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| − | == Einleitung ==
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| − | Der dialektische Determinismus stellt ein grundlegendes Prinzip des dialektischen Materialismus und damit unserer wissenschaftlichen Weltanschauung dar. Der Marxismus-Leninismus erfährt innerhalb der bürgerlichen Wissenschaft eine kategorische Ablehnung, aufgrund seiner politischen Stoßrichtung. Es wird versucht diese politische Ablehnung mit “wissenschaftlichen” Argumenten zu verschleiern. Vermeintlich wissenschaftlich deshalb, da dem wissenschaftlichen Sozialismus Aussagen untergeschoben werden, die er selbst nicht trifft und welche aus vormarxschen Zeiten stammen. Ein genutztes Mittel ist dabei der Positivismus als weltanschauliche Grundhaltung der bürgerlichen Wissenschaft. Dieser geht in seiner Untersuchung von den sinnlich wahrnehmbaren Oberflächenerscheinungen der Natur oder Gesellschaft aus. Dieses unmittelbar sinnlich Gegebene wird losgelöst vom historischen und logischen Gesamtzusammenhang reflektiert und in seiner Vereinzelung verabsolutiert. Dies soll einerseits den Klassengegensatz in der Gesellschaft verschleiern, andererseits das Eindringen des dialektischen Materialismus in die Einzelwissenschaften verhindern. Diese apologetischen Angriffe auf den Marxismus stellen für unsere AG allerdings nicht den Ausgangspunkt dieser Untersuchung dar. Unsere Motivation liegt darin begründet, dass wir als Kommunisten für das erfolgreiche Anführen vom Klassenkämpf selbst auf ein sehr präzises Verständnis unserer eigenen Weltanschauung angewiesen sind. Ohne ein solches Verständnis werden unserer Analysen und daraus abgeleitet auch unsere Schlussfolgerungen bzw. Losungen und praktische Lösungen oberflächlich bleiben müssen. D.h. wir werden nicht das Rüstzeug haben, besondere gesellschaftliche Ereignisse und Prozesse von den allgemeinen, sowie auch wesentlichen zu unterscheiden und demnach nicht bestimmen können, was das Ergebnis eines Gesetzes ist und was nicht. Wir leiten auch unser politisches Ziel – den Kommunismus – gesetzmäßig aus der bürgerlichen Gesellschaft ab. Durch diese gesetzmäßige Bestimmung ergeben sich praktische Schlussfolgerungen an eine Kommunistische Partei, welche sich in ihrer Strategie manifestieren. So z.B. die Frage der Revolution und der Diktatur des Proletariats als Strategie in Abgrenzung zu Auffassungen, nach welcher Zwischenetappen zum Sozialismus/Kommunismus notwendig wären. Daraus folgt, dass eine wissenschaftliche Begründung unseres Vorhabens, welches wir praktisch verfolgen, aus einem Verständnis/einer Bewertung des gesellschaftlichen Zusammenhangs ergeben. Gleichzeitig ist mit einer vereinfachten oder verfälschen Auffassung des Determinismus auch die theoretische Grundlage gegeben, den Kommunismus in unerreichbare Ferne zu rücken.
