne Arbeitskraft durch jugendliche oder kindliche verdrängt. Einerseits macht also, im Fortgang der Akkumulation, größeres variables Kapital mehr Arbeit flüssig, ohne mehr Arbeiter zu werben, andrerseits macht variables Kapital von derselben Größe mehr Arbeit mit derselben Masse Arbeitskraft flüssig und endlich mehr niedere Arbeitskräfte durch Verdrängung höherer.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.664f.)


Annahme 10

Mit der Steigerung der Produktivkraft der Arbeit, steigert das Kapital seine Zufuhr von Arbeit rascher als die von Arbeitern. Die Überarbeit des beschäftigten Teils schwellt die Reihen ihrer Reserve. Reserve übt Druck auf Beschäftigte aus, zwingt sie zu Überarbeit. Zwang zu Müßiggang und Zwang zu Überarbeit wird Bereicherungsmittel des einzelnen Kapitalisten.


„Wenn die Produktionsmittel, wie sie an Umfang und Wirkungskraft zunehmen, in geringerem Grad Beschäftigungsmittel der Arbeiter werden, wird dies Verhältnis selbst wieder dadurch modifiziert, daß im Maß, wie die Produktivkraft der Arbeit wächst, das Kapital seine Zufuhr von Arbeit rascher steigert als seine Nachfrage nach Arbeitern. Die Überarbeit des beschäftigten Teils der Arbeiterklasse schwellt die Reihen ihrer Reserve, während umgekehrt der vermehrte Druck, den die letztere durch ihre Konkurrenz auf die erstere ausübt, diese zur Überarbeit und Unterwerfung unter die Diktate des Kapitals zwingt. Die Verdammung eines Teils der Arbeiterklasse zu erzwungenem Müßiggang durch Überarbeit des andren Teils und umgekehrt, wird Bereicherungsmittel des einzelnen Kapitalisten und beschleunigt zugleich die Produktion der industriellen Reservearmee auf einem dem Fortschritt der gesellschaftlichen Akkumulation entsprechenden Maßstab.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.665f.)


Annahme 11

Die allgemeinen Bewegungen des Arbeitslohns sind ausschließlich reguliert durch die Expansion und Kontraktion der industriellen Reservearmee, welche dem Periodenwechsel des industriellen Zyklus entsprechen. Sie sind bestimmt durch das wechselnde Verhältnis worin die Arbeiterklasse in aktive Armee und Reservearmee zerfällt. 


„Im großen und ganzen sind die allgemeinen Bewegungen des Arbeitslohns ausschließlich reguliert durch die Expansion und Kontraktion der industriellen Reservearmee, welche dem Periodenwechsel des industriellen Zyklus entsprechen. Sie sind also nicht bestimmt durch die Bewegung der absoluten Anzahl der Arbeiterbevölkerung, sondern durch das wechselnde Verhältnis, worin die Arbeiterklasse in aktive Armee und Reservearmee zerfällt, durch die Zunahme und Abnahme des relativen Umfangs der Übervölkerung, durch den Grad, worin sie bald absorbiert, bald wieder freigesetzt wird.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.666)


Annahme 12

Die IR drückt während der Perioden der Stagnation und mittleren Prosperität auf die aktive Arbeiterarmee und hält ihre Ansprüche während der Überproduktion und des Booms im Zaum. Die relative Überbevölkerung ist der Hintergrund, worauf das Gesetz der Nachfrage und Zufuhr von Arbeit sich bewegt. 


„Die industrielle Reservearmee drückt während der Perioden der Stagnation und mittleren Prosperität auf die aktive Arbeiterarmee und hält ihre Ansprüche während der Periode der Überproduktion und des Paroxysmus im Zaum. Die relative Übervölkerung ist also der Hintergrund, worauf das Gesetz der Nachfrage und Zufuhr von Arbeit sich bewegt. Sie zwängt den Spielraum dieses Gesetzes in die der Exploitationsgier und Herrschsucht des Kapitals absolut zusagenden Schranken ein.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.668)


Annahme 13

Die Akkumulation des Kapitals vermehrt die Nachfrage nach Arbeit, zugleich setzt sie Arbeiter „frei“. Der Druck der Unbeschäftigten zwingt die Beschäftigten zur Flüssigmachung von mehr Arbeit, macht also die Arbeitszufuhr in gewissem Grad von der Zufuhr von Arbeitern unabhängig. 


„Wenn seine Akkumulation einerseits die Nachfrage nach Arbeit vermehrt, vermehrt sie andrerseits die Zufuhr von Arbeitern durch deren „Freisetzung", während zugleich der Druck der Unbeschäftigten die Beschäftigten zur Flüssigmachung von mehr Arbeit zwingt, also in gewissem Grad die Arbeitszufuhr von der Zufuhr von Arbeitern unabhängig macht.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.669)


Formen der industriellen Reservearmee[Bearbeiten]

Schlagworte

Klassenkampf, Überbevölkerung, Industrielle Reservearmee, Flüssige Überbevölkerung, Latente Überbevölkerung, Stockende Überbevölkerung, Landflucht, Armut, Pauperismus, Lumpenproletariat, Gesellschaftlicher Reichtum

Annahme 1

In dem selben Maß, wie die Arbeiter mehr arbeiten und die Produktivkraft ihrer Arbeit wächst, desto prekärer wird ihre Funktion als Verwertungsmittel des Kapitals. Wenn sie entdecken, dass der Intensitätsgrad der Konkurrenz unter ihnen vom Druck der relativen Überbevölkerung abhängt, sobald sie durch Trade Unions eine planmäßige Zusammenwirkung zwischen den Beschäftigten und Unbeschäftigten zu organisieren suchen, zetert das Kapital. Jeder Zusammenhalt zwischen den Beschäftigten und Unbeschäftigten stört das „reine“ Spiel jenes Gesetzes. 


„Die Bewegung des Gesetzes der Nachfrage und Zufuhr von Arbeit auf dieser Basis vollendet die Despotie des Kapitals. Sobald daher die Arbeiter hinter das Geheimnis kommen, wie es angeht, daß im selben Maß, wie sie mehr arbeiten, mehr fremden Reichtum produzieren und die Produktivkraft ihrer Arbeit wächst, sogar ihre Funktion als Verwertungsmittel des Kapitals immer prekärer für sie wird; sobald sie entdecken, daß der Intensitätsgrad der Konkurrenz unter ihnen selbst ganz und gar von dem Druck der relativen Übervölkerung abhängt; sobald sie daher durch Trade's Unions usw. eine planmäßige Zusammenwirkung zwischen den Beschäftigten und Unbeschäftigten zu organisieren suchen, um die ruinierenden Folgen jenes Naturgesetzes der kapitalistischen Produktion auf ihre Klasse zu brechen oder zu schwächen, zetert das Kapital und sein Sykophant, der politische Ökonom, über Verletzung des „ewigen“ und sozusagen „heiligen" Gesetzes der Nachfrage und Zufuhr. Jeder Zusammenhalt zwischen den Beschäftigten und Unbeschäftigten stört nämlich das „reine" Spiel jenes Gesetzes. Sobald andrerseits, in den Kolonien z.B., widrige Umstände die Schöpfung der industriellen Reservearmee und mit ihr die absolute Abhängigkeit der Arbeiterklasse von der Kapitalistenklasse verhindern, rebelliert das Kapital, samt seinem gemeinplätzlichen Sancho Pansa, gegen das „heilige" Gesetz der Nachfrage und Zufuhr und sucht ihm durch Zwangsmittel unter die Arme zu greifen.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.669f.)


Annahme 2

Der Arbeiter gehört der rel. Überbevölkerung an, wenn er halb oder gar nicht beschäftigt ist.
Der Phasenwechsel des industriellen Zyklus prägt ihr ihre Formen auf. Sie besitzt aber immer drei Formen: flüssige, latente, stockende.


„Die relative Übervölkerung existiert in allen möglichen Schattierungen. Jeder Arbeiter gehört ihr an während der Zeit, wo er halb oder gar nicht beschäftigt ist. Abgesehn von den großen, periodisch wiederkehrenden Formen, welche der Phasenwechsel des industriellen Zyklus ihr aufprägt, so daß sie bald akut in den Krisen erscheint, bald chronisch in den Zeiten flauen Geschäfts, besitzt sie fortwährend drei Formen: flüssige, latente und stockende.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.670)


Annahme 3

Die Arbeiter werden repelliert und bald wieder attrahiert – fließende Form der Überbevölkerung.


„Die Relative Überbevölkerung existiert in allen möglichen Schattierungen [...] besitzt sie fortwährend drei Formen: flüssige, latente und stockende.
In den Zentren der modernen Industrie Fabriken, Manufakturen, Hütten und Bergwerken usw. - werden Arbeiter bald repeliiert, bald in größerem Umfang wieder attrahiert, so daß im großen und ganzen die Zahl der Beschäftigten zunimmt, wenn auch in stets abnehmendem Verhältnis zur Produktionsleiter. Die Übervölkerung existiert hier in fließender Form.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.670)


Annahme 4

Der beständige Fluss der Landarbeiter in die Städte setzt eine latente Überbevölkerung voraus. 


„Aber ihr beständiger Fluß nach den Städten setzt auf dem Lande selbst eine fortwährend latente Übervölkerung voraus, deren Umfang nur sichtbar wird, sobald sich die Abzugskanäle ausnahmsweise weit öffnen. Der Landarbeiter wird daher auf das Minimum des Salairs herabgedrückt und steht mit einem Fuß stets im Sumpf des Pauperismus.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.672)


Annahme 5

Die stockende Überbevölkerung ist von unregelmäßiger Beschäftigung geprägt und stellt einen unerschöpflichen Behälter disponibler Arbeitskraft dar. Maximum der Arbeitszeit und Minimum des Lohns charakterisieren sie.


„Die stockende Überbevölkerung ist von unregelmäßiger Beschäftigung geprägt – der unerschöpflicher Behälter disponibler Arbeitskraft. Maximum der Arbeitszeit und Minimum des Salairs charakterisieren sie.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.672)


Annahme 6

Der Pauperismus ist der tiefste Niederschlag der relativen Überbevölkerung. Neben dem Lumpenproletariat und den Arbeitsfähigen – deren Masse schwillt mit jeder Krise und mit jedem Aufschwung nimmt sie ab. Waisen- und Pauperkinder, Verkommene Verlumpte, Arbeitsunfähige, die an der durch die Teilung der Arbeit bewirkten Unbeweglichkeit zu Grunde gehen und Invaliden, Verstümmelte. 


