Krisenanalyse: Unterschied zwischen den Versionen

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==Überblick==
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Die Krisentheorie und konkrete Krisenanalyse sind in der kommunistischen Bewegung umstritten und darüber hinaus vor allem von sozialdemokratischen und reformistischen Positionen sowie von anderen bürgerlichen Vorstellungen geprägt. Die grundlegenden theoretischen Fragen bestehen darin, ob Krisen unvermeidbar sind, ob sie gesetzmäßig aus der kapitalistischen Produktionsweise entspringen oder ob sie durch falsche Wirtschaftspolitik und andere Faktoren verursacht werden. Weit verbreitet sind in der Krisenanalyse auch theoretische Auffassungen, die den Ursprung von Krisen lediglich in der Zirkulationssphäre verorten und nicht in den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktion. Damit verbunden existiert die Vorstellung, dass auch innerhalb des Kapitalismus durch gezielte Wirtschaftspolitik die Krise verhindert oder wenigstens abschwächt werden kann.
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Innerhalb der bürgerlichen politischen Ökonomien sind je nach Entwicklungsstand des Kapitalismus verschiedene „Theorien“ entstanden, die zur Rechtfertigung oder „Verbesserung“ des Systems dienten. Es kommt dabei zu Auseinandersetzungen und Kritik zwischen den verschiedenen „Schulen“. Sie zu kennen ist notwendig, um die richtige Kritik daran entwickeln zu können. Die Arbeiterklasse muss diese verschiedenen Ansätze und ihren Hintergrund kennen, um zu verstehen, auf welche Art und Weise das kapitalistische System damit gerechtfertigt und verewigt werden soll. Dies gilt insbesondere für die durch die Sozialdemokratie in die Arbeiterbewegung getragenen Vorstellungen. 
  
== Überblick ==
 
Die Krisenanalyse ist in der kommunistischen Bewegung umstritten und darüber hinaus vor allem von sozialdemokratischen und reformistischen Positionen sowie von anderen bürgerlichen Vorstellungen geprägt. Die grundlegenden Fragen bestehen darin, ob Krisen unvermeidbar sind, ob sie gesetzmäßig aus der kapitalistischen Produktionsweise entspringen oder ob sie durch falsche Wirtschaftspolitik und anderen Faktoren verursacht werden. Verbunden mit der Krisenanalyse ist dementsprechend eine bestimmte Vorstellung der Möglichkeiten der Wirtschaftspolitik innerhalb des Kapitalismus, die die Krise verhindern oder abschwächen könnte.<br/>Innerhalb der bürgerlichen politischen Ökonomien sind je nach Entwicklungsstand des Kapitalismus verschiedene „Theorien“ entstanden, die zur Rechtfertigung oder „Verbesserung“ des Systems dienten. Es kommt dabei zu Auseinandersetzungen und Kritik zwischen den verschiedenen „Schulen“. Sie zu kennen ist notwendig, um die richtige Kritik daran entwickeln zu können. Die Arbeiterklasse muss diese verschiedenen Ansätze und ihren Hintergrund kennen, um zu verstehen, auf welche Art und Weise das kapitalistische System damit gerechtfertigt und verewigt werden soll. Dies gilt insbesondere für die durch die Sozialdemokratie in die Arbeiterbewegung getragenen Vorstellungen. 
 
  
=== Finanzkrise, Globalisierung ===
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==Theorien zur Regulierung des Kapitalismus==
Besonders seit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 ist die Annahme weit verbreitet, es handele sich um eine Finanzkrise, die durch Spekulation, unkontrollierte Bankgeschäfte und zu wenig Investitionen in der Industrieproduktion ausgelöst würde. Die Beschneidung des Finanzsektors und der Banken sei notwendig, um die Krise zu verhindern bzw. abzuschwächen. Angenommen wird eine Entkoppelung des Finanzsektors von der „Realökonomie“, der industriellen Produktion. Die Ansprüche der Titeleigentümer könnten in der Krise nicht mehr bedient werden und zögen die Produktion mit hinab. Angenommen wird eine Dominanz des Finanzsektors über die Realökonomie. Es finde eine Überakkumulation von Kapital im Finanzsektor statt, die durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik gefördert würde. Notwendig sei eine Beschneidung und Verstaatlichung des Finanzsektors, der den Bedürfnissen der Gesellschaft dienen müsse.
 
  
Verbunden ist diese Krisenanalyse mit der Annahme, dass die „Globalisierung“ diese Entwicklung beschleunigt habe, transnationale Unternehmen ihre neoliberale Agenda überall durchsetzen konnten und es so zu Überkapazitäten gekommen sei. Gefordert wird meist eine vernünftige, regulierende Wirtschaftspolitik und alternative Ökonomien, die eine „andere Welt“ ermöglichen sollen. Angestrebt wird die Entwicklung einer alternativen Globalisierung, der Nationalstaat als Regulierungsinstanz wird abgelehnt bzw. in Frage gestellt.
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Zahlreiche Theorien und Vorstellungen gehen von einer Möglichkeit der Regulierung des kapitalistischen Systems aus und damit von der Abschwächung oder sogar Vermeidung von Krisen und der Option, Massenarbeitslosigkeit und andere Folgen der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus zu verhindern ohne den Kapitalismus an sich abzuschaffen. Die Theorien der „Regulierung“ spiegeln selbst die Entwicklung des Kapitalismus zum Imperialismus und zur gesteigerten Bedeutung des Staates wider, da sie auf Eingriffe des Staats und auf „planerische Elemente“ des Kapitalismus verweisen. Außerdem sind sie eine Reaktion auf die Existenz des Sozialismus und der dort tatsächlich planmäßigen Produktion.  
  
Vertreter dieser Ansichten sind ''Sozialismus, ISW, Attac, Partei die Linke''.
 
  
=== „Regulierter Kapitalismus“ ===
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===Finanzkrise, Finanzmarktkapitalismus, Globalisierung===
Zahlreiche „Theorien“ und Vorstellungen gehen von einer Möglichkeit der Regulierung des kapitalistischen Systems aus und damit von der Abschwächung oder sogar Vermeidung von Krisen und der Option, Massenarbeitslosigkeit und andere Folgen der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus zu verhindern. Die Theorien der „Regulierung“ spiegeln selbst die Entwicklung des Kapitalismus zum Imperialismus und zur gesteigerten Bedeutung des Staates wider, da sie auf Eingriffe des Staats und auf „planerische Elemente“ des Kapitalismus verweisen. Außerdem sind sie eine Reaktion auf die Existenz des Sozialismus und der dort tatsächlich planmäßigen Produktion.
 
  
=== Keynesianische Unterkonsumtionstheorie ===
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In Bezug auf die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008, aber auch frühere Krisen, wie z.B. die von 2000, ist die Annahme weit verbreitet, es habe sich um Finanzkrisen gehandelt, die durch Spekulation und unkontrollierte Bankgeschäfte ausgelöst wurde. Besonders gravierend sei diese Entwicklung durch die zunehmende Entkoppelung des Finanzsektors von der „Realökonomie“, der produktiven Bereiche der Wirtschaft. Die Ansprüche der Titeleigentümer könnten in der Krise nicht mehr bedient werden, was zu Pleiten von Banken führt und letztlich, z.B. über eine Kreditklemme die Produktion mit nach unten ziehe. Angenommen wird eine Dominanz des Finanzsektors über die Realökonomie. Es finde eine Überakkumulation von Kapital im Finanzsektor statt, die durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik gefördert würde. Diese Entwicklung sei auch durch die „Globalisierung“ beschleunigt worden, in der die transnationalen Unternehmen überall ihre neoliberale Agenda durchgesetzt hätten, was zur „Deregulierung“ und Liberalisierung der Märkte sowie dem Eindringen der Finanzlogik in alle Bereiche der Gesellschaft (bspw. Privatisierung der Altersvorsorge) geführt habe, die die Ausdehnung des Finanzsektors ermöglicht haben. Manche Autoren betonen hier, dass es sich um bewusste Entscheidungen der Politik zur Liberalisierung der Finanzmärkte handelte (bspw. in der BRD Abschaffung der Steuer aus Veräußerungsgewinnen von Aktiengesellschaften), während bei anderen eher eine quasi-naturgesetzliche Dynamik der „Globalisierung“ und „Finanzialisierung“ angenommen wird.
Die wichtigste und entwickeltste Version der Regulierungstheorie ist der Keynesianismus, der in den 30er Jahren entwickelt wurde und seitdem je nach Entwicklung des Kapitalismus verschiedene Formen angenommen hat. Er ist auch eine Reaktion auf die praktische Veränderung der Wirtschaftspolitik, vor allem in den USA mit dem „New Deal“. <br/>Grundannahme ist, dass durch Geld- und Kreditpolitik des Staates dem Krisenzyklus entgegen gewirkt werden könnte. In der Situation einer Krise sollen durch Schuldenaufnahme Staatsaufträge und Konsumprogramme finanziert werden, um so die Nachfragelücke zu schließen. In der Phase der Hochkonjunktur sollten dann Schulden abgebaut werden. International sollten Ungleichgewichte durch die Reduzierung von Handelsüberschüssen abgebaut werden. Unter dieser Vorstellung wurde eine komplexe Wirtschaftspolitik entwickelt, die das Ziel hatte, ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Faktoren der Volkswirtschaft herzustellen (Inflation, Beschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht).
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Es gibt in diesem Zusammenhang auch oft die ergänzende These, dass durch den Abzug von Kapital aus der Mehrwertproduktion in den Finanzsektor die Kapitalakkumulation verlangsamt wird, was wiederum zur Krise beitrage.
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Aus beiden Thesen wird in der Regel geschlussfolgert, die Beschneidung und bessere Regulierung des Finanzsektors und der Banken sei notwendig, um die Krise zu verhindern bzw. abzuschwächen. Oft wird auch eine [[Verstaatlichung als Schritt zum Sozialismus|Verstaatlichung]] der großen Finanzkonzerne gefordert, damit der Finanzsektor „wieder“ der Gesellschaft dienen könne. Aus dieser Perspektive stellt die Expansion des Finanzsektors und der Spekulation die Folge einer „unvernünftigen“ Wirtschaftspolitik dar, worin implizit die Vorstellung enthalten ist, es gäbe auch rationalere Varianten des Kapitalismus und die „Globalisierung“ könnte auch auf alternativen Wegen wie „fairem Handel“, gemeinwohlorientierten Unternehmen (z.B. Genossenschaften) usw. gestaltet werden. Dabei wird implizit angenommen, dass das schrankenlose Profitstreben lediglich Ausdruck einer bestimmten Variante des Kapitalismus bzw. der „Marktwirtschaft“ sei und keine grundlegende Gesetzmäßigkeit.
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Der Nationalstaat als Regulierungsinstanz wird unterschiedlich bewertet und stellt einen Streitpunkt dar: Manche Autoren streben eine „Reregulierung“ der Finanzmärkte auf globaler oder z.B. EU-Ebene an, da sie eine Rückkehr zu einem stärker nationalstaatlich geprägten Kapitalismus für unmöglich halten. Andere Autoren sehen in der Verteidigung und Rückgewinnung der „nationalen Souveränität“ gegenüber der „Globalisierung“ bzw. den „entfesselten Finanzmärkten“ einen Weg zur Eindämmung der Krisentendenzen des Kapitalismus.  
  