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| − | Im Wesentlichen beschreibt der dialektische Determinismus die Auffassung der allgemeinen Wechselbeziehung und der Wechselwirkung der Erscheinungen in der Welt (Rubenstein, 1973, S. 193). Der wesentliche begriffliche Inhalt des dialektischen Materialismus liegt für Korch in der Überzeugung, dass alle Erscheinungen und Prozesse der Welt einander gegenseitig bedingen und kausal voneinander abhängen. Die Welt beschreibt demnach einen universellen Zusammenhang. Der Zusammenhang schließt in sich ein, dass die Erscheinungen durch Bewegung und Veränderung wechselseitig aufeinander wirken und dadurch die Welt ein System von Kausalrelation darstellt. Dies wird mit der Einheit von Materie und Bewegung oder dem Prinzip der Selbstbewegung begründet. Der dialektische Determinismus berücksichtigt im vollen Umfang die qualitative Vielfalt der Kausalitätsverhältnisse und die unterschiedliche Bedeutung einzelner Ursache-Wirkung-Beziehungen bei der Entstehung und Veränderung der Erscheinungen. Dies passiert vor allem durch Begriffe wie Gesetz, Notwendigkeit, Zufall oder Wechselwirkung (Korch, 1961, S. 796ff.). Der Begriff des Determinismus beschreibt die Widerspiegelung der Gesamtheit der Determinationstypen in allen Wirklichkeitsbereichen und geht dabei über die Kausalität als Kategorie des Zusammenhangs hinaus (Autorenkollektiv, 1985, S. 121). Als Grundsätze dieser Auffassung können Folgende beschrieben werden: der Zusammenhang der Erscheinungen ist universell, objektiv und notwendig; alle Prozesse der Welt stehen in einer wechselseitigen Bedingtheit; Ereignisse werden aus der Selbstbewegung der Erscheinungen verursacht; Prozesse der Welt sind geordnet, gerichtet, regelmäßig und wiederkehrend und beschreiben demnach etwas Gesetzmäßiges (ebd. S.123). Herbert Hörz führt an, dass der dialektische Determinismus auch bedeutet, dass alle Dinge, Erscheinungen und Prozesse durch natürliche Ursachen bestimmt sind. Dadurch ist auch alles auf der Welt auf natürliche Weise erklärbar, also sind für die Erklärung keine übernatürlichen Ursachen nötig (Hörz, 1974, S. 56). Im Philosophischen Wörterbuch ist zu lesen, dass der dialektische Determinismus im engeren Sinne die Lehre vom allgemeinen kausalen Zusammenhang aller Dinge und Erscheinungen beschreibt (Klaus & Buhr, 1975, S. 263). Der dialektische Determinismus als Theorie des Zusammenhangs beschreibt die Bedingtheit und Bestimmtheit der Erscheinungen im Gesamtzusammenhang. Dabei werden verschiedene Formen des Zusammenhangs: die Kausalität, das Gesetz, die Notwendigkeit und der Zufall, sowohl voneinander unterschieden als auch untersucht (Hörz, 1975, S. 357f.). Der Determinismus beschreibt nach Stiehler die Auffassung von Gesetzmäßigkeiten in der Natur und Gesellschaft. Er bildet keinen separaten Zweig der marxistischen Philosophie, sondern ihre wesentliche Seite. Der dialektische Determinismus erklärt die menschlichen Handlungen aus inneren und äußeren Bedingungen der handelnden Subjekte. Dies führt zur Frage nach dem Wesen und der Erscheinungsform der menschlichen Freiheit. Diese Betrachtungsweise schließt die Frage nach der gesetzmäßigen inneren Ordnung der Gesellschaft (Produktivkräfte – Produktionsverhältnisse, Basis – Überbau, Beziehung von Klassen und Schichten usw.) ein. Diese wird unter einem historischen Blickwinkel betrachtet (Stiehler, 1981, S. 37f.).
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| − | Bei dieser recht allgemeinen Bestimmung des Determinismus besteht in der bisher bekannten Literatur Einigkeit. In der Deutschen Zeitschrift für Philosophie finden sich Artikel von Stiehler (1973a) und Hörz (1973), welche eine Kontroverse innerhalb des Verhältnisses zwischen Determinismus und Entwicklungstheorie aufmachen, allerdings zeigt sich bei näherer Untersuchung, dass beide Positionen nicht wirklich auseinandergehen.
