Bourgeoisie: Unterschied zwischen den Versionen

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* Kapital eignet sich fremde Arbeit ohne Gegenwert, jedoch mit dem Schein des Austauschs, an.
 
* Kapital eignet sich fremde Arbeit ohne Gegenwert, jedoch mit dem Schein des Austauschs, an.
{{Zitat|Einsicht in diesen Prozeß [der äquivalenzlosen Aneignung eines Teils der Arbeit durch den Kapitalisten, AG KA] ist = dem Statement [FN: der Feststellung], daß das Kapital nicht nur, wie A. Smith meint, Kommando über fremde Arbeit ist, in dem Sinne wie jeder Tauschwert es ist, weil er seinem Besitzer Kaufmacht gibt, sondern daß es die Macht ist, sich fremde Arbeit ohne Austausch, ohne Äquivalent, aber mit dem Schein des Austauschs, anzueignen.|Marx (1983), Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, MEW Band 42, Dietz Berlin, S. 456.}}
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Version vom 6. Januar 2019, 19:08 Uhr

Zurück zu den Grundannahmen der AG Klassenanalyse

Die Bourgeoisie ist die Kapitalistenklasse. Sie ist eine der drei Grundklassen im Kapitalismus und der Antagonist der Arbeiterklasse. Die Bourgeoisie ist Eigentümerin der Produktionsmittel und der Produktionsbedingungen im Kapitalismus. Wer Kapitalist ist, entscheidet sich durch die Stellung zu den Produktionsmitteln und damit durch die Stellung im gesellschaftlichen Produktionsprozess. Die Existenz der Kapitalistenklasse bedingt die Existenz einer Klasse, deren Arbeit sie sich aneignen kann – die Existenz des Proletariats.

Schlagworte

Industrieller Kapitalist, Entstehung des Kapitals, Wucherkapital, Kaufmannskapital, Handelskapital, Kommando, Leitung, Kooperation, Schein, Austausch, Aneignung, Mehrwert, Profit, Revenue, Kapitalfraktionen, Fraktion, Konkurrenz, herrschende Klasse, Manager, Verwaltung, Aktien, Fonds, Dirigent, Geldkapital

Annahme 1

  • Die Kapitalisten bildeten sich aus verschiedenen Gruppen hervor.
  • Das Mittelalter überlieferte zwei Formen des Kapitals - das Wucherkapital und das Kaufmannskapital.

„Die Genesis des industriellen Kapitalisten ging nicht in derselben allmählichen Weise vor wie die des Pächters. Zweifelsohne verwandelten sich manche kleine Zunftmeister und noch mehr selbständige kleine Handwerker oder auch Lohnarbeiter in kleine Kapitalisten und durch allmählich aus- gedehntere Exploitation von Lohnarbeit und entsprechende Akkumulation in Kapitalisten sans phrase [FN: hier: schlechthin]. In der Kindheitsperiode der kapitalistischen Produktion ging's vielfach zu wie in der Kindheitsperiode des mittelaltrige Städtewesens, wo die Frage, wer von den entlaufnen Leibeignen soll Meister sein und wer Diener, großenteils durch das frühere oder spätere Datum ihrer Flucht entschieden wurde. Indes entsprach der Schneckengang dieser Methode in keiner Weise den Handelsbedürfnissen des neuen Weltmarkts, welchen die großen Entdeckungen Ende des 15. Jahrhunderts geschaffen hatten. Aber das Mittelalter hatte zwei verschiedne Formen des Kapitals überliefert, die in den verschiedensten ökonomischen Gesellschaftsformationen reifen und, vor der Ära der kapitalistischen Produktionsweise, als Kapital quand meme [FN: überhaupt] gelten - das Wucherkapital und das Kaufmannskapital.“
Marx (1962), Kapital 1, MEW Band 23, Dietz Berlin, S. 777f.


Annahme 2

  • Sobald die Arbeit kooperativ wird, kommt dem ihr übergeordneten Kapital die Leitung, Überwachung und Vermittlung der Kooperation zu.
  • Die Leitung der Arbeit durch das Kapital ist eine Funktion der Ausbeutung und bedingt durch den Antagonismus zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten.

„Ebenso erschien ursprünglich das Kommando des Kapitals über die Arbeit nur als formelle Folge davon, daß der Arbeiter statt für sich, für den Kapitalisten und daher unter dem Kapitalisten arbeitet. Mit der Kooperation vieler Lohnarbeiter entwickelt sich das Kommando des Kapitals zum Erheischnis [Erfordernis, AG KA] für die Ausführung des Arbeitsprozesses selbst, zu einer wirklichen Produktionsbedingung. Der Befehl des Kapitalisten auf dem Produktionsfeld wird jetzt so unentbehrlich wie der Befehl des Generals auf dem Schlachtfeld.
Alle unmittelbar gesellschaftliche oder gemeinschaftliche Arbeit auf größrem Maßstab bedarf mehr oder minder einer Direktion, welche die Harmonie der individuellen Tätigkeiten vermittelt und die allgemeinen Funktionen vollzieht, die aus der Bewegung des produktiven Gesamtkörpers im Unterschied von der Bewegung seiner selbständigen Organe entspringen. Ein einzelner Violinspieler dirigiert sich selbst, ein Orchester bedarf des Musikdirektors. Diese Funktion der Leitung, Überwachung und Vermittlung, wird zur Funktion des Kapitals, sobald die ihm untergeordnete Arbeit kooperativ wird. Als spezifische Funktion des Kapitals erhält die Funktion der Leitung spezifische Charaktermale.