In der BRD fand diese Wirtschaftspolitik mit der „konzertierten Aktion“ und dem „magischen Dreieck/Viereck“ ihren Ausdruck. Häufig werden die keynesianischen und neoliberalen Ansätze als Gegensatz aufgefasst. Es gibt auch zahlreiche Unterschiede zwischen ihnen, aber sie schließen sich nicht aus. Die Anwendung von Mitteln beider „Regulierungs“-Schulen hat die Steigerung der Profite zum Ziel und richtet sich nur nach dem, was für das Monopolkapital notwendig ist.
 
  
=== Wirtschaftsdemokratie ===
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Vertreter dieser Ansichten sind z.B. die Zeitschrift Sozialismus, ISW, Attac, Partei die Linke und der Großteil der „kritischen Politischen Ökonomie“ an den deutschen Universitäten.  
In eine ähnliche Richtung mit anderer Gewichtung geht die Vorstellung, dass die Entstehung von Monopolen die Planbarkeit des Kapitalismus erhöhe und der Staat dadurch in die Lage versetzt werde, besser planen zu können und Krisen zu vermeiden. Die Vorstellung des „geplanten Kapitalismus“ setzte sich unter anderem in Form der „Wirtschaftsdemokratie“ durch den Reformismus in der Gewerkschaftsbewegung durch. Dort ist bis heute die Vorstellung verbreitet, dass durch Löhne und Ankurbelung der Nachfrage die Konjunktur dauerhaft erhalten bleiben könne.
 
  
=== Neoliberale Wirtschaftspolitik/Monetäre Theorie ===
 
Die Vorstellung, dass durch Fehler in der Zirkulation oder der Geldpolitik die Krise verursacht würde, gab es bereits zu Marx’ Zeiten unter dem Stichwort der „monetären Theorie“. Die scheinbar dem Keynesianismus entgegen gesetzte „neoliberale“ Wirtschaftsschule sieht die Ursachen der Wirtschaftskrise ebenfalls in der verfehlten Geld- und Kreditpolitik der Regierung und schlägt verschiedene Modelle der Zuwächse der Geldmenge, der Zinssätze etc. vor. Auch wird eine „Überinvestition“, eine Gleichgewichtsstörung der Produktion“ angenommen. Wenn also auch beide in eine andere Richtung weisen, gehen sie davon aus, durch Wirtschafts- und Geldpolitik die Ökonomie steuern und Krisen vermeiden zu können. Im Gegensatz zur keynesainischen Schule werden hier niedrige Löhne und niedrige Steuern als Lösung propagiert.
 
  
=== Produktivkraftentwicklung ===
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===Keynesianismus ===
Der marxistischen Ökonomie wurden zahlreiche bürgerliche Erklärungsversuche entgegen gestellt. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte und damit unter anderem neuer Technologien kamen auch Ansichten auf, die die Entwicklung daran festmachten und sie von den Produktionsverhältnissen trennten. Neue Technologien bringen dieser Ansicht nach Schübe der Entwicklung und bestimmen sie grundsätzlich. Diese Vorstellung hat verschiedenste Ausprägungen, die hierbei grob zusammen gefasst werden als Ansätze zur Infragestellung oder Relativierung der von Marx entdeckten Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus - die Notwendigkeit der Krise, der tendentielle Fall der Profitrate und weitere. 
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Der Keynesianismus wurde in den 30er Jahren entwickelt und hat seitdem je nach Entwicklung des Kapitalismus verschiedene Formen angenommen. Er ist auch eine Reaktion auf die praktische Veränderung der Wirtschaftspolitik, vor allem in den USA mit dem „New Deal“. 
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Keynes stellte zentrale Annahmen der bis dahin vorherrschenden neoklassischen Theorie (Walras, Menger, Böhm-Bawerk, Marshall usw.) infrage. Vor allem lehnte er die These ab, wonach der Markt aus sich heraus zum Gleichgewicht tendiert (Saysches Gesetz). Bei negativen Zukunftserwartungen sei das nicht der Fall, weil dann Investitionsentscheidungen unterbleiben würden. Umgekehrt könnte allerding der Staat durch eine antizyklische Geld- und Konjunkturpolitik, also durch verbilligte Kredite und Investitionsförderung, der Krise entgegenwirken. Durch einen sogenannten Multiplikatoreffekt würden Investitionen dann zusätzliche Beschäftigung und dadurch zusätzliche Nachfrage schaffen. In der Situation einer Krise sollen durch Schuldenaufnahme Staatsaufträge und Konsumprogramme finanziert werden, um so die Nachfragelücke zu schließen. In der Phase der Hochkonjunktur sollten dann Schulden abgebaut werden. International sollten Ungleichgewichte durch die Reduzierung von Handelsüberschüssen abgebaut werden. Unter dieser Vorstellung wurde eine komplexe Wirtschaftspolitik entwickelt, die das Ziel hatte, ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Faktoren der Volkswirtschaft herzustellen (Inflation, Beschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht).
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In der BRD fand diese Wirtschaftspolitik mit der „konzertierten Aktion“ 1966/67 und dem Stabilitäts- und Wachstumsgesetz unter Wirtschaftsminister Karl Schiller ihren Ausdruck, hielt allerdings anders als in anderen Ländern nicht an.  
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Häufig werden die keynesianischen und neoliberalen Ansätze als Gegensatz aufgefasst. Es gibt auch zahlreiche Unterschiede zwischen ihnen, aber sie schließen sich nicht aus. Die Anwendung von Mitteln beider Schulen hat die Steigerung der Profite zum Ziel und richtet sich nur nach dem, was für das Monopolkapital notwendig ist.  
  
Im weiteren Verlauf der Arbeit der AG sollten diese verschiedenen Ansätze der Theorie der langen Wellen, der „Konjunkturforschung“, etc. herausgestellt werden. Sie sind in Bezug auf manche aktuelle Diskussionen von Relevanz, wie zum Beispiel die Debatte um Industrie 4.0.
 
  
=== Allgemeine Krise ===
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===Neoliberale Wirtschaftspolitik/Monetarismus ===
Unter diesem Begriff wurde ab den 20er Jahren definiert, dass der Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium in seine allgemeine Krise eingetreten ist, weil der Widerspruch zwischen gesellschaftlichem Charakter der Produktion und dem privaten Eigentum an Produktionsmitteln sich immer weiter zuspitzt. Die allgemeine Krise des Kapitalismus ist eine allseitige Krise des gesamten kapitalistischen Weltsystems, gekennzeichnet durch Kriege und Revolutionen, durch den Kampf zwischen dem sterbenden Kapitalismus und dem aufsteigenden Sozialismus. Die allgemeine Krise des Kapitalismus erfasst alle Seiten des Kapitalismus, sowohl die Wirtschaft als auch die Politik. Ein weiteres Element der allgemeinen Krise des Kapitalismus waren die sozialistischen Revolution in Russland und danach in vielen anderen Ländern, sowie der Wegfall des Kolonialsystems. Die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder in der Epoche des Imperialismus erzeugt im Laufe der Zeit eine Nichtübereinstimmung der bestehenden Aufteilung der Absatzmärkte, Einflusssphären und Kolonien mit dem veränderten Kräfteverhältnis zwischen den wichtigsten kapitalistischen Staaten. Auf Grund dessen kommt es zu heftigen Störungen des Gleichgewichts innerhalb des kapitalistischen Weltsystems, die zur Spaltung der kapitalistischen Welt in feindliche Gruppierungen und zum Krieg zwischen ihnen führt. 
 
  
Seit der Niederlage von 1989 wird in Frage gestellt, ob man noch von der allgemeinen Krise des Kapitalismus sprechen kann. Im Laufe der weiteren Arbeit sollen hier die verschiedenen Positionen und ihre Argumente dargestellt werden.
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Die scheinbar dem Keynesianismus entgegen gesetzte „neoliberale“ Wirtschaftsschule sieht die Ursachen der Wirtschaftskrise ebenfalls in der verfehlten Geld- und Kreditpolitik der Regierung, aber vor allem auch in der „Rigidität“ von Märkten wie vor allem dem Arbeitsmarkt durch zu starke Gewerkschaften, übermäßigen Staatsausgaben für das Sozialsystem usw. Im zugrundeliegenden Wirtschaftsverständnis der Neoklassik sind Krisen nicht vorgesehen, jedenfalls nicht als notwendiger Bestandteil kapitalistischer Entwicklung, sondern immer nur durch Marktverzerrungen infolge staatlicher Eingriffe oder „Monopolmacht“, die aber ihrerseits nicht als Folge der Entwicklung des Kapitalismus gesehen wird, sondern als mehr oder weniger zufällige Abweichung, zu der beispielsweise auch die Verknappung von Arbeitskraft durch gewerkschaftliche Organisationsmacht gezählt wird. Nach der neoklassischen Theorie ist der Markt für sich genommen ein perfekter Allokationsmechanismus und tendiert von sich aus zum Gleichgewicht, also zur perfekten Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage, womit Überproduktionskrisen theoretisch ausgeschlossen sind.
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Nach der neoliberalen Interpretation sind Krisen daher durch Einsparungen von Staatsausgaben, die Liberalisierung von Märkten und andere auf „Wettbewerbsfähigkeit“ ausgerichtete Reformen, v.a. zur Lohnsenkung, sowie eine auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik zu bekämpfen. Der Monetarismus als eine Variante der neoliberalen Theorie, die auf Milton Friedman zurückgeht, will sich auf die Steuerung der Geldmenge durch eine auf den Vorrang der Preisstabilität festgelegte Zentralbank beschränken. Dem zugrunde liegt eine geldtheoretische Vorstellung, wonach das Preisniveau durch die Geldmenge, und die Geldmenge durch die Zinsentscheidungen der Zentralbank steuerbar ist. Dies ist eine Variante der Quantitätstheorie des Geldes, mit der bereits Marx sich ausführlich auseinandersetzte und die er ablehnte.
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Wenn also Keynesianismus (nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik) und Neoliberalismus (angebotsorientierte Wirtschaftspolitik) jeweils in eine andere Richtung weisen, gehen sie beide davon aus, durch Wirtschafts- und Geldpolitik die Ökonomie steuern und Krisen vermeiden bzw. entscheidend abmildern zu können.  
  
== Bezug zu unseren Grundannahmen ==
 
Die Klassiker des wissenschaftlichen Sozialismus haben kein zusammenhängendes Werk zur Krise verfasst. Aber in ''Das Kapital'' von Marx sind viele direkte Aussagen dazu zu finden. Außerdem sind weitere Bestandteile ''des Kapitals'' wichtig, darunter die [[Politische Ökonomie des Kapitalismus#Akkumulationsprozess des Kapitals|Akkumulation des Kapitals]], die organische Zusammensetzung des Kapitals, der tendentielle Fall der Profitrate. Vor allem im dritten Band, in dem der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion analysiert wird, wird aus der Analyse der kapitalistischen Produktionsweise die [[Politische Ökonomie des Kapitalismus#Der Krisenzyklus|Notwendigkeit der Krisen]] erklärt. Desweiteren gibt es zahlreiche Aussagen von Engels zur Krise. 
 