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| − | Im Wesentlichen finden sich Kontroversen bei der Bestimmung von Kategorien des dialektischen Determinismus (z.B. Notwendigkeit und Zufall). Diese unterschiedlichen Bestimmungen sind ihrerseits wieder auf zwei nicht-marxistische Konzepte des Determinismus zurückzuführen, zwischen denen sich die gesamte Debatte bewegt. Auf der einen Seite finden wir das Konzept des mechanischen Determinismus welches im Kern auf dem französischen Materialismus-Verständnis des 18. Jahrhundert beruht und seit Marx und Engels als überwunden gilt (vgl. Grundannahmen dialektischer Determinismus). Auf der anderen Seite finden wir den Indeterminismus, welcher im Vergleich eine neuere Erscheinung darstellt.
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| − | Der mechanische Determinismus verfolgt die Annahme, dass die Natur einer einzigen ununterbrochenen Kette von Ursache und Wirkungen folgt, die notwendig miteinander verknüpft ist (Laplacescher Dämon). Der mechanische Determinismus bleibt in seiner Geschichtsauffassung idealistisch. Er war nicht im Stande die Besonderheit der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzmäßigkeit zu erkennen. Es wird weiterhin die im mechanischen Sinne charakterisierte Notwendigkeit verabsolutiert und dadurch die objektive Existenz des Zufalls geleugnet. Dadurch nimmt der mechanische Determinismus eine fatalistische Position ein, da die verabsolutierte Notwendigkeit faktisch mit einem unabwendbaren Schicksal oder Gottes Willen gleichgesetzt werden kann (Klaus & Buhr, 1975, S. 265). Im mechanischen Determinismus wird die Notwendigkeit in ihrer einfachsten Form als eine lineare Ursache-Wirkungs-Beziehungen aufgefasst. Auch die Gesetzmäßigkeiten in der Natur und der Gesellschaft werden vereinfacht beschrieben. Die Philosophen nahmen an, dass die Gesetze unveränderlich seien und die Natur immer über den direktesten Weg zum Ziel gelange. In dieser metaphysischen Betrachtungsweise wird die Gesetzmäßigkeit auf die Idee der maximal einfachen Wirkungsbeziehung zwischen koexistierenden Dingen reduziert. Nach dieser Betrachtungsweise finden zwar Bewegungsvorgänge statt, aber keine Entwicklung (Stiehler, 1974a, S. 476f.).
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| − | Mit der Entwicklung der Quantenphysik und dem damit verbunden einem Übergang von der klassischen zur modernen Physik Anfang des 20. Jahrhunderts entstand eine neue Form des Determinismus, der Indeterminismus. Der Korpuskel-Welle-Dualismus, welcher durch die von Heisenberg formulierte Unbestimmtheitsrelation dargestellt wurde, bewies den mechanischen Determinismus für den subatomaren Bereich als ungültig. Aus dieser Entdeckung heraus wurde von bürgerlichen Philosophen die Schlussfolgerung gezogen, dass der Determinismus überhaupt – da dieser lediglich mit der mechanischen Form in Verbindung gebracht wurde – zu verwerfen sei und durch den Indeterminismus ersetzt werden müsse (Klaus & Buhr, 1975, S. 267). Der Indeterminismus ist eine idealistische Negierung objektiver Kausalzusammenhänge, sowie der allgemeinen und spezifischen Gesetzmäßigkeit der Bewegung der Materie. Diese Position verabsolutiert den Zufall und verneint die Notwendigkeit innerhalb der Natur und der Gesellschaft. Es wird die im metaphysischen Sinne verstandene Willensfreiheit vertreten und damit eine einseitige Lösung des Problems von Notwendigkeit und Freiheit gegeben (ebd. S.551).
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| − | ==Verhältnis der Kausalität zu anderen Zusammenhangsformen==
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| − | Beim Begriff der Kausalität unterscheiden sich die Positionen, welche im folgendem vorgestellt werden, einerseits darin, wie weit oder eng der Begriff gefasst wird, sowie das Verhältnis der Kausalität zur Notwendigkeit und zum Gesetz. Eine Präzisierung ist dahingehend von Bedeutung, dass bspw. der mechanische Determinismus Kausalität und Notwendigkeit gleichsetzt und sich demnach alles in der Welt nach strenger Notwendigkeit bewegt.
