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	<title>BolscheWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-10-16T22:33:49Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7347</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
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		<updated>2022-06-14T11:54:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Kapitalismus der freien Konkurrenz zwischen 1860 und 1870 seinen höchsten Entwicklungspunkt erreicht hatte, bildeten sich erste Ansätze von Monopolen heraus. Nach der Krise von 1873 entwickelten sich daraus erste Kartelle, die aber noch keinen dauerhaften Charakter hatten. Erst mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und der Krise von 1900 bis 1903 wurden Monopole und Monopolverbände zur Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals führt im Kapitalismus der freien Konkurrenz auf einer bestimmten Entwicklungsstufe dicht an das Monopol heran. Die aus der Konkurrenz hervorgegangenen Riesenbetriebe können viel effizienter produzieren und verfügen über bessere Produktionsmethoden, weshalb sie die Konkurrenz leichter ausschalten können. Sie vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. Das Entstehen der Monopole mit Hilfe des Bankkapitals ist eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral für die ökonomische Überlegenheit der Monopole ist, dass sie sich einen permanenten  Extraprofit - in Form des Monopolprofits - aneignen können. Dies gelingt ihnen, indem sie die freie Konkurrenz aushebeln und somit den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit behindern. Der Monopolprofit entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer, konkurrierender Warenproduzenten auf den Profit der Monopole übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten Teile der Arbeiterklasse zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die Kombination, bei welcher es zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen kommt, wodurch Konjunkturunterschiede ausgeglichen werden und eine höhere Profitrate erreicht wird. Durch die Kombination wird der Handel ausgeschaltet und es werden Extraprofite gesichert. Dadurch wird auch die Stellung im Konkurrenzkampf während wirtschaftlicher Krisen gestärkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und sinkenden Gewinnen. Mit dem technischen Fortschritt steigt der Anteil an Maschinen in der Produktion wodurch der tendenziellen Fall der Profitrate verstärkt wird. Um diesem Widerspruch entgegen zu wirken, aber auch um die Profite allgemein zu steigern, schließen sich die Großindustriellen in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammen. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt Preisabsprachen getroffen und Aufträge und Absatzmärkte aufgeteilt, Rohstoffquellen und Arbeitskräfte werden unter eigene Kontrolle gebracht und alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um Monopolprofite zu erzielen und die Konkurrenz auszuschalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krasseste Erscheingsform der Monopole ist die Finanzoligarchie, welche alle Institutionen von sich abhängig macht, insbesondere den Staat. Dieser ist durch die Industrie- und Fabrikgesetzte mit den Monopolen verflochten, und unterstützt die Herausbildung von Monopolen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus führt nah an eine allgemeine Vergesellschaftung der Produktion heran, gleichzeitig bleibt der Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel und auch die Aneignung der Profite privat. Obwohl die Monopole die freie Konkurrenz ausschalten besteht die Konkurrenz im Kampf um die Aneignung des Monopolprofits auch zwischen den Monopolen weiter. Darüber hinaus verschärft sich die Konkurrenz zwischen kartelliertem und nicht-kartelliertem Kapital. Dies verschärft Probleme, Konflikte und erzeugt einen permanent wachsenden antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung, dem Kapitalismus der freien Konkurrenz. Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis und bildet ein Herrschaftsverhältnis mit einem hohen Maß an Gewalt. Durch die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und die allgemeine Verschärfung der Widersprüche bildet das Monopol den Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrwert, Kapital, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Kreditwesen, Konkurrenz, organische Zusammensetzung, Akkumulation, Konzentration, Zentralisation, Monopolprofit, Extraprofit, durchschnittliche Mehrwertrate, Monopolverbände, Syndikate, Trusts, Kartelle, Kombination, Finanzoligarchie, Finanzkapital, Bankenwesen, Kostpreis, Produktionspreis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt vereinigt sich das Kapital zum Monopol, um die Gewinne zu steigern. In der Konkurrenz versucht der einzelne Kapitalist seinen eigenen Anteil auf jegliche zu vergrößern, auch wenn es die Gesamtsumme verringert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn jeder einzelne einer Klasse nie mehr haben könnte als einen gegebenen Anteil oder einen aliquoten Teil von Gewinn und Besitz des Ganzen, so würde er sich bereitwillig vereinigen, um die Gewinne hinaufzutreiben&amp;quot; (das tut er, sobald das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt): „das ist Monopol. Aber wo jeder einzelne denkt, daß er irgendwie die absolute Summe seines eigenen Anteils vergrößern könne, wenn auch durch ein Verfahren, das die Gesamtsumme verringert, wird er es oft tun: das ist Konkurrenz. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopole vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Kartelle und Trusts vereinigen vielfach sieben bis acht Zehntel der Gesamtproduktion des betreffenden Industriezweige in ihren Händen. Im Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat waren bei seiner Gründung im Jahre 1893 86,7% und im Jahre 1910 bereits 95,4% der gesamten Kohlenförderung des Gebiets konzentriert. Das auf diese Weise entstehende Monopol gewährleistet Riesengewinne und führt zur Bildung technischer Produktionseinheiten von unermeßlichem Umfang.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206-207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt, wodurch aber die durch den Wert der Waren gegebenen Grenzen nicht aufgehoben werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange das industrielle Kapital das Monopol an der verbesserten Produktionsweise hat, kann das Kapital den Umschlag beschleunigen und einen höheren Profit erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden Umständen und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlägt, produziert es doppelt soviel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 325}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Bildung von Monopolen geht zwangsläufig ein gewaltvolles Herrschaftsverhältnis hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Herrschaftsverhältnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische für die &amp;quot;jüngste Entwicklung des Kapitalismus&amp;quot;, das ist es, was aus der Bildung allmächtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol entsteht aus der Konzentration der Produktion. Die Monopolverbände, also die Kartelle, Syndikate und Trusts spielen im Wirtschaftsleben eine gewaltige Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die historische Entwicklung der Monopole hatte folgende große Ereignisse: 1. Die höchste Entwicklung der freien Konkurrenz um 1860/70 mit Ansätzen von Monopolen; 2. Die Entwicklung der Kartelle nach der Krise von 1873, die aber noch keinen dauerhaften Charakter haben; 3. Mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts, sowie die Krise von 1900 bis 1903 werden Kartelle/Monopolverbände zur Grundlage der gesamten Wirtschaftslebens und der Kapitalismus wird zum Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19 Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus der freien Konkurrenz führt notwendig zur Konzentration der Produktion und des Kapitals. Je schneller sich der Handel und der Kapitalismus entwickeln, desto stärker ist diese Konzentration. Den entstandenen Riesenbetrieben, die viel effizienter produzieren und über moderne Produktionsmethoden verfügen, fällt es leichter, die Konkurrenz auszuschalten. Die Konzentration selbst führt auf einer bestimmten Stufe, dicht an das Monopol heran. Es entsteht die Tendenz der Verwandlung der freien Konkurrenz in ihren direkten Gegensatz – das Monopol. Das Entstehen der Monopole aus der Konkurrenz, mit Hilfe des Bankkapitals, ist dabei eines der wichtigsten Merkmale des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. Die dem Kapitalismus immanenten Krisen, verstärken die Tendenz zur Konzentration und damit zur Monopolbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber die Konzentration der Produktion ist viel stärker als die Konzentration der Arbeiter, denn die Arbeit ist in den Großbetrieben viel produktiver. Darauf weisen die Daten über Dampfmaschinen und elektrische Motoren hin. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen - wenn nicht die wichtigste - in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, und wir müssen daher ausführlicher darauf eingehen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ökonomisch ist das Grundlegende in diesem Prozeß (der Entwicklung des Imperialismus aus dem Kapitalismus – Anm. der Red.) die Ablösung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daß daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber je schneller die Entwicklung des Handels und des Kapitalismus vor sich geht, um so stärker ist doch die Konzentration der Produktion und des Kapitals, die das Monopol erzeugt. Und die Monopole sind ja schon entstanden, gerade aus der freien Konkurrenz!  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Krisen - jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein - verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, wodurch es zu einem gigantischen Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion und insbesondere der technischen Erfindungen und Verbesserungen kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung der Monopole, durch die Konkurrenz und die Konzentration der Produktion und des Kapitals, ist eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des Imperialismus. Lokale (wirtschafts-)politische Unterschiede der kapitalistischen Staaten, wie z.B. die Existenz von Schutzzöllen oder andere Besonderheiten, können die Monopolbildung beschleunigen aber sie nicht verhindern. Besonders schnell entstehen sie jedoch da, wo sich das Kapital der Rohstoffquellen ermächtigen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z. B. in bezug auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Noch ein Beispiel für das Wirtschaften der Kartelle. Dort, wo man auf alle oder die wichtigsten Rohstoffquellen die Hand legen kann, geht die Entstehung von Kartellen und die Bildung von Monopolen besonders leicht vonstatten. Es wäre jedoch falsch zu glauben, daß Monopole nicht  auch in anderen Industriezweigen entstehen, in denen es unmöglich ist, sich der Rohstoffquellen zu bemächtigen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211-212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolpreis entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer Warenproduzenten auf den Monopolpreis übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Monopolpreis gewisser Waren würde nur einen Teil des Profits der andern Warenproduzenten auf die Waren mit dem Monopolpreis übertragen. Es fände indirekt eine örtliche Störung in der Verteilung des Mehrwerts unter die verschiednen Produktionssphären statt, die aber die Grenze dieses Mehrwerts selbst unverändert ließe. Ginge die Ware mit Monopolpreis in den notwendigen Konsum des Arbeiters ein, so würde sie den Arbeitslohn erhöhn und dadurch den Mehrwert vermindern, falls der Arbeiter nach wie vor den Wert seiner Arbeitskraft bezahlt erhielte. Sie könnte den Arbeitslohn unter den Wert der Arbeitskraft herabdrücken, aber dies nur, soweit jener über der Grenze seines physischen Minimums stände. In diesem Falle würde der Monopolpreis durch Abzug am realen Arbeitslohn (d. h. der Masse der Gebrauchswerte, die der Arbeiter durch dieselbe Masse Arbeit erhielte) und an dem Profit der andern Kapitalisten bezahlt. Die Grenzen, innerhalb deren der Monopolpreis die normale Regulierung der Warenpreise affizierte, wären fest bestimmt und genau berechenbar. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die sog. Kombination. Es kommt zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. Diese bilden dabei entweder aufeinanderfolgende Stufen oder spielen eine Hilfsrolle der Produktion. Dies gleicht Konjunkturunterschiede aus und erhöht dabei die Stetigkeit der Profitrate. Auch der Handel wird ausgeschaltet und die Möglichkeit zu Extraprofiten, durch technischen Fortschritt, geschaffen, sowie die Überlegenheit im Konkurrenzkampf während Krisen gestärkt. Die Kombination verstärkt den Prozess der Monopolisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Nicht in jedem Industriezweig gibt es Großbetriebe; und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z. B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug aufeinander eine Hilfsrolle (z. B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.). &lt;br /&gt;
  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;... die Kombination&amp;quot;, schreibt Hilferding, &amp;quot;gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem 'reinen'&amp;quot; (d.h. nicht kombinierten) &amp;quot;Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem 'reinen' im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression&amp;quot; (Geschäftsstockung, Krise), &amp;quot;wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.&amp;quot;   &lt;br /&gt;
 | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und fallende Profiten, was durch Schutzzölle noch verstärkt wird. Diesen Widerspruch lösen die Großindustriellen indem sie sich in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammentun. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt und eingehende Aufträge aufgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Seit Marx obiges schrieb, haben sich bekanntlich neue Formen des Industriebetriebs entwickelt, die die zweite und dritte Potenz der Aktiengesellschaft darstellen. Der täglich wachsenden Raschheit, womit auf allen großindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenüber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts für diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. Dazu die Schutzzollpolitik, wodurch jedes Industrieland sich gegen die andern und namentlich gegen England abschließt und die heimische Produktionsfähigkeit noch künstlich steigert. Die Folgen sind allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die altgerühmte Freiheit der Konkurrenz ist am Ende ihres Lateins und muß ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen. Und zwar dadurch, daß in jedem Land die Großindustriellen eines bestimmten Zweigs sich zusammentun zu einem Kartell zur Regulierung der Produktion. Ein Ausschuß setzt das von jedem  Etablissement zu produzierende Quantum fest und verteilt in letzter Instanz die einlaufenden Aufträge. […] (Friedrich Engels) | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 453-454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus ist Monopolkapitalismus. Durch die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise kommt es notwendigerweise zur Vergesellschaftung der Produktion. Der dadurch entstandene Fortschritt kommt jedoch im Imperialismus nur den Spekulanten zu Gute, da die Form der Aneignung privat bleibt. Das hat zur Folge, dass der Druck der Monopole auf die Bevölkerung noch schwerer wird. Die vollständige Vergesellschaftung ist die Grundlage für den Übergang des Kapitalismus hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung, in die die Kapitalisten, unbewusst und gegen ihren eigenen Willen, hineingezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol erwächst aus dem Kapitalismus der freien Konkurrenz, durch die Warenproduktion. Das Monopol verdrängt jedoch nicht die Konkurrenz. Die Konkurrenz besteht weiter neben und über ihm. Dies erzeugt Probleme, Konflikte und einen permanenten antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung. Das Monopol steht dabei nicht mit kleinen, technisch rückständigen Betrieben in Konkurrenz, sondern würgt diese ab. Das Monopol ist der Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte. Das Monopol ist der Übergang vom Kapitalismus zu einer höheren Ordnung.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie wir gesehen haben, ist die tiefste ökonomische Grundlage des Imperialismus das Monopol. Dieses Monopol ist ein kapitalistisches, d.h. ein Monopol, das aus dem Kapitalismus erwachsen ist und im allgemeinen Milieu des Kapitalismus, der Warenproduktion, der Konkurrenz, in einem beständigen und unlösbaren Widerspruch zu diesem allgemeinen Milieu steht.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 280-281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben es nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf kleiner und großer, technisch rückständiger und technisch fortgeschrittener Betriebe zu tun. Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewürgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner Willkür nicht unterwerfen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis. Durch den Zwang zur Erhöhung der Profite wird der technische Fortschritt vorangetrieben. Wo das Monopol jedoch Monopolpreise realisiert, verschwindet dieser Antrieb und es kommt zwangsläufig zur Stagnation, wodurch der Fortschritt ausgebremst wird. Diese Stagnation kann jedoch nur temporär bestehen, da das Monopol die Konkurrenz nie gänzlich und dauerhaft ausschalten kann. Die Monopole haben die Möglichkeit den technischen - und damit den Gesamtfortschritt - künstlich aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dennoch erzeugt es, wie jedes andere Monopol, unvermeidlich die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis. In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung hebt die kapitalistische Produktionsweise sich selbst innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise auf und schafft den Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform. Dieser Widerspruch tritt in Form von Monopolen, einer Finanzaristokratie und letztlich in einem ganzen System aus Betrug und Schwindel in Erscheinung, in dem die Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums steht. Die Entstehung des Monopols erfordert die Einmischung des Staates. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.| Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten eines Industriezweiges oder eines Landes einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie des entsprechenden Industriezweiges oder Landes zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopole sind nicht fähig Krisen auszuschalten. Sie verstärken sogar den ungleichen und chaotischen Charakter (z.B. das Zurückbleiben der Landwirtschaft und die privilegierte Stellung der Schwerindustrie) der kapitalistischen Produktionsweise und sorgen so für verstärkte Planlosigkeit in den weniger stark kartellierten Industriezweigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. Das Mißverhältnis zwischen der Entwicklung der Landwirtschaft und der Industrie, das für den Kapitalismus überhaupt charakteristisch ist, wird noch größer. Die privilegiert Stellung, die die am stärksten kartellierte sogenannte Schwerindustrie, besonders die Kohlen- und Eisenindustrie, einnimmt, ruft in den übrigen Industriezweigen eine &amp;quot;gesteigerte Planlosigkeit&amp;quot; hervor. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 312}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen durch die Monopole ist zentral für die Macht der Monopole und verschärft den Gegensatz zwischen kartellierter und nichtkartellierter Industrie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Monopole die Entwicklung verlangsamen ist eine Rückkehr zum Kapitalismus der freien Konkurrenz unmöglich, da diese die Monopole erst erzeugt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Selbst wenn die Monopole jetzt die Entwicklung zu verlangsamen begonnen haben, so ist das dennoch kein Argument zugunsten der freien Konkurrenz, die unmöglich geworden ist, nachdem sie die Monopole erzeugt hat. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus – als Monopolkapitalismus – sind vier Erscheinungsformen des Monopols charakteristisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens, Monopole und Monopolverbände, welche aus dem Prozess der Konzentration der Produktion erwachsen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens, die Monopole, die die wichtigsten Rohstoffquellen besitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens, die Monopole, welche aus den Banken erwachsen. Es kommt zur Verschmelzung von Bank- und Industriekapital, woraus die Finanzoligarchie erwächst. Diese unterwirft sich alle gesellschaftlichen Institutionen und stellt somit die krasseste Erscheinungsform des Monopols dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viertens, das Monopol, das seinen Ursprung in der Kolonialpolitik hat. Es entsteht durch die Notwendigkeit des Kampfes um die Rohstoffquellen, des Kapitalexports, der Erlangung von Einflusssphären und letztlich der Eroberung ganzer Wirtschaftsgebiete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es sind insbesondere vier Hauptarten der Monopole oder Haupterscheinungsformen des Monopolkapitalismus hervorzuheben, die für die in Betracht kommende Epoche charakteristisch sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. […] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. […] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt - das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viertens: Das Monopol ist aus der Kolonialpolitik erwachsen. Den zahlreichen &amp;quot;alten&amp;quot; Motiven der Kolonialpolitik fügte das Finanzkapital noch den Kampf um Rohstoffquellen hinzu, um Kapitalexport, um &amp;quot;Einflußsphären&amp;quot; d.h. um Sphären für gewinnbringende Geschäfte, Konzessionen, Monopolprofite usw. - und schließlich um das Wirtschaftsgebiet überhaupt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304ff.}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ihre Macht zu erweitern und die Konkurrenz auszuschalten, greifen die Monopole zu verschiedensten ökonomischen und außerökonomischen Kampfmitteln. Diese reichen von Material-, Arbeitskraft-, Zufuhr- und Absatzsperren, über das Aufsetzen von Abnehmerverträgen, Abstandszahlungen und planmäßigen Preisunterbietungen, bis hin zu offenem Verruf oder der Anwendung von gewaltsamen,  militärischen Aktionen gegen die Konkurrenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol bricht sich überall und mit jeglichen Mitteln Bahn, angefangen von &amp;quot;bescheidenen&amp;quot; Abstandszahlungen bis zur amerikanischen &amp;quot;Anwendung&amp;quot; von Dynamit gegen den Konkurrenten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die Konkurrenz aus einer derart einträglichen Industrie auszuschalten, wenden die Monopolinhaber sogar allerlei Tricks an: Es werden falsche Gerüchte über die schlechte Lage der Industrie verbreitet; in den Zeitungen erscheinen anonyme Anzeigen: &amp;quot;Kapitalisten! Hütet euch, Kapital in Zementfabriken anzulegen.&amp;quot; Schließlich werden die Werke von &amp;quot;Außenseitern&amp;quot; (d.h. von nicht an den Syndikaten Beteiligten) aufgekauft und ihnen &amp;quot;Abstandssummen&amp;quot; von 60.000, 80.000 und 150.000 Mark gezahlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist lehrreich, wenigstens einen flüchtigen Blick auf die Liste der Mittel des gegenwärtigen, modernen, zivilisierten Kampfes um die &amp;quot;Organisation&amp;quot; zu werfen, zu denen die Monopolverbände greifen: 1. die Materialsperre (mit &amp;quot;die wichtigste Methode des Kartellzwanges&amp;quot;) 2. Sperrung der Arbeitskräfte durch &amp;quot;Allianzen&amp;quot; (d.h. Vereinbarungen zwischen Kapitalisten und Arbeiterverbänden derart, daß die Arbeiter nur in kartellierten Betrieben arbeiten dürfen) 3. Sperre der Zufuhr; 4. Sperre des Absatzes; 5. Verträge mit den Abnehmern, wonach diese ausschließlich mit kartellierten Firmen Geschäftsverbindungen haben dürfen; 6. planmäßige Preisunterbietung (um die &amp;quot;Außenseiter&amp;quot;, d.h. die Unternehmungen, die sich den Monopolinhabern nicht unterordnen, zu ruinieren; es werden Millionen ausgegeben, um eine Zeitlang unter dem Selbstkostenpreis zu verkaufen; so kam es beispielsweise in den Benzinindustrie vor, daß die Preise von 40 auf 22 Mark, d.h. fast auf die Hälfte, herabgesetzt wurden!); 7. Sperrung des Kredits; 8. Verrufserklärung.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Konzentration der Produktion und Monopole===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7346</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7346"/>