  
Lenin führt in seiner Imperialismusanalyse aus, dass durch die Monopole zwar teilweise ganze Produktionsketten geplant werden, der anarchische Charakter der Produktion aber keineswegs verschwindet, sondern im Gegenteil sogar verschärft in der Konkurrenz zwischen den Monopolen auftritt und damit auch die Krisen. Zugleich verstärken die Krisen die [[Der imperialistische Kapitalismus#Konzentration der Produktion und Monopole|Tendenz zum Monopol]]. In seiner [[Der imperialistische Kapitalismus#Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus|Auseinandersetzung mit Kautsky]] und anderen Opportunisten zeigt Lenin auf, warum alle Vorstellungen eines reformierbaren Imperialismus Illusionen sind.
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===Bürgerliche Konjunkturtheorien und Theorien der „langen Wellen“===
  
== Wie wollen wir den Dissens klären? ==
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In orthodoxen neoklassischen Ansätzen gibt es keine Erklärung des Konjunkturzyklus. Allerdings haben auch verschiedene bürgerliche Wirtschaftstheoretiker versucht, diese unbestreitbar vorhandenen Zyklen zu analysieren und theoretisch zu verallgemeinern.  
Aus den Grundannahmen von Marx, Engels und Lenin müssen wir erarbeiten, warum die Möglichkeit und Notwendigkeit der Krise in der Produktionsweise und ihren Widersprüchen selbst angelegt sind.<br/>Wir müssen erarbeiten, vor welchem ökonomischen und gesellschaftlichen Hintergrund die Theorien des „Regulierten Kapitalismus“ entstanden sind und welchen Interessen sie dienen.<br/>Dann ist zu beantworten, an welcher Stelle genau diese Ansichten den Analysen des wissenschaftlichen Sozialismus widersprechen. 
 
  
Empirisch müssen wir erarbeiten, wie der Staat tatsächlich regulierend im Interesse des Kapitals eingreift und inwiefern diese „Regulierung“ gegen die Interessen der Arbeiterklasse gerichtet sind. Als Beispiel sei hier nur die „konzertierte Aktion“ erwähnt, die zwar kein frontaler Angriff auf die Rechte der Arbeiter war (wie die „formierte Gesellschaft“) aber nicht weniger stark den Kampf der Arbeiterklasse einengte. 
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Mit der Entwicklung der Produktivkräfte und damit unter anderem neuer Technologien kamen Ansichten auf, die die Entwicklung allein an sprunghaften Entwicklungen der Produktivkräfte festmachten und sie von den Produktionsverhältnissen trennten. Neue Technologien bringen dieser Ansicht nach Schübe der Entwicklung und bestimmen sie grundsätzlich. Diese Vorstellung hat verschiedenste Ausprägungen, die hierbei grob zusammen gefasst werden als Ansätze zur Infragestellung oder Relativierung der von Marx entdeckten Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus - die Notwendigkeit der Krise, der tendenzielle Fall der Profitrate und weitere. So versteht beispielsweise J.A. Schumpeter den Kapitalismus als eine Geschichte ökonomischer Revolutionen, wobei sich die Wirtschaft in Stößen unternehmerischer Innovation als ständiger „Sturm der schöpferischen Zerstörung“ modernisiert. Danach komme es zu einer Phase der Absorption der neuen Technologien. Auch wenn Schumpeter hier von einem Zyklus ausgeht, steht die Krise keinesfalls im Mittelpunkt der Theorie.
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Andere bürgerliche Ökonomen haben jeweils unterschiedliche zyklische Schwankungen untersucht. Am bekanntesten sind die „langen Wellen“ (Kondratjew-Zyklen) die auf technologische Basisinnovationen zurückgeführt werden, daneben werden sogenannte „Juglar-Zyklen“ und besonders kurzfristige „Kitchin-Zyklen“ behauptet. Es gibt auch Arbeiten mit marxistischem Hintergrund, die sich mit den „langen Wellen“ befassen (z.B. Ernest Mandel).
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Bürgerliche Konjunkturtheorien unterscheiden sich von der marxistischen Krisenanalyse grundlegend dadurch, dass sie den Konjunkturzyklus auf das Wirken einzelner Faktoren (Produktivitätsentwicklung, Veränderungen der Nachfrage, Preisveränderungen usw.) zurückführen, nicht jedoch auf fundamentale Gesetzmäßigkeiten der Kapitalakkumulation. Deshalb gehen sie auch nicht von einer tendenziellen Verschärfung der Krisen aus.  
  
Hierbei ist auch die Erarbeitung der Verschmelzung von Staat und Monopolen wichtig, der Nachweis, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln die Monopole im und durch den Staat ihre Interessen durchsetzen. 
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Im weiteren Verlauf der Arbeit der AG sollten diese verschiedenen Ansätze der Theorie der langen Wellen, der „Konjunkturforschung“, etc. herausgestellt werden. Sie sind in Bezug auf manche aktuelle Diskussionen von Relevanz, wie zum Beispiel die Debatte um Industrie 4.0.  
  
Eine laufende Aufgabe ist die Beobachtung und Analyse der Wirtschaftspolitik, der Maßnahmen der Regierung und anderer Teile des Staates. 
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===Regulationstheorie===
  
Diese und zukünftige Aufgaben und offene Fragen werden wir [[Offene Fragen zur Klärung der Dissense#Krisenanalyse|hier]] sammeln.
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Die Regulationstheorie oder Regulationsschule hat ihre Wurzeln im französischen Neomarxismus und wurde u.a. von der Denkschule des Strukturalismus von Louis Althusser, aber auch von den Überlegungen Antonio Gramscis zum „Fordismus“ inspiriert. Grundgedanke war die Feststellung, dass der Kapitalismus trotz seiner Krisentendenz über lange Zeiträume dennoch relativ stabil sei. Dies wurde dadurch erklärt, dass der Kapitalismus in seiner Entwicklung unterschiedliche „Akkumulationsregime“ hervorbringe (z.B. Fordismus, seit den 70ern/80ern dann „Postfordismus“, „finanzgetriebenes Akkumulationsregime“ usw.). Diese würden von einem dazu passenden Setting aus Institutionen, Konsumnormen usw., der sogenannten „Regulationsweise“, reguliert. Große Krisen markieren nach dieser Theorie jeweils den Umbruch von einem Akkumulationsregime zu einem anderen. Die Regulationstheorie stellt dabei keine einheitliche Krisentheorie dar, sondern in diesem Rahmen werden verschiedene Krisentheorien formuliert, z.B. für das „finanzdominierte Akkumulationsregime“ ein Druck des Finanzsektors auf die materielle Produktion durch ständige Kapitalabflüsse und erzwungene Kurzfristorientierung der Investitionen.
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Mittlerweile hat sich die Theorie in eine Vielzahl unterschiedlicher Schulen ausdifferenziert, die sich inhaltlich erheblich unterscheiden. Ein Teil der regulationstheoretischen Ansätze versteht sich weiterhin als (neo-)marxistisch und versucht, von der Akkumulation des Kapitals ausgehend die Begrifflichkeiten der Regulationsweise und des Akkumulationsregimes zu nutzen, um wirtschaftliche Entwicklung konkreter zu analysieren (z.B. Joachim Becker, Johannes Jäger, SSA-Ansatz in den USA usw.). Andere Stränge haben sich vom Marxismus gänzlich gelöst. Bei ihnen ist die Regulationstheorie vor allem ein Ansatz, der nach den geeigneten Institutionen für die Vermeidung und das Management von Wirtschaftskrisen sucht (z.B. Robert Boyer, Bruno Amable).  
  
== Was steht zu diesem Dissens in den Programmatischen Thesen? ==
 
{{Zitat |Die Widersprüche, die der kapitalistischen Produktionsweise innewohnen, führen periodisch zur Krise. Die kapitalistische Krise ist im Unterschied zu Krisenphasen in früheren Produktionsweisen nicht Ausdruck von Knappheit, sondern kommt im Gegenteil dadurch zustande, dass gemessen an der zahlungsfähigen Nachfrage zu viele Waren produziert wurden und dadurch die Profitabilität der Unternehmen sinkt. Das Nebeneinander von Überfluss und Elend ist gleichzeitig Ursache und Folge der kapitalistischen Krise und bringt die Irrationalität und den historisch überholten Charakter der bürgerlichen Produktionsweise zum Ausdruck. Die Produktionsverhältnisse – das Privateigentum an den Produktionsmitteln – sind längst zur Fessel der Produktivkräfte geworden.|(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 6)}}
 
  
{{Zitat |Der Kapitalismus ist ein parasitäres Gesellschaftssystem, in dem  Reichtum  nur  durch  Ausbeutung  existieren  kann,  in  dem  Kriege  und  sich  wiederholende Krisen zwingende Bestandteile sind.|(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 3)}}
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==Ansätze zur Krisenanalyse im marxistischen Spektrum==
  
{{Zitat |Die Steigerung der Produktivität führt dazu, dass immer weniger Menschen arbeiten müssen, um die Produktion sicherzustellen. Das ist ein gesellschaftlicher Fortschritt. In der kapitalistischen Gesellschaft wird aber nicht für die Bedürfnisse der Gesellschaft produziert, sondern für die Profite Weniger. Deshalb gibt es Millionen Erwerbslose, die Lage der Arbeiter verschlechtert sich. Verelendung in vielen Lebensbereichen, materiell, kulturell, individuell, wird zum bestimmenden Faktor der Lebensverhältnisse der Menschen.|(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 6)}}
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===Unterkonsumtionstheorie ===
  
{{Zitat |[...] Der Imperialismus als höchste und letzte Stufe des Kapitalismus bringt regelmäßig Krisen und dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit hervor. Er erweist sich als unfähig, die Potentiale der Produktivkräfte im vollen Umfang auszunutzen. Im Gegenteil sind zyklische Vernichtung von Produktivkräften und weitere Angriffe auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse nötig für die Bourgeoisie, um aus der Krise zu kommen.|(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 8-9)}}
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Nicht nur keynesianische Autoren, sondern auch solche, die ihre theoretische Grundlage im Marxismus verorten, führen Krisen oft in erster Linie auf zu niedrige Löhne der Arbeiterklasse zurück. Sie berufen sich dabei auf verschiedene Passagen bei Marx, z.B. „Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.“ (MEW 25, S. 501).
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Unterkonsumtionstheorien gehen also davon aus, dass die Überproduktion in der Abteilung II der Produktion (also dem Teil der Wirtschaft, der Konsumgüter produziert) stattfindet. So gingen beispielsweise Rosa Luxemburg und Karl Kautsky beide davon aus, dass kapitalistische Produktion als letzten Zweck die Produktion von Konsumgütern habe, dass aber aufgrund der Erfordernisse der Akkumulation immer nur ein Teil des produzierten Werts in Konsumgüter fließen kann, weshalb es zur ständigen Überproduktion von Konsumgütern komme. Deshalb könne der Kapitalismus nur bestehen, solange er in nichtkapitalistische Gebiete expandieren kann.
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Eine häufige politische Schlussfolgerung aus der Unterkonsumtionstheorie besteht ähnlich wie bei den Keynesianern auch darin, dass es Aufgabe einer „vernünftigen“ Wirtschaftspolitik sei, durch höhere Löhne und Sozialleistungen genügend Kaufkraft zu schaffen, um Krisen zu verhindern.
  
== Literatur zum Thema ==
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Vertreter: z.B. Karl Kautsky, Rosa Luxemburg, Eugen Varga
Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Institut für Ökonomie: Lehrbuch Politische Ökonomie, Dietz-Verlag, Berlin 1954.
 