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| − | ===Kausalität als ein Wirkungszusammenhang===
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| − | Im Philosophischen Wörterbuch der DDR wird die Position vertreten, dass für den dialektischen Materialismus die Kausalität nur eine Seite des universellen Zusammenhangs aller Erscheinungen ist. Neben dieser Form des Wirkungszusammenhang zwischen Dingen usw. der objektiven Realität existieren noch viele andere (Klaus & Buhr, 1975, S. 266). Bei der Kausalität wird eine Erscheinung (Ursache) unter bestimmten Bedingungen eine andere Erscheinung (Wirkung) mit Notwendigkeit hervorbringen (ebd., S.614). Die Kausalität besitzt sowohl absoluten als auch relativen Charakter. Absolut ist die Kausalität dahingehend, dass es keine Erscheinung gibt, die nicht durch eine Andere (Ursache) hervorgerufen ist und die nicht selbst wieder eine bestimmte Wirkung hervorbringt. Gleichzeitig ist die Kausalität aber auch relativ, da sie nur einem bestimmten Ausschnitt der universellen Wechselwirkung, nur eine der vielfältigen Formen der Zusammenhänge zwischen den Erscheinungen ist, obwohl alle Zusammenhänge kausal bedingt sind. Den Bezug zwischen der Kausalität und der Notwendigkeit präzisieren Klaus und Buhr. So sind beide nicht identisch miteinander. Kausalzusammenhänge tragen zwar einen notwendigen Charakter. Damit ist gemeint, dass die Ursache die Wirkung notwendig hervorbringt. Dennoch ist nicht jeder notwendiger Zusammenhang ein Kausalzusammenhang (bspw. eine logische Notwendigkeit). In diesem Sinne ist der Begriff Notwendigkeit allgemeiner als der Begriff der Kausalität. Auf der anderen Seite sind auch die zufälligen Zusammenhänge kausal bedingt. In diesem Sinne ist der Begriff der Kausalität allgemeiner als der der Notwendigkeit. Die Kausalität ist auch nicht identisch mit dem Gesetz. So ist zwar jedes Gesetz an einen Kausalzusammenhang gebunden. Dennoch bringen nicht alle Gesetze ihren spezifischen Inhalt nach einem Kausalzusammenhang zum Ausdruck (ebd., S.616f.).
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| − | ===Kausalität als Grundform des Wirkungszusammenhangs===
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| − | Herbert Hörz beschreibt die Kausalität in eine ähnliche Richtung und stellt heraus, dass alle Erscheinungen in der objektiven Realität kausal bedingt sind, obgleich diese kausale Bedingtheit nur eine Seite der universellen Wechselwirkung darstellt. Die Kausalität wird als die objektive Vermittlung des Zusammenhangs beschrieben, welche sich durch das Verursachen bestimmter Wirkungen vollzieht (Hörz, 1974, S. 90f.). Hörz präzisiert das Verständnis von Kausalität im Hinblick auf die Begriffe von Notwendigkeit und Zufall. Kausalität ist nicht nur ein notwendiger Zusammenhang. So werden Notwendigkeit und Zufall durch ihren Platz in einem kausalen Zusammenhang in einem System bestimmt. Objektiv existierende Möglichkeiten der Entwicklung sind durch die vorherige Entwicklung bestimmt. Sie verwirklichen sich durch die gegebenen Bedingungen. Dadurch existiert also kein absoluter Zufall, sondern ein bedingter, da dieser nicht als ursachenlos angesehen werden kann (Hörz, 1980, S. 120). Weiter wird eine begriffliche Unterscheidung zwischen der Kausalität und dem Gesetz vorgenommen. Kausalität beschreibe die konkrete und direkte Vermittlung des