		<updated>2022-06-14T11:50:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Kapitalismus der freien Konkurrenz zwischen 1860 und 1870 seinen höchsten Entwicklungspunkt erreicht hatte, bildeten sich erste Ansätze von Monopolen heraus. Nach der Krise von 1873 entwickelten sich daraus erste Kartelle, die aber noch keinen dauerhaften Charakter hatten. Erst mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und der Krise von 1900 bis 1903 wurden Monopole und Monopolverbände zur Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals führt im Kapitalismus der freien Konkurrenz auf einer bestimmten Entwicklungsstufe dicht an das Monopol heran. Die aus der Konkurrenz hervorgegangenen Riesenbetriebe können viel effizienter produzieren und verfügen über bessere Produktionsmethoden, weshalb sie die Konkurrenz leichter ausschalten können. Sie vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. Das Entstehen der Monopole mit Hilfe des Bankkapitals ist eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral für die ökonomische Überlegenheit der Monopole ist, dass sie sich einen permanenten  Extraprofit - in Form des Monopolprofits - aneignen können. Dies gelingt ihnen, indem sie die freie Konkurrenz aushebeln und somit den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit behindern. Der Monopolprofit entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer, konkurrierender Warenproduzenten auf den Profit der Monopole übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten Teile der Arbeiterklasse zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die Kombination, bei welcher es zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen kommt, wodurch Konjunkturunterschiede ausgeglichen werden und eine höhere Profitrate erreicht wird. Durch die Kombination wird der Handel ausgeschaltet und es werden Extraprofite gesichert. Dadurch wird auch die Stellung im Konkurrenzkampf während wirtschaftlicher Krisen gestärkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und sinkenden Gewinnen. Mit dem technischen Fortschritt steigt der Anteil an Maschinen in der Produktion wodurch der tendenziellen Fall der Profitrate verstärkt wird. Um diesem Widerspruch entgegen zu wirken, aber auch um die Profite allgemein zu steigern, schließen sich die Großindustriellen in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammen. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt Preisabsprachen getroffen und Aufträge und Absatzmärkte aufgeteilt, Rohstoffquellen und Arbeitskräfte werden unter eigene Kontrolle gebracht und alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um Monopolprofite zu erzielen und die Konkurrenz auszuschalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krasseste Erscheingsform der Monopole ist die Finanzoligarchie, welche alle Institutionen von sich abhängig macht, insbesondere den Staat. Dieser ist durch die Industrie- und Fabrikgesetzte mit den Monopolen verflochten, und unterstützt die Herausbildung von Monopolen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus führt nah an eine allgemeine Vergesellschaftung der Produktion heran, gleichzeitig bleibt der Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel und auch die Aneignung der Profite privat. Obwohl die Monopole die freie Konkurrenz ausschalten besteht die Konkurrenz im Kampf um die Aneignung des Monopolprofits auch zwischen den Monopolen weiter. Darüber hinaus verschärft sich die Konkurrenz zwischen kartelliertem und nicht-kartelliertem Kapital. Dies verschärft Probleme, Konflikte und erzeugt einen permanent wachsenden antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung, dem Kapitalismus der freien Konkurrenz. Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis und bildet ein Herrschaftsverhältnis mit einem hohen Maß an Gewalt. Durch die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und die allgemeine Verschärfung der Widersprüche bildet das Monopol den Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrwert, Kapital, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Kreditwesen, Konkurrenz, organische Zusammensetzung, Akkumulation, Konzentration, Zentralisation, Monopolprofit, Extraprofit, durchschnittliche Mehrwertrate, Monopolverbände, Syndikate, Trusts, Kartelle, Kombination, Finanzoligarchie, Finanzkapital, Bankenwesen, Kostpreis, Produktionspreis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt vereinigt sich das Kapital zum Monopol, um die Gewinne zu steigern. In der Konkurrenz versucht der einzelne Kapitalist seinen eigenen Anteil auf jegliche zu vergrößern, auch wenn es die Gesamtsumme verringert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn jeder einzelne einer Klasse nie mehr haben könnte als einen gegebenen Anteil oder einen aliquoten Teil von Gewinn und Besitz des Ganzen, so würde er sich bereitwillig vereinigen, um die Gewinne hinaufzutreiben&amp;quot; (das tut er, sobald das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt): „das ist Monopol. Aber wo jeder einzelne denkt, daß er irgendwie die absolute Summe seines eigenen Anteils vergrößern könne, wenn auch durch ein Verfahren, das die Gesamtsumme verringert, wird er es oft tun: das ist Konkurrenz. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopole vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Kartelle und Trusts vereinigen vielfach sieben bis acht Zehntel der Gesamtproduktion des betreffenden Industriezweige in ihren Händen. Im Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat waren bei seiner Gründung im Jahre 1893 86,7% und im Jahre 1910 bereits 95,4% der gesamten Kohlenförderung des Gebiets konzentriert. Das auf diese Weise entstehende Monopol gewährleistet Riesengewinne und führt zur Bildung technischer Produktionseinheiten von unermeßlichem Umfang.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206-207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt, wodurch aber die durch den Wert der Waren gegebenen Grenzen nicht aufgehoben werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange das industrielle Kapital das Monopol an der verbesserten Produktionsweise hat, kann das Kapital den Umschlag beschleunigen und einen höheren Profit erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden Umständen und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlägt, produziert es doppelt soviel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 325}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Bildung von Monopolen geht zwangsläufig ein gewaltvolles Herrschaftsverhältnis hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Herrschaftsverhältnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische für die &amp;quot;jüngste Entwicklung des Kapitalismus&amp;quot;, das ist es, was aus der Bildung allmächtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol entsteht aus der Konzentration der Produktion. Die Monopolverbände, also die Kartelle, Syndikate und Trusts spielen im Wirtschaftsleben eine gewaltige Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die historische Entwicklung der Monopole hatte folgende große Ereignisse: 1. Die höchste Entwicklung der freien Konkurrenz um 1860/70 mit Ansätzen von Monopolen; 2. Die Entwicklung der Kartelle nach der Krise von 1873, die aber noch keinen dauerhaften Charakter haben; 3. Mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts, sowie die Krise von 1900 bis 1903 werden Kartelle/Monopolverbände zur Grundlage der gesamten Wirtschaftslebens und der Kapitalismus wird zum Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19 Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus der freien Konkurrenz führt notwendig zur Konzentration der Produktion und des Kapitals. Je schneller sich der Handel und der Kapitalismus entwickeln, desto stärker ist diese Konzentration. Den entstandenen Riesenbetrieben, die viel effizienter produzieren und über moderne Produktionsmethoden verfügen, fällt es leichter, die Konkurrenz auszuschalten. Die Konzentration selbst führt auf einer bestimmten Stufe, dicht an das Monopol heran. Es entsteht die Tendenz der Verwandlung der freien Konkurrenz in ihren direkten Gegensatz – das Monopol. Das Entstehen der Monopole aus der Konkurrenz, mit Hilfe des Bankkapitals, ist dabei eines der wichtigsten Merkmale des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. Die dem Kapitalismus immanenten Krisen, verstärken die Tendenz zur Konzentration und damit zur Monopolbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber die Konzentration der Produktion ist viel stärker als die Konzentration der Arbeiter, denn die Arbeit ist in den Großbetrieben viel produktiver. Darauf weisen die Daten über Dampfmaschinen und elektrische Motoren hin. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen - wenn nicht die wichtigste - in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, und wir müssen daher ausführlicher darauf eingehen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ökonomisch ist das Grundlegende in diesem Prozeß (der Entwicklung des Imperialismus aus dem Kapitalismus – Anm. der Red.) die Ablösung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daß daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber je schneller die Entwicklung des Handels und des Kapitalismus vor sich geht, um so stärker ist doch die Konzentration der Produktion und des Kapitals, die das Monopol erzeugt. Und die Monopole sind ja schon entstanden, gerade aus der freien Konkurrenz!  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Krisen - jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein - verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, wodurch es zu einem gigantischen Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion und insbesondere der technischen Erfindungen und Verbesserungen kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung der Monopole, durch die Konkurrenz und die Konzentration der Produktion und des Kapitals, ist eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des Imperialismus. Lokale (wirtschafts-)politische Unterschiede der kapitalistischen Staaten, wie z.B. die Existenz von Schutzzöllen oder andere Besonderheiten, können die Monopolbildung beschleunigen aber sie nicht verhindern. Besonders schnell entstehen sie jedoch da, wo sich das Kapital der Rohstoffquellen ermächtigen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z. B. in bezug auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Noch ein Beispiel für das Wirtschaften der Kartelle. Dort, wo man auf alle oder die wichtigsten Rohstoffquellen die Hand legen kann, geht die Entstehung von Kartellen und die Bildung von Monopolen besonders leicht vonstatten. Es wäre jedoch falsch zu glauben, daß Monopole nicht  auch in anderen Industriezweigen entstehen, in denen es unmöglich ist, sich der Rohstoffquellen zu bemächtigen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211-212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolpreis entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer Warenproduzenten auf den Monopolpreis übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Monopolpreis gewisser Waren würde nur einen Teil des Profits der andern Warenproduzenten auf die Waren mit dem Monopolpreis übertragen. Es fände indirekt eine örtliche Störung in der Verteilung des Mehrwerts unter die verschiednen Produktionssphären statt, die aber die Grenze dieses Mehrwerts selbst unverändert ließe. Ginge die Ware mit Monopolpreis in den notwendigen Konsum des Arbeiters ein, so würde sie den Arbeitslohn erhöhn und dadurch den Mehrwert vermindern, falls der Arbeiter nach wie vor den Wert seiner Arbeitskraft bezahlt erhielte. Sie könnte den Arbeitslohn unter den Wert der Arbeitskraft herabdrücken, aber dies nur, soweit jener über der Grenze seines physischen Minimums stände. In diesem Falle würde der Monopolpreis durch Abzug am realen Arbeitslohn (d. h. der Masse der Gebrauchswerte, die der Arbeiter durch dieselbe Masse Arbeit erhielte) und an dem Profit der andern Kapitalisten bezahlt. Die Grenzen, innerhalb deren der Monopolpreis die normale Regulierung der Warenpreise affizierte, wären fest bestimmt und genau berechenbar. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die sog. Kombination. Es kommt zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. Diese bilden dabei entweder aufeinanderfolgende Stufen oder spielen eine Hilfsrolle der Produktion. Dies gleicht Konjunkturunterschiede aus und erhöht dabei die Stetigkeit der Profitrate. Auch der Handel wird ausgeschaltet und die Möglichkeit zu Extraprofiten, durch technischen Fortschritt, geschaffen, sowie die Überlegenheit im Konkurrenzkampf während Krisen gestärkt. Die Kombination verstärkt den Prozess der Monopolisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Nicht in jedem Industriezweig gibt es Großbetriebe; und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z. B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug aufeinander eine Hilfsrolle (z. B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.). &lt;br /&gt;
  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;... die Kombination&amp;quot;, schreibt Hilferding, &amp;quot;gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem 'reinen'&amp;quot; (d.h. nicht kombinierten) &amp;quot;Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem 'reinen' im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression&amp;quot; (Geschäftsstockung, Krise), &amp;quot;wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.&amp;quot;   &lt;br /&gt;
 | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und fallende Profiten, was durch Schutzzölle noch verstärkt wird. Diesen Widerspruch lösen die Großindustriellen indem sie sich in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammentun. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt und eingehende Aufträge aufgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Seit Marx obiges schrieb, haben sich bekanntlich neue Formen des Industriebetriebs entwickelt, die die zweite und dritte Potenz der Aktiengesellschaft darstellen. Der täglich wachsenden Raschheit, womit auf allen großindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenüber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts für diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. Dazu die Schutzzollpolitik, wodurch jedes Industrieland sich gegen die andern und namentlich gegen England abschließt und die heimische Produktionsfähigkeit noch künstlich steigert. Die Folgen sind allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die altgerühmte Freiheit der Konkurrenz ist am Ende ihres Lateins und muß ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen. Und zwar dadurch, daß in jedem Land die Großindustriellen eines bestimmten Zweigs sich zusammentun zu einem Kartell zur Regulierung der Produktion. Ein Ausschuß setzt das von jedem  Etablissement zu produzierende Quantum fest und verteilt in letzter Instanz die einlaufenden Aufträge. […] (Friedrich Engels) | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 453-454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus ist Monopolkapitalismus. Durch die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise kommt es notwendigerweise zur Vergesellschaftung der Produktion. Der dadurch entstandene Fortschritt kommt jedoch im Imperialismus nur den Spekulanten zu Gute, da die Form der Aneignung privat bleibt. Das hat zur Folge, dass der Druck der Monopole auf die Bevölkerung noch schwerer wird. Die vollständige Vergesellschaftung ist die Grundlage für den Übergang des Kapitalismus hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung, in die die Kapitalisten, unbewusst und gegen ihren eigenen Willen, hineingezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol erwächst aus dem Kapitalismus der freien Konkurrenz, durch die Warenproduktion. Das Monopol verdrängt jedoch nicht die Konkurrenz. Die Konkurrenz besteht weiter neben und über ihm. Dies erzeugt Probleme, Konflikte und einen permanenten antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung. Das Monopol steht dabei nicht mit kleinen, technisch rückständigen Betrieben in Konkurrenz, sondern würgt diese ab. Das Monopol ist der Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte. Das Monopol ist der Übergang vom Kapitalismus zu einer höheren Ordnung.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie wir gesehen haben, ist die tiefste ökonomische Grundlage des Imperialismus das Monopol. Dieses Monopol ist ein kapitalistisches, d.h. ein Monopol, das aus dem Kapitalismus erwachsen ist und im allgemeinen Milieu des Kapitalismus, der Warenproduktion, der Konkurrenz, in einem beständigen und unlösbaren Widerspruch zu diesem allgemeinen Milieu steht.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 280-281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben es nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf kleiner und großer, technisch rückständiger und technisch fortgeschrittener Betriebe zu tun. Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewürgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner Willkür nicht unterwerfen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis. Durch den Zwang zur Erhöhung der Profite wird der technische Fortschritt vorangetrieben. Wo das Monopol jedoch Monopolpreise realisiert, verschwindet dieser Antrieb und es kommt zwangsläufig zur Stagnation, wodurch der Fortschritt ausgebremst wird. Diese Stagnation kann jedoch nur temporär bestehen, da das Monopol die Konkurrenz nie gänzlich und dauerhaft ausschalten kann. Die Monopole haben die Möglichkeit den technischen - und damit den Gesamtfortschritt - künstlich aufzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dennoch erzeugt es, wie jedes andere Monopol, unvermeidlich die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis. In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung hebt die kapitalistische Produktionsweise sich selbst innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise auf und schafft den Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform. Dieser Widerspruch tritt in Form von Monopolen, einer Finanzaristokratie und letztlich in einem ganzen System aus Betrug und Schwindel in Erscheinung, in dem die Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums steht. Die Entstehung des Monopols erfordert die Einmischung des Staates. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.| Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten eines Industriezweiges oder eines Landes einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie des entsprechenden Industriezweiges oder Landes zu ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopole sind nicht fähig Krisen auszuschalten. Sie verstärken sogar den ungleichen und chaotischen Charakter (z.B. das Zurückbleiben der Landwirtschaft und die privilegierte Stellung der Schwerindustrie) der kapitalistischen Produktionsweise und sorgen so für verstärkte Planlosigkeit in den weniger stark kartellierten Industriezweigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. Das Mißverhältnis zwischen der Entwicklung der Landwirtschaft und der Industrie, das für den Kapitalismus überhaupt charakteristisch ist, wird noch größer. Die privilegiert Stellung, die die am stärksten kartellierte sogenannte Schwerindustrie, besonders die Kohlen- und Eisenindustrie, einnimmt, ruft in den übrigen Industriezweigen eine &amp;quot;gesteigerte Planlosigkeit&amp;quot; hervor. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 312}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen durch die Monopole ist zentral für die Macht der Monopole und verschärft den Gegensatz zwischen kartellierter und nichtkartellierter Industrie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn die Monopole die Entwicklung verlangsamen ist eine Rückkehr zum Kapitalismus der freien Konkurrenz unmöglich, da diese die Monopole erst erzeugt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Selbst wenn die Monopole jetzt die Entwicklung zu verlangsamen begonnen haben, so ist das dennoch kein Argument zugunsten der freien Konkurrenz, die unmöglich geworden ist, nachdem sie die Monopole erzeugt hat. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Konzentration der Produktion und Monopole===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7345</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7345"/>
		<updated>2022-06-14T11:42:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Kapitalismus der freien Konkurrenz zwischen 1860 und 1870 seinen höchsten Entwicklungspunkt erreicht hatte, bildeten sich erste Ansätze von Monopolen heraus. Nach der Krise von 1873 entwickelten sich daraus erste Kartelle, die aber noch keinen dauerhaften Charakter hatten. Erst mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und der Krise von 1900 bis 1903 wurden Monopole und Monopolverbände zur Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals führt im Kapitalismus der freien Konkurrenz auf einer bestimmten Entwicklungsstufe dicht an das Monopol heran. Die aus der Konkurrenz hervorgegangenen Riesenbetriebe können viel effizienter produzieren und verfügen über bessere Produktionsmethoden, weshalb sie die Konkurrenz leichter ausschalten können. Sie vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. Das Entstehen der Monopole mit Hilfe des Bankkapitals ist eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral für die ökonomische Überlegenheit der Monopole ist, dass sie sich einen permanenten  Extraprofit - in Form des Monopolprofits - aneignen können. Dies gelingt ihnen, indem sie die freie Konkurrenz aushebeln und somit den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit behindern. Der Monopolprofit entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer, konkurrierender Warenproduzenten auf den Profit der Monopole übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten Teile der Arbeiterklasse zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die Kombination, bei welcher es zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen kommt, wodurch Konjunkturunterschiede ausgeglichen werden und eine höhere Profitrate erreicht wird. Durch die Kombination wird der Handel ausgeschaltet und es werden Extraprofite gesichert. Dadurch wird auch die Stellung im Konkurrenzkampf während wirtschaftlicher Krisen gestärkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und sinkenden Gewinnen. Mit dem technischen Fortschritt steigt der Anteil an Maschinen in der Produktion wodurch der tendenziellen Fall der Profitrate verstärkt wird. Um diesem Widerspruch entgegen zu wirken, aber auch um die Profite allgemein zu steigern, schließen sich die Großindustriellen in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammen. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt Preisabsprachen getroffen und Aufträge und Absatzmärkte aufgeteilt, Rohstoffquellen und Arbeitskräfte werden unter eigene Kontrolle gebracht und alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um Monopolprofite zu erzielen und die Konkurrenz auszuschalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krasseste Erscheingsform der Monopole ist die Finanzoligarchie, welche alle Institutionen von sich abhängig macht, insbesondere den Staat. Dieser ist durch die Industrie- und Fabrikgesetzte mit den Monopolen verflochten, und unterstützt die Herausbildung von Monopolen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus führt nah an eine allgemeine Vergesellschaftung der Produktion heran, gleichzeitig bleibt der Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel und auch die Aneignung der Profite privat. Obwohl die Monopole die freie Konkurrenz ausschalten besteht die Konkurrenz im Kampf um die Aneignung des Monopolprofits auch zwischen den Monopolen weiter. Darüber hinaus verschärft sich die Konkurrenz zwischen kartelliertem und nicht-kartelliertem Kapital. Dies verschärft Probleme, Konflikte und erzeugt einen permanent wachsenden antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung, dem Kapitalismus der freien Konkurrenz. Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis und bildet ein Herrschaftsverhältnis mit einem hohen Maß an Gewalt. Durch die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und die allgemeine Verschärfung der Widersprüche bildet das Monopol den Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrwert, Kapital, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Kreditwesen, Konkurrenz, organische Zusammensetzung, Akkumulation, Konzentration, Zentralisation, Monopolprofit, Extraprofit, durchschnittliche Mehrwertrate, Monopolverbände, Syndikate, Trusts, Kartelle, Kombination, Finanzoligarchie, Finanzkapital, Bankenwesen, Kostpreis, Produktionspreis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt vereinigt sich das Kapital zum Monopol, um die Gewinne zu steigern. In der Konkurrenz versucht der einzelne Kapitalist seinen eigenen Anteil auf jegliche zu vergrößern, auch wenn es die Gesamtsumme verringert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn jeder einzelne einer Klasse nie mehr haben könnte als einen gegebenen Anteil oder einen aliquoten Teil von Gewinn und Besitz des Ganzen, so würde er sich bereitwillig vereinigen, um die Gewinne hinaufzutreiben&amp;quot; (das tut er, sobald das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt): „das ist Monopol. Aber wo jeder einzelne denkt, daß er irgendwie die absolute Summe seines eigenen Anteils vergrößern könne, wenn auch durch ein Verfahren, das die Gesamtsumme verringert, wird er es oft tun: das ist Konkurrenz. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopole vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Kartelle und Trusts vereinigen vielfach sieben bis acht Zehntel der Gesamtproduktion des betreffenden Industriezweige in ihren Händen. Im Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat waren bei seiner Gründung im Jahre 1893 86,7% und im Jahre 1910 bereits 95,4% der gesamten Kohlenförderung des Gebiets konzentriert. Das auf diese Weise entstehende Monopol gewährleistet Riesengewinne und führt zur Bildung technischer Produktionseinheiten von unermeßlichem Umfang.