  
Autorenkollektiv: Bürgerliche Ökonomie im modernen Kapitalismus, Dietz-Verlag, Berlin 1967.
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===Disproportionalitätstheorien===
  
ISW: Kapitalismus am Ende? Zwischen Dauerkrise, Widerstand, Transformation, Report Nr. 94, September 2013.  
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Marx unterteilt die Reproduktion einer kapitalistischen Ökonomie in verschiedene Abteilungen, die miteinander im ständigen Austausch stehen (Abteilung I für Produktionsmittel, Abteilung II für Konsumgüter usw.). Der Austausch zwischen diesen verschiedenen Abteilungen muss in einem bestimmten Verhältnis stattfinden, da ansonsten Angebot und Nachfrage nach bestimmten Waren sich nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Aufgrund der Anarchie der Produktion ist allerdings diese Voraussetzung nicht gegeben, sodass sich regelmäßig Disproportionen zwischen den Abteilungen herausbilden. Manche Theoretiker sehen hierin die wesentliche Ursache der Krisen im Kapitalismus. 
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Vertreter: z.B. Michail Tugan-Baranowski, Rudolf Hilferding
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===Profitklemmentheorie/ Krise durch Arbeitskräfteknappheit===
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Profitklemmentheorien führen die Krise vor allem darauf zurück, dass sich durch den Aufschwung der Wirtschaft die Elemente des vorgeschossenen Kapitals verteuern und dadurch die Profite sinken, was wiederum zu Firmenpleiten, Kreditausfällen usw. führt. Hier wird vor allem der Anstieg der Löhne während des Wirtschaftsaufschwungs durch steigende Beschäftigung und dadurch die Verteuerung des variablen Kapitals als Ursache gesehen. Auch diese Autoren stützen sich auf Passagen bei Marx, z.B. sei, so Marx, zu „bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt“ (MEW 24, S. 409).
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Vertreter: z.B. Makoto Itoh
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===Die Kontroverse um den tendenziellen Fall der Profitrate===
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Der tendenzielle Fall der Profitrate wird durch den Anstieg der organischen Zusammensetzung des Kapitals infolge des Fortschritts der Produktivkräfte bewirkt. Marx selbst hielt das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate für das wichtigste Gesetz der Politischen Ökonomie (MEW 42, S. 641), allerdings handelt es sich dabei auch um einen der umstrittensten Teile seiner Theorie.
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Eine einflussreiche Kritik des Gesetzes ist das sogenannte Okishio-Theorem des neoricardianischen Ökonomen Nobuo Okishio. Er argumentiert, dass die Kapitalisten nur dann technische Neuerungen einführten, wenn sie damit ihre Profitrate erhöhen. Dadurch würde sich auch durch die Verallgemeinerung einer Technik in der gesamten Branche die Profitrate erhöhen. Technische Neuerungen führten also nicht zwingend zu einem Fall, sondern sogar einem Anstieg der Durchschnittsprofitrate. Gegen diese bürgerliche Kritik wurde eingewandt (z.B. von Ernest Mandel), dass die Kapitalisten erstens auch gezwungen sein können, neue Techniken einzuführen, um ihren Marktanteil zu halten; und dass zweitens die Hoffnung der einzelnen Kapitalisten auf eine Steigerung des Profits keineswegs dasselbe ist wie eine tatsächliche Profitsteigerung.
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Paul Sweezy lehnt das Gesetz mit dem Argument ab, dass im Monopolkapitalismus die Monopole riesige Massen an Profit anhäufen würden. Er führt dafür die allgemeine Kategorie des „Surplus“ ein, den er anstelle der Marxschen Kategorien Mehrwert und Profitrate verwendet. In der an Sweezy anschließenden Schule der Monopoltheorie (Umfeld der Zeitschrift Monthly Review) hat die Frage des tendenziellen Falls der Profitrate seitdem keine große Rolle gespielt.
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Michael Heinrich lehnt das Gesetz ebenfalls ab, mit dem Argument, dass es nicht bewiesen werden könne, ob die entgegenwirkenden Tendenzen wie Senkung der Löhne, Entwertung des fixen Kapitals usw. wirklich langfristig zu schwach sind, um den Fall der Profitrate durch steigende organische Zusammensetzung auszugleichen.
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Dem entgegen stehen verschiedene Autoren, die das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate entweder theoretisch verteidigen, indem sie den Argumenten seiner Gegner widersprechen, oder versuchen es empirisch zu belegen (z.B. Anwar Shaikh, Andrew Kliman, Gerard Duménil). Andrew Kliman beispielsweise verteidigt das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate jedoch nur als Erklärung der zyklischen Krisen und bestreitet, dass damit eine langfristig sinkende Tendenz der Durchschnittsprofitrate bewiesen werden kann.
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===Stagnation im Monopolkapitalismus===
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Die von Paul Sweezy, Paul Baran und Harry Magdoff begründete Schule um die Zeitschrift Monthly Review argumentiert, dass es im Monopolkapitalismus zu einer langfristigen Stagnationstendenz kommt, die sich aufgrund der zunehmenden Monopolisierung verschärft und innerhalb des Kapitalismus unüberwindbar ist. Die Monopole kontrollieren ganze Branchen, wodurch sie in der Lage sind, in einem gewissen Rahmen die Preise der Produkte festzusetzen. Es lohnt sich dann nicht mehr für sie, in diesen Bereichen größere Investitionen vorzunehmen, weil sie dadurch die Preise ihrer Produkte drücken und sich sozusagen selbst Konkurrenz machen würden. Deshalb akkumulieren die Monopole einen wachsenden Kapitalüberschuss, den sie entweder exportieren oder in unproduktive Tätigkeiten wie Werbung, Finanzspekulation usw. anlegen. Dadurch bestehen ständige Überkapazitäten, geringe produktive Investitionen und eine permanente Tendenz zur Stagnation, die auch eine Verschärfung von Krisen bedeutet.
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Vertreter: z.B. Paul Sweezy, Paul Baran, Harry Magdoff, John Bellamy Foster usw.
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===Allgemeine Krise des Kapitalismus===
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Unter diesem Begriff wurde ab den 20er Jahren definiert, dass der Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium in seine allgemeine Krise eingetreten ist, weil der Widerspruch zwischen gesellschaftlichem Charakter der Produktion und dem privaten Eigentum an Produktionsmitteln sich immer weiter zuspitzt. Varga begründete die allgemeine Krise vor allem damit, dass er (ähnlich wie Kautsky und Luxemburg) davon ausging, dass die Akkumulation grundsätzlich im Widerspruch zur Realisierung des produzierten Werts stehe und es daher eine permanente latente Überproduktion von Konsumgütern geben müsse.
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Die allgemeine Krise des Kapitalismus ist eine allseitige Krise des gesamten kapitalistischen Weltsystems, gekennzeichnet durch Kriege und Revolutionen, durch den Kampf zwischen dem sterbenden Kapitalismus und dem aufsteigenden Sozialismus. Die allgemeine Krise des Kapitalismus erfasst alle Seiten des Kapitalismus, sowohl die Wirtschaft als auch die Politik. Als ein weiteres Element der allgemeinen Krise des Kapitalismus waren die sozialistischen Revolution in Russland und danach in vielen anderen Ländern gedeutet, sowie der Wegfall des Kolonialsystems. Die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder in der Epoche des Imperialismus erzeugt im Laufe der Zeit eine Nichtübereinstimmung der bestehenden Aufteilung der Absatzmärkte, Einflusssphären und Kolonien mit dem veränderten Kräfteverhältnis zwischen den wichtigsten kapitalistischen Staaten. Auf Grund dessen kommt es zu heftigen Störungen des Gleichgewichts innerhalb des kapitalistischen Weltsystems, die zur Spaltung der kapitalistischen Welt in feindliche Gruppierungen und zum Krieg zwischen ihnen führt. Die Theorie der allgemeinen Krise wurde auch in die Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus aufgenommen und spielte eine wichtige Rolle für die Bestimmung des historischen Platzes des Imperialismus in ihr.
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Seit der Niederlage des Sozialismus auch in Deutschland im Jahr 1989 wird verstärkt in Frage gestellt, ob man noch von der allgemeinen Krise des Kapitalismus sprechen kann. Im Laufe der weiteren Arbeit sollen hier die verschiedenen Positionen und ihre Argumente dargestellt werden.
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Kritisiert wird auch die krisentheoretische Grundlage des Konzeptes der allgemeinen Krise, die in fehlerhaften unterkonsumtionstheoretischen Annahmen begründet liege.
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Vertreter: z.B. Eugen Varga, Heinz Jung, Josef Schleifstein, Peter Hess
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===„Organische Krise“/ „Hegemoniekrise“ bei Antonio Gramsci===
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Gramsci verwendet den Begriff der Krise in verschiedenen Kontexten und mit abweichenden Bedeutungen. Es geht hier also nicht um einen rein ökonomischen Krisenbegriff, weshalb sein Ansatz auch schwer in die innermarxistische krisentheoretische Diskussion einzuordnen ist. Gramsci selbst schrieb mit Bezug auf die kapitalistische Weltwirtschaftskrise von 1929, dass die wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Dimensionen der Krise eng miteinander zusammenhängen. Er versteht den Kapitalismus als Dauerkrise, wobei es zu bestimmten Momenten immer wieder zu Ungleichgewichten zwischen verschiedenen Elementen komme (Gefängnishefte 15 § 5).
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Häufiger benutzt Gramsci den Krisenbegriff in einem umfassenden Sinn als Krise der Hegemonie der Bourgeoisie und des Staates in seiner Gesamtheit. Er spricht von einer „Hegemoniekrise“ bzw. „organischen Krise“ der führenden Klasse, die dadurch eintreten kann, wenn ein großes politisches Projekt dieser Klasse scheitert und daher die Anwendung von Zwang gegen die beherrschte Klasse in großem Umfang erforderlich ist, oder wenn die beherrschte Klasse in großem Umfang aktiviert wird und Forderungen stellt (GH 13 § 23).  
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An anderer Stelle ist die Rede davon, dass die Krise der herrschenden Klasse darin bestehe, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann. Gemeint ist also ein längerer Zeitraum politischer Krisenerscheinungen und der Entfernung der Massen von den Ideologien der Herrschenden, ohne dass es jedoch (sofort) zur revolutionären Lösung der Krise kommt. Diese Phase wird auch als „Interregnum“ bezeichnet (GH 3 § 34).
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Ein Problem für die revolutionäre Strategie sieht Gramsci darin, dass auch eine Wirtschaftskrise keineswegs notwendigerweise dazu führt, dass die Struktur der Herrschaft zusammenbricht oder in einem „Bewegungskrieg“, also in der revolutionären Offensive unmittelbar eingenommen werden kann. Die Krise zerstöre stattdessen nur die Oberfläche der Herrschaft, wohinter aber noch weitere Verteidigungslinien liegen (GH 13, § 24).  
  
ISW: Dringend gesucht: Alternative zum Kapitalismus, Report Nr. 89, Juni 2012.
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Im Rahmen der AG-Arbeit sollte geprüft werden, inwiefern aus der Verwendung des Krisenbegriffs durch Gramsci brauchbare Erkenntnisse für die revolutionäre Strategie zu gewinnen sind. Hier erscheint die Zusammenarbeit mit den AGs Staat/Sozialdemokratie/Faschismus und Revolutionäre Arbeiterbewegung und KP sinnvoll. Eine Schwierigkeit dabei ist allgemein die Schwammigkeit und Mehrdeutigkeit des Krisenbegriffs wie auch vieler anderer Schlüsselbegriffe in Gramscis Gefängnisheften.  
  