Zusammenhangs, zwischen den einzelnen Elementen eines Systems. Die Wechselwirkung der Elemente führe zur Verursachung von Wirkungen. Der Gesetzesbegriff beschreibt die wesentlichen Zusammenhänge zwischen Systemstruktur und Elementarverhalten (ebd., S.145). Weiter sind nicht alle Kausalzusammenhänge allgemein-notwendig und auch nicht alle wesentlich (Hörz, 1974, S. 291). Wird die Kausalität vom Gesetz unterschieden, dabei allerdings die Kausalität als notwendiger Zusammenhang betrachtet, ergeben sich für Hörz wieder zwei Möglichkeiten: 1) die Notwendigkeit wird als einfache direkte Notwendigkeit (in Abgrenzung zur allgemeinen, d.h. reproduzierbaren Notwendigkeit) aufgefasst. Dann bringt eine bestimmte Ursache notwendig eine bestimmte Wirkung hervor. Verbunden mit der Feststellung, dass alles in der Welt kausal bedingt ist, führt das zum mechanischen Determinismus. Oder es wird 2) von keiner direkten notwendigen zeitlichen Folge des einen Ereignisses aus dem anderen ausgegangen. Dann gilt die behauptete Notwendigkeit zwischen zwei Erscheinungen nur, wenn ein gesetzmäßiger Zusammenhang besteht (Hörz, 1963, S. 153f.). Die Kausalität wird durch Hörz, als die konkrete, direkte Vermittlung des Zusammenhangs zwischen zwei Prozessen beschrieben. Dabei bringt der eine Prozess Veränderungen des anderen hervor. Hörz betont, dass die Forderung nach der durchgängigen Gültigkeit der Kausalität mit der Anerkennung der materiellen Einheit der Welt verbunden ist. Im Begriff der Kausalität wird nichts über den notwendigen oder zufälligen Charakter der materiellen Bedingtheit ausgesagt, sondern lediglich der objektive Charakter hervorgehoben. Ein Kausalzusammenhang ist für Hörz der Moment der Wechselwirkung, des direkten Zusammenhangs zwischen zwei Erscheinungen. Hingegen ist ein gesetzmäßiger Zusammenhang nicht unbedingt ein direkter Zusammenhang (ebd., S.157fff.).
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| − | Helmut Korch (1965, S.31) gibt eine Präzisierung im Hinblick auf die Fragestellung, welche Zusammenhangsform die Grundform darstellt. Er Unterscheidet die Kausalität vom Kausalitätsprinzip und stellt heraus, dass die Kausalität lediglich eine Zusammenhangsform neben weiteren darstellt. Das Kausalitätsprinzip hingegen geht über den Begriff der Kausalität hinaus und besagt, dass jedes Geschehen und jede Veränderung in der Welt verursacht wurde. Nach dem Kausalitätsprinzip gibt es keine materielle Veränderung, die ohne eine Ursache entsteht, oder keine Wirkung hervorbringt. Korch betont, dass es unzulässig ist, einen bestimmten Typen von Kausalitätsbeziehungen zum universellen Kausalitätsprinzip zu erheben. Es wäre auch falsch, die vielgestaltigen Zusammenhänge der materiellen Welt schematisch auf eine einzige Kategorie zu reduzieren. Der dialektische Determinismus erschöpft sich nicht im Begriff der Kausalität (ebd., S.38). Dies wird auch an der Gesetzmäßigkeit verdeutlich. In gewisser Hinsicht ist der Begriff des Gesetzes weiter als der des Kausalitätsverhältnisses. Das Gesetz bildet verschiedene Formen wesentlicher, notwendiger und allgemeiner Zusammenhänge ab. Von diesen trägt nur eine bestimmte Gruppe den Charakter kausaler Zusammenhänge. Die Menge der objektiven Beziehungen, welche von der Kategorie des Gesetzes erfasst werden, ist größer als diejenigen, die durch den Kausalitätsbegriff beschrieben werden (ebd., S.180f.).