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206-207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt, wodurch aber die durch den Wert der Waren gegebenen Grenzen nicht aufgehoben werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange das industrielle Kapital das Monopol an der verbesserten Produktionsweise hat, kann das Kapital den Umschlag beschleunigen und einen höheren Profit erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden Umständen und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlägt, produziert es doppelt soviel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 325}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Bildung von Monopolen geht zwangsläufig ein gewaltvolles Herrschaftsverhältnis hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Herrschaftsverhältnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische für die &amp;quot;jüngste Entwicklung des Kapitalismus&amp;quot;, das ist es, was aus der Bildung allmächtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol entsteht aus der Konzentration der Produktion. Die Monopolverbände, also die Kartelle, Syndikate und Trusts spielen im Wirtschaftsleben eine gewaltige Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die historische Entwicklung der Monopole hatte folgende große Ereignisse: 1. Die höchste Entwicklung der freien Konkurrenz um 1860/70 mit Ansätzen von Monopolen; 2. Die Entwicklung der Kartelle nach der Krise von 1873, die aber noch keinen dauerhaften Charakter haben; 3. Mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts, sowie die Krise von 1900 bis 1903 werden Kartelle/Monopolverbände zur Grundlage der gesamten Wirtschaftslebens und der Kapitalismus wird zum Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19 Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus der freien Konkurrenz führt notwendig zur Konzentration der Produktion und des Kapitals. Je schneller sich der Handel und der Kapitalismus entwickeln, desto stärker ist diese Konzentration. Den entstandenen Riesenbetrieben, die viel effizienter produzieren und über moderne Produktionsmethoden verfügen, fällt es leichter, die Konkurrenz auszuschalten. Die Konzentration selbst führt auf einer bestimmten Stufe, dicht an das Monopol heran. Es entsteht die Tendenz der Verwandlung der freien Konkurrenz in ihren direkten Gegensatz – das Monopol. Das Entstehen der Monopole aus der Konkurrenz, mit Hilfe des Bankkapitals, ist dabei eines der wichtigsten Merkmale des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. Die dem Kapitalismus immanenten Krisen, verstärken die Tendenz zur Konzentration und damit zur Monopolbildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber die Konzentration der Produktion ist viel stärker als die Konzentration der Arbeiter, denn die Arbeit ist in den Großbetrieben viel produktiver. Darauf weisen die Daten über Dampfmaschinen und elektrische Motoren hin. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 200}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen - wenn nicht die wichtigste - in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, und wir müssen daher ausführlicher darauf eingehen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ökonomisch ist das Grundlegende in diesem Prozeß (der Entwicklung des Imperialismus aus dem Kapitalismus – Anm. der Red.) die Ablösung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daß daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber je schneller die Entwicklung des Handels und des Kapitalismus vor sich geht, um so stärker ist doch die Konzentration der Produktion und des Kapitals, die das Monopol erzeugt. Und die Monopole sind ja schon entstanden, gerade aus der freien Konkurrenz!  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Krisen - jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein - verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, wodurch es zu einem gigantischen Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion und insbesondere der technischen Erfindungen und Verbesserungen kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung der Monopole, durch die Konkurrenz und die Konzentration der Produktion und des Kapitals, ist eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des Imperialismus. Lokale (wirtschafts-)politische Unterschiede der kapitalistischen Staaten, wie z.B. die Existenz von Schutzzöllen oder andere Besonderheiten, können die Monopolbildung beschleunigen aber sie nicht verhindern. Besonders schnell entstehen sie jedoch da, wo sich das Kapital der Rohstoffquellen ermächtigen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z. B. in bezug auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 203}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Noch ein Beispiel für das Wirtschaften der Kartelle. Dort, wo man auf alle oder die wichtigsten Rohstoffquellen die Hand legen kann, geht die Entstehung von Kartellen und die Bildung von Monopolen besonders leicht vonstatten. Es wäre jedoch falsch zu glauben, daß Monopole nicht  auch in anderen Industriezweigen entstehen, in denen es unmöglich ist, sich der Rohstoffquellen zu bemächtigen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211-212}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolpreis entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer Warenproduzenten auf den Monopolpreis übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Monopolpreis gewisser Waren würde nur einen Teil des Profits der andern Warenproduzenten auf die Waren mit dem Monopolpreis übertragen. Es fände indirekt eine örtliche Störung in der Verteilung des Mehrwerts unter die verschiednen Produktionssphären statt, die aber die Grenze dieses Mehrwerts selbst unverändert ließe. Ginge die Ware mit Monopolpreis in den notwendigen Konsum des Arbeiters ein, so würde sie den Arbeitslohn erhöhn und dadurch den Mehrwert vermindern, falls der Arbeiter nach wie vor den Wert seiner Arbeitskraft bezahlt erhielte. Sie könnte den Arbeitslohn unter den Wert der Arbeitskraft herabdrücken, aber dies nur, soweit jener über der Grenze seines physischen Minimums stände. In diesem Falle würde der Monopolpreis durch Abzug am realen Arbeitslohn (d. h. der Masse der Gebrauchswerte, die der Arbeiter durch dieselbe Masse Arbeit erhielte) und an dem Profit der andern Kapitalisten bezahlt. Die Grenzen, innerhalb deren der Monopolpreis die normale Regulierung der Warenpreise affizierte, wären fest bestimmt und genau berechenbar. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die sog. Kombination. Es kommt zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. Diese bilden dabei entweder aufeinanderfolgende Stufen oder spielen eine Hilfsrolle der Produktion. Dies gleicht Konjunkturunterschiede aus und erhöht dabei die Stetigkeit der Profitrate. Auch der Handel wird ausgeschaltet und die Möglichkeit zu Extraprofiten, durch technischen Fortschritt, geschaffen, sowie die Überlegenheit im Konkurrenzkampf während Krisen gestärkt. Die Kombination verstärkt den Prozess der Monopolisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Nicht in jedem Industriezweig gibt es Großbetriebe; und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z. B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug aufeinander eine Hilfsrolle (z. B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.). &lt;br /&gt;
  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;... die Kombination&amp;quot;, schreibt Hilferding, &amp;quot;gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem 'reinen'&amp;quot; (d.h. nicht kombinierten) &amp;quot;Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem 'reinen' im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression&amp;quot; (Geschäftsstockung, Krise), &amp;quot;wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.&amp;quot;   &lt;br /&gt;
 | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und fallende Profiten, was durch Schutzzölle noch verstärkt wird. Diesen Widerspruch lösen die Großindustriellen indem sie sich in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammentun. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt und eingehende Aufträge aufgeteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Seit Marx obiges schrieb, haben sich bekanntlich neue Formen des Industriebetriebs entwickelt, die die zweite und dritte Potenz der Aktiengesellschaft darstellen. Der täglich wachsenden Raschheit, womit auf allen großindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenüber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts für diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. Dazu die Schutzzollpolitik, wodurch jedes Industrieland sich gegen die andern und namentlich gegen England abschließt und die heimische Produktionsfähigkeit noch künstlich steigert. Die Folgen sind allgemeine chronische Überproduktion, gedrückte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die altgerühmte Freiheit der Konkurrenz ist am Ende ihres Lateins und muß ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen. Und zwar dadurch, daß in jedem Land die Großindustriellen eines bestimmten Zweigs sich zusammentun zu einem Kartell zur Regulierung der Produktion. Ein Ausschuß setzt das von jedem  Etablissement zu produzierende Quantum fest und verteilt in letzter Instanz die einlaufenden Aufträge. […] (Friedrich Engels) | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 453-454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Konzentration der Produktion und Monopole===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7344</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7344"/>
		<updated>2022-06-14T11:33:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Kapitalismus der freien Konkurrenz zwischen 1860 und 1870 seinen höchsten Entwicklungspunkt erreicht hatte, bildeten sich erste Ansätze von Monopolen heraus. Nach der Krise von 1873 entwickelten sich daraus erste Kartelle, die aber noch keinen dauerhaften Charakter hatten. Erst mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und der Krise von 1900 bis 1903 wurden Monopole und Monopolverbände zur Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals führt im Kapitalismus der freien Konkurrenz auf einer bestimmten Entwicklungsstufe dicht an das Monopol heran. Die aus der Konkurrenz hervorgegangenen Riesenbetriebe können viel effizienter produzieren und verfügen über bessere Produktionsmethoden, weshalb sie die Konkurrenz leichter ausschalten können. Sie vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. Das Entstehen der Monopole mit Hilfe des Bankkapitals ist eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral für die ökonomische Überlegenheit der Monopole ist, dass sie sich einen permanenten  Extraprofit - in Form des Monopolprofits - aneignen können. Dies gelingt ihnen, indem sie die freie Konkurrenz aushebeln und somit den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit behindern. Der Monopolprofit entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer, konkurrierender Warenproduzenten auf den Profit der Monopole übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten Teile der Arbeiterklasse zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die Kombination, bei welcher es zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen kommt, wodurch Konjunkturunterschiede ausgeglichen werden und eine höhere Profitrate erreicht wird. Durch die Kombination wird der Handel ausgeschaltet und es werden Extraprofite gesichert. Dadurch wird auch die Stellung im Konkurrenzkampf während wirtschaftlicher Krisen gestärkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und sinkenden Gewinnen. Mit dem technischen Fortschritt steigt der Anteil an Maschinen in der Produktion wodurch der tendenziellen Fall der Profitrate verstärkt wird. Um diesem Widerspruch entgegen zu wirken, aber auch um die Profite allgemein zu steigern, schließen sich die Großindustriellen in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammen. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt Preisabsprachen getroffen und Aufträge und Absatzmärkte aufgeteilt, Rohstoffquellen und Arbeitskräfte werden unter eigene Kontrolle gebracht und alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um Monopolprofite zu erzielen und die Konkurrenz auszuschalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krasseste Erscheingsform der Monopole ist die Finanzoligarchie, welche alle Institutionen von sich abhängig macht, insbesondere den Staat. Dieser ist durch die Industrie- und Fabrikgesetzte mit den Monopolen verflochten, und unterstützt die Herausbildung von Monopolen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus führt nah an eine allgemeine Vergesellschaftung der Produktion heran, gleichzeitig bleibt der Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel und auch die Aneignung der Profite privat. Obwohl die Monopole die freie Konkurrenz ausschalten besteht die Konkurrenz im Kampf um die Aneignung des Monopolprofits auch zwischen den Monopolen weiter. Darüber hinaus verschärft sich die Konkurrenz zwischen kartelliertem und nicht-kartelliertem Kapital. Dies verschärft Probleme, Konflikte und erzeugt einen permanent wachsenden antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung, dem Kapitalismus der freien Konkurrenz. Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis und bildet ein Herrschaftsverhältnis mit einem hohen Maß an Gewalt. Durch die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und die allgemeine Verschärfung der Widersprüche bildet das Monopol den Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrwert, Kapital, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Kreditwesen, Konkurrenz, organische Zusammensetzung, Akkumulation, Konzentration, Zentralisation, Monopolprofit, Extraprofit, durchschnittliche Mehrwertrate, Monopolverbände, Syndikate, Trusts, Kartelle, Kombination, Finanzoligarchie, Finanzkapital, Bankenwesen, Kostpreis, Produktionspreis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt vereinigt sich das Kapital zum Monopol, um die Gewinne zu steigern. In der Konkurrenz versucht der einzelne Kapitalist seinen eigenen Anteil auf jegliche zu vergrößern, auch wenn es die Gesamtsumme verringert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn jeder einzelne einer Klasse nie mehr haben könnte als einen gegebenen Anteil oder einen aliquoten Teil von Gewinn und Besitz des Ganzen, so würde er sich bereitwillig vereinigen, um die Gewinne hinaufzutreiben&amp;quot; (das tut er, sobald das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt): „das ist Monopol. Aber wo jeder einzelne denkt, daß er irgendwie die absolute Summe seines eigenen Anteils vergrößern könne, wenn auch durch ein Verfahren, das die Gesamtsumme verringert, wird er es oft tun: das ist Konkurrenz. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Monopole vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Kartelle und Trusts vereinigen vielfach sieben bis acht Zehntel der Gesamtproduktion des betreffenden Industriezweige in ihren Händen. Im Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat waren bei seiner Gründung im Jahre 1893 86,7% und im Jahre 1910 bereits 95,4% der gesamten Kohlenförderung des Gebiets konzentriert. Das auf diese Weise entstehende Monopol gewährleistet Riesengewinne und führt zur Bildung technischer Produktionseinheiten von unermeßlichem Umfang.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206-207}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher über dem Wert der Waren liegt, wodurch aber die durch den Wert der Waren gegebenen Grenzen nicht aufgehoben werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen Produktionssphären ein Hindernis an künstlichen oder natürlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daß ein Monopolpreis möglich würde, der über den Produktionspreis und über den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so würden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solange das industrielle Kapital das Monopol an der verbesserten Produktionsweise hat, kann das Kapital den Umschlag beschleunigen und einen höheren Profit erzielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden Umständen und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlägt, produziert es doppelt soviel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 325}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Bildung von Monopolen geht zwangsläufig ein gewaltvolles Herrschaftsverhältnis hervor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Herrschaftsverhältnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische für die &amp;quot;jüngste Entwicklung des Kapitalismus&amp;quot;, das ist es, was aus der Bildung allmächtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Monopol entsteht aus der Konzentration der Produktion. Die Monopolverbände, also die Kartelle, Syndikate und Trusts spielen im Wirtschaftsleben eine gewaltige Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Konzentration der Produktion und Monopole===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7343</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7343"/>
		<updated>2022-06-14T11:28:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Kapitalismus der freien Konkurrenz zwischen 1860 und 1870 seinen höchsten Entwicklungspunkt erreicht hatte, bildeten sich erste Ansätze von Monopolen heraus. Nach der Krise von 1873 entwickelten sich daraus erste Kartelle, die aber noch keinen dauerhaften Charakter hatten. Erst mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und der Krise von 1900 bis 1903 wurden Monopole und Monopolverbände zur Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals führt im Kapitalismus der freien Konkurrenz auf einer bestimmten Entwicklungsstufe dicht an das Monopol heran. Die aus der Konkurrenz hervorgegangenen Riesenbetriebe können viel effizienter produzieren und verfügen über bessere Produktionsmethoden, weshalb sie die Konkurrenz leichter ausschalten können. Sie vereinigen den Großteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen große Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. Das Entstehen der Monopole mit Hilfe des Bankkapitals ist eine der wichtigsten Gesetzmäßigkeiten des Imperialismus – des Monopolkapitalismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral für die ökonomische Überlegenheit der Monopole ist, dass sie sich einen permanenten  Extraprofit - in Form des Monopolprofits - aneignen können. Dies gelingt ihnen, indem sie die freie Konkurrenz aushebeln und somit den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit behindern. Der Monopolprofit entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer, konkurrierender Warenproduzenten auf den Profit der Monopole übertragen wird und dem Arbeiter ein zusätzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. Die Monopolprofite befähigen die Kapitalisten Teile der Arbeiterklasse zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die Kombination, bei welcher es zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen kommt, wodurch Konjunkturunterschiede ausgeglichen werden und eine höhere Profitrate erreicht wird. Durch die Kombination wird der Handel ausgeschaltet und es werden Extraprofite gesichert. Dadurch wird auch die Stellung im Konkurrenzkampf während wirtschaftlicher Krisen gestärkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der Großindustrie wächst diese schneller als die Märkte. Dies führt zu einer Überproduktion, sinkenden Preisen und sinkenden Gewinnen. Mit dem technischen Fortschritt steigt der Anteil an Maschinen in der Produktion wodurch der tendenziellen Fall der Profitrate verstärkt wird. Um diesem Widerspruch entgegen zu wirken, aber auch um die Profite allgemein zu steigern, schließen sich die Großindustriellen in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammen. Es werden Produktionskapazitäten festgelegt Preisabsprachen getroffen und Aufträge und Absatzmärkte aufgeteilt, Rohstoffquellen und Arbeitskräfte werden unter eigene Kontrolle gebracht und alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um Monopolprofite zu erzielen und die Konkurrenz auszuschalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die krasseste Erscheingsform der Monopole ist die Finanzoligarchie, welche alle Institutionen von sich abhängig macht, insbesondere den Staat. Dieser ist durch die Industrie- und Fabrikgesetzte mit den Monopolen verflochten, und unterstützt die Herausbildung von Monopolen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus führt nah an eine allgemeine Vergesellschaftung der Produktion heran, gleichzeitig bleibt der Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel und auch die Aneignung der Profite privat. Obwohl die Monopole die freie Konkurrenz ausschalten besteht die Konkurrenz im Kampf um die Aneignung des Monopolprofits auch zwischen den Monopolen weiter. Darüber hinaus verschärft sich die Konkurrenz zwischen kartelliertem und nicht-kartelliertem Kapital. Dies verschärft Probleme, Konflikte und erzeugt einen permanent wachsenden antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung, dem Kapitalismus der freien Konkurrenz. Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und Fäulnis und bildet ein Herrschaftsverhältnis mit einem hohen Maß an Gewalt. Durch die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und die allgemeine Verschärfung der Widersprüche bildet das Monopol den Übergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrwert, Kapital, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Kreditwesen, Konkurrenz, organische Zusammensetzung, Akkumulation, Konzentration, Zentralisation, Monopolprofit, Extraprofit, durchschnittliche Mehrwertrate, Monopolverbände, Syndikate, Trusts, Kartelle, Kombination, Finanzoligarchie, Finanzkapital, Bankenwesen, Kostpreis, Produktionspreis &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt vereinigt sich das Kapital zum Monopol, um die Gewinne zu steigern. In der Konkurrenz versucht der einzelne Kapitalist seinen eigenen Anteil auf jegliche zu vergrößern, auch wenn es die Gesamtsumme verringert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Konzentration der Produktion und Monopole===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7342</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7342"/>
		<updated>2022-06-14T11:26:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Konzentration der Produktion und Monopole===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7341</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7341"/>
		<updated>2022-06-14T06:13:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafür, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion – die zwar nach wie vor herrscht – durch Finanzgeschäfte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften / Spekulanten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor &amp;quot;herrscht&amp;quot; und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den &amp;quot;Genies&amp;quot; der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Erscheinungsform'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das über Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genügt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuüben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und führte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem „Beteiligungssystem“ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ökonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaßen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daß man mit nicht allzu großem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft über 50% des Kapitals zur Kontrolle genügt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die „Demokratisierung“ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische „Auch-Sozialdemokraten“ eine „Demokratisierung des Kapitals“, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und „erfahreneren“ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der größten Industriellen und „Finanzkönige“ Deutschlands, erklärte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die „Ein-Pfund-Aktie für die Grundlage des britischen Imperialismus“.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Finanzkapital ist also in der Regel über ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhängigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale Geschäfte und Investitionen zu verschleiern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne Geschäftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies führt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch Abstoßen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen Geschäft zurückzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber das „Beteiligungssystem“ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der „Muttergesellschaft“ für die „Tochtergesellschaft“ nichtverantwortlich, die als „selbständig“ gilt und vermittels derer sich alles „drehen“ läßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Die im] Aktienwesen ganz alltäglich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als „die Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringen“ zu verstehen] macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die für Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die früher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und Arbeitskräften voraussetzt, erhält hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Überkapitalisierung von Kapitalgesellschaften – also der Wertfestsetzung, die die tatsächliche Investitionsmenge übersteigt – gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsächlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz außen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen Geschäften.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angeführten Beispiele für das „Wirtschaften“ der amerikanischen Trusts: „Im Jahre 1887 gründete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6½ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, „verwässert“ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese „Überkapitalisation“ nahm die künftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust – ebenfalls in Amerika – künftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat führte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daß er für das siebenfach „verwässerte“ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei Gründung des Trusts tatsächlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit Grundstücken in schnell wachsenden Ballungsräumen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von Grundstücken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die führenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drückt sich bspw. dadurch aus, dass häufig Lokalpolitiker in den Aufsichtsräten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der Grundeigentümer für die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den Grundeigentümer zu entrichtende Preis für die Bodennutzung ist ohne rationellen Maßstab, da für die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable Geschäftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein für künftige Profite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschließend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen Geschäftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in Abhängigkeit vom Finanzkapital gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber „beteiligen sich“ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen „Sanierungen“ und „Reorganisationen“. Bei den „Sanierungen“ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird „das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei“, fügt Hilferding hinzu, „sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.“| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7340</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7340"/>