Klein, Dieter: Allgemeine Krise und staatsmonopolistischer Kapitalismus, Dietz-Verlag, 1974.
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==Bezug zu unseren Grundannahmen==
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Die Klassiker des wissenschaftlichen Sozialismus haben kein zusammenhängendes Werk zur Krise verfasst. Aber in Das Kapital von Marx sind viele direkte Aussagen dazu zu finden. Außerdem sind weitere Bestandteile des Kapitals wichtig, darunter die Akkumulation des Kapitals, die organische Zusammensetzung des Kapitals, der tendentielle Fall der Profitrate. Vor allem im dritten Band, in dem der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion analysiert wird, wird aus der Analyse der kapitalistischen Produktionsweise die Notwendigkeit der Krisen erklärt. Desweiteren gibt es zahlreiche Aussagen von Engels zur Krise
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Lenin führt in seiner Imperialismusanalyse aus, dass durch die Monopole zwar teilweise ganze Produktionsketten geplant werden, der anarchische Charakter der Produktion aber keineswegs verschwindet, sondern im Gegenteil sogar verschärft in der Konkurrenz zwischen den Monopolen auftritt und damit auch die Krisen. Zugleich verstärken die Krisen die Tendenz zum Monopol. In seiner Auseinandersetzung mit Kautsky und anderen Opportunisten zeigt Lenin auf, warum alle Vorstellungen eines reformierbaren Imperialismus Illusionen sind.  
  
Mendelson, L.A.: Wirtschaftskrisen und Wirtschaftszyklen nach dem zweiten Weltkrieg, Dietz-Verlag, Berlin 1959.
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==Wie wollen wir den Dissens klären?==
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Aus den Grundannahmen von Marx, Engels und Lenin müssen wir erarbeiten, warum die Möglichkeit und Notwendigkeit der Krise in der Produktionsweise und ihren Widersprüchen selbst angelegt sind. Dazu muss das Marxsche Verständnis der Krisen grundsätzlich herausgearbeitet werden.
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Wir müssen erarbeiten, vor welchem ökonomischen und gesellschaftlichen Hintergrund die Theorien des „Regulierten Kapitalismus“ entstanden sind und welchen Interessen sie dienen.
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Dann ist zu beantworten, an welcher Stelle genau diese Ansichten den Analysen des wissenschaftlichen Sozialismus widersprechen.
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Wir müssen empirisch und theoretisch überprüfen, welche Faktoren die Krisenzyklen bestimmen, wie die Krisen für den Kapitalismus eine Reinigungsfunktion erfüllen und warum Krisen sich so ungleichmäßig auf verschiedene Länder, Branchen usw. auswirken.
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Außerdem ist zu untersuchen, wie der Staat tatsächlich regulierend im Interesse des Kapitals eingreift, welche Rolle dabei die Zentralbanken und die Geldpolitik spielen und inwiefern diese „Regulierung“ gegen die Interessen der Arbeiterklasse gerichtet sind. Als Beispiel sei hier nur die „konzertierte Aktion“ erwähnt, die zwar kein frontaler Angriff auf die Rechte der Arbeiter war (wie die „formierte Gesellschaft“) aber nicht weniger stark den Kampf der Arbeiterklasse einengte. 
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Hierbei ist auch die Erarbeitung der Verschmelzung von Staat und Monopolen wichtig, der Nachweis, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln die Monopole im und durch den Staat ihre Interessen durchsetzen. 
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Eine laufende Aufgabe ist die Beobachtung und Analyse der Wirtschaftspolitik, der Maßnahmen der Regierung und anderer Teile des Staates. 
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Diese und zukünftige Aufgaben und offene Fragen werden wir hier sammeln.  
  
Oelßner, Fred: Probleme der Krisenforschung, Akademie-Verlag, Berlin 1960.
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==Was steht zu diesem Dissens in den Programmatischen Thesen?==
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„Die Widersprüche, die der kapitalistischen Produktionsweise innewohnen, führen periodisch zur Krise. Die kapitalistische Krise ist im Unterschied zu Krisenphasen in früheren Produktionsweisen nicht Ausdruck von Knappheit, sondern kommt im Gegenteil dadurch zustande, dass gemessen an der zahlungsfähigen Nachfrage zu viele Waren produziert wurden und dadurch die Profitabilität der Unternehmen sinkt. Das Nebeneinander von Überfluss und Elend ist gleichzeitig Ursache und Folge der kapitalistischen Krise und bringt die Irrationalität und den historisch überholten Charakter der bürgerlichen Produktionsweise zum Ausdruck. Die Produktionsverhältnisse – das Privateigentum an den Produktionsmitteln – sind längst zur Fessel der Produktivkräfte geworden.“
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(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 6)
  
Oelßner, Fred: Die Wirtschaftskrisen, Dietz-Verlag, Berlin 1949.
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„Der Kapitalismus ist ein parasitäres Gesellschaftssystem, in dem Reichtum nur durch Ausbeutung existieren kann, in dem Kriege und sich wiederholende Krisen zwingende Bestandteile sind.“
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(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 3)
  
Reinhold, Otto: Die Wirtschaftskrisen, Dietz-Verlag, Berlin 1974.
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„Die Steigerung der Produktivität führt dazu, dass immer weniger Menschen arbeiten müssen, um die Produktion sicherzustellen. Das ist ein gesellschaftlicher Fortschritt. In der kapitalistischen Gesellschaft wird aber nicht für die Bedürfnisse der Gesellschaft produziert, sondern für die Profite Weniger. Deshalb gibt es Millionen Erwerbslose, die Lage der Arbeiter verschlechtert sich. Verelendung in vielen Lebensbereichen, materiell, kulturell, individuell, wird zum bestimmenden Faktor der Lebensverhältnisse der Menschen.“
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(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 6)
  
Roth, Rainer: Die Gier, die Krise und wir, Klartext-Verlag, Frankfurt 2011.
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„[...] Der Imperialismus als höchste und letzte Stufe des Kapitalismus bringt regelmäßig Krisen und dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit hervor. Er erweist sich als unfähig, die Potentiale der Produktivkräfte im vollen Umfang auszunutzen. Im Gegenteil sind zyklische Vernichtung von Produktivkräften und weitere Angriffe auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse nötig für die Bourgeoisie, um aus der Krise zu kommen.“
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(Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 8-9)
  
Roth, Rainer: Die Verhinderung des Weltuntergangs, Klartext-Verlag, Frankfurt 2009.
 
  
Roth, Rainer: Finanz- und Wirtschaftskrise: Sie kriegen den Karren nicht flott... - Anmerkungen zu Ursachen und „Lösungen“, Klartext-Verlag, Frankfurt 2009.
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==Literatur zum Thema==
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Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Institut für Ökonomie: Lehrbuch Politische Ökonomie, Dietz-Verlag, Berlin 1954.
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Autorenkollektiv: Bürgerliche Ökonomie im modernen Kapitalismus, Dietz-Verlag, Berlin 1967.
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ISW: Kapitalismus am Ende? Zwischen Dauerkrise, Widerstand, Transformation, Report Nr. 94, September 2013.
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ISW: Dringend gesucht: Alternative zum Kapitalismus, Report Nr. 89, Juni 2012.
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Keynes, John Maynard: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes
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Klein, Dieter: Allgemeine Krise und staatsmonopolistischer Kapitalismus, Dietz-Verlag, 1974.
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Kondratjew, Nikolai: Die langen Wellen der Konjunktur, Marlon-Verlag 2013.
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Lapavitsas, Costas/ Itoh, Makoto 1998: Political Economy of Money and Finance, Palgrave Macmillan, Basingstoke.
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Mandel, Ernest 1991: Kontroversen um ‚Das Kapital‘, Dietz Verlag Berlin.
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Mendelson, L.A.: Wirtschaftskrisen und Wirtschaftszyklen nach dem zweiten Weltkrieg, Dietz-Verlag, Berlin 1959.
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Oelßner, Fred: Probleme der Krisenforschung, Akademie-Verlag, Berlin 1960.
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Oelßner, Fred: Die Wirtschaftskrisen, Dietz-Verlag, Berlin 1949.
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Reinhold, Otto: Die Wirtschaftskrisen, Dietz-Verlag, Berlin 1974.
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Roth, Rainer: Die Gier, die Krise und wir, Klartext-Verlag, Frankfurt 2011.
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Roth, Rainer: Die Verhinderung des Weltuntergangs, Klartext-Verlag, Frankfurt 2009.
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Roth, Rainer: Finanz- und Wirtschaftskrise: Sie kriegen den Karren nicht flott... - Screpanti, Ernesto/ Zamagni, Stefano (2005): An Outline of the History of Economic Thought, Oxford University Press: New York.
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Anmerkungen zu Ursachen und „Lösungen“, Klartext-Verlag, Frankfurt 2009.
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Winter, Klaus: Unterkonsumtion und allgemeine Krise des Kapitalismus, trend Onlinezeitung 11/99-01/00
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Zeitschrift Sozialismus, diverse Supplements, darunter: Euro Memo 2016, Wege zur Bewältigung der Krisen in Europa, 3/2016.
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Zeitschrift Sozialismus, Kapitalismuskritik auf der Höhe der Zeit, 10/2016.  
  
Zeitschrift Sozialismus, diverse Supplements, darunter: Euro Memo 2016, Wege zur Bewältigung der Krisen in Europa, 3/2016.
 
  
Zeitschrift Sozialismus, Kapitalismuskritik auf der Höhe der Zeit, 10/2016.
 
  
== Einzelnachweise ==
 
  
 
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Aktuelle Version vom 24. Oktober 2019, 09:27 Uhr

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Überblick[Bearbeiten]

Die Krisentheorie und konkrete Krisenanalyse sind in der kommunistischen Bewegung umstritten und darüber hinaus vor allem von sozialdemokratischen und reformistischen Positionen sowie von anderen bürgerlichen Vorstellungen geprägt. Die grundlegenden theoretischen Fragen bestehen darin, ob Krisen unvermeidbar sind, ob sie gesetzmäßig aus der kapitalistischen Produktionsweise entspringen oder ob sie durch falsche Wirtschaftspolitik und andere Faktoren verursacht werden. Weit verbreitet sind in der Krisenanalyse auch theoretische Auffassungen, die den Ursprung von Krisen lediglich in der Zirkulationssphäre verorten und nicht in den Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktion. Damit verbunden existiert die Vorstellung, dass auch innerhalb des Kapitalismus durch gezielte Wirtschaftspolitik die Krise verhindert oder wenigstens abschwächt werden kann. Innerhalb der bürgerlichen politischen Ökonomien sind je nach Entwicklungsstand des Kapitalismus verschiedene „Theorien“ entstanden, die zur Rechtfertigung oder „Verbesserung“ des Systems dienten. Es kommt dabei zu Auseinandersetzungen und Kritik zwischen den verschiedenen „Schulen“. Sie zu kennen ist notwendig, um die richtige Kritik daran entwickeln zu können. Die Arbeiterklasse muss diese verschiedenen Ansätze und ihren Hintergrund kennen, um zu verstehen, auf welche Art und Weise das kapitalistische System damit gerechtfertigt und verewigt werden soll. Dies gilt insbesondere für die durch die Sozialdemokratie in die Arbeiterbewegung getragenen Vorstellungen. 


Theorien zur Regulierung des Kapitalismus[Bearbeiten]

Zahlreiche Theorien und Vorstellungen gehen von einer Möglichkeit der Regulierung des kapitalistischen Systems aus und damit von der Abschwächung oder sogar Vermeidung von Krisen und der Option, Massenarbeitslosigkeit und andere Folgen der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus zu verhindern ohne den Kapitalismus an sich abzuschaffen. Die Theorien der „Regulierung“ spiegeln selbst die Entwicklung des Kapitalismus zum Imperialismus und zur gesteigerten Bedeutung des Staates wider, da sie auf Eingriffe des Staats und auf „planerische Elemente“ des Kapitalismus verweisen. Außerdem sind sie eine Reaktion auf die Existenz des Sozialismus und der dort tatsächlich planmäßigen Produktion.