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| − | Georg Lukács kritisiert oberflächlich eine solche Position. Für ihn ist die Kategorie der Wechselwirkung für die Betrachtung des historischen Prozesses ungenügend. Wird die Wechselwirkung als bloße gegenseitige kausale Einwirkung, von zwei sonst unveränderlichen Gegenständen, betrachtet, würde sich diese Auffassung nicht von jener des mechanischen Materialismus unterscheiden, nach welchem es nur eindeutige Kausalreihen gebe (Lukács, 1923, S. 44).
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| − | ===Kausalität und Gesetz===
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| − | Im sowjetischen Lehrbuch Grundlagen der marxistischen Philosophie (Autorenkollektiv, 1961, S. 206f.) wird die Kausalität als ein Zusammenhang beschreiben, bei dem immer, wenn das eine ist, auch das andere erfolgt. Die Kausalität sei hier eine Form des gesetzmäßigen Zusammenhangs. Dies ist eine Auffassung, die meist nur für Gesetze gilt, hingegen die Kausalität weiter gefasst wird.
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| − | Dies steht u.a. im Widerspruch zu der oben angeführten Position von Hörz, nach welcher die Kausalität vom Gesetz unterschieden werden muss, da die Kausalität die konkrete und direkte Vermittlung eines Zusammenhangs beschreibt und der Gesetzesbegriff die wesentlichen Zusammenhänge (Hörz 1980, S.145).
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| − | ===Kausalität und Voraussagbarkeit===
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| − | Eine Kritik am Marxismus beruht auf der Behauptung, dass die Anerkennung von Gesetzmäßigkeiten mit der Anerkennung der Vorbestimmung einhergehe. Dieser falschen Unterstellung wird die Position der „offenen“ Gesellschaft entgegengesetzt. Diese geht von einem willkürlichen, der freien Neigung folgenden, Handeln der Menschen aus. Aus dieser Auffassung heraus erscheint die Aktivität des Subjekts als voluntaristische Willkür, welche jegliche historische Notwendigkeit negiert (Gleserman, 1975, S. 67). Korch beschreibt die Frage der Prognostizierbarkeit und der Genauigkeit von Voraussagen im dialektischen Materialismus als ein Problem der Erkennbarkeit der Welt und des Erkenntnisvorgangs. Die Kausalität und der Determinismus beziehen sich ausschließlich auf die Struktur der Welt. Die Idee der Gleichsetzung vom Determinismus mit der Prognostizierbarkeit ist keine reine Eigentümlichkeit des Positivismus, sondern wird durch den subjektiven Idealismus vorbereitet und gestützt. Die materialistische Annahme, dass die Voraussagbarkeit und die Kausalität nicht ein und dasselbe sind, darf allerdings auch nicht so aufgefasst werden, dass zwischen den beiden Begriffen keine Beziehung bestehe. Es handelt sich um eine Umkehrung der Planck'schen Definition: die Kausalität ist das Primäre, und die Voraussagbarkeit geht aus ihr hervor. In der Kausalität liegt die Möglichkeit der Voraussage. Diese wird nur dann zur Wirklichkeit, wenn es zu einer hinreichenden mentalen Abbildung des Kausalverhältnisses kommt. Durch eine Reduzierung des Determinismus auf Voraussagbarkeit können Erscheinungen in ein Kausalverhältnis verwandelt werden, obwohl sie in gar keiner inneren Beziehung zueinanderstehen. Dies ist von Bedeutung, um nicht Thesen der subjektiv-idealistischen Philosophie zu bestätigen, wie: die Kausalität ist ein Postulat; Kausalität als Urform des Denkens, allerdings nicht aussagekräftig über die Wirklichkeit; Kausalität als ein heuristisches Prinzip und daher weder wahr oder falsch usw. Korch hebt deshalb hervor, dass nicht willkürlich Beziehungen als Kausalität ausgegeben werden dürfen, da sonst fehlannahmen getroffen werden können. Korch nennt ein Beispiel, um zu verdeutlichen, dass die Voraussagbarkeit nicht von einer objektiven ursächlichen Bedingtheit abgeleitet wird. So ist es möglich das durch einen Blick auf die Uhr, die Abfahrt eines Zuges prognostiziert werden kann. Bei diesem Phänomen würde niemand behaupten, dass das die Zeigerstellung der Uhr auch die Ursache für die Zugfahrt wäre. Das diese Behauptung niemand vertreten würde, ergibt sich dabei nicht allein aus dem Prinzip der Voraussagbarkeit, sondern vielmehr aus dem Fehlen eines objektiven Zusammenhangs zwischen den genannten Erscheinungen. Damit wird verdeutlicht, dass die eine Beschränkung aud die Prognostizierbarkeit zu absurden Konsequenzen führt (Korch, 1961, S. 807ff.).