		<updated>2022-06-14T06:04:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch &amp;quot;Personalunion&amp;quot; der größten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den größten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre Abhängigkeit bringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem Emissionsgeschäft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die außerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Historische Rolle'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable Geschäfte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der „Verbindungen&amp;quot; zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der Länder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken führen Buch über alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloßer Übergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen Sphären das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.    | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7339</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7339"/>
		<updated>2022-06-14T05:57:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert.   | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt.  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […].  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7338</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7338"/>
		<updated>2022-06-14T05:54:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das verleihbare Kapital fließt der Bank aus Depositen,  Reservefonds, Revenuen und als unbeschäftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrückt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur Verfügung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken über kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann &amp;quot;unbeschäftigtes&amp;quot; Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Das verleihbare Kapital, worüber die Banken verfügen, fließt ihnen in mehrfacher Weise zu. Zunächst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hält oder das ihm als Zahlung zufließt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschränkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern würde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben überlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins für Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschäftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede für sich unfähig, als Geldkapital zu wirken, werden zu großen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. […] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmählich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert. &amp;quot;  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. Eigentümer des Kapitals gegenüber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenüber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder Zirkulationssphären sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz der besondren Sphären hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenüber in der Form, worin es noch gleichgültig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgültig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen Sphären, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den Produktionsbedürfnissen jeder besondren Sphäre. Es kommt hinzu, daß mit Entwicklung der großen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem Eigentümer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daß. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenübertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt. &amp;quot;  | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es findet nicht nur eine &amp;quot;Personalunion&amp;quot; über Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie führt zu Banken mit &amp;quot;universalem&amp;quot;, vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die größten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den größten Banken sowie führendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profitträchtige Geschäfte auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Die „Personalunion“ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der „Personalunion“ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: „Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können“... „Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung“. &amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer größere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein Hinüberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft „universalem Charakter“.[…] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz […]. &amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhängig von der politischen Struktur und beliebigen anderen „Details“. &amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder „gelinde&amp;quot; sagte, „an Korruption gemahnen&amp;quot;. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht „umgangen&amp;quot; werden können.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7337</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7337"/>
		<updated>2022-06-14T05:48:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7336</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7336"/>
		<updated>2022-06-14T05:48:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)]&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7335</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7335"/>
		<updated>2022-06-14T05:43:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Entwicklung'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründerperiode in Deutschland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden Gründerperiode in Deutschland. Im großen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur Verfügung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern große Monopole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die grundlegende und ursprüngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche Geldeinkünfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur Verfügung. In dem Maße, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lässt sich in verschiedene Grade der Abhängigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch über die bloße &amp;quot;Vermittlerrolle&amp;quot; hinaus zu einem Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Um die wichtigsten Fäden, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muß man „Beteiligungen“ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine Abhängigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. […] Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße „Vermittler“rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verändert sich die Rolle der Banken. Aus der bloßen Führung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen Gläubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten über die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann sich über die jeweilige Geschäftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden über die Höhe ihrer Einkünfte und die Möglichkeit über ihre Kapitalvermehrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.&amp;quot;  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7334</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7334"/>
		<updated>2022-06-14T05:36:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten über alle anderen Staaten einher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Länder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von Abhängigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der Länder verfügt dabei über den weitaus größten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind Hauptträger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenüber allen übrigen Ländern ausüben, die zu Schuldnern dieser Länder werden. Bei der Schaffung internationaler Abhängigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle „Macht“ besitzen.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Diese vier Länder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze übrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser Länder – der internationalen Bankiers, dieser vier „Säulen“ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muß auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der Abhängigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7333</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7333"/>
		<updated>2022-06-14T05:33:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Trennung vom Kapitaleigentümer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu.  Die Eigentümer des Kapitals leben als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung über alle anderen Formen des Kapitals und verfügt über nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den größten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der großen Unternehmen noch größer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschließlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der Verfügung über das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus überhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Übergewicht des Finanzkapitals über alle übrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„[D]ie [monopolistische Banken verfügen] fast über das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie über den größten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von Ländern […]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.“   | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer „Unternehmer&amp;quot; sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7332</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7332"/>
		<updated>2022-06-14T05:31:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;big&amp;gt;'''Wesen'''&amp;lt;/big&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in Verfügung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals führt zwangsläufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrie“, schreibt Hilferding, „gehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die Verfügung über das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenüber den Eigentümer vertritt. Anderseits muß die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer größerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.“ Das Finanzkapital ist also „Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen“. Diese Definition ist insofern unvollständig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nämlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daß die Konzentration zum Monopol führt und geführt hat. […] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer Industriellenverbände verschmolzen ist.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Großindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhängig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere Führungsstruktur. Diese konzentriert über enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfügt über den Großteil des gesamten Kapitals eines Landes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |&amp;quot;'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den großen Kreditansprüchen herantreten kann, ständig ein, so daß die Abhängigkeit der Großindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt.&amp;quot; […] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die Selbständigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich häufen und zu einer ständigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand &amp;quot;ansammelt&amp;quot;, sobald die Führung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollständiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollständigere Abhängigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt.“  | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |„Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine „Personalunion“ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7331</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7331"/>
		<updated>2022-06-14T05:27:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wesen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7330</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7330"/>
		<updated>2022-06-14T05:25:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzoligarchie, Monopole, Emission, Gründungsgewinn, Beteiligungen, Rentier &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollständig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals außen vor lässt. Gleichzeitig weist er die Ansicht bürgerlicher Wissenschaftler zurück, die aus kleinbürgerlicher Sicht die Auswüchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangsläufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In ähnlicher Weiße kritisiert er Kautsky als bürgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ökonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7329</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7329"/>
		<updated>2022-06-14T05:24:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Monopolbildung in der Industrie ändert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau über die jeweilige Geschäftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und über Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen Großbanken, die eine Vormachtstellung über alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer Großbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in Eigentümer und Anwender, die typisch für den Imperialismus ist, gewaltige Ausmaße erreicht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen Aufsichtsräten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwächst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschließlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhängig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus Gründungsgewinnen, aus dem Emissionsgeschäft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen Ländern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und überhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung über alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht über alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige Länder, die Masse der übrigen Länder fungiert als Schuldner gegenüber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der größten Monopole angepasst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7328</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7328"/>
		<updated>2022-06-14T05:22:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Die Banken und ihre neue Rolle */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7327</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7327"/>
		<updated>2022-06-14T05:21:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Finanzkapital und Finanzoligarchie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der Verfügung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte Kleinaktionäre haben wenig Einflussmöglichkeiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren Aktionären nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergrößern. Schließlich schützt die formale Selbstständigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter Geschäfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daß der Besitz von 40% der Aktien genügt, um die Kontrolle über eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten Kleinaktionäre hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die ‚Demokratisierung‘ des Aktienbesitzes, von der bürgerliche Sophisten und opportunistische ‚Auch-Sozialdemokraten‘ eine ‚Demokratisierung des Kapitals‘, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde läßt übrigens in den fortgeschritteneren oder älteren und ‚erfahreneren‘ kapitalistischen Ländern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Aber das ‚Beteiligungssystem‘ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht außerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen Geschäften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der ‚Muttergesellschaft‘ für die ‚Tochtergesellschaft‘ nichtverantwortlich, die als ‚selbständig‘ gilt und vermittels derer sich alles ‚drehen‘ läßt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch Abstoßen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurückzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung für diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltäglichen Bilanz-Equilibristik macht es verständlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-Aktionärs zu verhüllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, während der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trägt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}}&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen Händen zieht es kolossale Profite aus Gründungen, Emissionsgeschäften, Staatsanleihen etc.&lt;br /&gt;
Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. über Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen Händen konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus Gründungen, aus dem Emissionsgeschäft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, Großbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'.  Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nützlich: sie sind profitabel und verstärken die Abhängigkeit der Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Während zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groß sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die Großbanken aber ‚beteiligen sich‘ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen ‚Sanierungen‘ und ‚Reorganisationen‘. Bei den ‚Sanierungen‘ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird ‚das Aktienkapital herabgesetzt; das heißt, das Erträgnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein Erträgnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genügenden Ertrag abwirft. Nebenbei‘, fügt Hilferding hinzu, ‚sei bemerkt, daß diese Sanierungen und Reorganisationen für die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes Geschäft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in Abhängigkeit zu bringen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden.  Dementsprechend ist die Spekulation mit Grundstücken schnell wachsender Großstädte für das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der Grundstücke steigern können und  durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von Geschäften sind ein Einfallstor für staatliche Korruption. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit Grundstücken in der Umgebung schnell wachsender Großstädte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise für Grundstücke, die Möglichkeit, diese in Parzellen günstig zu verkaufen u.a.m., hängt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den Händen großer Gesellschaften, die durch das Beteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift ‚Die Bank‘, der den Terrainhandel, die Verpfändung von Grundstücken usw. speziell studierte, den ‚Sumpf‘ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit Vorortgrundstücken, Zusammenbrüche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau &amp;amp; Knauer, die ein Kapital von ungefähr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der ‚höchst soliden und großen‘ ‚Deutschen Bank‘, die natürlich nach dem ‚Beteiligungs‘system, d.h. insgeheim, hinterrücks, tätig war und sich nach Einbuße von ‚bloß‘ 12 Millionen Mark aus der Affäre zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrügerische Abmachungen mit der ‚ehrlichen‘ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemächtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7326</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7326"/>
		<updated>2022-06-14T05:19:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Die Banken und ihre neue Rolle */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende und ursprüngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die Geldeinkünfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmächtigen Monopolinhabern an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein Häuflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des Hinüberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb müssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es ist klar, daß eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders großer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits über die bloße ‚Vermittler‘rolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines Häufleins von Monopolisten verwandelt hat.&amp;lt;br/&amp;gt;Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;6 Berliner Großbanken hatten&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! Ständige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1895 || 16 || 14 || 1 || 42&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1900 || 21 || 40 || 8 || 80&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 1911 || 104 || 276 || 63 || 450&lt;br /&gt;
|}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von Schuldverhältnissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die ‚angegliederten‘ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die großen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern ‚gliedern‘ sie sich an, unterwerfen sie, schließen sie in ‚ihre‘ Gruppe, ihren ‚Konzern‘ – wie der technische Ausdruck lautet – ein durch ‚Beteiligung‘ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von Schuldverhältnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Großbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen über Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von Kanälen entsteht, die das ganze Land überziehen, sämtliche Kapitalien und Geldeinkünfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schließlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene ‚Dezentralisation‘, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bürgerlichen politischen Ökonomie unserer Tage in dem oben angeführten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daß zunehmend immer mehr früher verhältnismäßig ‚selbständige‘ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.&amp;lt;br/&amp;gt;In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus ändert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent für bestimmte Kapitalisten führt, übt scheinbar eine rein technische, eine bloße Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daß eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie – durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen – die Möglichkeit erhält, sich zunächst über die Geschäftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder Schmälerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schließlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer Einkünfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in großem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Banken entsteht der Form nach eine Buchführung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwächst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch Geldeinkünfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.&amp;lt;br/&amp;gt;Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des großen monopolistischen Kapitals angepasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Mit den Banken ist ‚die Form einer allgemeinen Buchführung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Form‘, schrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im ‚Kapital‘ (russ. Übersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angeführten Daten über das Wachstum des Bankkapitals, über die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der Großbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese ‚allgemeine Buchführung‘ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorübergehend, alle möglichen Geldeinkünfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine ‚allgemeine Verteilung der Produktionsmittel‘ – das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwächst, von denen drei bis sechs Großbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland über Milliarden und aber Milliarden verfügen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs ‚allgemein‘, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des großen in erster Linie des allergrößten, monopolistischen Kapitals angepaßt, das unter Verhältnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurückbleibt und die ‚Schwerindustrie‘ sich alle übrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und Aufsichtsräte statt, da ihre Geschäftskalkulationen zu denen der Industrie und schließlich der gesamten Gesellschaft werden. Dafür werden Staatsbeamte in Aufsichtsräte von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den größten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die Aufsichtsräte (oder die Vorstände) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ökonom Jeidels hat über diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. […]&amp;lt;br/&amp;gt; Die ‚Personalunion‘ der Banken mit der Industrie findet ihre Ergänzung in der ‚Personalunion‘ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: ‚Freiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewährt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen können‘ … ‚Im Aufsichtsrat einer Großbank sieht man gewöhnlich … ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung‘.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie – das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}}Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7325</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7325"/>