„Der tiefste Niederschlag der relativen Übervölkerung endlich behaust die Sphäre des Pauperismus. Abgesehn von Vagabunden, Verbrechern, Prostituierten, kurz dem eigentlichen Lumpenproletariat, besteht diese Gesellschaftsschichte aus drei Kategorien. Erstens Arbeitsfähige. Man braucht die Statistik des englischen Pauperismus nur oberflächlich anzusehn, und man findet, daß seine Masse mit jeder Krise schwillt und mit jeder Wiederbelebung des Geschäfts abnimmt. Zweitens: Waisen- und Pauperkinder. Sie sind Kandidaten der industriellen Reservearmee und werden in Zeiten großen Aufschwungs, wie 1860 z.B., rasch und massenhaft in die aktive Arbeiterarmee einrolliert. Drittens: Verkommene, Verlumpte, Arbeitsunfähige. Es sind namentlich Individuen, die an ihrer durch die Teilung der Arbeit verursachten Unbeweglichkeit untergehn, solche, die über das Normalalter eines Arbeiters hinausleben, endlich die Opfer der Industrie, deren Zahl mit gefährlicher Maschinerie, Bergwerksbau, chemischen Fabriken etc. wächst, Verstümmelte, Verkrankte, Witwen etc. Der Pauperismus bildet das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht der industriellen Reservearmee. Seine Produktion ist eingeschlossen in der Produktion der relativen Übervölkerung, seine Notwendigkeit in ihrer Notwendigkeit, mit ihr bildet er eine Existenzbedingung der kapitalistischen Produktion und Entwicklung des Reichtums. Er gehört zu den faux frais der kapitalistischen Produktion, die das Kapital jedoch großenteils von sich selbst ab auf die Schultern der Arbeiterklasse und der kleinen Mittelklasse zu wälzen weiß.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.673)


Annahme 7

Je größer der gesellschaftliche Reichtum und das funktionierende Kapital, desto größer die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die IR. Mit den Potenzen des Reichtums wächst die IR. Je größer die IR im Verhältnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte Überbevölkerung, deren Elend im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je größer die Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die IR, desto größer der offizielle Pauperismus. Das ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.  


„Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariats und die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Reservearmee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verhältnismäßige Größe der industriellen Reservearmee wächst also mit den Potenzen des Reichtums. Je größer aber diese Reservearmee im Verhältnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte Übervölkerung, deren Elend im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je größer endlich die Lazarusschichte der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der offizielle Pauperismus. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation. Es wird gleich allen andren Gesetzen in seiner Verwirklichung durch mannigfache Umstände modifiziert, deren Analyse nicht hierher gehört.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.673f.)


Armut und Reichtum[Bearbeiten]

Schlagworte

Armut, Reichtum, Lohndruck, Arbeitsdruck, Entfremdung, Verrohung

Annahme 1

Der Fortschritt der Produktivität drückt sich auf kapitalistischer Grundlage so aus, dass je höher die Produktivkraft der Arbeit, desto größer der Druck der Arbeiter auf ihre Beschäftigungsmittel, desto prekärer ihre Existenzbedingung. Die bedeutet Verkauf der eigenen Kraft zur Vermehrung fremden Eigentums.  


„Das Gesetz, wonach eine immer wachsende Masse von Produktionsmitteln, dank dem Fortschritt in der Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit, mit einer progressiv abnehmenden Ausgabe von Menschenkraft in Bewegung gesetzt werden kann - dies Gesetz drückt sich auf kapitalistischer Grundlage, wo nicht der Arbeiter die Arbeitsmittel, sondern die Arbeitsmittel den Arbeiter anwenden, darin aus, daß, je höher die Produktivkraft der Arbeit, desto größer der Druck der Arbeiter auf ihre Beschäftigungsmittel, desto prekärer also ihre Existenzbedingung: Verkauf der eignen Kraft zur Vermehrung des fremden Reichtums oder zur Selbstverwertung des Kapitals. Rascheres Wachstum der Produktionsmittel und der Produktivität der Arbeit als der produktiven Bevölkerung drückt sich kapitalistisch also umgekehrt darin aus, daß die Arbeiterbevölkerung stets rascher wächst als das Verwertungsbedürfnis des Kapitals.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.674)


Annahme 2

Die Steigerung der ges. Produktivkraft der Arbeit auf Kosten des individuellen Arbeiters. Die Mittel der Entwicklung der Produktion schlagen um in Beherrschungs- und Exploitationsmittel, verstümmeln den Arbeiter in einen Teilmenschen, entwürdigen ihn zum Anhängsel der Maschine, vernichten mit der Qual seiner Arbeit ihren Inhalt.
Alle Methoden zur Produktion des Mehrwerts sind zugleich Methoden der Akkumulation. Es folgt daher, dass im Maße wie Kapital akkumuliert wird, die Lage des Arbeiters, welches immer seine Zahlung, hoch oder niedrig, sich verschlechtern muss. Das Gesetz, dass die relative Überbevölkerung stets mit Umfang und Energie der Akkumulation im Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als Prometheus die Keile des Hephaistos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf der Seite der Klasse, die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert. 


„Wir sahen im vierten Abschnitt bei Analyse der Produktion des relativen Mehrwerts: innerhalb des kapitalistischen Systems vollziehn sich alle Methoden zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit auf Kosten des individuellen Arbeiters; alle Mittel zur Entwicklung der Produktion schlagen um in Beherrschungs- und Exploitationsmittel des Produzenten, verstümmeln den Arbeiter in einen Teilmenschen, entwürdigen ihn zum Anhängsel der Maschine, vernichten mit der Qual seiner Arbeit ihren Inhalt, entfremden ihm die geistigen Potenzen des Arbeitsprozesses im selben Maße, worin letzterem die Wissenschaft als selbständige Potenz einverleibt wird; sie verunstalten die Bedingungen, innerhalb deren er arbeitet, unterwerfen ihn während des Arbeitsprozesses der kleinlichst gehässigen Despotie, verwandeln seine Lebenszeit in Arbeitszeit, schleudern sein Weib und Kind unter das Juggernaut-Rad des Kapitals. Aber alle Methoden zur Produktion des Mehrwerts sind zugleich Methoden der Akkumulation, und jede Ausdehnung der Akkumulation wird umgekehrt Mittel zur Entwicklung jener Methoden. Es folgt daher, daß im Maße wie Kapital akkumuliert, die Lage des Arbeiters, welches immer seine Zahlung, hoch oder niedrig, sich verschlechtern muß. Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.674f.)


Kapitalmonopol als Fessel der Produktionsweise[Bearbeiten]

Schlagworte

Verhältnis zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, Zentralisation, Stagnation, Monopole

Annahme 1

Mit Zentralisation des Kapitals entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses. Mit der abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten wächst die Masse des Elends. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreicht einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. 


„Diese Expropriation vollzieht sich durch das Spiel der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst, durch die Zentralisation der Kapitale. Je ein Kapitalist schlägt viele tot. Hand in Hand mit dieser Zentralisation oder der Expropriation vieler Kapitalisten durch wenige entwickelt sich die kooperative Form des Arbeitsprozesses auf stets wachsender Stufenleiter, die bewußte technische Anwendung der Wissenschaft, die planmäßige Ausbeutung der Erde, die Verwandlung der Arbeitsmittel in nur gemeinsam verwendbare Arbeitsmittel, die Ökonomisierung aller Produktionsmittel durch ihren Gebrauch als Produktionsmittel kombinierter, gesellschaftlicher Arbeit, die Verschlingung aller Völker in das Netz des Weltmarkts und damit der internationale Charakter des kapitalistischen Regimes. Mit der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten, welche alle Vorteile dieses Umwandlungsprozesses usurpieren und monopolisieren, wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung, aber auch die Empörung der stets anschwellenden und durch den Mechanismus des kapitalistischen Produktionsprozesses selbst geschulten, vereinten und organisierten Arbeiterklasse. Das Kapitalmonopol wird zur Fessel der Produktionsweise, die mit und unter ihm aufgeblüht ist. Die Zentralisation der Produktionsmittel und die Vergesellschaftung der Arbeit erreichen einen Punkt, wo sie unverträglich werden mit ihrer kapitalistischen Hülle. Sie wird gesprengt. Die Stunde des kapitalistischen Privateigentums schlägt. Die Expropriateurs werden expropriiert.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.790f.)


Der Tendenzielle Fall der Profitrate[Bearbeiten]

Kurzdefinition

Das „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ beschreibt den Fall der allgemeinen Profitrate als einen tendenziellen Verlauf. Da nur die menschliche Arbeit Werte schafft, ergibt sich der Profit ausschließlich aus dem unbezahlten Teil der Arbeit, den sich der Kapitalist aneignet. Diese unbezahlte Arbeit drückt sich im Mehrwert aus. Da der Anteil lebendiger Arbeit, das variable Kapital, durch die fortlaufende technische Entwicklung abnimmt, nimmt auch die Masse des Mehrwerts ab. Diese Abnahme der lebendigen Arbeit ergibt einen Fall der Profitrate. Dieser wird durch mehrere Ursachen aufgehalten und gehemmt, weswegen der Fall der Profitrate nur als Tendenz aufritt und nicht absolut.

Schlagworte

Tendenzieller Fall der Profitrate, Gesamtkapital, Variables Kapital, Konstantes Kapital, Kapital, Produktivkraft, Akkumulation, Zusammensetzung, Profitrate

Einordnung

Die Theorie des Tendenziellen Falls der Profitrate wird von Karl Marx im Kapital dargestellt.

Der Fall der allgemeinen Profitrate war in der klassischen Nationalökonomie bereits eine der gängigen Vorstellungen. Allerdings war es noch unklar wie ein Sinken der Profitrate zu Stande kommt. Vorläufige Erklärungen und Theorien waren zu oberflächlich. Marx forschte nach den Ursachen und fand diese in der stetigen Veränderung der Zusammensetzung des Kapitals und der Theorie des Mehrwerts. Das Marx'sche „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ stößt ebenfalls auf Kritik seitens Michael Heinrich und Nobuo Okishio. Laut Heinrich würde keine von Marx' Varianten eine fallende Profitrate beweisen können. Währenddessen sollen die Ergebnisse des Okishio-Theorems des Ökonomen Nobuo Okishios der Marx'schen Annahme widersprechen.


Annahme 1

Der tendenzielle Fall der Profitrate steht im Zusammenhang mit der organischen Zusammensetzung des Gesamtkapitals. Nimmt der Anteil der lebendigen Arbeit im Verhältnis zum konstantem Kapital ab, sinkt die Profitrate. Durch die kapitalistische Produktionsweise nimmt das variable Kapital proportional zum Gesamtkapital ab. Aufgrund dieser proportionalen Abnahme des variablen Bestandteils sinkt die Nachfrage nach lebendiger Arbeit progressiv mit dem Wachstum des Gesamtkapitals und erzeugt somit auch eine überschüssige, daher überflüssige oder Zuschuß-Arbeiterbevölkerung die nicht am Produktionsprozess beteiligt ist. Die Zunahme des konstanten Kapitals im Verhältnis zum variablen Kapitalteil ist das Resultat der fortschreitenden Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit. Das heißt, dass die Entwicklung der Produktivkräfte den tendenziellen Fall der Profitrate zur Folge hat. Da durch die Entwicklung der Produktion die angewandte lebendige Arbeit im Verhältnis zum konstanten Kapital abnimmt, so muss auch die unbezahlte Mehrarbeit abnehmen die sich in Form des Mehrwerts äußerst. Dieser Rückgang des Mehrwerts bewirkt wiederum einen stetigen Fall der Profitrate.