Zunächst ist das treibende Motiv und der bestimmende Zweck des kapitalistischenProduktionsprozesses möglichst große Selbstverwertung des Kapitals, d.h. möglichst große Produktion von Mehrwert, also möglichst große Ausbeutung der Arbeitskraft durch den Kapitalisten. Mit der Masse der gleichzeitig beschäftigten Arbeiter wächst ihr Widerstand und damit notwendig der Druck des Kapitals zur Bewältigung dieses Widerstands. Die Leitung des Kapitalisten ist nicht nur eine aus der Natur des gesellschaftlichen Arbeitsprozesses entspringende und ihm angehörige besondre Funktion, sie ist zugleich Funktion der Ausbeutung eines gesellschaftlichen Arbeitsprozesses und daher bedingt durch den unvermeidlichen Antagonismus zwischen dem Ausbeuter und dem Rohmaterial seiner Ausbeutung.“
Marx (1962), Kapital 1, MEW Band 23, Dietz Berlin, S. 350.


Annahme 3

  • Kapital eignet sich fremde Arbeit ohne Gegenwert, jedoch mit dem Schein des Austauschs, an.


Annahme 4

  • Der Kapitalist, der den Mehrwert produziert, also die unbezahlte Arbeit in Waren fixiert, ist nicht der letzte Eigentümer des ausgepumpten Mehrwerts. Der Mehrwert wird geteilt mit Kapitalisten, die andere Funktionen der gesellschaftlichen Produktion übernehmen.

„Der Kapitalist, der den Mehrwert produziert, d.h. unbezahlte Arbeit unmittelbar aus den Arbeitern auspumpt und in Waren fixiert, ist zwar der erste Aneigner, aber keineswegs der letzte Eigentümer dieses Mehrwerts. Er hat ihn hinterher zu teilen mit Kapitalisten, die andre Funktionen im großen und ganzen der gesellschaftlichen Produktion vollziehn, mit dem Grundeigentümer usw. Der Mehrwert spaltet sich daher in verschiedne Teile. Seine Bruchstücke fallen verschiednen Kategorien von Personen zu und erhalten verschiedne, gegeneinander selbständige Formen, wie Profit, Zins, Handelsgewinn, Grundrente usw.“
Marx (1962), Kapital 1, MEW Band 23, Dietz Berlin, S. 589.


Annahme 5

  • Historisch zeigt sich, dass nicht die Bourgeoisie, sondern eine Fraktion herrscht: Es gibt Kapitalfraktionen, die miteinander konkurrieren können.

„Nicht die französische Bourgeoisie herrschte unter Louis-Philippe, sondern eine Fraktion derselben, Bankiers, Börsenkönige, Eisenbahnkönige, Besitzer von Kohlen- und Eisenbergwerken und Waldungen, ein Teil des mit ihnen ralliierten [vereinten, AG KA] Grundeigentums – die sogenannte Finanzaristokratie. Sie saß auf dem Throne, sie diktierte in den Kammern Gesetze, sie vergab die Staatsstellen vom Ministerium bis zum Tabaksbüro.

Die eigentlich industrielle Bourgeoisie bildete einen Teil der offiziellen Opposition, d. h., sie war in den Kammern nur als Minorität vertreten. Ihre Opposition trat um so entschiedener hervor, je reiner sich die Alleinherrschaft der Finanzaristokratie entwickelte und je mehr sie selbst nach den in Blut erstickten Erneuten 1832, 1834 und 1839171 ihre Herrschaft über die Arbeiterklasse gesichert wähnte.“
Marx (1960), Die Juniniederlage 1848. Vom Februar bis März 1848, MEW Band 7, Dietz Berlin, S. 12.


Annahme 6

  • Das Eigentum und die Verwaltung des Kapitals wird bei Aktienunternehmungen personell voneinander getrennt.
  • Kapital wird von Geldkapitalisten besessen und von Managern in Funktion gesetzt. Der Kapitalist verschwindet als überflüssige Person aus dem Produktionsprozess.

„Die Aktienunternehmungen überhaupt – entwickelt mit dem Kreditwesen – haben die Tendenz, diese Verwaltungsarbeit als Funktion mehr und mehr zu trennen von dem Besitz des Kapitals, sei es eignes oder geborgtes […]. Indem aber einerseits dem bloßen Eigentümer des Kapitals, dem Geldkapitalisten der fungierende Kapitalist gegenübertritt und mit der Entwicklung des Kredits dies Geldkapital selbst einen gesellschaftlichen Charakter annimmt, in Banken konzentriert und von diesen, nicht mehr von seinen unmittelbaren Eigentümern ausgeliehen wird; indem andrerseits aber der bloße Dirigent [Manager, AG KA], der das Kapital unter keinerlei Titel besitzt, weder leihweise noch sonstwie [sic], alle realen Funktionen versieht, die dem fungierenden Kapitalisten als solchem zukommen, bleibt nur der Funktionär und verschwindet der Kapitalist als überflüssige Person aus dem Produktionsprozeß.“
Marx (1964), Kapital 3, MEW Band 25, Dietz Berlin, S. 401.


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