Finanzkrise, Finanzmarktkapitalismus, Globalisierung[Bearbeiten]

In Bezug auf die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008, aber auch frühere Krisen, wie z.B. die von 2000, ist die Annahme weit verbreitet, es habe sich um Finanzkrisen gehandelt, die durch Spekulation und unkontrollierte Bankgeschäfte ausgelöst wurde. Besonders gravierend sei diese Entwicklung durch die zunehmende Entkoppelung des Finanzsektors von der „Realökonomie“, der produktiven Bereiche der Wirtschaft. Die Ansprüche der Titeleigentümer könnten in der Krise nicht mehr bedient werden, was zu Pleiten von Banken führt und letztlich, z.B. über eine Kreditklemme die Produktion mit nach unten ziehe. Angenommen wird eine Dominanz des Finanzsektors über die Realökonomie. Es finde eine Überakkumulation von Kapital im Finanzsektor statt, die durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik gefördert würde. Diese Entwicklung sei auch durch die „Globalisierung“ beschleunigt worden, in der die transnationalen Unternehmen überall ihre neoliberale Agenda durchgesetzt hätten, was zur „Deregulierung“ und Liberalisierung der Märkte sowie dem Eindringen der Finanzlogik in alle Bereiche der Gesellschaft (bspw. Privatisierung der Altersvorsorge) geführt habe, die die Ausdehnung des Finanzsektors ermöglicht haben. Manche Autoren betonen hier, dass es sich um bewusste Entscheidungen der Politik zur Liberalisierung der Finanzmärkte handelte (bspw. in der BRD Abschaffung der Steuer aus Veräußerungsgewinnen von Aktiengesellschaften), während bei anderen eher eine quasi-naturgesetzliche Dynamik der „Globalisierung“ und „Finanzialisierung“ angenommen wird. Es gibt in diesem Zusammenhang auch oft die ergänzende These, dass durch den Abzug von Kapital aus der Mehrwertproduktion in den Finanzsektor die Kapitalakkumulation verlangsamt wird, was wiederum zur Krise beitrage. Aus beiden Thesen wird in der Regel geschlussfolgert, die Beschneidung und bessere Regulierung des Finanzsektors und der Banken sei notwendig, um die Krise zu verhindern bzw. abzuschwächen. Oft wird auch eine Verstaatlichung der großen Finanzkonzerne gefordert, damit der Finanzsektor „wieder“ der Gesellschaft dienen könne. Aus dieser Perspektive stellt die Expansion des Finanzsektors und der Spekulation die Folge einer „unvernünftigen“ Wirtschaftspolitik dar, worin implizit die Vorstellung enthalten ist, es gäbe auch rationalere Varianten des Kapitalismus und die „Globalisierung“ könnte auch auf alternativen Wegen wie „fairem Handel“, gemeinwohlorientierten Unternehmen (z.B. Genossenschaften) usw. gestaltet werden. Dabei wird implizit angenommen, dass das schrankenlose Profitstreben lediglich Ausdruck einer bestimmten Variante des Kapitalismus bzw. der „Marktwirtschaft“ sei und keine grundlegende Gesetzmäßigkeit. Der Nationalstaat als Regulierungsinstanz wird unterschiedlich bewertet und stellt einen Streitpunkt dar: Manche Autoren streben eine „Reregulierung“ der Finanzmärkte auf globaler oder z.B. EU-Ebene an, da sie eine Rückkehr zu einem stärker nationalstaatlich geprägten Kapitalismus für unmöglich halten. Andere Autoren sehen in der Verteidigung und Rückgewinnung der „nationalen Souveränität“ gegenüber der „Globalisierung“ bzw. den „entfesselten Finanzmärkten“ einen Weg zur Eindämmung der Krisentendenzen des Kapitalismus.


Vertreter dieser Ansichten sind z.B. die Zeitschrift Sozialismus, ISW, Attac, Partei die Linke und der Großteil der „kritischen Politischen Ökonomie“ an den deutschen Universitäten.


Keynesianismus[Bearbeiten]

Der Keynesianismus wurde in den 30er Jahren entwickelt und hat seitdem je nach Entwicklung des Kapitalismus verschiedene Formen angenommen. Er ist auch eine Reaktion auf die praktische Veränderung der Wirtschaftspolitik, vor allem in den USA mit dem „New Deal“.  Keynes stellte zentrale Annahmen der bis dahin vorherrschenden neoklassischen Theorie (Walras, Menger, Böhm-Bawerk, Marshall usw.) infrage. Vor allem lehnte er die These ab, wonach der Markt aus sich heraus zum Gleichgewicht tendiert (Saysches Gesetz). Bei negativen Zukunftserwartungen sei das nicht der Fall, weil dann Investitionsentscheidungen unterbleiben würden. Umgekehrt könnte allerding der Staat durch eine antizyklische Geld- und Konjunkturpolitik, also durch verbilligte Kredite und Investitionsförderung, der Krise entgegenwirken. Durch einen sogenannten Multiplikatoreffekt würden Investitionen dann zusätzliche Beschäftigung und dadurch zusätzliche Nachfrage schaffen. In der Situation einer Krise sollen durch Schuldenaufnahme Staatsaufträge und Konsumprogramme finanziert werden, um so die Nachfragelücke zu schließen. In der Phase der Hochkonjunktur sollten dann Schulden abgebaut werden. International sollten Ungleichgewichte durch die Reduzierung von Handelsüberschüssen abgebaut werden. Unter dieser Vorstellung wurde eine komplexe Wirtschaftspolitik entwickelt, die das Ziel hatte, ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Faktoren der Volkswirtschaft herzustellen (Inflation, Beschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht). In der BRD fand diese Wirtschaftspolitik mit der „konzertierten Aktion“ 1966/67 und dem Stabilitäts- und Wachstumsgesetz unter Wirtschaftsminister Karl Schiller ihren Ausdruck, hielt allerdings anders als in anderen Ländern nicht an. Häufig werden die keynesianischen und neoliberalen Ansätze als Gegensatz aufgefasst. Es gibt auch zahlreiche Unterschiede zwischen ihnen, aber sie schließen sich nicht aus. Die Anwendung von Mitteln beider Schulen hat die Steigerung der Profite zum Ziel und richtet sich nur nach dem, was für das Monopolkapital notwendig ist.


Neoliberale Wirtschaftspolitik/Monetarismus[Bearbeiten]

Die scheinbar dem Keynesianismus entgegen gesetzte „neoliberale“ Wirtschaftsschule sieht die Ursachen der Wirtschaftskrise ebenfalls in der verfehlten Geld- und Kreditpolitik der Regierung, aber vor allem auch in der „Rigidität“ von Märkten wie vor allem dem Arbeitsmarkt durch zu starke Gewerkschaften, übermäßigen Staatsausgaben für das Sozialsystem usw. Im zugrundeliegenden Wirtschaftsverständnis der Neoklassik sind Krisen nicht vorgesehen, jedenfalls nicht als notwendiger Bestandteil kapitalistischer Entwicklung, sondern immer nur durch Marktverzerrungen infolge staatlicher Eingriffe oder „Monopolmacht“, die aber ihrerseits nicht als Folge der Entwicklung des Kapitalismus gesehen wird, sondern als mehr oder weniger zufällige Abweichung, zu der beispielsweise auch die Verknappung von Arbeitskraft durch gewerkschaftliche Organisationsmacht gezählt wird. Nach der neoklassischen Theorie ist der Markt für sich genommen ein perfekter Allokationsmechanismus und tendiert von sich aus zum Gleichgewicht, also zur perfekten Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage, womit Überproduktionskrisen theoretisch ausgeschlossen sind. Nach der neoliberalen Interpretation sind Krisen daher durch Einsparungen von Staatsausgaben, die Liberalisierung von Märkten und andere auf „Wettbewerbsfähigkeit“ ausgerichtete Reformen, v.a. zur Lohnsenkung, sowie eine auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik zu bekämpfen. Der Monetarismus als eine Variante der neoliberalen Theorie, die auf Milton Friedman zurückgeht, will sich auf die Steuerung der Geldmenge durch eine auf den Vorrang der Preisstabilität festgelegte Zentralbank beschränken. Dem zugrunde liegt eine geldtheoretische Vorstellung, wonach das Preisniveau durch die Geldmenge, und die Geldmenge durch die Zinsentscheidungen der Zentralbank steuerbar ist. Dies ist eine Variante der Quantitätstheorie des Geldes, mit der bereits Marx sich ausführlich auseinandersetzte und die er ablehnte. Wenn also Keynesianismus (nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik) und Neoliberalismus (angebotsorientierte Wirtschaftspolitik) jeweils in eine andere Richtung weisen, gehen sie beide davon aus, durch Wirtschafts- und Geldpolitik die Ökonomie steuern und Krisen vermeiden bzw. entscheidend abmildern zu können.


Bürgerliche Konjunkturtheorien und Theorien der „langen Wellen“[Bearbeiten]

In orthodoxen neoklassischen Ansätzen gibt es keine Erklärung des Konjunkturzyklus. Allerdings haben auch verschiedene bürgerliche Wirtschaftstheoretiker versucht, diese unbestreitbar vorhandenen Zyklen zu analysieren und theoretisch zu verallgemeinern.

Mit der Entwicklung der Produktivkräfte und damit unter anderem neuer Technologien kamen Ansichten auf, die die Entwicklung allein an sprunghaften Entwicklungen der Produktivkräfte festmachten und sie von den Produktionsverhältnissen trennten. Neue Technologien bringen dieser Ansicht nach Schübe der Entwicklung und bestimmen sie grundsätzlich. Diese Vorstellung hat verschiedenste Ausprägungen, die hierbei grob zusammen gefasst werden als Ansätze zur Infragestellung oder Relativierung der von Marx entdeckten Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus - die Notwendigkeit der Krise, der tendenzielle Fall der Profitrate und weitere. So versteht beispielsweise J.A. Schumpeter den Kapitalismus als eine Geschichte ökonomischer Revolutionen, wobei sich die Wirtschaft in Stößen unternehmerischer Innovation als ständiger „Sturm der schöpferischen Zerstörung“ modernisiert. Danach komme es zu einer Phase der Absorption der neuen Technologien. Auch wenn Schumpeter hier von einem Zyklus ausgeht, steht die Krise keinesfalls im Mittelpunkt der Theorie. Andere bürgerliche Ökonomen haben jeweils unterschiedliche zyklische Schwankungen untersucht. Am bekanntesten sind die „langen Wellen“ (Kondratjew-Zyklen) die auf technologische Basisinnovationen zurückgeführt werden, daneben werden sogenannte „Juglar-Zyklen“ und besonders kurzfristige „Kitchin-Zyklen“ behauptet. Es gibt auch Arbeiten mit marxistischem Hintergrund, die sich mit den „langen Wellen“ befassen (z.B. Ernest Mandel). Bürgerliche Konjunkturtheorien unterscheiden sich von der marxistischen Krisenanalyse grundlegend dadurch, dass sie den Konjunkturzyklus auf das Wirken einzelner Faktoren (Produktivitätsentwicklung, Veränderungen der Nachfrage, Preisveränderungen usw.) zurückführen, nicht jedoch auf fundamentale Gesetzmäßigkeiten der Kapitalakkumulation. Deshalb gehen sie auch nicht von einer tendenziellen Verschärfung der Krisen aus.

Im weiteren Verlauf der Arbeit der AG sollten diese verschiedenen Ansätze der Theorie der langen Wellen, der „Konjunkturforschung“, etc. herausgestellt werden. Sie sind in Bezug auf manche aktuelle Diskussionen von Relevanz, wie zum Beispiel die Debatte um Industrie 4.0.