		<updated>2022-06-14T05:16:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7324</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7324"/>
		<updated>2022-06-14T05:16:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Der Platz des Imperialismus in der Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Monopolkapitalismus verschärft die Widersprüche in der geschichtlichen Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, während Privatwirtschaft und Privateigentum eine Hülle  der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die Fäulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings über eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der Produktivkräfte nicht ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, Fäulnis, Parasitismus, Wucherstaaten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der historische Platz des Imperialismus ist der Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir haben gesehen, daß der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwächst, bedeutet den Übergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.&amp;lt;br&amp;gt;Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die Monopolverbände der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen Ländern das völlige Übergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von Ländern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig später dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.&amp;lt;br&amp;gt;Zweitens: Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des Großkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschärft.&amp;lt;br&amp;gt;Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine ‚Personalunion‘ hergestellt und in ihrer Hand die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von Abhängigkeitsverhältnissen über ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bürgerlichen Gesellschaft spannt – das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle Widersprüche des Kapitalismus verschärft hat, ist allgemein bekannt. Es genügt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Imperialismus als vergesellschafteter Übergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollständiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse beibehält, was unvermeidlich in Fäulnis übergehen muss. Diese Fäulnistendenz schließt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden.&lt;br /&gt;
Deswegen sprechen wir vom Übergangskapitalismus. Privateigentumsverhältnisse bilden eine Hülle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in Fäulnis übergehen, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird.&amp;lt;br/&amp;gt;Aber diese Hülle kann sich lange in Fäulniszustand halten.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Hülle (= Privateigentumsverhältnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz Fäulnistendenzen nicht ausgeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus allem, was über das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daß er charakterisiert werden muß als Übergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschlußreich ist in dieser Hinsicht, daß die Schlagworte der bürgerlichen Ökonomen, die den jüngsten Kapitalismus beschreiben, ‚Verflechtung‘, ‚Fehlen der Isoliertheit‘ usw. heißen; die Banken seien ‚Unternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der Sphäre der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsen‘. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklärt mit todernster Miene, daß sich die ‚Voraussage‘ der Marxisten über die ‚Vergesellschaftung‘ ‚nicht verwirklicht‘ habe!|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] – dann wird es offensichtlich, daß wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloßen ‚Verflechtung‘; daß privatwirtschaftliche und Privateigentumsverhältnisse eine Hülle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in Fäulnis übergehen muß, wenn ihre Beseitigung künstlich verzögert wird, eine Hülle, die sich zwar verhältnismäßig lange in diesem Fäulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen Geschwür auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer größeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mächtige Nationen – all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitären oder in Fäulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des ‚Rentnerstaates‘, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem Maße von Kapitalexport und ‚Kuponschneiden‘ lebt. Es wäre ein Fehler, zu glauben, daß diese Fäulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschließt; […].|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7323</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7323"/>
		<updated>2022-06-14T05:14:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus von bürgerlichen Kräften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudämmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschränkt, was einer der Gründe für die Entstehung einer kleinbürgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der Verschärfung der inner-imperialistischen Widersprüche nicht der Fall. Außerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhält der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opportunismus, Ultraimperialismus, Ungleichmäßige Entwicklung, Annexion, Unabhängigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unzulänglichkeiten einer bürgerlichen &amp;quot;Kritik&amp;quot; des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Kritik&amp;quot; am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, während nebensächliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste ‚Reform‘projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kernfragen der Kritik des Imperialismus: Vorwärts zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten Widersprüche oder rückwärts zu deren Abstumpfung?&amp;lt;br/&amp;gt;Die kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.&amp;lt;br/&amp;gt;Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Fragen, ob eine Änderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwärts gehen solle, zur weiteren Verschärfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten Widersprüche, oder rückwärts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen Ländern eine kleinbürgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daß Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbürgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionären Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital denkbar sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautsky: ‚… ob es nicht möglich sei, daß die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrängt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbündete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genügenden Voraussetzungen.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militärische und finanzielle Stärke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ökonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verändert sich das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, Widersprüche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme ‚denkbar‘, daß beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche Bündnisse {ultraimperialistische Bündnisse} nicht kurzlebig wären, daß sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschließen würden?&amp;lt;br/&amp;gt;Es genügt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist für die Aufteilung der Interessen- und Einflußsphären, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die Stärke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militärische und sonstige Stärke, nicht denkbar. Die Stärke der Beteiligten aber ändert sich ungleichmäßig, denn eine gleichmäßige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und Länder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klägliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu Rußland. Ist die Annahme ‚denkbar‘, daß das Kräfteverhältnis zwischen den imperialistischen Mächten nach zehn, zwanzig Jahren unverändert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrückten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen Ländern eine Verschärfung der ökonomischen Widersprüche und damit eine Verschärfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den Unterdrückten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten Verhältnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Übergang dieser Länder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bürgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen Ländern bereits vor langer Zeit erreichten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.&amp;lt;br/&amp;gt;Imperialismus führt zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und zur Verschärfung des Widerstands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Insbesondere verschärfen sich auch die nationale Unterdrückung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen Unabhängigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der Verschärfung der nationalen Unterdrückung hervor. ‚In den neu erschlossenen Ländern selbst aber‘ schreibt er, ‚steigert der importierte Kapitalismus die Gegensätze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem Bewußtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefährlichen Maßnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen Verhältnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjährige Gebundenheit der ‚geschichtslosen Nationen‘ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmählich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europäischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese Unabhängigkeitsbewegung bedroht das europäische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.‘&amp;lt;br/&amp;gt;Es muß hinzugefügt werden, daß der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten Ländern zu Annexionen, zur Verstärkung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verschärfung des Widerstands führt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der großen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. &lt;br /&gt;
Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite für eine Handvoll der reichsten Länder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nährt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der großen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verbürgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. Gewerkschaftsführungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten geführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, ‚… daß das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaßen gerechtfertigt.‘ (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert später, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, ‚welche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten führen zu lassen‘. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: ‚Sie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik überhaupt denken … Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.‘ (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Dadurch, daß die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorübergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle übrigen hinüberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschärften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstärkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frühesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische Züge der Entwicklung bedeutend früher als in anderen Ländern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7322</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7322"/>
		<updated>2022-06-14T05:12:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollständig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitärer Aneignung. Zunehmende Migration von rückständigen Ländern in imperialistische Länder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parasitismus, Parasitäre Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herausbildung der Schicht der „Rentner“: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der &amp;quot;Kuponschneider&amp;quot;, d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können &amp;quot;Kuponschneiderstaaten&amp;quot; werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitär durch die Ausbeutung anderer Länder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Daraus ergibt sich das außergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom ‚Kuponschneiden‘ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der Müßiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstärkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drückt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger überseeischer Länder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitären Formen der Aneignung entspringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im ‚handelstüchtigsten‘ Lande der Welt fünfmal so groß wie die Einnahmen aus dem Außenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Der Begriff ‚Rentnerstaat‘ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur über den Imperialismus allgemein gebräuchlich. Die Welt ist in ein Häuflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tendenz der Migration aus rückständigen Ländern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist außerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rückständigeren Ländern in entwickeltere Länder mit höheren Arbeitslöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknüpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen Ländern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Übersiedlung) in diese Länder aus rückständigeren Ländern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begründet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine Abhängigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.&amp;lt;br/&amp;gt;Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einerseits die gigantischen Ausmaße des in wenigen Händen konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein außergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschärfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft über andere Länder – all dies führt zum geschlossenen Übergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. ‚Allgemeine‘ Begeisterung für seine Perspektiven, wütende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise – das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die Führer der heutigen sogenannten ‚sozialdemokratischen‘ Partei Deutschlands mit Recht ‚Sozialimperialisten‘ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von ‚Fabier-Imperialisten‘ festgestellt, die der opportunistischen ‚Gesellschaft der Fabier‘ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7321</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7321"/>
		<updated>2022-06-14T05:11:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Charakteristisch für den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige Länder in Abhängigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschärft die Widersprüche im Imperialismus, und seine Aggressivität ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begründen. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ökonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und Fäulnis kommen, da Monopole Preise künstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorübergehend aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finanzkapital, Annexion, Fäulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Besonderheit des Imperialismus als jüngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion ländlicher Gebiete für die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.&amp;lt;br/&amp;gt;Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die Schwächung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen – darauf läuft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollständig, denn politisch ist Imperialismus überhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschäftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. Für den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daß in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger Schwächung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine äußerste Verschärfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. Für den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands Gelüste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, und zweitens ist für den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger Großmächte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von Ländern, nicht so sehr direkt für sich als vielmehr zur Schwächung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (für Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als Stützpunkt gegen England; für England Bagdad als Stützpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht.&lt;br /&gt;
Angeblich ist eine andere, bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.&amp;lt;br/&amp;gt;Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttätigen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen Großmächte ist, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des Kapitalismus, anstatt einer Enthüllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bürgerlicher Reformismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als Begründung für ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon später noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nämlich ob das jüngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will – darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daß Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ökonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital ‚bevorzugten‘ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bürgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wären mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttätigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage für die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen Großstaaten bildet, vereinbar wäre mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten Widersprüche des jüngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer Enthüllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bürgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die Widersprüche in der Welt nicht abschwächt, sondern verschärft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nährt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die Mühle der Apologeten des Imperialismus leitet, daß die Herrschaft des Finanzkapitals die Ungleichmäßigkeiten und die Widersprüche innerhalb der Weltwirtschaft abschwäche, während sie in Wirklichkeit diese verstärkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der Einführung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und Fäulnis ist dem Monopol eigen.&lt;br /&gt;
Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten.&amp;lt;br/&amp;gt;Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Maße, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorübergehend, eingeführt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur Vorwärtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt künstlich aufzuhalten. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Gewiß kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist übrigens einer der Gründe, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begünstigt natürlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und Fäulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen Ländern für gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7320</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7320"/>
		<updated>2022-06-14T05:09:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Großmächten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die Kämpfe werden nun verschärft um die Neuaufteilung der Welt geführt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhängige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Übergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen Abhängigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die Großmächte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Übergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknüpft mit der Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daß der Übergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer Verschärfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknüpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unterwerfung unabhängiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer Länder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhängige Staaten zu unterwerfen. Die größten Vorteile für das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhängiger Staaten durch Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit. Neben vollständig unterworfenen Staaten existieren dabei als &amp;quot;Mittelding&amp;quot; halbkoloniale Länder mit Übergangsstadien politischer Unabhängigkeit. Diese sind formal unabhängig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer Zusammenhänge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhängig vom imperialistischen Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daß es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsächlich auch unterwirft, die volle politische Unabhängigkeit genießen; wir werden sogleich Beispiele dafür sehen. Aber selbstverständlich bietet dem Finanzkapital die meisten ‚Annehmlichkeiten‘ und die größten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen Unabhängigkeit der Länder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen Länder sind in dieser Beziehung als ‚Mittelding‘ typisch. Der Kampf um diese halbabhängigen Länder mußte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die übrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig beschränken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklärt. Eine solche Kritik ist zwangsläufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die Monopolverbände in ihrer weltweiten Konkurrenz.&amp;lt;br/&amp;gt;Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände.&lt;br /&gt;
Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.&amp;lt;br/&amp;gt;Kolonialbesitz bietet volle Gewähr über den Erfolg der Monopole.&amp;lt;br/&amp;gt;Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprägt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jüngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber ‚allgemeine‘ Betrachtungen über den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere Banalitäten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des ‚größeren Rom mit dem größeren Britannien‘. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der früheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. &amp;lt;br/&amp;gt;Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der Monopolverbände der Großunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaßt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen Kapitalistenverbände bemüht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemüht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle Gewähr für den Erfolg der Monopole gegenüber allen Zufälligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten – bis zu einer solchen Zufälligkeit einschließlich, daß der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz über ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stärker fühlbar der Rohstoffmangel, je schärfer ausgeprägt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik  erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit – das Monopol – außer Acht. Der freie Markt rückt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.&amp;lt;br/&amp;gt;Eine Hebung der Landwirtschaft würde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wäre aber eine Erhöhung der Löhne.&amp;lt;br/&amp;gt; Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, sind Phantasie süßlicher Reformer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Natürlich versuchen bürgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwächen, daß man Rohstoffe ohne die ‚kostspielige und gefährliche‘ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten ‚könne‘, daß man das Angebot an Rohstoffen durch ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft überhaupt gewaltig steigern ‚könne‘. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der Außerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rückt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die ‚einfache‘ Hebung der Landwirtschaft aber läuft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, außer in der Phantasie süßlicher Reformer, Trusts, die fähig wären, sich um die Lage der Massen zu kümmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen Abhängigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit Ländern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die Abhängigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen Souveränität der eigentlich abhängigen Länder.&amp;lt;br/&amp;gt;Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhängigen Länder, die politisch, formal selbständig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb muss man − ohne zu vergessen, dass alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann − eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Deshalb muß man – ohne zu vergessen, daß alle Definitionen überhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen Zusammenhänge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann – eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fünf seiner grundlegenden Merkmale enthalten würde:&amp;lt;br/&amp;gt;1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses ‚Finanzkapitals‘; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische Kapitalistenverbände, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die größten kapitalistischen Länder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7319</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7319"/>
		<updated>2022-06-14T05:07:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7318</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7318"/>
		<updated>2022-06-14T05:07:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalistenverbände bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen Zusammenschlüsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. Während bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbstständig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische Formänderung zu einem Kartell zusammenschließen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle, Syndikate, Trusts, Kapitalistenverbände, Monopolverbände, Ungleichmäßige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Binnenmarkt hängt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. &lt;br /&gt;
Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und führt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Monopolverbände der Kapitalisten – die Kartelle, Syndikate und Trusts – teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollständig an sich reißen. Aber der Binnenmarkt hängt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem Außenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat längst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem Maße, wie der Kapitalexport wuchs und die ausländischen und kolonialen Verbindungen und ‚Einflußsphären‘ der riesigen Monopolverbände sich in jeder Weise erweiterten, kam es ‚natürlicherweise‘ unter ihnen zu Abmachungen im Weltmaßstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mächtige Trusts schließt Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, Zusammenbrüchen etc. sich ändert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der über ein Kapital von mehreren Milliarden verfügt und seine ‚Niederlassungen‘, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mächtige Trusts schließt natürlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das Kräfteverhältnis – infolge der ungleichmäßigen Entwicklung, von Kriegen, Zusammenbrüchen usw. – sich ändert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bürgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.&amp;lt;br/&amp;gt;Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Form des Kampfes kann sich ändern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.&amp;lt;br/&amp;gt;Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht – nach Kapital – vorgenommen.&amp;lt;br/&amp;gt;Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.&amp;lt;br/&amp;gt;Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder außerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensächliche Frage. Es ändert nichts an der grundlegenden Anschauung über die jüngste Epoche des Kapitalismus.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heißt zum Sophismus abzugleiten.&amp;lt;br/&amp;gt;Unter den Kapitalistenverbänden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Manche bürgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daß die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprägten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den Kapitalistenverbänden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt beständig aus verschiedenen, verhältnismäßig untergeordneten und zeitweiligen Gründen, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht ändern, solange es Klassen gibt. Selbstverständlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen übergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natürlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ‚nach dem Kapital‘, ‚nach der Macht‘ vorgenommen – eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muß man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun ‚rein‘ ökonomischer Natur oder außerökonomischer (z.B. militärischer) Art sind, ist eine nebensächliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen über die jüngste Epoche des Kapitalismus nichts zu ändern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den Kapitalistenverbänden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, übermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heißt zum Sophisten herabsinken. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Epoche des jüngsten Kapitalismus zeigt uns, daß sich unter den Kapitalistenverbänden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daß sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen Verbänden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, ‚des Kampfes um das Wirtschaftsgebiet‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter Länder durch die kapitalistischen Länder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.&amp;lt;br/&amp;gt;Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit dem Finanzkapital.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |In dem Sinne, daß die Kolonialpolitik der kapitalistischen Länder die Besitzergreifung unbesetzter Länder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daß in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Übergang von einem ‚Besitzer‘ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.&amp;lt;br/&amp;gt;Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknüpft ist mit ‚der jüngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismus‘, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7317</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7317"/>
		<updated>2022-06-14T05:05:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Der Kapitalexport */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7316</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7316"/>
		<updated>2022-06-14T05:05:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Der Kapitalexport */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rückständige Länder. Dies ist möglich, weil in den rückständigen Ländern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig günstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rückständiger Länder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen Ländern der Kapitalismus &amp;quot;überreif&amp;quot; geworden ist und dem Kapital ein Spielraum für rentable Betätigung fehlt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warenexport, Kapitalexport, Kapitalüberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Enstehung von Kapitalüberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, für den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. Für den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entstehen in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus Monopolverbände. &lt;br /&gt;
Außerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, deren Kapital gewaltige Ausmaße annimmt.&lt;br /&gt;
Es kommt zu einem extremen Kapitalüberschuss in den fortgeschrittenen Ländern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens Monopolverbände der Kapitalisten in allen Ländern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen überaus reichen Länder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige Ausmaße erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer ‚Kapitalüberschuß‘ in den fortgeschrittenen Ländern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der Kapitalüberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen Ländern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser Kapitalüberschuss kann nicht, wie einige bürgerliche Ökonomen meinen, für die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten würde. Das überschüssige Kapital muss für die weitere Verwertung in Länder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe günstig sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Rückständige Länder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aber dann wäre der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der Kapitalüberschuß nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet – denn das würde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten –, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rückständige Länder. In diesen rückständigen Ländern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhältnismäßig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rückständiger Länder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen Ländern der Kapitalismus ‚überreif‘ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum für ‚rentable‘ Betätigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Abhängigkeit durch Kreditvergabe. Dafür werden Anleihen für den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal für eine spätere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.&amp;lt;br/&amp;gt;Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber überall Träger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der ‚Verbindungen‘ zum Zweck eines profitablen Geschäftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daß ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders großen Unternehmungen sind dabei derart, daß sie, wie Schilder ‚gelinde‘ sagte ‚an Korruption gemahnen‘. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England – das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim Abschluß von Anleihen nicht so leicht ‚umgangen‘ werden können.| (Lenin, W.I., [http://www.red-channel.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22], S. 248)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstäblichen Sinne des Wortes seine Netze über alle Länder der Welt aus. Eine große Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegründeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im übertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden Länder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital führt zur direkten Aufteilung der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die kapitalexportierenden Länder haben, im übertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital führte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7315</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7315"/>
		<updated>2022-06-14T05:03:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Alte Grundannahmen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Banken und ihre neue Rolle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Finanzkapital und Finanzoligarchie===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7314</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7314"/>
		<updated>2022-06-14T05:02:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Konzentration der Produktion und Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |[…] und anderseits ist eine äußerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter Umständen auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von Abfällen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 3'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenüber dem „reinen“ Werk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |‚… die Kombination‘, schreibt Hilferding, ‚gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher für das kombinierte Werk eine größere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenüber dem ‚reinen‘‘ (d.h. nicht kombinierten) ‚Werk. Viertens stärkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenüber dem ‚reinen‘ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression‘ (Geschäftsstockung, Krise), ‚wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hält mit der Senkung der Fabrikatspreise.‘| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 4'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen.&lt;br /&gt;
Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.&amp;lt;br/&amp;gt;Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein ‚Kapital‘ schrieb, erschien der überwiegenden Mehrheit der Ökonomen die freie Konkurrenz als ein ‚Naturgesetz‘. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daß die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol führt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ökonomen schreiben Berge von Büchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkünden nach wie vor einstimmig, daß der ‚Marxismus widerlegt‘ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnäckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muß ihnen wohl oder übel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daß die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen Ländern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloß unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, während die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion überhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 5'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Für Europa läßt sich die Zeit der endgültigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 6'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, äußerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche Ansätze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorübergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 7'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus führt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die übrige Bevölkerung verstärkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Darauf schloß 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem Großbetrieb. So entstanden zwei ‚Dreiverbände‘ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen ‚Verbänden‘ hat bereits eine ‚Annäherung‘ in Form von ‚Verträgen‘ über Preise usw. begonnen. &amp;lt;br/&amp;gt;Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der Prozeß der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daß man einen ungefähren Überschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von Ländern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Überschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen Monopolverbände bemächtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annähernde Berechnung der Größe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese Verbände ‚aufgeteilt‘ wird. Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemächtigt sich der Verkehrswege und -mittel – der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet.&amp;lt;br/&amp;gt;Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 8'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite  den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurückzukehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ‚herrscht‘ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ‚Genies‘ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ‚auf dieser Grundlage‘ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ‚freien‘ [!] ‚friedlichen‘, ‚ehrlichen‘ Konkurrenz träumt.|  Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 9'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschärft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.&amp;lt;br/&amp;gt;Krisen, insbesondere ökonomische, verstärken im hohen Maß die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. […]&amp;lt;br/&amp;gt;Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Banken und ihre neue Rolle==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital und Finanzoligarchie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Kapitalistenverbände==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7313</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7313"/>
		<updated>2022-06-14T04:49:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Konzentration der Produktion und Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
==Konzentration der Produktion und Monopole==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Kurzdefinition'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
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'''Einordnung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und führt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ökonomik des modernen Kapitalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Einige zehntausend Großbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. […] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Übergewicht eines Häufleins von Großbetrieben noch erdrückender, und zwar im buchstäblichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil großer ‚Unternehmer‘ sind in Wirklichkeit von einigen hundert Millionären der Hochfinanz völlig unterjocht. […] Fast die Hälfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den Händen eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daß die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranführt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fällt es leicht, sich untereinander zu verständigen, während anderseits gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen – wenn nicht die wichtigste – in der Ökonomik des modernen Kapitalismus, […].| (Lenin, W.I., [http://www.red-channel.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22], S. 201-202)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Banken und ihre neue Rolle==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Finanzkapital und Finanzoligarchie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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==Die Aufteilung der Welt unter die Großmächte==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7312</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
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		<updated>2022-06-14T04:48:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Konzentration der Produktion und Monopole */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer größer werdenden Betriebe; das Enstehen von Großbetrieben. Gerade durch das Riesenausmaß der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz'').&lt;br /&gt;
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'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, Verbände, Monopolverbände, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen&lt;br /&gt;
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Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt.&lt;br /&gt;
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==Der Kapitalexport==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
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==Parasitismus und Fäulnis des Kapitalismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen ==&lt;br /&gt;
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[[Kategorie: Grundannahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
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	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Der_imperialistische_Kapitalismus&amp;diff=7310</id>
		<title>Der imperialistische Kapitalismus</title>
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		<updated>2022-06-13T18:23:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: Leere Seite erstellt&lt;/p&gt;
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		<author><name>Adam</name></author>
		
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		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Lenin:_Die_Sowjetmacht_und_die_Lage_der_Frau&amp;diff=7309</id>
		<title>Lenin: Die Sowjetmacht und die Lage der Frau</title>
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		<updated>2022-06-13T18:17:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;zurück zu [[AG Sozialismus]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Text „Die Sowjetmacht und die Lage der Frau“ ist ein Artikel von Lenin, der am 6. November 1919 in der Prawda erschienen ist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Sozialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Einordnung der Literatur ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Einordnung der Literatur AG Sozialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
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		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Dialektischer_Materialismus&amp;diff=7304</id>
		<title>Dialektischer Materialismus</title>
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		<updated>2022-06-09T20:50:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dialektik, Materialismus, Bewegungsgesetze, Notwendigkeit, Einheit der Welt, Erkennen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begriffe sind, materialistisch gesehen, die Abbilder der wirklichen Dinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dialektik ist die Wissenschaft von den allgemeinen Gesetzen der Bewegung, sowohl&lt;br /&gt;
der äußern Welt, wie des menschlichen Denkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesetze der äußern Welt (Natur) und des Denkens sind der Sache nach identisch, ihrem Ausdruck nach verschieden, weil der Mensch diese Gesetze mit Bewusstsein anwenden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Gesetze setzen sich sowohl in der Natur, als auch großenteils in der&lt;br /&gt;
Menschengeschichte mit ‚äußern Notwendigkeit‘ durch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erkennen, die Formulierung und Anwendung der Dialektik (Begriffsdialektik) ist der bewusste Reflex der dialektischen Bewegung der Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Wir faßten die Begriffe unseres Kopfs wieder materialistisch als die Abbilder der wirklichen Dinge, statt die wirklichen Dinge als Abbilder dieser oder jener Stufe des absoluten Begriffs. Damit reduzierte sich die Dialektik auf die Wissenschaft von den allgemeinen Gesetzen der Bewegung, sowohl der äußern Welt wie des menschlichen Denkens - zwei Reihen von Gesetzen, die der Sache nach identisch sind, dem Ausdruck nach aber insofern verschieden sind, als der menschliche Kopf sie mit Bewusstsein anwenden kann, während sie in der Natur und bis jetzt auch großenteils in der Menschengeschichte sich in unbewußter Weise, in der Form der äußern Notwendigkeit, inmitten einer endlosen Reihe scheinbarer Zufälligkeiten durchsetzen. Damit aber wurde die Begriffsdialektik selbst nur der bewußte Reflex der dialektischen Bewegung der wirklichen Welt, und damit wurde die Hegelsche Dialektik auf den Kopf, oder vielmehr vom Kopf, auf dem sie stand, wieder auf die Füße gestellt. Und diese materialistische Dialektik, die seit Jahren unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe war, wurde merkwürdigerweise nicht nur von uns, sondern ausßerdem noch, unabhängig von uns und selbst von Hegel, wieder entdeckt von einem deutschen Arbeiter, Josef Dietzgen.| (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW Band 21, S.292/293)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen AG Dialektischer Materialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Wie_stellen_Medien_usw._das_Verhalten_der_BRD_dar%3F&amp;diff=7303</id>
		<title>Wie stellen Medien usw. das Verhalten der BRD dar?</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Wie_stellen_Medien_usw._das_Verhalten_der_BRD_dar%3F&amp;diff=7303"/>
		<updated>2022-05-20T07:36:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Einführung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[AG Deutscher Imperialismus|zurück zur AG Deutscher Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einführung==&lt;br /&gt;