„Die Akkumulation des Kapitals, welche ursprünglich nur als seine quantitative Erweiterung erschien, vollzieht sich, wie wir gesehn, in fortwährendem qualitativen Wechsel seiner Zusammensetzung, in beständiger Zunahme seines konstanten auf Kosten seines variablen Bestandteil. Die spezifisch kapitalistische Produktionsweise, die ihr entsprechende Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der dadurch verursachte Wechsel in der organischen Zusammensetzung des Kapitals halten nicht nur Schritt mit dem Fortschritt der Akkumulation oder dem Wachstum des gesellschaftlichen Reichtums. Sie schreiten ungleich schneller, weil die einfache Akkumulation oder die absolute Ausdehnung des Gesamtkapitals von der Zentralisation seiner individuellen Elemente, und die technische Umwälzung des Zusatzkapitals von technischer Umwälzung des Originalkapitals begleitet sind. Mit dem Fortgang der Akkumulation wandelt sich also das Verhältnis von konstantem zu variablem Kapitalteil, wenn ursprünglich 1: 1, in 2: 1,3: 1,4: 1,5: 1, 7: 1 usw. … Da die Nachfrage nach Arbeit nicht durch den Umfang des Gesamtkapitals, sondern durch den seines variablen Bestandteils bestimmt ist, fällt sie also progressiv mit dem Wachstum des Gesamtkapitals, statt, wie vorhin unterstellt, verhältnismäßig mit ihm zu wachsen. Sie fällt relativ zur Größe des Gesamtkapitals und in beschleunigter Progression mit dem Wachstum dieser Größe. Mit dem Wachstum des Gesamtkapitals wächst zwar auch sein variabler Bestandteil, oder die ihm einverleibte Arbeitskraft, aber in beständig abnehmender Proportion. …Diese mit dem Wachstum des Gesamtkapitals beschleunigte und rascher als sein eignes Wachstum beschleunigte relative Abnahme seines variablen Bestandteils scheint auf der andren Seite umgekehrt stets rascheres absolutes Wachstum der Arbeiterbevölkerung als das des variablen Kapitals oder ihrer Beschäftigungsmittel. Die kapitalistische Akkumulation produziert, und zwar im Verhältnis zu ihrer Energie und ihrem Umfang, beständig eine relative, d.h. für die mittleren Verwertungsbedürfnisse des Kapitals überschüssige, daher überflüssige oder Zuschuß-Arbeiterbevölkerung.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.657f.)


Annahme 2

Die Zunahme des konstanten Kapitals im Verhältnis zum variablen Kapitalteil ist das Resultat der fortschreitenden Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit. Das heißt, dass die Entwicklung der Produktivkräfte den tendenziellen Fall der Profitrate zur Folge hat. Da durch die Entwicklung der Produktion die angewandte lebendige Arbeit im Verhältnis zum konstanten Kapital abnimmt, so muss auch die unbezahlte Mehrarbeit abnehmen die sich in Form des Mehrwerts äußerst. Dieser Rückgang des Mehrwerts bewirkt wiederum einen stetigen Fall der Profitrate.


„ (Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.221ff.)“
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Annahme 3

Die Erzeugung relativen Mehrwerts drängt dazu möglichst viel Arbeit in Mehrwert zu verwandeln und gleichzeitig die Masse der lebendigen Arbeit im Verhältnis zum vorgeschoßenen Gesamtkapital zu verringern. Diese Veränderung der organischen Zusammensetzung des Gesamtkapitals verdeutlicht sich somit in einem Fall der Profitrate.


„Sonst ist es bereits nachgewiesen - und bildet das eigentliche Geheimnis des tendenziellen Falls der Profitrate - , daß die Prozeduren zur Erzeugung von relativem Mehrwert im ganzen und großen darauf hinauslaufen: einerseits von einer gegebnen Masse Arbeit möglichst viel in Mehrwert zu verwandeln, andrerseits im Verhältnis zum vorgeschoßnen Kapital möglichst wenig Arbeit überhaupt anzuwenden; so daß dieselben Gründe, welche erlauben, den Exploitationsgrad der Arbeit zu erhöhen, es verbieten, mit demselben Gesamtkapital ebensoviel Arbeit wie früher zu exploitieren. Dies sind die widerstreitenden Tendenzen, die, während sie auf eine Steigerung in der Rate des Mehrwerts, gleichzeitig auf einen Fall der von einem gegebnen Kapital erzeugten Masse des Mehrwerts und daher der Rate des Profits hinwirken.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.243)


Sozialistische Revolution[Bearbeiten]

Schlagworte

Revolution, Enteignung

Annahme 1

Die Expropriation der Expropriateure wird durch die Volksmassen stattfinden. 


„Die Verwandlung des auf eigner Arbeit der Individuen beruhenden, zersplitterten Privateigentums in kapitalistisches ist natürlich ein Prozeß, ungleich mehr langwierig, hart und schwierig als die Verwandlung des tatsächlich bereits auf gesellschaftlichem Produktionsbetrieb beruhenden kapitalistischen Eigentums in gesellschaftliches. Dort handelte es sich um die Expropriation der Volksmasse durch wenige Usurpatoren, hier handelt es sich um die Expropriation weniger Usurpatoren durch die Volksmasse.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.791)


Produktionsmittel und Konsumtionsmittel[Bearbeiten]

Schlagworte

Einfache Reproduktion, Produktionsmittel, Konsumtionsmittel

Annahme 1

Das Gesamtprodukt der Gesellschaft zerfällt in zwei Abteilungen. I. Produktionsmittel, II. Konsumtionsmittel.
Weiter in c und v. 


„Die zwei Abteilungen der gesellschaftlichen Produktion
Das Gesamtprodukt, also auch die Gesamtproduktion, der Gesellschaft zerfällt in zwei große Abteilungen:
I. Produktionsmittel, Waren, welche eine Form besitzen, worin sie in die produktive Konsumtion eingehn müssen oder wenigstens eingehn können.
II. Konsumtionsmittel, Waren, welche eine Form besitzen, worin sie in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten- und Arbeiterklasse eingehn. In jeder dieser Abteilungen bilden sämtliche verschiedne ihr angehörige Produktionszweige einen einzigen großen Produktionszweig, die einen den der Produktionsmittel, die andern den der Konsumtionsmittel. Das in jedem der beiden Produktionszweige angewandte gesamte Kapital bildet eine besondre große Abteilung des gesellschaftlichen Kapitals.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.394)


Zyklische Bewegung des Industriekapitals[Bearbeiten]

Schlagworte

Industriekapital, Zyklische Bewegung des Kapitals, Geldkapital, Warenkapital, Stagnation, Schatzbildung, Mehrwertschöpfung, Zirkulation, Reproduktion, Monopolisierung

Annahme 1

Das Industriekapital nimmt drei Formen an: Produktives Kapital, Warenkapital und Geldkapital. Sie sind keine eigenständigen Kapitalsorten, sondern Funktionsformen des Industriekapitals. Der Kreislauf des Kapitals kann stocken. Wenn G-W stockt, erstarrt das Geldkapital. Wenn er in der Produktionsphase stockt, liegen die Produktionsmittel brach, Arbeiter bleiben unbeschäftigt. Wenn der Kreislauf an der Stelle W‘-G‘ stockt, bleiben unverkäufliche Waren liegen und versperren den Zirkulationsfluss.


„Die beiden Formen, die der Kapitalwert innerhalb seiner Zirkulationsstadien annimmt, sind die von Geldkapital und Warenkapital; seine dem Produktionsstadium angehörige Form ist die von produktivem Kapital. Das Kapital, welches im Verlauf seines Gesamtkreislaufs diese Formen annimmt und wieder abstreift und in jeder die ihr entsprechende Funktion vollzieht, ist industrielles Kapital - industriell hier in dem Sinn, daß es jeden kapitalistisch betriebnen Produktionszweig umfaßt. Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen hier also nicht selbständige Kapitalsorten, deren Funktionen den Inhalt gleichfalls selbständiger und voneinander getrennter Geschäftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondre Funktionsformen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nacheinander annimmt.
Der Kreislauf des Kapitals geht nur normal vonstatten, solange seine verschiednen Phasen ohne Stockung ineinander übergehn. Stockt das Kapital in der ersten Phase G - W , so erstarrt das Geldkapital zum Schatz; wenn in der Produktionsphase, so liegen die Produktionsmittel funktionslos auf der einen Seite, während die Arbeitskraft auf der andern unbeschäftigt bleibt; wenn in der letzten Phase W ' - G ' , so versperren unverkäuflich aufgehäufte Waren den Zirkulationsfluß.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.56)


Annahme 2

Industrielles Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapitals, die Mehrwert schöpft und den kap. Charakter der Produktion bedingt.
Technik und gesellschaftliche Organisation des Arbeitsprozesses werden durch industrielles Kapital umgewälzt.
Alle anderen Arten von Kapital werden ihm untergeordnet und entsprechend seines Mechanismus verändert, bewegen sich nur auf seiner Grundlage – stehen und fallen mit ihr.
Waren- und Geldkapital sind auch wenn sie als eigene Geschäftszweige auftreten, nur Funktionsweisen des industriellen Kapitals.


„Das industrielle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapitals, worin nicht nur Aneignung von Mehrwert, resp. Mehrprodukt, sondern zugleich dessen Schöpfung Funktion des Kapitals ist. Es bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein Dasein schließt das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und Lohnarbeitern ein.
Im Maß wie es sich der gesellschaftlichen Produktion bemächtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organisation des Arbeitsprozesses umgewälzt, und damit der ökonomisch-geschichtliche Typus der Gesellschaft.
Die andern Arten von Kapital, die vor ihm inmitten vergangner oder untergehender gesellschaftlicher Produktionszustände erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entsprechend verändert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grundlage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage.
Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Träger eigner Geschäftszweige neben dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit verselbständigte und einseitig ausgebildete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das industrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre bald annimmt, bald abstreift.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.61)


Annahme 3

Gesamtproduktionsprozess des Kapitals heißt: Reproduktionsprozess sowie Kreislauf aller Elemente.
Alle Teile durchlaufen Kreisläufe. Alle drei Formen sind beständig vorhanden durch den Kreislauf des Gesamtkapitals durch diese drei Phasen: Waren-, Geld-, produktives Kapital.