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| − | ===Kausalität und Teleologie===
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| − | Bezogen auf die Kausalität tritt nach Korch der Indeterminismus auf, wenn irgendeine Form der Akausalität oder eine bedingte Gültigkeit der Kausalität behauptet wird. Die Teleologie ist eine solche Form des Indeterminismus, da sie nicht auf einem echten Kausalitätsprinzip beruhe (Korch, 1961, S. 799). Das Philosophische Wörterbuch beschreibt die Teleologie als eine idealistische Lehre, welche eine der materiellen Welt vorgegebene geistige Zweckbestimmtheit annimmt. Dadurch wird die Beschaffenheit und Entwicklung der Wirklichkeit nicht kausal, sondern final, als das Ergebnis einer immateriellen zwecksetzenden Idee aufgefasst. Die Teleologie tritt dabei in verschiedenen Formen auf. In der transzendentalen Teleologie wird die Zweckmäßigkeit in der materiellen Welt von außen durch Immaterielles gesetzt. In Abgrenzung dieser Auffassung verlegt die immanente Teleologie die Zwecke in die Dinge selbst. Den Dingen wird dabei irrationales willensmäßiges Streben nach bestimmten Zielen (Finalität) zugeschrieben. Die Scholastik, als dritte Form der Teleologie, leitet die Zweckmäßigkeit aus der Allwissenheit Gottes ab. Die göttliche Zweckmäßigkeit ist auf den Menschen als höchstes irdisches Wesen bezogen (Klaus & Buhr, 1975, S. 1216).
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| − | Hans Heinz Holz schreibt zur Teleologie:
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| − | {{Zitat |Die Fundierung der »geistigen« Wirklichkeit Sinn auf materielle Verhältnisse nimmt die Vorgänge der Sinnstiftung, der sinngerichteten Tätigkeit, der sinnvollen Absicht aus der Bindung an die Zweisubstanzenlehre heraus. Der Sinn-Bezug ist nicht eine wunderbare und autonome Qualität der res cogitans, sondern wird in den Reflexionsprozessen des innerweltlich Seienden generiert; nicht parthenogenetisch, sondern als reflexives Verhalten zu einer reflexiven Beziehung. In allen autopoietischen Systemen oder Gebilden kommen Tätigkeiten vor, die wir als sinnvolle Vollzüge bezeichnen müssen, lange bevor wir von bewußter Sinngebung sprechen. Es gibt ein Übergangsfeld, in dem zielgerichtetes Verhalten durch (materielle) Streuungsprozesse in Gang gesetzt und geregelt wird (und von Termini wie Ziel und Verhalten sollte man ohne jeden Anthropomophismus sprechen, also dabei nicht an Absicht und Willenshandlung denken). Seit wir dies wissen und im Modell simulieren können, ist der Begriff Teleologie von seinen theologischen (oder mindestens idealistischen) Konnotationen befreit. Wir brauchen nicht mehr an einen Urheber oder Schöpfer des Sinns zu denken, sondern können von Sinn als einer Relationskategorie sprechen, die einen bestimmten Typus rückgekoppelter Wechselwirkung bezeichnet. […] [D]ie »Entmythologisierung des Teleologie-Begriffs gehört zum Programm einer materialistischen Dialektik« (Holz, 2005, S. 400).}}
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