Wenn die bürgerliche Geschichtsschreibung von so etwas wie deutschem Imperialismus redet, dann historisch und niemals auf die heutige BRD bezogen. Die heutige BRD engagiert sich für Frieden und Freiheit in der Welt. Sie führt keinen Kriege, sondern beteiligt sich an Friedensmissionen, hilft eine Region zu stabilisieren und fördert die Rechte der Frauen. Und Verpflichtungen innerhalb der NATO müssen nun mal erfüllt werden. Man muss ja schließlich „Verantwortung übernehmen“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles wird getan um deutsche Interesse zu verteidigen, das heißt Interessen des deutschen Kapitals, die im Gegensatz zu den Interessen der deutschen Bevölkerung stehen, aber letzteres verschweigt man lieber. Der Imperialismus versteht es, sich eine ideologische und moralische Rechtfertigungen für seine Aggressionen zu schmieden. In unseren Grundannahme stellen wir fest, dass, der deutsche Imperialismus im starken Konkurrenzkampf zu anderen imperialistischen Ländern steht und diese Auseinandersetzungen notwendig zu Krieg führen müssen. Wenn wir die Bevölkerung erfolgreich gegen Krieg und Imperialismus agitieren wollen, müssen wir die Argumentationsmuster mit denen der deutsche Imperialismus seine Aggression und Herrschaft rechtfertigt analysieren und entlarven. Dazu ist die bürgerliche Propaganda zur Rechtfertigung des Imperialismus sowohl in Medien und auch in den Schulen genausten zu untersuchen. Nicht nur auf die aktuelle Situation bezogen sondern auch im historischen Kontext. Wie kann am besten dagegen argumentiert werden? Welche Beispiele und Fakten entlarven den deutschen Imperialismus am effektivsten? All das wird im Laufe des Klärungsprozesses zu behandeln sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mitmachen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den nächsten Monaten wollen wir uns an die systematische Beantwortung der Fragen machen - dabei kannst du mitmachen:&lt;br /&gt;
* Diskutier mit &lt;br /&gt;
** Du hast andere Erkenntnisse, Positionen zu bestimmten Fragen?&lt;br /&gt;
** Du hast selbst offene Fragen zum Thema?&lt;br /&gt;
* Einzelne Arbeitsaufträge übernehmen - in Theoriearbeit oder in praktischer Umsetzung&lt;br /&gt;
* Dauerhaft mitarbeiten in der AG&lt;br /&gt;
Wenn das interessant klingt oder dir noch andere Möglichkeiten einfallen, dich zu beteiligen, melde dich bei uns: [mailto:ag_imperialismus@kommunistische.org ag_imperialismus@kommunistische.org]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Deutscher Imperialismus]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Offene Frage]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Mao_Tse-tungs_Dialektikverst%C3%A4ndnis&amp;diff=7195</id>
		<title>Mao Tse-tungs Dialektikverständnis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Mao_Tse-tungs_Dialektikverst%C3%A4ndnis&amp;diff=7195"/>
		<updated>2020-12-09T08:20:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überblick ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mao Tse-tung formulierte über einen längeren Zeitraum  (zirka Dreißiger bis Fünfziger des Zwanzigsten Jahrhunderts) in mehreren Schriften und Vorträgen Thesen zum dialektischen Materialismus. In seinen Überlegungen legte er besonderes Gewicht auf die Auseinandersetzung mit dem „Gesetz des Widerspruchs“, das seiner Ansicht nach das „fundamentalste Gesetz der materialistischen Dialektik“ sei. Darauf aufbauend, formulierte er weitergehende Thesen, z.B. die Thesen zu Haupt- und Nebenwidersprüchen oder sein Verständnis vom Charakter von antagonistischen Widersprüchen. Die Thesen von Mao Tse-tung waren nicht eine rein wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung, sondern hatten politisch-praktischen Charakter. Aus den allgemeinen Formulierungen zu Fragen der Dialektik leiteten er und seine Anhänger bedeutende Schlussfolgerungen ab, z.B. in der Bündnispolitik der KPCh, in der Frage des Parteiaufbaus und des Aufbaus des Sozialismus. Daraus ergeben sich bis heute viele Fragen bezüglich der richtigen Anwendung des dialektischen Materialismus auf gesellschaftspolitischem Terrain. &lt;br /&gt;
Im Folgenden wollen wir nur skizzenhaft die Thesen Mao Tse-tungs darlegen, um dann sowohl seine Kritiker, als auch seine Verteidiger wiederum fast nur stichwortartig zu Wort kommen zu lassen. Es ist klar, dass wir an dieser Stelle nicht die Arbeit leisten können, die erst im Klärungsprozess geleistet werden soll, das heißt eine genaue und fundierte Darlegung des Dissenses abzuliefern und selbst zu beurteilen. Vielmehr sind wir an dieser Stelle bestrebt, die Arbeitsgrundlage für diejenigen zu schaffen, die sich dieser Aufgabe annehmen wollen - ganz unabhängig von ihrer heutigen Positionierung bezüglich des hier vorgestellten Dissenses - und ihren Beitrag zur Klärung der Frage leisten möchten, ob Mao Tse-tungs Beiträge zur Wissenschaftstheorie die kommunistische Bewegung weitergebracht oder eher vom revolutionären, sozialistischen Weg abgebracht haben. Wenn es also dem interessierten Lesenden jetzt schon auffällt, dass Lücken in der Darstellung und / oder der Quellen vorhanden sind, dann bitten wir sie / ihn zur Ergänzung der hier gemachten Ausführungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Mao Tse-tungs Thesen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der ersten Thesen lautet, dass das „Gesetz des Widerspruchs, der den Dingen innewohnt, oder das Gesetz der Einheit und  der Gegensätze,“ das „fundamentalste Gesetz der materialistischen Dialektik“ ist (Mao Tse-tung, „Über den Widerspruch“, Ausgewählte Werke, Beijing 1968, Band 1, S. 365). Dabei bezieht sich Mao Tse-tung vor allem auf Ausführungen Lenins. Es kommen folgende Aussagen hinzu: „Die Grundursache der Entwicklung eines Dings liegt nicht außerhalb, sondern innerhalb desselben; sie liegt in seiner inneren Widersprüchlichkeit.“ (Ebenda, S.367) Über die Allgemeinheit und Besonderheit des Widerspruchs sagt Mao Tse-tung, dass ersteres dadurch gekennzeichnet ist, dass Widersprüche in den „Entwicklungsprozessen aller Dinge“ existieren und dass „im Entwicklungsprozess jedes Dings die Bewegung der Widersprüche von Anfang bis Ende“ existiert. Zweiteres, also die Besonderheit des Widerspruch liegt in der besonderen, also dem Ding eigentümlichen Bewegungsform. Im Zusammenhang mit den Ausführungen zur so genannten Besonderheit des Widerspruchs betont Mao Tse-tung die Wichtigkeit der Untersuchung der beiden Seiten des Widerspruchs: „Beide Seiten eines Widerspruchs verstehen, heißt verstehen, welche spezifische Position jede Seite einnimmt, heißt verstehen, in welchen konkreten Formen die beiden Seiten voneinander abhängen und zueinander im Gegensatz stehen und mit welchen konkreten Methoden sie während ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und Gegensätzlichkeit und nach dem Bruch des Abhängigkeitsverhältnisses miteinander kämpfen.“ (Ebenda S.370-379)&lt;br /&gt;
Folgende Aussagen, die die Kategorien Allgemeines und Besonderes betreffen, haben Kritik ausgelöst: „Infolge der außerordentlichen Vielfalt der Dinge und der Unbegrenztheit ihrer Entwicklung verwandelt sich das, was in einem bestimmten Fall das Allgemeine ist, in einem anderen bestimmten Fall das Besondere. Umgekehrt: was in einem bestimmten Fall das Besondere ist, wird in einem anderen bestimmten Fall zum Allgemeinen.“ (S.386)&lt;br /&gt;
Eine weitere These Mao Tse-tungs, die Widerspruch hervorgerufen hat, betrifft die These zu den so genannten Haupt- und Nebenwidersprüchen und zu der hauptsächlichen Seite des Widerspruchs. „Hinsichtlich des Problems der Besonderheit des Widerspruchs gibt es noch zwei Punkte, die einer speziellen Analyse bedürfen: den Hauptwiderspruch und die hauptsächliche Seite des Widerspruchs.  Im Entwicklungsprozess eines komplexen Dings gibt es eine ganze Reihe von Widersprüchen, unter denen stets einer der Hauptwiderspruch ist; seine Existenz und seine Entwicklung bestimmen oder beeinflussen die Existenz und die Entwicklung der anderen Widersprüche.“ (Ebenda S. 388) Zur These über die Bedeutung der so genannten hauptsächlichen Seite des Widerspruchs sagt er: „Die Seiten eines jeden Widerspruchs entwickeln sich ungleichmäßig. Zuweilen scheint es, dass zwischen ihnen ein Gleichgewicht besteht; doch dieses ist nur vorübergehend und relativ, während die ungleichmäßige Entwicklung das Grundlegende bleibt. Von den beiden Seiten des Widerspruchs ist die eine unweigerlich die hauptsächliche, die andere die sekundäre Seite. Die hauptsächliche Seite ist jene, die im Widerspruch die führende Rolle spielt. Der Charakter eines Dings wird im wesentlichen durch die Hauptseite des  Widerspruchs bestimmt, die eine dominierende Stellung einnimmt.“ (Ebenda, S.391)&lt;br /&gt;
Zu guter Letzt wollen wir noch auf die These von Mao Tse-tung bezüglich antagonistischer Widersprüche mit einem Zitat verweisen: „Die Widersprüche und der Kampf sind allgemein, absolut, doch die Methoden zur Lösung der Widersprüche, das heißt die Formen des Kampfes, sind je nach dem Charakter der Widersprüche verschieden. Manche Widersprüche weisen einen offen antagonistischen Charakter auf, andere nicht. Je nach der konkreten Entwicklung der Dinge werden manche ursprünglich nichtantagonistische Widersprüche zu antagonistischen, dagegen andere, ursprünglich antagonistische, zu nichtantagonistischen Widersprüche.“ (Ebenda S.404)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Kritik an Mao Tse-tungs Thesen im Zusammenhang mit dem dialektischen Materialismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Auseinanderfallen der KPdSU und der KPC Ende der Fünfziger Jahre, begann eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen Mao Tse-tungs in der sowjetischen Akademie. Eine Reihe von Untersuchungen der „Mao Tse-Tung Ideen“ wurden vom Institut für Philosophie und vom Institut für den Fernen Osten der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion angestellt, die eine scharfe Kritik zum Ergebnis hatten: „Der Maoismus ist eine dem Marxismus fremde ideologische Strömung.“ (Kritik der theoretischen Auffassungen Mao Tse-tungs, Moskau 1970 / Berlin 1973, S.6). Die sowjetischen Akademiker stellten die Behauptung auf, dass Mao Tse-tung sich lediglich der Terminologie des wissenschaftlichen Sozialismus bedienen, tatsächlich aber in eklektizistischer und utilitaristischer Weise diese Begriffe zwecks Umsetzung und Legitimation bestimmter politischer Vorhaben einsetzen würde. Die sowjetischen Kritiker gehen noch weiter und sprechen Mao Tse-tung ab, dass er sich überhaupt kein tiefes Verständnis des dialektischen Materialismus erarbeitet habe. „Die maoistische Auffassung vom Widerspruch beinhaltet eine mechanistische Gegenüberstellung äußerer Gegensätze. (…) Vor zwanzig Jahrhunderten, als die Idee von der Widersprüchleit des objektiven Seins und des menschlichen Denkens entstand, hatte die Aufstellung derartiger Thesen einen bestimmten Sinn und war gerechtfertigt. Im 20.Jahrhundert jedoch, bei dem heutigen Niveau der wissenschaftlichen Kenntnisse, reichen diese Bestimmungen nicht aus. Die wissenschaftliche Dialektik muß die den Dingen und Erscheinungen eigenen inneren Widersprüche aufdecken und den realen Prozeß der Entwicklung der Erscheinung, die aus zwei Gegensätzen besteht, aufdecken. Mit anderen Worten, sie muß die Selbstbewegung der betreffenden Erscheinung analysieren.“ (Ebenda S.44) Und weiter: „Eine solche „Dialektik“ steht zum Marxismus im gleichen Verhältnis wie die Alchemie zur Chemie.“ (Ebenda S.45) &lt;br /&gt;
Nicht nur sowjetische, sondern auch westdeutsche Autoren setzten sich kritisch mit den „Ideen“ Mao Tse-tungs auseinander, darunter bespielsweise Gunnar Mathiessen (Gunnar Mathiessen:  Kritik der philosophischen Grundlagen und der gesellschaftspolitischen Entwicklung des Maoismus , Köln 1973).  Er zeichnet nach, warum Mao Tse-tungs „Widerspruchsdenken“ aus wissenschaftlicher Sicht fehlerhaft ist. Er stellt die Behauptung auf, dass in Mao Tse-tungs Denken eine Verwechslung von Widerspruch und Gegensatz stattfindet, dass das nur im abstrakten Denken von anderen Gesetzen der Dialektik loszulösende Gesetz der Einheit und Gegensatz der Widersprüche von Mao Tse-tung von der dialektischen Gesamtentwicklung abgetrennt wird. Mathiessen findet, dass Mao Tse-tung den Widerspruch als Quelle aller Bewegung überbetonen würde und ein fehlerhaftes Verständnis von Widersprüchen im Allgemeinen und antagonistischen Widersprüchen im Besonderen hätte. Auch die Konstruktion von Haupt- und Nebenwidersprüchen und die irreführende Vorstellung, dass Widersprüche ihre Stellungen je nach Entwicklungsphase wechseln würden, beurteilt Mathiessen als eine Verfälschung der Aussagen über den Grundwiderspruch einer Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Verteidigung der Thesen von Mao Tse-tung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist selbstverständlich, dass verschiedene Gruppen und Organisationen, die sich der maoistischen Strömung zuordneten, die Ideen Mao Tse-tungs verteidigten und bis heute verteidigen. Hier soll nur beispielhaft auf ein Text der Gruppe Gegen-die-Strömung verwiesen werden (Rot Front, Zeitschrift für den wissenschaftlichen Kommunismus, Nr.21, Januar 2006). Diese Gruppe spaltete sich von KPD/ML im Jahre 1974 ab und hielt eine gewisse ideologische Distanz zum Maoismus. Die Kritik dieser Gruppe richtete sich vor allem gegen die revisionistischen Angriffe auf Stalins Schrift „Über dialektischen und historischen Materialismus“ und Maos Dialektikvorstellungen. Es wird unterstellt, dass die Angriffe auf Mao eigentlich revisionistische Angriffe auf Stalin seien und zu seiner Delegitimierung dienen würden. Sie versuchen nachzuweisen, dass die Kritik an Mao Tse-tung auf Verfälschungen und falschen Vorstellungen beruht und nicht haltbar sei. Diese Arbeit erledigt keineswegs eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Thesen Mao Tse-tungs und schafft keine kommunistische Klärung in dieser Frage.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Klärungsprozesses müssen wir uns mit dieser Kritik, aber auch mit der Frage auseinandersetzen, ob sich auch innerhalb der maoistischen und / oder der Sowjetunion feindlich gegenüber gesinnten Strömungen im Allgemeinen, eine vielleicht eigene Kritik an den Thesen Mao Tse-tungs entwickelt hat oder ob das Denken bis heute auf der Ebene der Verteidigungshaltung stehen geblieben ist.&lt;br /&gt;
Interessanterweise hat sich auch der bekannte Philosoph Hans Hein Holz, der später langjähriges Mitglied der DKP wurde, mit einer Schrift aus dem Jahre 1970 für die Ideen Mao Tse-tungs stark gemacht. (H.H.Holz, Widerspruch in China, Politisch-philosophische Erläuterungen zu Mao Tse-tung, München 1970) Er stellt, nach einer längeren Ausführung zu Mao Tse-tungs Thesen über das Allgemeine und das Besondere fest: „Aus dieser Sicht gewinnt die berühmte Lehre Maos von den Haupt- und Nebenwidersprüchen einen mehr als bloß pragmatischen Charakter; sie erweist sich als ein Glied im Aufbau eines streng logischen Gefüges von Kategorien.“ Und er stellt an anderer Stelle  fest:&lt;br /&gt;
„Dem Wortlaut und dem Sinn nach gibt es in Maos Lehre kaum etwas, das nicht aus Lenins Ansätzen abzuleiten oder mit ihnen zur Deckung zu bringen wäre.“ Und urteilt wie folgt über die aus der Sowjetunion stammende Kritik: „Maos illusionslose Lehre vom Widerspruch und seine darauf ausgerichtete politische Praxis, die in der Großen Proletarischen Kulturrevolution manifest wurde, mußte den sowjetrussischen Politikern als eine unerträgliche Irritation, als ein Angriff auf die Unverletzlichkeit des von ihnen Geleisteten erscheinen.“ (Ebenda, S. 98/99) &lt;br /&gt;
''&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bezug zu unseren Grundannahmen ==&lt;br /&gt;
''Baustein 2: Bezug Dissens-Grundannahmen''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie wollen wir den Dissens klären? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst einmal müssen wir uns klar machen, dass Mao Tse-tungs Dialektik-Verständnis nicht von seinen politischen Vorstellungen und daraus abgeleiteten praktischen Ansätzen abzutrennen ist. Wie wir diesem Zusammenhang in der Bearbeitung der Fragen gerecht werden wollen, muss noch zwischen den unterschiedlichen Arbeitsgruppen, hier der AG Wissenschaft und der AG Revolutionäre Arbeiterbewegung / KP und der AG Sozialismus, geregelt werden. Es ist vorstellbar, dass hier ein Querschnitt aus den AGs gebildet wird und themenbezogen eine Koordinierung stattfinden wird.&lt;br /&gt;
Des Weiteren werden wir im Rahmen der Auseinandersetzung die für uns jetzt wichtigen und relevanten Fragen in diesem Themenkomplex von den dauerhaft zwar interessanten, aber zurzeit vielleicht nicht so brennenden Fragen, unterscheiden müssen.&lt;br /&gt;
Zur inhaltlichen Bearbeitung ist zu sagen, dass wir uns werden von jeder Scheuklappe befreien müssen und kritisch an alle hierzu gemachten Aussagen heranwagen, seien sie von Mao Tse-tung selbst, von Vertretern maoistischer Organisationen, von Vertretern aus den wissenschaftlichen Fakultäten der Sowjetunion, von der bürgerlichen Akademie etc.. Diese Arbeit werden wir immer mit der Auseinandersetzung mit den Klassikern im Hintergrund bewerkstelligen müssen und nach ihrer Relevanz für den heutigen kommunistischen Aufauprozess abklopfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was steht zu diesem Dissens in den Programmatischen Thesen? ==&lt;br /&gt;
''Baustein 4: Bezugnahme Dissens-Unsere Behauptungen (Bezugnahme auf Programmatische Thesen)''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
H.H.Holz, Widerspruch in China, Politisch-philosophische Erläuterungen zu Mao Tse-tung, München 1970.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cheng Tien-miu, Maos Dialektik des Widerspruchs: über d. Wechselwirkung von Theorie u. Praxis u. d. Rolle d. kulturrevolutionären Publizistik in China, Hamburg 1971.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stuart R. Schram, Das Mao-System, Die Schriften von Mao Tse-tung Analyse und Entwicklung, München 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kritik der theoretischen Auffassungen Mao Tse-tungs&amp;quot;, Moskau 1970, Frankfurt/M. 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A.M. Rumjanzew, „Quellen und Entwicklung der ,Ideen Mao Tse-tungs' - Über das antimarxistische Wesen des Maoismus&amp;quot;, Berlin 1973 und: „Der Maoismus - ein ideologischer und politischer Gegner des Marxismus-Le- ninismus&amp;quot;, Berlin 1974. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerd Hautsch, ,„Papiertiger', ,Sozialimperialismus', Supermächte'&amp;quot;, Verlag marxistische Blätter, Frankfurt/M. 1974.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gunnar Matthiessen, „Kritik der philosophischen Grundlagen und der gesellschaftspolitischen Entwicklung des Maoismus&amp;quot;, Köln 1973. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingo Schäfer, Grundzüge des dialektischen Denkens in den Schriften von Li Ta-chao und Mao Tse-tung, Frankfurt/M 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bob Avakian, „Mao Tsetung's immortal contributions&amp;quot;, Chicago 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorenkollektiv: „Mao Tse-tung - seine Verdienste - seine Fehler&amp;quot;, Band 1+2, 1950 - 1976, Verlag Olga Benario und Herbert Baum, Offenbach 2005. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Three Major Struggles on China's Philosophical Front (1949 - 64)&amp;quot;, Peking 1973&lt;br /&gt;
Ferruccio Rossi-Landi, Über Mao’s Beitrag zur Dialektik, trend-onlinezeitung, 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Dissens]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Dissens Dialektik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Mao Tse-tung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Materialismus&amp;diff=7192</id>
		<title>Materialismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Materialismus&amp;diff=7192"/>
		<updated>2020-12-09T08:20:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus, Einheit der Welt, Weltanschauung, Sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Materialismus ist eine Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus begreift die wirkliche Einheit der Welt in ihrer Materialität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |1=Die Einheit der Welt besteht nicht in ihrem Sein, obwohl ihr Sein eine Voraussetzung ihrer Einheit ist, da sie doch zuerst sein muß, ehe sie eins sein kann. Das Sein ist ja überhaupt eine offene Frage von der Grenze an, wo unser Gesichtskreis aufhört. Die wirkliche Einheit der Welt besteht in ihrer Materialität, und diese ist bewiesen nicht durch ein paar Taschenspielerphrasen, sondern durch eine lange und langwierige Entwicklung der Philosophie und der Naturwissenschaft.|2=(Engels: Anti-Dühring, MEW Band 20, S.41)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus, Geschichte, wirkliche Welt, Zusammenhang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus heißt „die wirkliche Welt - Natur und Geschichte - so aufzufassen, wie sie sich selbst einem jeden gibt“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus heißt die wirkliche Welt in ihrem eigenen Zusammenhang begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus der Auflösung der Hegelschen Schule ging aber noch eine andere Richtung hervor, die einzige, die wirklich Früchte getragen hat, und diese Richtung knüpft sich wesentlich an den Namen Marx. Die Trennung von der Hegelschen Philosophie erfolgte auch hier durch die Rückkehr zum materialistischen Standpunkt. Das heißt, man entschloß sich, die wirkliche Welt - Natur und Geschichte - so aufzufassen, wie sie sich selbst einem jeden gibt, der ohne vorgefaßte idealistische Schrullen an sie herantritt; man entschloß sich, jede idealistische Schrulle unbarmherzig zum Opfer zu bringen, die sich mit den in ihrem eignen Zusammenhang, und in keinem phantastischen, aufgefaßten Tatsachen nicht in Einklang bringen ließ. Und weiter heißt Materialismus überhaupt nichts. Nur daß hier zum erstenmal mit der materialistischen Weltanschauung wirklich Ernst gemacht, daß sie auf allen in Frage kommenden Gebieten des Wissens - wenigstens in den Grundzügen - konsequent durchgeführt wurde.| (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW Band 21, S.291/292)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen AG Dialektischer Materialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Materialismus&amp;diff=7191</id>
		<title>Materialismus</title>
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		<updated>2020-12-09T08:19:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus, Einheit der Welt, Weltanschauung, Sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Materialismus ist eine Weltanschauung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus begreift die wirkliche Einheit der Welt in ihrer Materialität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |1=Die Einheit der Welt besteht nicht in ihrem Sein, obwohl ihr Sein eine Voraussetzung ihrer Einheit ist, da sie doch zuerst sein muß, ehe sie eins sein kann. Das Sein ist ja überhaupt eine offene Frage von der Grenze an, wo unser Gesichtskreis aufhört. Die wirkliche Einheit der Welt besteht in ihrer Materialität, und diese ist bewiesen nicht durch ein paar Taschenspielerphrasen, sondern durch eine lange und langwierige Entwicklung der Philosophie und der Naturwissenschaft.|2=(Engels: Anti-Dühring, MEW Band 20, S.41)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus, Geschichte, wirkliche Welt, Zusammenhang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus heißt „die wirkliche Welt - Natur und Geschichte - so aufzufassen, wie sie sich selbst einem jeden gibt“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materialismus heißt die wirkliche Welt in ihrem eigenen Zusammenhang begreifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Aus der Auflösung der Hegelschen Schule ging aber noch eine andere Richtung hervor, die einzige, die wirklich Früchte getragen hat, und diese Richtung knüpft sich wesentlich an den Namen Marx. Die Trennung von der Hegelschen Philosophie erfolgte auch hier durch die Rückkehr zum materialistischen Standpunkt. Das heißt, man entschloß sich, die wirkliche Welt - Natur und Geschichte - so aufzufassen, wie sie sich selbst einem jeden gibt, der ohne vorgefaßte idealistische Schrullen an sie herantritt; man entschloß sich, jede idealistische Schrulle unbarmherzig zum Opfer zu bringen, die sich mit den in ihrem eignen Zusammenhang, und in keinem phantastischen, aufgefaßten Tatsachen nicht in Einklang bringen ließ. Und weiter heißt Materialismus überhaupt nichts. Nur daß hier zum erstenmal mit der materialistischen Weltanschauung wirklich Ernst gemacht, daß sie auf allen in Frage kommenden Gebieten des Wissens - wenigstens in den Grundzügen - konsequent durchgeführt wurde.| (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW Band 21, S.291/292)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen AG Dialektischer Materialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Materie&amp;diff=7185</id>
		<title>Materie</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Materie&amp;diff=7185"/>