„Es ist eine notwendige Bedingung für den Gesamtproduktionsprozeß, besonders für das gesellschaftliche Kapital, daß er zugleich Reproduktionsprozeß, und daher Kreislauf jedes seiner Momente ist. Verschiedne Bruchteile des Kapitals durchlaufen sukzessiv die verschiednen Stadien und Funktionsformen.
Jede Funktionsform, obgleich sich stets ein andrer Teil des Kapitals darin darstellt, durchläuft dadurch gleichzeitig mit den andren ihren eignen Kreislauf. Ein Teil des Kapitals, aber ein stets wechselnder, stets reproduziert, existiert als Warenkapital, das sich in Geld verwandelt; ein andrer als Geldkapital, das sich in produktives verwandelt; ein dritter als produktives Kapital, das sich in Warenkapital verwandelt. Das beständige Vorhandensein aller drei Formen ist vermittelt durch den Kreislauf des Gesamtkapitals durch eben diese drei Phasen.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.108)


Annahme 4

Je größer die Störungen sind, desto mehr Geldkapital muss der industrielle Kapitalist besitzen, um Ausgleichungen abwarten zu können.
Durch Wachstum des vorzuschießenden Kapitals werden industrielle Kapitalisten mehr und mehr in ein Monopol großer Geldkapitalisten verwandelt.


„Ganz normal verläuft der Prozeß nur, wenn die Wertverhältnisse konstant bleiben; er verläuft faktisch, solange sich Störungen in der Wiederholung des Kreislaufs ausgleichen; je größer die Störungen, um so größres Geldkapital muß der industrielle Kapitalist besitzen, um die Ausgleichung abwarten zu können; und da im Fortgang der kapitalistischen Produktion sich die Stufenleiter jedes individuellen Produktionsprozesses, und mit ihm die Minimalgröße des vorzuschießenden Kapitals erweitert, so kommt jener Umstand zu den andren, die die Funktion des industrieller Kapitalisten mehr und mehr in ein Monopol großer Geldkapitalisten, vereinzelter der assoziierter, verwandeln.“
(Marx, Kapital 2.Band, MEW Band 24, S.111)


Möglichkeiten einer Wirtschaftskrise[Bearbeiten]

Schlagworte

Krise, Zirkulation, Geld als Zirkulationsmittel, Marktanteil, Metamorphose des Kapitals, Weltmarkt, Überproduktion, Industrieproduktion

Annahme 1

In der Zirkulation sind Kauf und Verkauf zeitlich und räumlich voneinander getrennt, sie sind scheinbar selbständig. Da sie aber wesentliche Momente eines Ganzen sind, muss ein Moment eintreten, in dem diese Selbständigkeit gebrochen wird und die innere Einheit wieder hergestellt wird. Dieses Auseinanderfallen des Austauschs mit Geld als Zirkulationsmittel beinhaltet die Möglichkeit für den Keim einer Krise.


„Insofern Kauf und Verkauf, die beiden wesentlichen Momente der Zirkulation, gleichgültig gegeneinander sind, in Raum und Zeit getrennt, brauchen sie keineswegs zusammenzufallen. Ihre Gleichgültigkeit kann zur Befestigung und scheinbaren Selbständigkeit des einen gegen das andere fortgehen. (So dass einer nur kauft, ohne zu verkaufen – Warenhortung –, oder dass einer nur verkauft, ohne zu kaufen – Geldhortung, Schatzbildung.) Indem Kauf und Verkauf aber beide wesentlich Momente eines Ganzen bilden (der Warenproduzent verkauft seine Ware, um mit dem Geld andere Ware zu kaufen, die seine Bedürfnisse befriedigt), muss ein Moment eintreten, wo die selbständige Gestalt gewaltsam gebrochen und die innere Einheit äußerlich durch eine gewaltsame Explosion hergestellt wird. So liegt schon in der Bestimmung des Geldes als Mittler, in dem Auseinanderfallen des Austauschs in zwei Akte, der Keim der Krisen, wenigstens ihrer Möglichkeit, die nicht realisiert werden kann, als die, wo die Grundbedingungen der klassisch ausgebildeten, ihrem Begriff entsprechenden Zirkulation vorhanden sind.“
(Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie. Fotomechanischer Nachdruck der beiden Teile des im Verlag für fremdsprachige Literatur, Moskau, 1939 und 1941 erschienen Ausgaben, EVA Frankfurt/M, S. 112f)


Annahme 2

Ziel des Kapitalisten ist, so viel Platz auf dem Markt einzunehmen, wie es sein verfügbares Kapital zulässt, indem er sich einen größeren Anteil des Marktes aneignet oder den Markt selbst erweitert.


„Was aber den einzelnen Kapitalisten betrifft, so misst er den Umfang seiner Produktion durch den seines verfügbaren Kapitals, soweit er es noch selbst überwachen kann. Was er im Auge hat, ist, so viel Platz wie möglich auf dem Markt einzunehmen. Wird überproduziert, so schiebt er die Schuld nicht sich, sondern seinen Konkurrenten zu. Der einzelne Kapitalist kann seine Produktion ausdehnen, ebenso wohl indem er einen größeren Anteil des gegebenen Markts sich aneignet, als auch indem er den Markt selbst erweitert.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.685)


Annahme 3

Geld fungiert als Zirkulationsmittel als Maß der Werte und Realisierung des Werts. Diese Momente, Kauf und Verkauf, fallen auseinander: Der Wert der Ware kann sich verändern oder in einem bestimmten Zeitraum nicht verkauft werden. Alle davon abhängigen Transaktionen, eine Reihe von Zahlungen, können nicht erfüllt werden: Möglichkeit der Krise.

Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf sind aber nie Ursache der Krise. Diese ist aus den allgemeinen Bedingungen der kapitalistischen Produktion zu entwickeln.


„1. Die allgemeine Möglichkeit der Krisen ist in dem Prozess der Metamorphose des Kapitals [Geldkapital – Warenkapital – Geldkapital] selbst gegeben und zwar doppelt, soweit das Geld als Zirkulationsmittel fungiert – Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf. Soweit es als Zahlungsmittel fungiert, wo es in zwei verschiedenen Momenten wirkt, als Maß der Werte und als Realisierung des Werts. Diese beiden Momente fallen auseinander. Hat der Wert sich geändert in dem Intervalle, ist die Ware im Moment ihres Verkaufs nicht wert, was sie wert war im Moment, wo das Geld das Maß der Ware war, […] dann kann aus dem Erlös der Ware die Obligation nicht erfüllt werden und daher die ganze Reihe der Transaktionen nicht saldiert werden, die rückgängig von dieser einen abhängen.
Kann die Ware auch nur in einem bestimmten Zeitraum nicht verkauft werden, selbst wenn ihr Wert nicht sich änderte, so kann das Geld nicht als Zahlungsmittel funktionieren, da es in bestimmter, vorausgesetzter Frist als solches funktionieren muss. Da dieselbe Geldsumme aber hier für eine Reihe von wechselseitigen Transaktionen und Obligationen funktioniert, tritt hier Zahlungsunfähigkeit nicht nur in einem, sondern vielen Punkten ein, daher Krise.
Aber im letzteren Fall ist die Krise nicht nur da, weil Ware unverkäuflich ist, sondern weil sie nicht in bestimmtem Zeitraum verkäuflich ist, und die Krise entsteht und leitet ihren Charakter her nicht nur von der Unverkäuflichkeit der Ware, sondern von der Nichtrealisierung einer ganzen Reihe von Zahlungen, die auf dem Verkauf dieser bestimmten Ware in dieser bestimmten Frist beruhen. Dies ist die eigentliche Form der Geldkrisen.
Tritt also Krise ein, weil Kauf und Verkauf auseinander fallen, so entwickelt sie sich als Geldkrise, sobald das Geld als Zahlungsmittel [in Kreditverhältnissen] entwickelt ist, und diese zweite Form der Krisen versteht sich dann von selbst, sobald die erste eintritt. […]
2. Soweit Krisen aus Preisveränderungen und Preisrevolutionen hervorgehen, die mit den Wertveränderungen der Waren nicht zusammenfallen, können sie natürlich nicht entwickelt werden bei Betrachtung des Kapitals im Allgemeinen, wo bei den Werten der Waren identische Preise vorausgesetzt werden.
3. Die allgemeine Möglichkeit der Krisen ist die formelle Metamorphose des Kapitals selbst, das zeitliche und räumliche Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf. Aber dies ist nie die Ursache der Krise. […] Fragt man nach ihrer Ursache, so will man eben wissen, warum […] sie aus der Möglichkeit zur Wirklichkeit wird.
4. Die allgemeinen Bedingungen der Krisen, soweit sie unabhängig von Preisschwankungen sind (ob diese nun mit dem Kreditwesen zusammenhängen oder nicht) – als verschieden von Wertschwankungen – müssen aus den allgemeinen Bedingungen der kapitalistischen Produktion zu entwickeln sein.“
(Marx, Theorien über den Mehrwert, Band II, MEW 26.2, S. 514ff)


Annahme 4

Ausdehnbarkeit des Fabrikwesens und Abhängigkeit vom Weltmarkt führen zu Überfüllung der Märkte, mit deren Kontraktion Lähmung eintritt. Das Leben der Industrie verwandelt sich in Reihenfolge von Perioden mittlerer Lebendigkeit, Prosperität, Überproduktion, Krise und Stagnation.


„Die ungeheure, stoßweise Ausdehnbarkeit des Fabrikwesens und seine Abhängigkeit vom Weltmarkt erzeugen notwendig fieberhafte Produktion und darauf folgende Überfüllung der Märkte, mit deren Kontraktion Lähmung eintritt. Das Leben der Industrie verwandelt sich in eine Reihenfolge von Perioden mittlerer Lebendigkeit, Prosperität, Überproduktion, Krise und Stagnation.“
(Marx, Kapital 1.Band, MEW Band 23, S.476)


Der Krisenzyklus[Bearbeiten]

Schlagworte

Krisenzyklus, Überproduktion, Entlassung, Krise, Preisentwertung, Kreditsystem, Kapitalvernichtung, Poduktivkraftvernichtung, Eroberung neuer Märkte

Annahme 1

Bei einem Zuviel des Angebotes fallen die Preise unter die Werte, manche Waren bleiben unverkäuflich, die Investitionstätigkeit geht zurück, was die Situation verschärft, Betriebe nehmen Entlassungen vor, andere Betriebe gehen pleite. Kapital und Produktionsmittel werden vernichtet. Das Angebot sinkt so weit, dass es unter der gesellschaftlichen Nachfrage liegt, die Preise steigen wieder, die Investitionstätigkeit wird angekurbelt, die kapitalistische Wirtschaft kommt aus dem Tal, ein „Aufschwung“ entsteht. Alle wollen teilhaben, die Investitionstätigkeit wird rege, die „Konjunktur überhitzt“, die Märkte füllen sich, schließlich staut es sich, die Investitionstätigkeit wird heruntergefahren, die Preise fallen unter die Werte, die nächste Krise beginnt – und so weiter und so fort als ein Perpetuum Mobile des kapitalistischen Krisenzyklus.


