Eigentumsverhältnisse und ursprüngliche Akkumulation

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Als unmittelbarer Ausdruck der Produktionsweise erscheinen die Eigentumsverhältnisse – insbesondere das Eigentum an den Produktionsmitteln, da sie die Grundlage der Produktion und Reproduktion bilden. Die Kontrolle über die Produktionsmittel bedeutet deswegen auch die Kontrolle des gesellschaftlichen Produkts und damit die Kontrolle der Gesellschaft selbst.

Die Entstehung des Kapitalismus, also die ursprüngliche Akkumulation, beschreibt das Zustandekommen der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse, also die Polarisierung von Kapital auf der einen und freier Arbeit auf der anderen Seite. Dieser Eigentumsverteilung folgt die Klassenverteilung.

Schlagworte

Eigentum, Privateigentum, ursprüngliche Akkumulation, Enteignung des Produzenten, arbeitende und nichtarbeitende Eigentümer, kapitalistische Produktionsweise, Zusammenschluss des Kapitals, Kapitalverhältnisse, Kapitalisierung der Lebens- und Produktionsmittel, Lohnarbeit

Annahme 1

  • Konzentration der Produktionsmittel, Arbeitsteilung, Kooperation und gesellschaftliche Beherrschung der Natur und freie Entwicklung der Produktivkräfte waren in vorkapitalistischen Produktionsweisen nicht gegeben und möglich.
  • Die Vernichtung dieser Produktionsweise und somit die Enteignung der Volksmasse von Grund, Boden und Arbeitsmitteln war eine historische Notwendigkeit.

„Das Privateigentum des Arbeiters an seinen Produktionsmitteln ist die Grundlage des Kleinbetriebs, der Kleinbetrieb eine notwendige Bedingung für die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktion und der freien Individualität des Arbeiters selbst. Allerdings existiert diese Produktionsweise auch innerhalb der Sklaverei, Leibeigenschaft und andrer Abhängigkeitsverhältnisse. Aber sie blüht nur, […] wo der Arbeiter freier Privateigentümer seiner von ihm selbst gehandhabten Arbeitsbedingungen ist, der Bauer des Ackers, den er bestellt, der Handwerker des Instruments, worauf er als Virtuose spielt.

Diese Produktionsweise unterstellt Zersplitterung des Bodens und der übrigen Produktionsmittel. Wie die Konzentration der letztren, so schließt sie auch die Kooperation, Teilung der Arbeit innerhalb derselben Produktionsprozesse, gesellschaftliche Beherrschung und Reglung der Natur, freie Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte aus. […] Auf einem gewissen Höhegrad bringt sie die materiellen Mittel ihrer eignen Vernichtung zur Welt. Von diesem Augenblick regen sich Kräfte und Leidenschaften im Gesellschafts- schoße, welche sich von ihr gefesselt fühlen. Sie muß vernichtet werden, sie wird vernichtet. Ihre Vernichtung, die Verwandlung der individuellen und zersplitterten Produktionsmittel in gesellschaftlich konzentrierte […], daher die Expropriation [Enteignung, AG KA] der großen Volksmasse von Grund und Boden und Lebensmitteln und Arbeitsinstrumenten, diese furchtbare und schwierige Expropriation der Volksmasse bildet die Vorgeschichte des Kapitals.“
Marx, Karl: Das Kapital, Bd. 1, in: MEW, Band 23, Berlin 1962, S. 789f.


Annahme 2

  • Das Privateigentum an Produktionsmitteln hat in Abhängigkeit davon, ob die Eigner der Produktionsmittel selbst arbeiten oder nicht, unterschiedlichen Charakter.
  • Zwischen den Polen arbeitender und nichtarbeitender Produktionsmitteleigner lassen sich zahlreiche Abstufungen ausmachen.

„Privateigentum, als Gegensatz zum gesellschaftlichen, kollektiven Eigentum, besteht nur da, wo die Arbeitsmittel und die äußeren Bedingungen der Arbeit Privatleuten gehören. Je nachdem aber diese Privatleute die Arbeiter oder die Nichtarbeiter sind, hat auch das Privateigentum einen andern Charakter. Die unendlichen Schattierungen, die es auf den ersten Blick darbietet, spiegeln nur die zwischen diesen beiden Extremen liegenden Zwischenzustände wider.“
Marx, Karl: Das Kapital, Bd. 1, in: MEW, Band 23, Berlin 1962, S. 789.


Annahme 3

  • Die Eigentumsverhältnisse ergeben sich aus den Produktionsverhältnissen.
  • Der historische Wandel der Eigentumsverhältnisse ist in Abhängigkeit zu den historischen Gesellschaftsformationen zu begreifen.

„In jeder historischen Epoche hat sich das Eigentum anders und unter ganz verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnissen entwickelt. Das bürgerliche Eigentum definieren heißt somit nichts anderes, als alle gesellschaftlichen Verhältnisse der bürgerlichen Produktion darstellen.“
Marx, Karl: Das Elend der Philosophie, in: MEW, Band 4, Berlin 1977, S. 165.


Annahme 4

  • Anders als in vorherigen Gesellschaftsformationen muss das Zusammenwirken der Arbeiter im Kapitalismus nicht mittels Gewalt erzwungen werden.
  • Das Zusammenwirken des Proletariats ist eine Folge des Zusammenschlusses des Privateigentums an Produktionsmitteln durch Akkumulation und Konzentration.

„Im Kapital ist die association der ouvriers [das Zusammenwirken der Arbeiter, AG KA] nicht erzwungen durch direkte physische Gewalt, Zwangs-, Fron-, Sklavenarbeit; sie ist erzwungen dadurch, daß die Bedingungen der Produktion fremdes Eigentum sind und selbst vorhanden sind als objektive Assoziation, die dasselbe wie Akkumulation und Konzentration der Produktionsbedingungen [ist, AG KA].“
Marx, Karl: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, in: MEW, Band 42, Berlin 1975, 492.


Annahme 5

  • Das Verhältnis von unbezahlter Mehrarbeit des Proletariats und Mehrwertaneignung durch die Bourgeoisie (=Kapitalverhältnis) hat deren Eigentum an Produktionsmitteln zur Voraussetzung.
  • Mit der Etablierung der kapitalistischen Produktionsweise reproduziert und intensiviert sich das Klassenverhältnis.
  • Die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln (= ursprüngliche Akkumulation) und damit Verwandlung von Lebens- und Produktionsmittel in Kapital und die Verwandlung der Arbeit in Lohnarbeit bilden die Grundlage für die kapitalistische Produktionsweise.

„Das Kapitalverhältnis setzt die Scheidung zwischen den Arbeitern und dem Eigentum an den Verwirklichungsbedingungen der Arbeit voraus. Sobald die kapitalistische Produktion einmal auf eignen Füßen steht, erhält sie nicht nur jene Scheidung, sondern reproduziert sie auf stets wachsender Stufenleiter. Der Prozeß, der das Kapitalverhältnis schafft, kann also nichts andres sein als der Scheidungsprozeß des Arbeiters vom Eigentum an seinen Arbeitsbedingungen, ein Prozeß, der einerseits die gesellschaftlichen Lebens- und Produktionsmittel in Kapital verwandelt, andrerseits die unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter. Die sog. ursprüngliche Akkumulation ist also nichts als der historische Scheidungsprozeß von Produzent und Produktionsmittel. Er erscheint als ‚ursprünglich‘, weil er die Vorgeschichte des Kapitals und der ihm entsprechenden Produktionsweise bildet.“
Marx, Karl: Das Kapital, Bd. 1, in: MEW, Band 23, Berlin 1962, S. 742.


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