Regulationstheorie[Bearbeiten]

Die Regulationstheorie oder Regulationsschule hat ihre Wurzeln im französischen Neomarxismus und wurde u.a. von der Denkschule des Strukturalismus von Louis Althusser, aber auch von den Überlegungen Antonio Gramscis zum „Fordismus“ inspiriert. Grundgedanke war die Feststellung, dass der Kapitalismus trotz seiner Krisentendenz über lange Zeiträume dennoch relativ stabil sei. Dies wurde dadurch erklärt, dass der Kapitalismus in seiner Entwicklung unterschiedliche „Akkumulationsregime“ hervorbringe (z.B. Fordismus, seit den 70ern/80ern dann „Postfordismus“, „finanzgetriebenes Akkumulationsregime“ usw.). Diese würden von einem dazu passenden Setting aus Institutionen, Konsumnormen usw., der sogenannten „Regulationsweise“, reguliert. Große Krisen markieren nach dieser Theorie jeweils den Umbruch von einem Akkumulationsregime zu einem anderen. Die Regulationstheorie stellt dabei keine einheitliche Krisentheorie dar, sondern in diesem Rahmen werden verschiedene Krisentheorien formuliert, z.B. für das „finanzdominierte Akkumulationsregime“ ein Druck des Finanzsektors auf die materielle Produktion durch ständige Kapitalabflüsse und erzwungene Kurzfristorientierung der Investitionen. Mittlerweile hat sich die Theorie in eine Vielzahl unterschiedlicher Schulen ausdifferenziert, die sich inhaltlich erheblich unterscheiden. Ein Teil der regulationstheoretischen Ansätze versteht sich weiterhin als (neo-)marxistisch und versucht, von der Akkumulation des Kapitals ausgehend die Begrifflichkeiten der Regulationsweise und des Akkumulationsregimes zu nutzen, um wirtschaftliche Entwicklung konkreter zu analysieren (z.B. Joachim Becker, Johannes Jäger, SSA-Ansatz in den USA usw.). Andere Stränge haben sich vom Marxismus gänzlich gelöst. Bei ihnen ist die Regulationstheorie vor allem ein Ansatz, der nach den geeigneten Institutionen für die Vermeidung und das Management von Wirtschaftskrisen sucht (z.B. Robert Boyer, Bruno Amable).


Ansätze zur Krisenanalyse im marxistischen Spektrum[Bearbeiten]

Unterkonsumtionstheorie[Bearbeiten]

Nicht nur keynesianische Autoren, sondern auch solche, die ihre theoretische Grundlage im Marxismus verorten, führen Krisen oft in erster Linie auf zu niedrige Löhne der Arbeiterklasse zurück. Sie berufen sich dabei auf verschiedene Passagen bei Marx, z.B. „Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde.“ (MEW 25, S. 501). Unterkonsumtionstheorien gehen also davon aus, dass die Überproduktion in der Abteilung II der Produktion (also dem Teil der Wirtschaft, der Konsumgüter produziert) stattfindet. So gingen beispielsweise Rosa Luxemburg und Karl Kautsky beide davon aus, dass kapitalistische Produktion als letzten Zweck die Produktion von Konsumgütern habe, dass aber aufgrund der Erfordernisse der Akkumulation immer nur ein Teil des produzierten Werts in Konsumgüter fließen kann, weshalb es zur ständigen Überproduktion von Konsumgütern komme. Deshalb könne der Kapitalismus nur bestehen, solange er in nichtkapitalistische Gebiete expandieren kann. Eine häufige politische Schlussfolgerung aus der Unterkonsumtionstheorie besteht ähnlich wie bei den Keynesianern auch darin, dass es Aufgabe einer „vernünftigen“ Wirtschaftspolitik sei, durch höhere Löhne und Sozialleistungen genügend Kaufkraft zu schaffen, um Krisen zu verhindern.

Vertreter: z.B. Karl Kautsky, Rosa Luxemburg, Eugen Varga

Disproportionalitätstheorien[Bearbeiten]

Marx unterteilt die Reproduktion einer kapitalistischen Ökonomie in verschiedene Abteilungen, die miteinander im ständigen Austausch stehen (Abteilung I für Produktionsmittel, Abteilung II für Konsumgüter usw.). Der Austausch zwischen diesen verschiedenen Abteilungen muss in einem bestimmten Verhältnis stattfinden, da ansonsten Angebot und Nachfrage nach bestimmten Waren sich nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Aufgrund der Anarchie der Produktion ist allerdings diese Voraussetzung nicht gegeben, sodass sich regelmäßig Disproportionen zwischen den Abteilungen herausbilden. Manche Theoretiker sehen hierin die wesentliche Ursache der Krisen im Kapitalismus.

Vertreter: z.B. Michail Tugan-Baranowski, Rudolf Hilferding

Profitklemmentheorie/ Krise durch Arbeitskräfteknappheit[Bearbeiten]

Profitklemmentheorien führen die Krise vor allem darauf zurück, dass sich durch den Aufschwung der Wirtschaft die Elemente des vorgeschossenen Kapitals verteuern und dadurch die Profite sinken, was wiederum zu Firmenpleiten, Kreditausfällen usw. führt. Hier wird vor allem der Anstieg der Löhne während des Wirtschaftsaufschwungs durch steigende Beschäftigung und dadurch die Verteuerung des variablen Kapitals als Ursache gesehen. Auch diese Autoren stützen sich auf Passagen bei Marx, z.B. sei, so Marx, zu „bemerken, daß die Krisen jedesmal gerade vorbereitet werden durch eine Periode, worin der Arbeitslohn allgemein steigt“ (MEW 24, S. 409).

Vertreter: z.B. Makoto Itoh

Die Kontroverse um den tendenziellen Fall der Profitrate[Bearbeiten]

Der tendenzielle Fall der Profitrate wird durch den Anstieg der organischen Zusammensetzung des Kapitals infolge des Fortschritts der Produktivkräfte bewirkt. Marx selbst hielt das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate für das wichtigste Gesetz der Politischen Ökonomie (MEW 42, S. 641), allerdings handelt es sich dabei auch um einen der umstrittensten Teile seiner Theorie. Eine einflussreiche Kritik des Gesetzes ist das sogenannte Okishio-Theorem des neoricardianischen Ökonomen Nobuo Okishio. Er argumentiert, dass die Kapitalisten nur dann technische Neuerungen einführten, wenn sie damit ihre Profitrate erhöhen. Dadurch würde sich auch durch die Verallgemeinerung einer Technik in der gesamten Branche die Profitrate erhöhen. Technische Neuerungen führten also nicht zwingend zu einem Fall, sondern sogar einem Anstieg der Durchschnittsprofitrate. Gegen diese bürgerliche Kritik wurde eingewandt (z.B. von Ernest Mandel), dass die Kapitalisten erstens auch gezwungen sein können, neue Techniken einzuführen, um ihren Marktanteil zu halten; und dass zweitens die Hoffnung der einzelnen Kapitalisten auf eine Steigerung des Profits keineswegs dasselbe ist wie eine tatsächliche Profitsteigerung. Paul Sweezy lehnt das Gesetz mit dem Argument ab, dass im Monopolkapitalismus die Monopole riesige Massen an Profit anhäufen würden. Er führt dafür die allgemeine Kategorie des „Surplus“ ein, den er anstelle der Marxschen Kategorien Mehrwert und Profitrate verwendet. In der an Sweezy anschließenden Schule der Monopoltheorie (Umfeld der Zeitschrift Monthly Review) hat die Frage des tendenziellen Falls der Profitrate seitdem keine große Rolle gespielt. Michael Heinrich lehnt das Gesetz ebenfalls ab, mit dem Argument, dass es nicht bewiesen werden könne, ob die entgegenwirkenden Tendenzen wie Senkung der Löhne, Entwertung des fixen Kapitals usw. wirklich langfristig zu schwach sind, um den Fall der Profitrate durch steigende organische Zusammensetzung auszugleichen. Dem entgegen stehen verschiedene Autoren, die das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate entweder theoretisch verteidigen, indem sie den Argumenten seiner Gegner widersprechen, oder versuchen es empirisch zu belegen (z.B. Anwar Shaikh, Andrew Kliman, Gerard Duménil). Andrew Kliman beispielsweise verteidigt das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate jedoch nur als Erklärung der zyklischen Krisen und bestreitet, dass damit eine langfristig sinkende Tendenz der Durchschnittsprofitrate bewiesen werden kann.


Stagnation im Monopolkapitalismus[Bearbeiten]

Die von Paul Sweezy, Paul Baran und Harry Magdoff begründete Schule um die Zeitschrift Monthly Review argumentiert, dass es im Monopolkapitalismus zu einer langfristigen Stagnationstendenz kommt, die sich aufgrund der zunehmenden Monopolisierung verschärft und innerhalb des Kapitalismus unüberwindbar ist. Die Monopole kontrollieren ganze Branchen, wodurch sie in der Lage sind, in einem gewissen Rahmen die Preise der Produkte festzusetzen. Es lohnt sich dann nicht mehr für sie, in diesen Bereichen größere Investitionen vorzunehmen, weil sie dadurch die Preise ihrer Produkte drücken und sich sozusagen selbst Konkurrenz machen würden. Deshalb akkumulieren die Monopole einen wachsenden Kapitalüberschuss, den sie entweder exportieren oder in unproduktive Tätigkeiten wie Werbung, Finanzspekulation usw. anlegen. Dadurch bestehen ständige Überkapazitäten, geringe produktive Investitionen und eine permanente Tendenz zur Stagnation, die auch eine Verschärfung von Krisen bedeutet.

Vertreter: z.B. Paul Sweezy, Paul Baran, Harry Magdoff, John Bellamy Foster usw.

Allgemeine Krise des Kapitalismus[Bearbeiten]

Unter diesem Begriff wurde ab den 20er Jahren definiert, dass der Kapitalismus in seinem imperialistischen Stadium in seine allgemeine Krise eingetreten ist, weil der Widerspruch zwischen gesellschaftlichem Charakter der Produktion und dem privaten Eigentum an Produktionsmitteln sich immer weiter zuspitzt. Varga begründete die allgemeine Krise vor allem damit, dass er (ähnlich wie Kautsky und Luxemburg) davon ausging, dass die Akkumulation grundsätzlich im Widerspruch zur Realisierung des produzierten Werts stehe und es daher eine permanente latente Überproduktion von Konsumgütern geben müsse. Die allgemeine Krise des Kapitalismus ist eine allseitige Krise des gesamten kapitalistischen Weltsystems, gekennzeichnet durch Kriege und Revolutionen, durch den Kampf zwischen dem sterbenden Kapitalismus und dem aufsteigenden Sozialismus. Die allgemeine Krise des Kapitalismus erfasst alle Seiten des Kapitalismus, sowohl die Wirtschaft als auch die Politik. Als ein weiteres Element der allgemeinen Krise des Kapitalismus waren die sozialistischen Revolution in Russland und danach in vielen anderen Ländern gedeutet, sowie der Wegfall des Kolonialsystems. Die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder in der Epoche des Imperialismus erzeugt im Laufe der Zeit eine Nichtübereinstimmung der bestehenden Aufteilung der Absatzmärkte, Einflusssphären und Kolonien mit dem veränderten Kräfteverhältnis zwischen den wichtigsten kapitalistischen Staaten. Auf Grund dessen kommt es zu heftigen Störungen des Gleichgewichts innerhalb des kapitalistischen Weltsystems, die zur Spaltung der kapitalistischen Welt in feindliche Gruppierungen und zum Krieg zwischen ihnen führt. Die Theorie der allgemeinen Krise wurde auch in die Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus aufgenommen und spielte eine wichtige Rolle für die Bestimmung des historischen Platzes des Imperialismus in ihr. Seit der Niederlage des Sozialismus auch in Deutschland im Jahr 1989 wird verstärkt in Frage gestellt, ob man noch von der allgemeinen Krise des Kapitalismus sprechen kann. Im Laufe der weiteren Arbeit sollen hier die verschiedenen Positionen und ihre Argumente dargestellt werden. Kritisiert wird auch die krisentheoretische Grundlage des Konzeptes der allgemeinen Krise, die in fehlerhaften unterkonsumtionstheoretischen Annahmen begründet liege.