„In der Tat, seit 1825, wo die erste allgemeine Krise ausbrach, geht die ganze industrielle und kommerzielle Welt, die Produktion und der Austausch sämtlicher zivilisierter Völker und ihrer mehr oder weniger barbarischen Anhängsel so ziemlich alle zehn Jahre einmal aus den Fugen. Der Verkehr stockt, die Märkte sind überfüllt, die Produkte liegen da, ebenso massenhaft wie unabsetzbar, das bare Geld wird unsichtbar, der Kredit verschwindet, die Fabriken stehen still, die arbeitenden Massen ermangeln der Lebensmittel, weil sie zu viel Lebensmittel produziert haben. Bankrott folgt auf Bankrott, Zwangsverkauf auf Zwangsverkauf. Jahrelang dauert die Stockung, Produktivkräfte wie Produkte werden massenhaft vergeudet und zerstört, bis die aufgehäuften Warenmassen unter größerer oder geringerer Entwertung endlich abfließen, bis Produktion und Austausch allmählich wieder in Gang kommen.
Nach und nach beschleunigt sich die Gangart, fällt in Trab, der industrielle Trab geht über in Galopp, und dieser steigert sich wieder bis zum zügellosen Tempo eines vollständigen industriellen, kommerziellen, kreditlichen und spekulativen Hindernisrennens, um endlich nach den halsbrechendsten Sprüngen wieder anzulangen – im Graben des Krachs. Und so immer von neuem.“
(Friedrich Engels, Anti-Dühring, MEW 20, S. 257)


Annahme 2

Krisen sind nur kurzfristige Lösungen der vorhandenen Widersprüche, die das gestörte Gleichgewicht für einen Moment wiederherstellen.


„Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame Lösungen der vorhandnen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wiederherstellen.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.259)


Annahme 3

Ein Teil der Waren kann seinen Zirkulations- und Reproduktionsprozess nur durch Kontraktion seiner Preise vollziehen, also durch Entwertung des Kapitals. Elemente des fixen Kapitals (Arbeitsmittel, Gebäude, Maschinen) werden entwertet. Durch Preisverfall gerät Reproduktionsprozess ins Stocken. Dadurch wird Funktion des Geldes als Zahlungsmittel paralysiert. Kette der Zahlungsobligationen wird unterbrochen. Kreditsystem kann zusammenbrechen, verschärft die Krise.


„Ein Teil der auf dem Markt befindlichen Waren kann seinen Zirkulations- und Reproduktionsprozess [Verkauf und Kauf] nur vollziehen durch ungeheure Kontraktion seiner Preise, also durch Entwertung des Kapitals, das er darstellt. Ebenso werden die Elemente des fixen Kapitals [Arbeitsmittel wie Gebäude und Maschinerie] mehr oder minder entwertet. Es kommt hinzu, dass bestimmte, vorausgesetzte Preisverhältnisse den Reproduktionsprozess bedingen, dieser daher durch den allgemeinen Preisfall in Stockung und Verwirrung gerät. Diese Störung und Stockung paralysiert die […] auf jenen vorausgesetzten Preisverhältnissen beruhende Funktion des Geldes als Zahlungsmittel [von Krediten], unterbricht an hundert Stellen die Kette der Zahlungsobligationen an bestimmten Terminen und wird noch verschärft durch das damit gegebene Zusammenbrechen des […] Kreditsystems und führt so zu heftigen akuten Krisen, […].“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.264)


Annahme 4

In Krisen gibt es Kapitalvernichtung und Vernichtung von Produktionsmitteln aufgrund der Überproduktion. Die Auswege für die Bourgeoisie sind Vernichtung, Eroberung neuer Märkte und gründlichere Ausbeutung alter Märkte – was wiederum größere Krisen vorbereitet.


„Produkte, sondern sogar der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre – die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zu viel Zivilisation, zu viel Lebensmittel, zu viel Industrie, zu viel Handel besitzt. […]
Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. – Wodurch überwindet die Bourgeoisie Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung der alten Märkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“
(Marx, Kommunistisches Manifest, MEW 4, S. 468)


Kredit, fiktives Kapital[Bearbeiten]

Schlagworte

Geldkapital, Zentralisation, Zinsprofit, Reservefonds, Industrielles Kapital, Händlerkapital, Banksystem, Geldmacht

Annahme 1

Das verleihbare Geldkapital konzentriert sich in den Händen des Bankiers. Sie werden die allgemeinen Verwalter des Geldkapitals gegenüber den industriellen und kommerziellen Kapitalisten. Eine Bank ist die Zentralisation des Geldkapitals. Ihr Profit besteht in höheren Zinsen.


„Allgemein ausgedrückt besteht das Bankiergeschäft nach dieser Seite darin, das verleihbare Geldkapital in seiner Hand zu großen Massen zu konzentrieren, so daß statt des einzelnen Geldverleihers die Bankiers als Repräsentanten aller Geldverleiher den industriellen und kommerziellen Kapitalisten gegenübertreten. Sie werden die allgemeinen Verwalter des Geldkapitals. Andrerseits konzentrieren sie, allen Verleihern gegenüber, die Borger, indem sie für die ganze Handelswelt borgen. Eine Bank stellt auf der einen Seite die Zentralisation des Geldkapitals, der Verleiher, auf der andern die Zentralisation der Borger dar. Ihr Profit besteht im allgemeinen darin, daß sie zu niedrigem Zinsen borgt, als sie ausleiht.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.416)


Annahme 2

Das Geld fließt den Bankiers aus Reservefonds der Händler und Industriellen zu.


„Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält, oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.416)


Annahme 3

Die Banken sammeln alles unbeschäftigte Geld und auch die kleinen Geldsummen aus allen Klassen und bilden so eine Geldmacht. Dies ist eine besondere Wirkung des Banksystems, die von der Mittlertätigkeit zwischen Geldkapitalisten und Borgern unterschieden werden muss.


„Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. Diese Ansammlung kleiner Beträge muß als besondre Wirkung des Banksystems unterschieden werden von seiner Mittlerschaft zwischen den eigentlichen Geldkapitalisten und den Borgern. Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.416)


Die Rolle des Kredits in der kapitalistischen Produktion[Bearbeiten]

Schlagworte

Warenzirkulation, Warenmetamorphose

Annahme 1

Durch den Kredit werden die Phasen der Zirkulation und der Metamorphose des Kapitals beschleunigt.


„2. Beschleunigung, durch den Kredit, der einzelnen Phasen der Zirkulation oder der Warenmetamorphose, weiter der Metamorphose des Kapitals, und damit Beschleunigung des Reproduktionsprozesses überhaupt. (Andrerseits erlaubt der Kredit, die Akte des Kaufens und Verkaufens länger auseinanderzuhalten und dient daher der Spekulation als Basis.) Kontraktion der Reservefonds, was doppelt betrachtet werden kann: einerseits als Verminderung des zirkulierenden Mediums, andrerseits als Beschränkung des Teils des Kapitals, der stets in Geldform existieren muß.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.453)


Bildung von Aktiengesellschaften[Bearbeiten]

Schlagworte

Aktiengesellschaften, Produktionserweiterung, Gesellschaftskapital, Kapitalverwaltung, Zinsprofit, Fallen der Profitrate, Schutzzollpolitik, Überproduktion, fallende Profitrate, Kartellbildung, Konkurrenz, Kapitalistische Produktionsweise, Monopolbildung, Staatseinmischung, Finanzaristokratie, aufhebender Widerspruch, Monopolbildung, Kredit, Kreditüberbau, Verfügung über fremdes Kapital, Expropriation, Aktienwesen, gesellschaftliches Produktionsmittel, Kreditwesen, Überproduktion, Überspekulation, Produktivkraftentwicklung, Weltmarkt, Krise, Bankkapital, Wertpapiere, Aktien

Annahme 1

Durch die Bildung von Aktiengesellschaften werden die Stufenleitern der Produktion ausgedehnt.
Das Kapital erhält durch die Aktiengesellschaften die Form von Gesellschaftskapital. Das bedeutet die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.
Damit findet die Verwandlung des fungierenden Kapitalisten in einen bloßen Dirigenten statt, einen Verwalter fremden Kapitals und die Verwandlung der Kapitaleigentümer in bloße Eigentümer, bloße Geldkapitalisten.
Profit wird in Form der Vergütung des Kapitaleigentums bezogen, das von der Funktion im Reproduktionsprozess getrennt wird.
Die Person des Dirigenten wird vom Kapitaleigentum getrennt.


„III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch:
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche.
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.
3. Verwandlung des wirklich fungierenden Kapitalisten in einen bloßen Dirigenten, Verwalter fremdes Kapitals, und der Kapitaleigentümer in bloße Eigentümer, bloße Geldkapitalisten. Selbst wenn die Dividenden, die sie beziehn, den Zins und Unternehmergewinn, d.h. den Totalprofit einschließen (denn das Gehalt des Dirigenten ist, oder soll sein, bloßer Arbeitslohn einer gewissen Art geschickter Arbeit, deren Preis im Arbeitsmarkt reguliert wird, wie der jeder andren Arbeit), so wird dieser Totalprofit nur noch bezogen in der Form des Zinses, d.h. als bloße Vergütung des Kapitaleigentums, das nun ganz so von der Funktion im wirklichen Reproduktionsprozeß getrennt wird, wie diese Funktion, in der Person des Dirigenten, vom Kapitaleigentum.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.453 )


Annahme 2

In Aktiengesellschaften ist die Funktion getrennt vom Kapitaleigentum.
Es ist das Resultat der höchsten Entwicklung der kapitalistischen Produktion, notwendiger Durchgangspunkt zur Rückverwandlung des Kapitals in Eigentum der Produzenten, aber nicht mehr als Privateigentum vereinzelter Produzenten, sondern als Eigentum ihrer als Gesellschaftseigentum.
Verwandlung aller Funktionen im Reproduktionsprozess in bloße gesellschaftliche Funktionen.


„In den Aktiengesellschaften ist die Funktion getrennt vom Kapitaleigentum, also auch die Arbeit gänzlich getrennt vom Eigentum an den Produktionsmitteln und an der Mehrarbeit. Es ist dies Resultat der höchsten Entwicklung der kapitalistischen Produktion ein notwendiger Durchgangspunkt zur Rückverwandlung des Kapitals in Eigentum der Produzenten, aber nicht mehr als das Privateigentum vereinzelter Produzenten, sondern als das Eigentum ihrer als assoziierter, als unmittelbares Gesellschaftseigentum. Es ist andrerseits Durchgangspunkt zur Verwandlung aller mit dem Kapitaleigentum bisher noch verknüpften Funktionen im Reproduktionsprozeß in bloße Funktionen der assoziierten Produzenten, in gesellschaftliche Funktionen.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.453)


Annahme 3

Der Profit nimmt die Form des Zinses an. Unternehmungen sind möglich, wenn sie bloßen Zins abwerfen. Das ist einer der Gründe, die das Fallen der allgemeinen Profitrate aufhalten. Unternehmen mit ungeheurem Verhältnis von konstantem zu variablem Kapital gehen nicht notwendig in die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate ein.


„Da der Profit hier rein die Form des Zinses annimmt, sind solche Unternehmungen noch möglich, wenn sie bloßen Zins abwerfen, und es ist dies einer der Gründe, die das Fallen der allgemeinen Profitrate aufhalten, indem diese Unternehmungen, wo das konstante Kapital in so ungeheurem Verhältnis zum variablen steht, nicht notwendig in die Ausgleichung der allgemeinen Profitrate eingehn.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.453)


Annahme 4

Der raschen Steigerung der Produktion steht zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts gegenüber.
Die Folge ist allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende Profite.
Die Freiheit der Konkurrenz ist am Ende des Lateins.
Großindustrielle eines Zweigs schließen sich zu Kartell zusammen, teilweise zu internationalen Kartellen. Aber der Interessengegensatz der einzelnen Firmen durchbricht die Kartelle und stellet die Konkurrenz wieder her.


„Der täglich wachsenden Raschheit, womit auf allen großindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenüber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts für diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. Dazu die Schutzzollpolitik, wodurch jedes Industrieland sich gegen die andern und namentlich gegen England abschließt und die heimische Produktionsfähigkeit noch künstlich steigert.
Die Folgen sind allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die alt gerühmte Freiheit der Konkurrenz ist am Ende ihres Lateins und muß ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen. Und zwar dadurch, daß in jedem Land die Großindustriellen eines bestimmten Zweigs sich zusammentun zu einem Kartell zur Regulierung der Produktion. Ein Ausschuß setzt das von jedem Etablissement zu produzierende Quantum fest und verteilt in letzter Instanz die einlaufenden Aufträge. In einzelnen Fällen kam es zeitweise sogar zu internationalen Kartellen, so zwischen der englischen und deutschen Eisenproduktion. Aber auch diese Form der Vergesellschaftung der Produktion genügte noch nicht. Der Interessengegensatz der einzelnen Geschäftsfirmen durchbrach sie nur zu oft und stellte die Konkurrenz wieder her.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.453f.)


Annahme 5

Es ist ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der den Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform darstellt. In gewissen Sphären wird das Monopol hergestellt und fordert die Staatseinmischung heraus.
Es wird eine neue Finanzaristokratie, Parasiten in Gestalt von „Projektenmachern“ etc. gebildet. Es ist die Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.


„So ist in diesem Zweig, der die Grundlage der ganzen chemischen Industrie bildet, in England die Konkurrenz durch das Monopol ersetzt und der künftigen Expropriation durch die Gesamtgesellschaft, die Nation, aufs erfreulichste vorgearbeitet.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.454)


„Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.454)


Annahme 6

Der Kredit bietet dem einzelnen Kapitalisten absolute Verfügung über fremdes Kapital in gewissen Schranken, er ermöglicht die Verfügung über gesellschaftliches, nicht eigenes Kapital, und damit über fremde Arbeit.
Das Kapital wird zur reinen Basis für den Kreditüberbau.


„IV. Abgesehn von dem Aktienwesen – das eine Aufhebung der kapitalistischen Privatindustrie auf Grundlage des kapitalistischen Systems selbst ist, und in demselben Umfang, worin es sich ausdehnt und neue Produktionssphären ergreift, die Privatindustrie vernichtet – , bietet der Kredit dem einzelnen Kapitalisten, oder dem, der für einen Kapitalisten gilt, eine innerhalb gewisser Schranken absolute Verfügung über fremdes Kapital und fremdes Eigentum, und dadurch über fremde Arbeit.87 Verfügung über gesellschaftliches, nicht eignes Kapital, gibt ihm Verfügung über gesellschaftliche Arbeit. Das Kapital selbst, das man wirklich oder in der Meinung des Publikums besitzt, wird nur noch die Basis zum Kreditüberbau.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.455)


Annahme 7

Die Expropriation (auch der kleineren und mittleren Kapitalisten) ist der Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktionsweise. Ihre Durchführung ist ihr Ziel. In letzter Instanz ist das die Expropriation aller einzelnen von den Produktionsmitteln, die mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion aufhören, Produktionsmittel der Privatproduktion zu sein. Sie können nur noch Produktionsmittel in der Hand der assoziierten Produzenten sein, daher ihr gesellschaftliches Eigentum, ebenso wie ihr gesellschaftliches Produkt.


„Die Expropriation erstreckt sich hier von den unmittelbaren Produzenten auf die kleineren und mittleren Kapitalisten selbst. Diese Expropriation ist der Ausgangspunkt der kapitalistischen Produktionsweise; ihre Durchführung ist ihr Ziel, und zwar in letzter Instanz die Expropriation aller einzelnen von den Produktionsmitteln, die mit der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion aufhören, Mittel der Privatproduktion und Produkte der Privatproduktion zu sein, und die nur noch Produktionsmittel in der Hand der assoziierten Produzenten, daher ihr gesellschaftliches Eigentum, sein können, wie sie ihr gesellschaftliches Produkt sind.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.455f.)


Annahme 8

Im Aktienwesen existiert schon der Gegensatz gegen die alte Form, worin gesellschaftliches Produktionsmittel als individuelles Eigentum erscheint, aber Verwandlung bleibt in kapitalistischen Schranken befangen. Sie überwindet den Gegensatz zwischen dem Charakter des Reichtums als gesellschaftlicher und als Privateigentum nicht, sondern bildet ihn in neuer Gestalt aus.


„Da das Eigentum hier in der Form der Aktie existiert, wird seine Bewegung und Übertragung reines Resultat des Börsenspiels, wo die kleinen Fische von den Haifischen und die Schafe von den Börsenwölfen verschlungen werden. In dem Aktienwesen existiert schon Gegensatz gegen die alte Form, worin gesellschaftliches Produktionsmittel als individuelles Eigentum erscheint; aber die Verwandlung in die Form der Aktie bleibt selbst noch befangen in den kapitalistischen Schranken; statt daher den Gegensatz zwischen dem Charakter des Reichtums als gesellschaftlicher und als Privatreichtum zu überwinden, bildet sie ihn nur in neuer Gestalt aus.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.456)


Annahme 9

Kreditwesen erscheint als Haupthebel der Überproduktion und Überspekulation im Handel, weil er den Reproduktionsprozess bis zur äußersten Grenze forciert.
Großer Teil des gesellschaftlichen Kapitals wird von den Nichteigentümern angewandt, die nicht ängstlich ans Zeug gehen wie der Eigentümer seines Privatkapitals. Verwertung des Kapitals erlaubt freie Entfaltung nur bis zu einem gewissen Punkt, der durch das Kreditwesen durchbrochen wird. Das Kreditwesen beschleunigt die materielle Entwicklung der Produktivkräfte und die Herstellung des Weltmarkts, die als materielle Grundlagen der neuen Produktionsform bis auf einen gewissen Höhegrad herzustellen, die Aufgabe der kapitalistischen Produktionsweise ist.
Der Kredit beschleunigt gleichzeitig die gewaltsamen Ausbrüche des Widerspruchs, die Krisen und damit die Elemente der Auflösung der alten Produktionsweise.


„Wenn das Kreditwesen als Haupthebel der Überproduktion und Überspekulation im Handel erscheint, so nur, weil der Reproduktionsprozeß, der seiner Natur nach elastisch ist, hier bis zur äußersten Grenze forciert wird, und zwar deshalb forciert wird, weil ein großer Teil des gesellschaftlichen Kapitals von den Nichteigentümern desselben angewandt wird, die daher ganz anders ins Zeug gehn als der ängstlich die Schranken seines Privatkapitals erwägende Eigentümer, soweit er selbst fungiert. Es tritt damit nur hervor, daß die auf den gegensätzlichen Charakter der kapitalistischen Produktion gegründete Verwertung des Kapitals die wirkliche, freie Entwicklung nur bis zu einem gewissen Punkt erlaubt, also in der Tat eine immanente Fessel und Schranke der Produktion bildet, die beständig durch das Kreditwesen durchbrochen wird. Das Kreditwesen beschleunigt daher die materielle Entwicklung der Produktivkräfte und die Herstellung des Weltmarkts, die als materielle Grundlagen der neuen Produktionsform bis auf einen gewissen Höhegrad herzustellen, die historische Aufgabe der kapitalistischen Produktionsweise ist. Gleichzeitig beschleunigt der Kredit die gewaltsamen Ausbrüche dieses Widerspruchs, die Krisen, und damit die Elemente der Auflösung der alten Produktionsweise.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.457)


Bestandteile des Bankkapitals[Bearbeiten]

Schlagworte

Bankkapital, Wertpapiere, Aktien, Zinstragendes Kapital, Geldrevenue, Fiktives Kapital, Zins, Eigentumstitel, Rechtstitel, Reservefonds der Banken, Bankierkapital

Annahme 1

Bankkapital besteht aus barem Geld, Gold oder Noten, sowie aus Wertpapieren.
Diese teilen sich auf in Wechsel und öffentliche Wertpapiere (Staatspapiere, Schatzscheine, Aktien).


„Das Bankkapital besteht 1. aus barem Geld, Gold oder Noten, 2. Wertpapieren. Diese können wir wieder in zwei Teile teilen: Handelspapiere, Wechsel, die schwebend sind, von Zeit zu Zeit verfallen und in deren Diskontierung das eigentliche Geschäft des Bankiers gemacht wird; und öffentliche Wertpapiere, wie Staatspapiere, Schatzscheine, Aktien aller Art, kurz zinstragende Papiere, die sich aber wesentlich von den Wechseln unterscheiden.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.481)


Annahme 2

Form des zinstragenden Kapitals bringt es mit sich, dass jede regelmäßige Geldrevenue als Zins eines Kapitals erscheint – mag sie aus einem Kapital entspringen oder nicht.