Vertreter: z.B. Eugen Varga, Heinz Jung, Josef Schleifstein, Peter Hess


„Organische Krise“/ „Hegemoniekrise“ bei Antonio Gramsci[Bearbeiten]

Gramsci verwendet den Begriff der Krise in verschiedenen Kontexten und mit abweichenden Bedeutungen. Es geht hier also nicht um einen rein ökonomischen Krisenbegriff, weshalb sein Ansatz auch schwer in die innermarxistische krisentheoretische Diskussion einzuordnen ist. Gramsci selbst schrieb mit Bezug auf die kapitalistische Weltwirtschaftskrise von 1929, dass die wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Dimensionen der Krise eng miteinander zusammenhängen. Er versteht den Kapitalismus als Dauerkrise, wobei es zu bestimmten Momenten immer wieder zu Ungleichgewichten zwischen verschiedenen Elementen komme (Gefängnishefte 15 § 5). Häufiger benutzt Gramsci den Krisenbegriff in einem umfassenden Sinn als Krise der Hegemonie der Bourgeoisie und des Staates in seiner Gesamtheit. Er spricht von einer „Hegemoniekrise“ bzw. „organischen Krise“ der führenden Klasse, die dadurch eintreten kann, wenn ein großes politisches Projekt dieser Klasse scheitert und daher die Anwendung von Zwang gegen die beherrschte Klasse in großem Umfang erforderlich ist, oder wenn die beherrschte Klasse in großem Umfang aktiviert wird und Forderungen stellt (GH 13 § 23). An anderer Stelle ist die Rede davon, dass die Krise der herrschenden Klasse darin bestehe, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann. Gemeint ist also ein längerer Zeitraum politischer Krisenerscheinungen und der Entfernung der Massen von den Ideologien der Herrschenden, ohne dass es jedoch (sofort) zur revolutionären Lösung der Krise kommt. Diese Phase wird auch als „Interregnum“ bezeichnet (GH 3 § 34). Ein Problem für die revolutionäre Strategie sieht Gramsci darin, dass auch eine Wirtschaftskrise keineswegs notwendigerweise dazu führt, dass die Struktur der Herrschaft zusammenbricht oder in einem „Bewegungskrieg“, also in der revolutionären Offensive unmittelbar eingenommen werden kann. Die Krise zerstöre stattdessen nur die Oberfläche der Herrschaft, wohinter aber noch weitere Verteidigungslinien liegen (GH 13, § 24).

Im Rahmen der AG-Arbeit sollte geprüft werden, inwiefern aus der Verwendung des Krisenbegriffs durch Gramsci brauchbare Erkenntnisse für die revolutionäre Strategie zu gewinnen sind. Hier erscheint die Zusammenarbeit mit den AGs Staat/Sozialdemokratie/Faschismus und Revolutionäre Arbeiterbewegung und KP sinnvoll. Eine Schwierigkeit dabei ist allgemein die Schwammigkeit und Mehrdeutigkeit des Krisenbegriffs wie auch vieler anderer Schlüsselbegriffe in Gramscis Gefängnisheften.

Bezug zu unseren Grundannahmen[Bearbeiten]

Die Klassiker des wissenschaftlichen Sozialismus haben kein zusammenhängendes Werk zur Krise verfasst. Aber in Das Kapital von Marx sind viele direkte Aussagen dazu zu finden. Außerdem sind weitere Bestandteile des Kapitals wichtig, darunter die Akkumulation des Kapitals, die organische Zusammensetzung des Kapitals, der tendentielle Fall der Profitrate. Vor allem im dritten Band, in dem der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion analysiert wird, wird aus der Analyse der kapitalistischen Produktionsweise die Notwendigkeit der Krisen erklärt. Desweiteren gibt es zahlreiche Aussagen von Engels zur Krise. Lenin führt in seiner Imperialismusanalyse aus, dass durch die Monopole zwar teilweise ganze Produktionsketten geplant werden, der anarchische Charakter der Produktion aber keineswegs verschwindet, sondern im Gegenteil sogar verschärft in der Konkurrenz zwischen den Monopolen auftritt und damit auch die Krisen. Zugleich verstärken die Krisen die Tendenz zum Monopol. In seiner Auseinandersetzung mit Kautsky und anderen Opportunisten zeigt Lenin auf, warum alle Vorstellungen eines reformierbaren Imperialismus Illusionen sind.

Wie wollen wir den Dissens klären?[Bearbeiten]

Aus den Grundannahmen von Marx, Engels und Lenin müssen wir erarbeiten, warum die Möglichkeit und Notwendigkeit der Krise in der Produktionsweise und ihren Widersprüchen selbst angelegt sind. Dazu muss das Marxsche Verständnis der Krisen grundsätzlich herausgearbeitet werden. Wir müssen erarbeiten, vor welchem ökonomischen und gesellschaftlichen Hintergrund die Theorien des „Regulierten Kapitalismus“ entstanden sind und welchen Interessen sie dienen. Dann ist zu beantworten, an welcher Stelle genau diese Ansichten den Analysen des wissenschaftlichen Sozialismus widersprechen. Wir müssen empirisch und theoretisch überprüfen, welche Faktoren die Krisenzyklen bestimmen, wie die Krisen für den Kapitalismus eine Reinigungsfunktion erfüllen und warum Krisen sich so ungleichmäßig auf verschiedene Länder, Branchen usw. auswirken. Außerdem ist zu untersuchen, wie der Staat tatsächlich regulierend im Interesse des Kapitals eingreift, welche Rolle dabei die Zentralbanken und die Geldpolitik spielen und inwiefern diese „Regulierung“ gegen die Interessen der Arbeiterklasse gerichtet sind. Als Beispiel sei hier nur die „konzertierte Aktion“ erwähnt, die zwar kein frontaler Angriff auf die Rechte der Arbeiter war (wie die „formierte Gesellschaft“) aber nicht weniger stark den Kampf der Arbeiterklasse einengte. Hierbei ist auch die Erarbeitung der Verschmelzung von Staat und Monopolen wichtig, der Nachweis, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln die Monopole im und durch den Staat ihre Interessen durchsetzen. Eine laufende Aufgabe ist die Beobachtung und Analyse der Wirtschaftspolitik, der Maßnahmen der Regierung und anderer Teile des Staates. Diese und zukünftige Aufgaben und offene Fragen werden wir hier sammeln.

Was steht zu diesem Dissens in den Programmatischen Thesen?[Bearbeiten]

„Die Widersprüche, die der kapitalistischen Produktionsweise innewohnen, führen periodisch zur Krise. Die kapitalistische Krise ist im Unterschied zu Krisenphasen in früheren Produktionsweisen nicht Ausdruck von Knappheit, sondern kommt im Gegenteil dadurch zustande, dass gemessen an der zahlungsfähigen Nachfrage zu viele Waren produziert wurden und dadurch die Profitabilität der Unternehmen sinkt. Das Nebeneinander von Überfluss und Elend ist gleichzeitig Ursache und Folge der kapitalistischen Krise und bringt die Irrationalität und den historisch überholten Charakter der bürgerlichen Produktionsweise zum Ausdruck. Die Produktionsverhältnisse – das Privateigentum an den Produktionsmitteln – sind längst zur Fessel der Produktivkräfte geworden.“ (Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 6)

„Der Kapitalismus ist ein parasitäres Gesellschaftssystem, in dem Reichtum nur durch Ausbeutung existieren kann, in dem Kriege und sich wiederholende Krisen zwingende Bestandteile sind.“ (Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 3)

„Die Steigerung der Produktivität führt dazu, dass immer weniger Menschen arbeiten müssen, um die Produktion sicherzustellen. Das ist ein gesellschaftlicher Fortschritt. In der kapitalistischen Gesellschaft wird aber nicht für die Bedürfnisse der Gesellschaft produziert, sondern für die Profite Weniger. Deshalb gibt es Millionen Erwerbslose, die Lage der Arbeiter verschlechtert sich. Verelendung in vielen Lebensbereichen, materiell, kulturell, individuell, wird zum bestimmenden Faktor der Lebensverhältnisse der Menschen.“ (Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 6)

„[...] Der Imperialismus als höchste und letzte Stufe des Kapitalismus bringt regelmäßig Krisen und dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit hervor. Er erweist sich als unfähig, die Potentiale der Produktivkräfte im vollen Umfang auszunutzen. Im Gegenteil sind zyklische Vernichtung von Produktivkräften und weitere Angriffe auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse nötig für die Bourgeoisie, um aus der Krise zu kommen.“ (Kommunistische Organisation, Programmatische Thesen, 2018, S. 8-9)


Literatur zum Thema[Bearbeiten]

Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Institut für Ökonomie: Lehrbuch Politische Ökonomie, Dietz-Verlag, Berlin 1954. Autorenkollektiv: Bürgerliche Ökonomie im modernen Kapitalismus, Dietz-Verlag, Berlin 1967. ISW: Kapitalismus am Ende? Zwischen Dauerkrise, Widerstand, Transformation, Report Nr. 94, September 2013. ISW: Dringend gesucht: Alternative zum Kapitalismus, Report Nr. 89, Juni 2012. Keynes, John Maynard: Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes Klein, Dieter: Allgemeine Krise und staatsmonopolistischer Kapitalismus, Dietz-Verlag, 1974. Kondratjew, Nikolai: Die langen Wellen der Konjunktur, Marlon-Verlag 2013. Lapavitsas, Costas/ Itoh, Makoto 1998: Political Economy of Money and Finance, Palgrave Macmillan, Basingstoke. Mandel, Ernest 1991: Kontroversen um ‚Das Kapital‘, Dietz Verlag Berlin. Mendelson, L.A.: Wirtschaftskrisen und Wirtschaftszyklen nach dem zweiten Weltkrieg, Dietz-Verlag, Berlin 1959. Oelßner, Fred: Probleme der Krisenforschung, Akademie-Verlag, Berlin 1960. Oelßner, Fred: Die Wirtschaftskrisen, Dietz-Verlag, Berlin 1949. Reinhold, Otto: Die Wirtschaftskrisen, Dietz-Verlag, Berlin 1974. Roth, Rainer: Die Gier, die Krise und wir, Klartext-Verlag, Frankfurt 2011. Roth, Rainer: Die Verhinderung des Weltuntergangs, Klartext-Verlag, Frankfurt 2009. Roth, Rainer: Finanz- und Wirtschaftskrise: Sie kriegen den Karren nicht flott... - Screpanti, Ernesto/ Zamagni, Stefano (2005): An Outline of the History of Economic Thought, Oxford University Press: New York. Anmerkungen zu Ursachen und „Lösungen“, Klartext-Verlag, Frankfurt 2009. Winter, Klaus: Unterkonsumtion und allgemeine Krise des Kapitalismus, trend Onlinezeitung 11/99-01/00 Zeitschrift Sozialismus, diverse Supplements, darunter: Euro Memo 2016, Wege zur Bewältigung der Krisen in Europa, 3/2016. Zeitschrift Sozialismus, Kapitalismuskritik auf der Höhe der Zeit, 10/2016.