„Die Form des zinstragenden Kapitals bringt es mit sich, daß jede bestimmte und regelmäßige Geldrevenue als Zins eines Kapitals erscheint, sie mag aus einem Kapital entspringen oder nicht. Erst wird das Geldeinkommen in Zins verwandelt, und mit dem Zins findet sich dann auch das Kapital, woraus es entspringt. Ebenso erscheint mit dem zinstragenden Kapital jede Wertsumme als Kapital, sobald sie nicht als Revenue verausgabt wird; nämlich als Hauptsumme (principal) im Gegensatz zum möglichen oder wirklichen Zins, den sie tragen kann. Die Sache ist einfach: Gesetzt, der Durchschnittszinsfuß sei 5% jährlich. Eine Summe von 500 Pfd.St. würde also jährlich, wenn in zinstragendes Kapital verwandelt, 25 Pfd.St. einbringen. Jede feste jährliche Einnahme von 25 Pfd.St. wird daher als Zins eines Kapitals von 500 Pfd.St. betrachtet.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.482)


Annahme 3

Bildung des fiktiven Kapitals nennt man kapitalisieren. Jede wiederholende Einnahme wird nach dem Durchschnittszins berechnet, als Ertrag, den ein Kapital zu diesem Zins ausgeliehen abwerfen würde.
Aller Zusammenhang mit dem wirklichen Verwertungsprozess geht bis auf die letzte Spur verloren, die Vorstellung vom Kapital als einem sich durch sich selbst verwertenden Automaten befestigt sich.


„ (Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.484)“
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Annahme 4

Die selbständige Bewegung des Werts dieser Eigentumstitel (man kann sie kaufen und verkaufen, PK) bestätigt den Schein, als bildeten sie wirkliches Kapital neben dem Kapital.


„Die selbständige Bewegung des Werts dieser Eigentumstitel, nicht nur der Staatseffekten, sondern auch der Aktien, bestätigt den Schein, als bildeten sie wirkliches Kapital neben dem Kapital oder dem Anspruch, worauf sie möglicherweise Titel sind. Sie werden nämlich zu Waren, deren Preis eine eigentümliche Bewegung und Festsetzung hat. Ihr Marktwert erhält eine von ihrem Nominalwert verschiedne Bestimmung, ohne daß sich der Wert (wenn auch die Verwertung) des wirklichen Kapitals änderte.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.485)


Annahme 5

Diese Papiere stellen nichts dar als akkumulierte Ansprüche, Rechtstitel auf künftige Produktion.


„Alle diese Papiere stellen in der Tat nichts vor als akkumulierte Ansprüche Rechtstitel, auf künftige Produktion, deren Geld- oder Kapitalwert entweder gar kein Kapital repräsentiert, wie bei den Staatsschulden, oder von dem Wert des wirklichen Kapitals, das sie vorstellen, unabhängig reguliert wird.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.486)


Annahme 7

Reservefonds der Banken drücken im Durchschnitt die Größe des als Schatz vorhandenen Gelds aus. Und ein Teil dieses Schatz besteht aus Anweisungen auf Gold, die aber keine Selbstwerte sind. Größter Teil des Bankierkapitals ist daher rein fiktiv und besteht aus Schuldforderungen, Staatspapieren und Aktien.


„Die Reservefonds der Banken, in Ländern entwickelter kapitalistischer Produktion, drücken immer im Durchschnitt die Größe des als Schatz vorhandnen Geldes aus, und ein Teil dieses Schatzes besteht selbst wieder aus Papier, bloßen Anweisungen auf Gold, die aber keine Selbstwerte sind. Der größte Teil des Bankierkapitals ist daher rein fiktiv und besteht aus Schuldforderungen (Wechseln), Staatspapieren (die vergangnes Kapital repräsentieren) und Aktien (Anweisungen auf künftigen Ertrag).“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.487)


Geldkapital und wirkliches Kapital I[Bearbeiten]

Schlagworte

Akkumulation, Staatskapital, Leihkapital, Produktivkraftentwicklung, Ausdehnung der Märkte, Kredit, Spekulation, Bankierkredit, Reproduktionsprozess, Warenmetarmophose, industrielles Kapital, Stockung Expansion, Konsumtionsfähigkeit, Geldkredit, Reservekapital, Börse

Annahme 1

Akkumulation von Geldkapital und Geldvermögen hat sich aufgelöst in Akkumulation von Ansprüchen des Eigentums auf Arbeit. Akkumulation des Kapitals der Staatsschuld heißt die Vermehrung einer Klasse von Staatsgläubigern, die Steuern für sich vorwegzunehmen berechtigt sind.


„Soweit wir die eigentümliche Form der Akkumulation des Geldkapitals und Geldvermögens überhaupt bis jetzt betrachtet haben, hat sie sich aufgelöst in Akkumulation von Ansprüchen des Eigentums auf die Arbeit. Die Akkumulation des Kapitals der Staatsschuld heißt, wie sich gezeigt hat, weiter nichts als Vermehrung einer Klasse von Staatsgläubigern, die gewisse Summen auf den Betrag der Steuern für sich vorwegzunehmen berechtigt sind.
Sismondi-Fußnote:"Die Staatspapiere sind nichts anderes als das imaginäre Kapital, das der zur Bezahlung der Schulden bestimmte Teil des jährlichen Einkommens darstellt. Ein gleichgroßes Kapital ist vergeudet worden; dieses dient als Nenner für die Anleihe, aber es ist nicht das, was das Staatspapier darstellt; denn das Kapital existiert überhaupt nicht mehr. Mittlerweile müssen neue Reichtümer aus der Arbeit der Industrie entstehen; ein jährlicher Teil dieser Reichtümer wird im voraus denen angewiesen, die jene vergeudeten Reichtümer geliehen hatten; dieser Teil wird durch Steuern jenen abgenommen, die die Reichtümer hervorbringen, um an die Staatsgläubiger gegeben zu werden, und nach dem landesüblichen Verhältnis zwischen Kapital und Zins nimmt man ein imaginäres Kapital an, das ebenso groß ist wie das Kapital, woraus die jährliche Rente entstehen könnte, die die Gläubiger zu bekommen haben." (Sismondi, "Nouveaux Principes", II, p.229, 230.)“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.493f.)


Annahme 2

Staatsanleihen und Aktien sind Anlagesphären für verleihbares Kapital, sind aber selbst kein Leihkapital.


„Um die vorliegende Frage auf engere Grenzen zurückzuführen: Staatseffekten wie Aktien und andere Wertpapiere aller Art sind Anlagesphären für verleihbares Kapital, für Kapital, das bestimmt ist, zinstragend zu werden. Sie sind Formen, es auszuleihen. Aber sie sind nicht selbst das Leihkapital, das in ihnen angelegt wird. Andrerseits, soweit der Kredit direkte Rolle im Reproduktionsprozeß spielt: Was der Industrielle oder Kaufmann braucht, wenn er Wechsel diskontiert haben oder eine Anleihe aufnehmen will, sind weder Aktien noch Staatspapiere. Was er braucht, ist Geld. Er versetzt oder verkauft also jene Wertpapiere, wenn er das Geld sich anders nicht beschaffen kann.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.496)


Annahme 3

Mit der voranschreitenden Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit werden die Märkte ausgedehnt und an ferne Orte verlegt.
Kredite müssen sich verlängern, das spekulative Element nimmt zu.
Entwicklung des Produktionsprozesses erweitert den Kredit, der Kredit führt zur Ausdehnung der industriellen und merkantilen Operationen.


„Es ist aber klar, daß mit der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, und daher der Produktion auf großer Stufenleiter, 1. die Märkte sich ausdehnen und vom Produktionsort sich entfernen, 2. daher die Kredite sich verlängern müssen, und also 3. das spekulative Element mehr und mehr die Transaktionen beherrschen muß. Die Produktion auf großer Stufenleiter und für entfernte Märkte wirft das Gesamtprodukt in die Hand des Handels; es ist aber unmöglich, daß sich das Kapital der Nation verdopple, so daß der Handel für sich fähig wäre, mit eignem Kapital das gesamte nationale Produkt aufzukaufen und wieder zu verkaufen. Kredit ist hier also unerläßlich; Kredit, dem Umfang nach wachsend mit dem wachsenden Wertumfang der Produktion, und der Zeitdauer nach mit der zunehmenden Entfernung der Märkte. Es findet hier Wechselwirkung statt. Die Entwicklung des Produktionsprozesses erweitert den Kredit, und der Kredit führt zur Ausdehnung der industriellen und merkantilen Operationen.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.498)


Annahme 3

Der Kredit, getrennt vom Bankierkredit, ist Warenkapital, ist Kapital, das sich in bestimmter Phase des Reproduktionsprozesses befindet.


„Betrachten wir diesen Kredit, getrennt vom Bankierkredit, so ist klar, daß er wächst mit dem Umfang des industriellen Kapitals selbst. Leihkapital und industrielles Kapital sind hier identisch; die geliehenen Kapitale sind Warenkapitale, bestimmt entweder für schließliche individuelle Konsumtion oder zum Ersatz der konstanten Elemente von produktivem Kapital. Was hier also als geliehenes Kapital erscheint, ist immer Kapital, das sich in einer bestimmten Phase des Reproduktionsprozesses befindet, aber durch Kauf und Verkauf aus einer Hand in die andre übergeht, während das Äquivalent dafür [von] dem Käufer erst später zu bedungner Frist gezahlt wird.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.498)


Annahme 4

Hier wird Metamorphose der Ware durch Kredit vermittelt. Es ist nicht unbeschäftigtes Kapital, sondern Beschäftigung von Kapital im Reproduktionsprozess. Der Kredit vermittelt den Übergang des industriellen Kapitals aus einer Phase in eine andere.


„Was demnach hier verliehen wird, ist nie unbeschäftigtes Kapital, sondern Kapital, das in der Hand seines Besitzers seine Form ändern muß, das in einer Form existiert, worin es für ihn bloßes Warenkapital ist, d.h. Kapital, das rückverwandelt, und zwar wenigstens zunächst in Geld umgesetzt werden muß. Es ist somit die Metamorphose der Ware, die hier durch den Kredit vermittelt wird; nicht nur W – G, sondern auch G – W und der wirkliche Produktionsprozeß. Viel Kredit innerhalb des reproduktiven Kreislaufs – abgesehn vom Bankierkredit – heißt nicht: viel unbeschäftigtes Kapital, das zu Anleihen ausgeboten wird und profitliche Anlage sucht, sondern: große Beschäftigung von Kapital im Reproduktionsprozeß. Der Kredit vermittelt hier also 1. soweit die industriellen Kapitalisten in Betracht kommen, den Übergang des industriellen Kapitals aus einer Phase in die andre, den Zusammenhang der zueinander gehörigen und ineinander eingreifenden Produktionssphären; 2. soweit die Kaufleute in Betracht kommen, den Transport und den Übergang der Waren aus einer Hand in die andre bis zu ihrem definitiven Verkauf für Geld oder ihrem Austausch mit einer andern Ware.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.499)


Annahme 5

Solange Reproduktionsprozess flüssig ist, dauert der Kredit an und dehnt sich aus. Bei Stockung, überführter Märkte ist Überfluss von industriellem Kapital vorhanden. Es existiert in Form einer Masse von Warenkapital, das aber unverkäuflich ist, sowie in der . Masse von fixem Kapital, das aber unbeschäftigt ist.Der Kredit kontrahiert sich.


„Solange der Reproduktionsprozeß flüssig und damit der Rückfluss gesichert bleibt, dauert dieser Kredit und dehnt sich aus, und seine Ausdehnung ist basiert auf die Ausdehnung des Reproduktionsprozesses selbst. Sobald eine Stockung eintritt, infolge verzögerter Rückflüsse, überführter Märkte, gefallner Preise, ist Überfluß von industriellem Kapital vorhanden, aber in einer Form, worin es seine Funktion nicht vollziehn kann. Masse von Warenkapital, aber unverkäuflich. Masse von fixem Kapital, aber durch Stockung der Reproduktion großenteils unbeschäftigt. Der Kredit kontrahiert sich, 1. weil dies Kapital unbeschäftigt ist, d.h. in einer seiner Reproduktionsphasen stockt, weil es seine Metamorphose nicht vollziehn kann; 2. weil das Vertrauen in die Flüssigkeit des Reproduktionsprozesses gebrochen ist; 3. weil die Nachfrage nach diesem kommerziellen Kredit abnimmt. Der Spinner, der seine Produktion einschränkt und eine Masse unverkauftes Garn auf Lager hat, braucht keine Baumwolle auf Kredit zu kaufen; der Kaufmann braucht keine Waren auf Kredit zu kaufen, weil er deren schon mehr als genug hat.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.500)


Annahme 6

Bei Störung der Expansion des Reproduktionsprozesses kommt es zu einem Kreditmangel.
In der Krise ist die Masse des unbeschäftigten Kapitals und auch der Kreditmangel am größten. Fabriken stehen still, fertige Produkte überfüllen den Markt etc. Es herrscht ein Überfluss von produktivem Kapital.


„Tritt also Störung in dieser Expansion oder auch nur in der normalen Anspannung des Reproduktionsprozesses ein, so damit auch Kreditmangel; Waren sind schwerer auf Kredit zu erhalten. Besonders aber ist das Verlangen nach barer Zahlung und die Vorsicht im Kreditverkauf charakteristisch für die Phase des industriellen Zyklus, die auf den Krach folgt. In der Krisis selbst, da jeder zu verkaufen hat und nicht verkaufen kann und doch verkaufen muß, um zu zahlen, ist die Masse, nicht des unbeschäftigten, unterzubringenden Kapitals, sondern die des in seinem Reproduktionsprozeß gehemmten Kapitals gerade dann am größten, wenn auch der Kreditmangel am größten ist (und daher bei Bankierkredit die Diskontorate am höchsten). Das schon ausgelegte Kapital ist dann in der Tat massenweis unbeschäftigt, weil der Reproduktionsprozeß stockt. Fabriken stehn still, Rohstoffe häufen sich auf, fertige Produkte überfüllen als Waren den Markt. Es ist also nichts falscher, als solchen Zustand einem Mangel an produktivem Kapital zuzuschreiben. Es ist gerade dann Überfluß von produktivem Kapital vorhanden, teils in bezug auf den normalen, aber augenblicklich kontrahierten Maßstab der Reproduktion, teils in bezug auf die gelähmte Konsumtion.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.500)


Annahme 7

Ersatz der in der Produktion angelegten Kapitale hängt größtenteils ab von der Konsumtionsfähigkeit der nicht produktiven Klassen. Konsumtionsfähigkeit der Arbeiter ist durch Gesetze des Arbeitslohns beschränkt und durch weniger Anwendung der Arbeitskraft.
Letzter Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte, als ob die einzige Grenze die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft bilde.
Von wirklichem Mangel an produktivem Kapital kann nur bei Missernten von Nahrungsmitteln oder Rohstoffen die Rede sein.


„Wie aber die Dinge liegen, hängt der Ersatz der in der Produktion angelegten Kapitale großenteils ab von der Konsumtionsfähigkeit der nicht produktiven Klassen; während die Konsumtionsfähigkeit der Arbeiter teils durch die Gesetze des Arbeitslohns, teils dadurch beschränkt ist, daß sie nur solange angewandt werden, als sie mit Profit für die Kapitalistenklasse angewandt werden können. Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.
Von wirklichem Mangel an produktivem Kapital, wenigstens bei kapitalistisch entwickelten Nationen, kann nur gesprochen werden bei allgemeinen Mißernten, sei es der Hauptnahrungsmittel, sei es der hauptsächlichsten industriellen Rohstoffe.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.501)


Annahme 8

Zum kommerziellen Kredit kommt der eigentliche Geldkredit hinzu. Durch Vorschießen des Gelds seitens der Bankiers wird für jeden industriellen Fabrikanten oder Kaufmann die Notwendigkeit eines starken Reservekapitals umgangen.
Aber der Prozess verkompliziert sich so, dass durch Wechselreiterei etc. der Schein eines soliden Geschäfts fortexistieren kann, nachdem die Rückflüsse nur auf Kosten geprellter Geldverleiher, Produzenten gemacht worden sind. Das Geschäft scheint übertrieben gesund, gerade unmittelbar vor dem Krach.


„Es kommt aber nun zu diesem kommerziellen Kredit der eigentliche Geldkredit hinzu. Das Vorschießen der Industriellen und Kaufleute untereinander verquickt sich mit dem Vorschießen des Geldes an sie seitens der Bankiers und Geldverleiher. […] So wird für jeden individuellen Fabrikanten oder Kaufmann sowohl die Notwendigkeit eines starken Reservekapitals umgangen, wie die Abhängigkeit von den wirklichen Rückflüssen. Andrerseits aber kompliziert sich teils durch einfache Wechselreiterei, teils durch Warengeschäfte zum Zweck der bloßen Wechselfabrikation der ganze Prozeß so sehr, daß der Schein eines sehr soliden Geschäfts und flotter Rückflüsse noch ruhig fortexistieren kann, nachdem die Rückflüsse in der Tat schon längst nur noch auf Kosten teils geprellter Geldverleiher, teils geprellter Produzenten gemacht worden sind. Daher scheint immer das Geschäft fast übertrieben gesund gerade unmittelbar vor dem Krach.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.501)


Annahme 9

Unwissende und verkehrte Bankgesetzgebung kann Krise erschweren, aber keine Bankgesetzgebung kann die Krise beseitigen.


„Daß es in der Periode der Krise an Zahlungsmitteln fehlt, ist selbsteinleuchtend. Die Konvertibilität der Wechsel hat sich substituiert der Metamorphose der Waren selbst, und grade zu solcher Zeit um so mehr, je mehr ein Teil der Geschäftshäuser bloß auf Kredit arbeitet. Unwissende und verkehrte Bankgesetzgebung, wie die von 1844/45, kann diese Geldkrise erschweren. Aber keine Art Bankgesetzgebung kann die Krise beseitigen.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.506f.)


Annahme 10

In der Krise verliert Warenkapital seine Eigenschaft, potentielles Geldkapital darzustellen.
Dasselbe gilt beim fiktiven Kapital.
Fiktives Geldkapital ist in Krisen enorm vermindert.
Verminderung der Geldnamen dieser Wertpapiere hat nichts zu tun mit dem wirklichen Kapital, aber mit der Zahlungsfähigkeit seiner Eigner.


„Aus dem Gesagten ergibt sich, daß das Warenkapital seine Eigenschaft, potentielles Geldkapital darzustellen, in der Krise und überhaupt in Geschäftsstockungen in großem Maß verliert. Dasselbe gilt von dem fiktiven Kapital, den zinstragenden Papieren, soweit diese selbst als Geldkapitale auf der Börse zirkulieren. Mit dem steigenden Zins fällt ihr Preis. Er fällt ferner durch den allgemeinen Kreditmangel, der ihre Eigner zwingt, sie massenweis auf dem Markt loszuschlagen, um sich Geld zu verschaffen. Er fällt endlich bei Aktien, teils infolge der Abnahme der Revenuen, worauf sie Anweisungen sind, teils infolge des Schwindelcharakters der Unternehmungen, die sie oft genug repräsentieren. Dies fiktive Geldkapital ist in Krisen enorm vermindert, und damit die Macht seiner Eigner, Geld darauf im Markt aufzunehmen. Die Verminderung der Geldnamen dieser Wertpapiere im Kurszettel hat jedoch nichts zu tun mit dem wirklichen Kapital, das sie vorstellen, dagegen sehr viel mit der Zahlungsfähigkeit seiner Eigner.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.510)


Annahme 11

Bedeutung der Börse enorm gestiegen.
Gesamte Produktion, Verkehr, Kommunikationsmittel in den Händen der Börsianer konzentriert.
Börse wird die hervorragendste Vertreterin der kapitalistischen Produktion.


„1. Aus dem 3.Bd., 5.Abschnitt, besonders Kapitel [27], geht hervor, welche Stellung die Börse in der kapitalistischen Produktion überhaupt einnimmt. Nun ist aber seit 1865, wo das Buch verfaßt, eine Veränderung eingetreten, die der Börse heute eine um ein Bedeutendes gesteigerte und noch stets wachsende Rolle zuweist und die bei der ferneren Entwicklung die Tendenz hat, die gesamte Produktion, industrielle wie agrikulturelle, und den gesamten Verkehr, Kommunikationsmittel wie Austauschfunktion, in den Händen von Börsianern zu konzentrieren, so daß die Börse die hervorragendste Vertreterin der kapitalistischen Produktion selbst wird.“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.917)


Annahme 12

Akkumulation des Kapitals mit wachsender Schnelligkeit, schneller als Ausdehnung der Produktion.
Akkumulation des einzelnen Kapitalisten konnte nicht in der Vergrößerung seines eigenen Geschäfts volle Verwendung finden.


„3. Jetzt anders. Die Akkumulation ist seit der Krise von 1866 mit einer stets wachsenden Schnelligkeit vorgegangen, und zwar so, daß in keinem Industrieland, am wenigsten England, die Ausdehnung der Produktion mit der der Akkumulation Schritt halten, die Akkumulation des einzelnen Kapitalisten in der Vergrößerung seines eigenen Geschäfts volle Verwendung finden konnte“
(Marx, Kapital 3.Band, MEW Band 25, S.917f.)


Quellen[Bearbeiten]

Marx, Karl: MEW Bd. 23-25, Das Kapital in: Marx wirklich studieren, URL: https://marx-wirklich-studieren.net/marx-engels-werke-als-pdf-zum-download/ (06.01.2019).