		<updated>2020-12-09T08:18:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materie, Realität, Bewusstsein, Bewegung, Notwendigkeit, Wirklichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materie ist ein philosophischer Begriff für die objektive Realität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materie existiert unabhängig vom Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Ist sie [die objektive Realität] aber gegeben, dann braucht man für diese objektive Realität einen philosophischen Begriff, und dieser Begriff ist längst, vor sehr langer Zeit geschaffen worden, dieser Begriff ist eben die Materie. Die Materie ist eine philosophische Kategorie zur Bezeichnung der objektiven Realität, die dem Menschen in seinen Empfindungen gegeben ist, die von unseren Empfindungen kopiert, fotografiert, abgebildet wird und unabhängig von ihnen existiert.| (Lenin: Materialismus und Empiriokritizismus, Leninwerke Band 14, S.124)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 2'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewegung, also Materie, ist nicht zerstörbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nicht-Zerstörbarkeit ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu fassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bewegung wird aus der Materie selbst erzeugt, weil Materie in sich Dynamis und Energeia besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Materie aus dem unser Universum besteht, kann nur auf natürlichem Wege entstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegungsverwandlungen der Materie verlaufen „mehr oder weniger zufällig, aber mit der auch dem Zufall inhärenten Notwendigkeit.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Nun hat die moderne Naturwissenschaft den Satz von der Unzerstörbarkeit der Bewegung von der Philosophie adoptieren müssen; ohne ihn kann sie nicht mehr bestehn. Die Bewegung der Materie aber, das ist nicht bloß die grobe mechanische Bewegung, die bloße Ortsveränderung, das ist Wärme und Licht, elektrische und magnetische Spannung, chemisches Zusammengehen und Auseinandergehen, Leben und schließlich Bewußtsein. Sagen daß die Materie während ihrer ganzen zeitlos unbegrenzten Existenz nur ein einziges Mal und für eine ihrer Ewigkeit gegenüber verschwindend kurze Zeit in der Möglichkeit sich befindet, ihre Bewegung zu differenzieren und dadurch den ganzen Reichtum dieser Bewegung zu entfalten, und daß sie vor- und nachher in Ewigkeit auf bloße Ortsveränderung beschränkt bleibt - das heißt behaupten, daß die Materie sterblich und die Bewegung vergänglich ist. Die Unzerstörbarkeit der Bewegung kann nicht bloß quantitativ, sie muß auch qualitativ gefaßt werden; eine Materie, deren rein mechanische Ortsveränderung zwar die Möglichkeit in sich trägt, unter günstigen Bedingungen in Wärme, Elektrizität, chemische Aktion, Leben umzuschlagen, die aber außerstande ist, diese Bedingungen aus sich selbst zu erzeugen, eine solche Materie hat Bewegung eingebüßt; eine Bewegung, die die Fähigkeit verloren hat, sich in die ihr zukommenden verschiedenen Formen umzusetzen, hat zwar noch Dynamis [Potenz, zu wirken], aber keine Energeia [Wirksamkeit] mehr, und ist damit teilweise zerstört worden. Beides aber ist undenkbar. &lt;br /&gt;
Soviel ist sicher: Es gab eine Zeit, wo die Materie unsrer Weltinsel eine solche Menge Bewegung - welcher Art, wissen wir bis jetzt nicht - in Wärme umgesetzt hatte, daß daraus die zu (nach Mädler) mindestens 20 Millionen Sternen gehörigen Sonnensysteme sich entwickeln konnten, deren allmähliches Absterben ebenfalls gewiß ist. Wie ging dieser Umsatz vor sich? Wir wissen es ebensowenig, wie Pater Secchi weiß, ob das künftige caput mortuum [der tote Überrest] unsres Sonnensystems je wieder in Rohstoff zu neuen Sonnensystemen verwandelt wird. Aber entweder müsen wir hier auf den Schöpfer rekurrieren, oder wir sind zu der Schlussfolgerung gezwungen, daß der glühende Rohstoff zu den Sonnensystemen unsrer Weltinsel auf natürlichem Wege erzeugt wurde, durch Bewegungsverwandlungen, die der sich bewegenden Materie von Natur zustehen, und deren Bedingungen also auch von der Materie, wenn auch erst nach Millionen und aber Millionen Jahren, mehr oder weniger zufällig, aber mit der auch dem Zufall inhärenten Notwendigkeit sich reproduzieren müssen.| (Engels, Dialektik der Natur, MEW Band 20, S.325 f.)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen AG Dialektischer Materialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Notwendigkeit_und_Zufall&amp;diff=7182</id>
		<title>Notwendigkeit und Zufall</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Notwendigkeit_und_Zufall&amp;diff=7182"/>
		<updated>2020-12-09T08:17:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendigkeit, Zufall, Gesetzmäßigkeit, Entwicklung, Geschichte, Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendigkeit heißt hier, dass eine Entwicklung nur so und nicht anders verlaufen&lt;br /&gt;
kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendige Entwicklung findet statt unabhängig vom Bewusstsein der Individuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft gesetzmäßige Entwicklung sich&lt;br /&gt;
unabhängig von Bewusstsein durchsetzt, erscheint sie als Zufälligkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesetze der Entwicklung können erkannt / entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Nun aber erweist sich die Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft in einem Punkt als wesentlich verschiedenartig von der der Natur. In der Natur sind es - soweit wir die Rückwirkung der Menschen auf die Natur außer acht lassen-lauter bewußtlose blinde Agenzien, die aufeinander einwirken und in deren Wechselspiel das allgemeine Gesetz zur Geltung kommt. Von allem, was geschieht - weder von den zahllosen scheinbaren Zufälligkeiten, die auf der Oberfläche sichtbar werden, noch von den schließlichen, die Gesetzmäßigkeit innerhalb dieser Zufälligkeiten bewährenden Resultaten -, geschieht nichts als gewollter bewußter Zweck. Dagegen in der Geschichte der Gesellschaft sind die Handelnden lauter mit Bewußtsein begabte, mit Überlegung oder Leidenschaft handelnde, auf bestimmte Zwecke hinarbeitende Menschen; nichts geschieht ohne bewußte Absicht, ohne gewolltes Ziel. Aber dieser Unterschied, so wichtig er für die geschichtliche Untersuchung namentlich einzelner Epochen und Begebenheiten ist, kann nichts ändern an der Tatsache, daß der Lauf der Geschichte durch innere allgemeine Gesetze beherrscht wird. Denn auch hier herrscht auf der Oberfläche, trotz der bewußt gewollten Ziele aller einzelnen, im ganzen und großen scheinbar der Zufall. Nur selten geschieht das Gewollte, in den meisten Fällen durchkreuzen und widerstreiten sich die vielen gewollten Zwecke oder sind diese Zwecke selbst von vornherein undurchführbar oder die Mittel unzureichend. So führen die Zusammenstöße der zahllosen Einzelwillen und Einzelhandlungen auf geschichtlichem Gebiet einen Zustand herbei, der ganz dem in der bewußtlosen Natur herrschenden analog ist. Die Zwecke der Handlungen sind gewollt, aber die Resultate, die wirklich aus den Handlungen folgen, sind nicht gewollt, oder soweit sie dem gewollten Zweck zunächst doch zu entsprechen scheinen, haben sie schließlich ganz andre als die gewollten Folgen. Die geschichtlichen Ereignisse erscheinen so im ganzen und großen ebenfalls als von der Zufälligkeit beherrscht. Wo aber auf der Oberfläche der Zufall sein Spiel treibt, da wird er stets durch innre verborgne Gesetze beherrscht, und es kommt nur darauf an, diese Gesetze zu entdecken.| (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW Band 21, S.296/297)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen AG Dialektischer Materialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Notwendigkeit_und_Zufall&amp;diff=7180</id>
		<title>Notwendigkeit und Zufall</title>
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		<updated>2020-12-09T08:16:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schlagworte'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendigkeit, Zufall, Gesetzmäßigkeit, Entwicklung, Geschichte, Bewusstsein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Annahme 1'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendigkeit heißt hier, dass eine Entwicklung nur so und nicht anders verlaufen&lt;br /&gt;
kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Notwendige Entwicklung findet statt unabhängig vom Bewusstsein der Individuen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft gesetzmäßige Entwicklung sich&lt;br /&gt;
unabhängig von Bewusstsein durchsetzt, erscheint sie als Zufälligkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gesetze der Entwicklung können erkannt / entdeckt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat |Nun aber erweist sich die Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft in einem Punkt als wesentlich verschiedenartig von der der Natur. In der Natur sind es - soweit wir die Rückwirkung der Menschen auf die Natur außer acht lassen-lauter bewußtlose blinde Agenzien, die aufeinander einwirken und in deren Wechselspiel das allgemeine Gesetz zur Geltung kommt. Von allem, was geschieht - weder von den zahllosen scheinbaren Zufälligkeiten, die auf der Oberfläche sichtbar werden, noch von den schließlichen, die Gesetzmäßigkeit innerhalb dieser Zufälligkeiten bewährenden Resultaten -, geschieht nichts als gewollter bewußter Zweck. Dagegen in der Geschichte der Gesellschaft sind die Handelnden lauter mit Bewußtsein begabte, mit Überlegung oder Leidenschaft handelnde, auf bestimmte Zwecke hinarbeitende Menschen; nichts geschieht ohne bewußte Absicht, ohne gewolltes Ziel. Aber dieser Unterschied, so wichtig er für die geschichtliche Untersuchung namentlich einzelner Epochen und Begebenheiten ist, kann nichts ändern an der Tatsache, daß der Lauf der Geschichte durch innere allgemeine Gesetze beherrscht wird. Denn auch hier herrscht auf der Oberfläche, trotz der bewußt gewollten Ziele aller einzelnen, im ganzen und großen scheinbar der Zufall. Nur selten geschieht das Gewollte, in den meisten Fällen durchkreuzen und widerstreiten sich die vielen gewollten Zwecke oder sind diese Zwecke selbst von vornherein undurchführbar oder die Mittel unzureichend. So führen die Zusammenstöße der zahllosen Einzelwillen und Einzelhandlungen auf geschichtlichem Gebiet einen Zustand herbei, der ganz dem in der bewußtlosen Natur herrschenden analog ist. Die Zwecke der Handlungen sind gewollt, aber die Resultate, die wirklich aus den Handlungen folgen, sind nicht gewollt, oder soweit sie dem gewollten Zweck zunächst doch zu entsprechen scheinen, haben sie schließlich ganz andre als die gewollten Folgen. Die geschichtlichen Ereignisse erscheinen so im ganzen und großen ebenfalls als von der Zufälligkeit beherrscht. Wo aber auf der Oberfläche der Zufall sein Spiel treibt, da wird er stets durch innre verborgne Gesetze beherrscht, und es kommt nur darauf an, diese Gesetze zu entdecken.| (Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW Band 21, S.296/297)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Grundannahmen AG Wissenschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=7179</id>
		<title>Hauptseite</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=7179"/>
		<updated>2020-12-09T08:13:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Unsere Arbeitsgruppen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
== Willkommen im BolscheWiki! ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommen im BolscheWiki, der Online-Plattform der Kommunistischen Organisation. Diese Plattform wird  den organisatorischen Rahmen für den [https://kommunistische.org/klaerungsprozess/der-kommunistische-klaerungsprozess-kann-beginnen/ kommunistischen Klärungsprozess] in den nächsten Jahren stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir rufen Kommunistinnen und Kommunisten auf mitzuhelfen den Dissens und die offenen Fragen der Kommunistischen Weltbewegung zu ergänzen, zu formulieren und zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihr sehen könnt, ist das BolscheWiki nach [[:Kategorie:AG-Hauptseite|Arbeitsgruppen]] sortiert. Schaut euch doch erst einmal um und verschafft euch einen Überblick über die verschiedenen Fragen und Themen, die wir schon zusammengetragen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier nochmal der ausdrückliche Hinweis, dass die hier produzierten Texte nicht die Positionen der Kommunistischen Organisation wiedergeben. Die Positionen der Kommunistischen Organisation findet ihr ausschließlich in unseren Programmatischen Thesen und auf unserer Internetseite. Die Beiträge auf dem BolscheWiki sind Beiträge zur Diskussion und befinden sich in einem ständigen Prozess der Bearbeitung und Veränderung. Sie werden in den Arbeitsgruppen diskutiert und / oder uns von aktiven Interessierten zugesendet. Sie sind nicht das Ergebnis einer kollektiven Auseinandersetzung und Entscheidungsfindung im Rahmen der Kommunistischen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter unten könnt ihr euch darüber informieren wie ihr hier mitarbeiten könnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unsere Arbeitsgruppen ==&lt;br /&gt;
*[[AG Dialektischer Materialismus|AG Dialektischer Materialismus (ehem. Wissenschaft)]]&lt;br /&gt;
*[[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
*[[AG Revolutionäre Arbeiterbewegung und Kommunistische Partei]]&lt;br /&gt;
*[[AG Formen bürgerlicher Herrschaft|AG Formen bürgerlicher Herrschaft (ehem. Staat, Faschismus und Sozialdemokratie)]]&lt;br /&gt;
*[[AG Sozialismus]]&lt;br /&gt;
*[[AG Klassenanalyse]]&lt;br /&gt;
*[[AG Deutscher Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie wird im BolscheWiki gearbeitet? ==&lt;br /&gt;
Offenheit ja, aber ein paar Regeln müssen sein. Der kommunistische Klärungsprozess ist ein offener Prozess, an dem wir so viele Kommunistinnen und Kommunisten, so viele Interessierte mit positivem Bezug auf marxistische Wissenschaft wie möglich beteiligen wollen. Wir sind der festen Überzeugung, dass nur durch einen offenen und transparenten Umgang mit den umstrittenen Fragen innerhalb der Kommunistischen Weltbewegung (KWB) ein Ausweg aus dem Dunkel der Unklarheiten gefunden werden kann. Die einzige Bedingung für die Teilnahme am kommunistischen Klärungsprozess ist die konstruktive Arbeit. Wir dulden keine Beschimpfungen und keine Beleidigungen. Arbeit an der Sache selbst, sachliche Argumentation und die Akzeptanz der organisatorischen Rahmenbedingungen sollen uns dazu befähigen, strukturiert, systematisch und zielführend gemeinsam an den Fragen zu arbeiten, die hier aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
Auch wir machen das hier zum ersten Mal. Erwartet also bitte nicht eine perfekte Form. Unserer Ansicht nach ist es nicht angebracht die perfekte Form für diese Arbeit zu erarbeiten, sondern die Verantwortung für die ständige Verbesserung der Form zu übernehmen. Das erwarten wir von allen Beteiligten. Das heißt konkret: wenn ihr konstruktive Kritik an der Form habt, dann bringt sie ein. Wir nehmen gerne Vorschläge auf, die wir umsetzen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mitmachen == &lt;br /&gt;
Wir freuen uns über eure Anmerkungen und Beiträge, Ideen, Kritik und Ergänzungen. Unter Mitmachen verstehen wir aber mehr als nur kurze Diskussionsbeiträge zu diesem oder jenem Aspekt einer Frage und wünschen uns eine ernsthafte und längerfristige Arbeit an den Fragen. Um das tun zu können, wendet ihr euch bitte an die einzelnen AGs über die jeweilige Email-Adresse der AG. Bei der ersten Kontaktaufnahme macht es Sinn, sich kurz vorzustellen und genauer auszuführen, zu welchen Fragen und Themen ihr arbeiten wollt. Wir bitten um euer Verständnis dafür, dass wir die Diskussionsseiten nicht komplett öffnen können. Wir sehen uns gerade nicht in der Lage diese so zu moderieren, dass Interessierten nicht gleich die Lust am Diskutieren vergeht. Es geht also darum zu verhindern, dass auf der Diskussionsseite eine unstrukturierte und nicht mehr durchschaubare Bleiwüste entsteht. Das kennen einige ja auch aus anderen Foren. Wir werden nach und nach versuchen die Beiträge zur Klärung der Fragen transparent zu machen, indem wir sie systematisch im BolscheWiki darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr findet unter Mitmachen nach und nach eine Liste der Aufgaben, die zu tun sind. Auch unter den jeweiligen Dissensen werden Aufgaben gesammelt. Diese wird ständig aktualisiert. Gerne nehmen wir diesbezüglich auch eure Vorschläge auf. Bitte beachtet, dass wir nicht sofort auf Anfragen zur Mitarbeit antworten können. Die Einbindung findet ab Anfang Februar 2019 statt. Dafür wollen wir im Wiki noch entsprechende Werkzeuge schaffen. Meldet euch aber gerne jetzt schon bei den Arbeitsgruppen. Ihr werdet von uns eine Nachricht bekommen, wenn es losgeht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bitte beachtet unsere [[Hilfe:HowTo | Einführungen]] für Textarbeit.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
	</entry>
	<entry>
		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=AG_Dialektischer_Materialismus&amp;diff=7178</id>
		<title>AG Dialektischer Materialismus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=AG_Dialektischer_Materialismus&amp;diff=7178"/>
		<updated>2020-12-09T08:11:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Mitmachen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zurück zu [[Hauptseite]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einführung in die AG ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Erkenntnissen und Fragen des historisch-dialektischen Materialismus. Mit dem dialektischen Materialismus entstand — historisch betrachtet — eine wissenschaftliche Weltanschauung mit ganz neuer Qualität, die in der Lage ist, Theorie und Praxis im umfassenden Sinne miteinander zu vereinen. Mit ihr entstand eine Weltanschauung, die den handelnden, gestaltenden, weltverändernden Menschen zum Objekt und Subjekt hat. Das heißt, dass sie den Menschen (als Gattung) zu einer höheren Stufe des Selbstbewusstseins erhebt, das einhergeht mit bewusstem, also planendem Handeln, demzufolge einem bewussteren Sein. Hiermit ist der Begriff der Freiheit verknüpft, die Freiheit zu handeln, die sich ergibt aus der Einsicht in die Notwendigkeiten geschichtlicher Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch ist der historisch-dialektische Materialismus zunächst einmal der bewusstseinsmäßige Ausdruck der revolutionären Arbeiterbewegung. Solange der Klassenkampf tobt, die kapitalistische Klassengesellschaft nicht überwunden ist, wirken die Kräfte des Rückschritts, das Festhalten an althergebrachten irrationalen Vorstellungen, Mythen und der Kampf gegen den Fortschritt weiter. Spätestens seit dem Erreichen der imperialistischen Stufe des Kapitalismus haben wir es auch im ideologischen Klassenkampf mit regressiven, nihilistischen und gegen die Vernunft gerichteten Vorstellungen zu tun, die — objektiv betrachtet — im Dienste unserer Klassengegner in immer wieder neuen Formen aufgeboten werden. Das Erkennen des wesentlichen Inhalts dieser wissenschaftsfeindlichen Angriffe auf das Bewusstsein ist eine Aufgabe im revolutionären Kampf. Nicht selten kommen diese bürgerlichen Ideologien im Mantel der Erneuerung, des Humanismus, der Moral daher und leider auch im Namen des Marxismus, Sozialismus und des Fortschritts. Umso mehr sehen wir es als die Aufgabe der Kommunistischen Weltbewegung an, Klarheit über diese Irreführungen zu schaffen, um die Sinne und das Bewusstsein für den Kampf um Sozialismus/Kommunismus zu schärfen. Es wird dabei darauf ankommen unsere Antworten auf Fragen wie: „Was ist Wahrheit und wie erkennt der Mensch sie?“, „Was heißt Wissenschaft und wie können wir sie anwenden und prüfen?“ zu geben. Solche Fragen werden uns im alltäglichen Kampf in fast jedem Bereich gestellt. Damit ist klar, dass diese Arbeitsgruppe es nicht nur mit abstrakten Fragen zu tun hat, sondern ihre Arbeit als Teil des Klassenkampfes versteht, wofür wir uns noch rüsten müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden uns im Rahmen des kommunistischen Klärungsprozesses mit den Auseinandersetzungen in Bezug auf die Frage, was eigentlich unter Materialismus, Dialektik, unter Gesetzmäßigkeit, unter Erkenntnis etc. zu verstehen ist, beschäftigen müssen. Der Grund dafür ist nicht, weil wir uns gerne mit abstrakten Fragen den Kopf heiß reden wollen, sondern weil es tatsächlich sowohl innerhalb der kommunistischen Bewegung und weiter gefasst unter so genannten „Marxisten“ und selbstverständlich mit der bürgerlichen Akademie Fragen zu klären gibt. Diese sind so grundsätzlicher Natur, dass sich aus den verschiedenen Sichtweisen und Antworten auf diese Frage ganze Schulen herausgebildet haben, wie z.B. die Frankfurter Schule oder die Neue-Marx-Lektüre es exemplarisch sind. Diese sind nicht deshalb von Relevanz, weil es sie gibt, sondern weil sie gesellschaftlich wirkmächtig sind.  Wir erheben mit unserer Darstellung der unterschiedlichen Positionen weder den Anspruch der Vollständigkeit, noch der absolut korrekten Wiedergabe der Positionen. Diese Leistung gilt es erst zu erbringen. Das liegt einerseits daran, dass wir uns dieses Themas zwar jetzt annehmen, aber nicht auf eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Fragen zurückblicken können. Gleichwohl meinen wir einige wichtige Fragen identifiziert zu haben, anhand derer sich Streitpunkte und Dissens entzündet haben. Andererseits findet die Beschäftigung mit diesen Fragen oft nicht auf der politischen Bühne statt, die für die meisten von uns sicherlich die Hauptbühne war und sicherlich auch noch ist, auf der wir unsere Erfahrungen gesammelt haben und sammeln. Vielmehr ist es der akademische Rahmen, in der sich mit solchen Fragen auseinandergesetzt wird. Dieses Feld müssen wir uns also nach und nach kollektiv erschließen. Tatsächlich haben sich auch die Zeiten geändert und das gilt es zu registrieren: die großen Fragen werden nicht mehr laut diskutiert, wohl auch weil die Subjekte der Austragung nicht mehr als organisierte Kräfte am gesellschaftlichen Geschehen teilnehmen. Hier sei vor allem auf die Niederlage des Sozialismus und auf die Krise der kommunistischen Parteien hingewiesen. Wir befinden uns — vermutlich in der heutigen BRD in besonders starkem Maße — in einer stark zersetzten und unaufgeräumten Situation: vom sozialistischen Staat auf deutschem Boden, der DDR, ist keine organisierte, gesellschaftlich relevante Institution übriggeblieben, die uns die Erfahrungen, Errungenschaften etc. systematisch zur Verfügung stellt. Das gilt für unsere Arbeitsgruppe, wie leider für jede andere. Das Erschließen und Systematisieren dieser Erfahrungen sehen wir als eine besondere Aufgabe an. Die wissenschaftlichen Akademien, Zeitschriften, Diskussionen in der DDR aufarbeiten, systematisieren, darlegen und auswerten wird uns erst auf die Höhe der Erfahrungen bringen, hinter die wir nicht mehr zurückfallen dürfen. Hier gibt es noch einiges zu tun. Deshalb geht unser Aufruf zur Teilnahme ganz besonders an diejenigen, die noch in der DDR aktiv im Wissenschaftsbetrieb tätig waren. Aber auch westdeutsche Kommunisten, die z.B. im Rahmen des IMSF (Institut für Marxistische Studien und Forschungen) sprechen wir hiermit an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Arbeitsgruppe hat selbstverständlich auch die Aufgabe Kriterien für wissenschaftliches Arbeiten zu entwickeln, die sich aus unserer Weltanschauung, des historisch-dialektischen Materialismus, ergeben. Die Erkenntnisse der bürgerlichen Akademie dienen uns dabei als kritisch zu begutachtendes Material, können aber nicht unseren Ansprüchen genügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dissens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in den grundlegenden Fragen des dialektischen und historischen Materialismus gibt es in der Kommunistischen Weltbewegung (KWB), innerhalb marxistischer und postmarxistischer Strömungen  unterschiedliche Auffassungen. Mit diesen wollen wir uns im kommunistischen Klärungsprozess systematisch befassen. Darunter fallen unter anderem die folgenden Streitpunkte:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Dissens Dialektik]]&lt;br /&gt;
* [[Dissens Begriff Materie]]&lt;br /&gt;
* [[Dissens Abbildtheorie]]&lt;br /&gt;
* [[Dissens Historischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Offene Fragen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dieser Rubrik wollen wir alle offenen Fragen sammeln, die im Prozess unserer Auseinandersetzung mit dem dialektischen und historischen Materialismus, dem in diesem Zusammenhang stehenden Dissens aufgeworfen werden. Ihr könnt euch aktiv an dieser Sammlung beteiligen und uns noch Ergänzungen, Fragen und Anregungen schicken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Klärung philosophischer Begriffe]]&lt;br /&gt;
*[[Sonstige philosophische Fragen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grundannahmen ==&lt;br /&gt;
''Bezug auf die Grundannahmen - &amp;quot;Ableitungen&amp;quot;, dann Verweis / Link auf Liste''&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[[Dialektischer Materialismus]]&lt;br /&gt;
*[[Materialismus]]&lt;br /&gt;
*[[Grundannahmen Dialektik]]&lt;br /&gt;
*[[Bewegung]]&lt;br /&gt;
*[[Grundannahmen Materie]]&lt;br /&gt;
*[[Notwendigkeit und Zufall]]&lt;br /&gt;
*[[Bewusstsein]]&lt;br /&gt;
*[[Forschungsweise]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mitmachen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den nächsten Monaten wollen wir uns an die systematische Beantwortung der Fragen machen - dabei kannst du mitmachen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
		&lt;br /&gt;
* Diskutier mit&lt;br /&gt;
** Du hast andere Erkenntnisse, Positionen zu bestimmten Fragen?&lt;br /&gt;
** Du hast selbst offene Fragen zum Thema?&lt;br /&gt;
* Einzelne Arbeitsaufträge übernehmen - in Theoriearbeit oder in praktischer Umsetzung&lt;br /&gt;
* Dauerhaft mitarbeiten in der AG&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das interessant klingt oder dir noch andere Möglichkeiten einfallen, dich zu beteiligen, melde dich bei uns: [mailto:ag_wissenschaft@komunistische.org ag_wissenschaft@komunistische.org]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Aufgaben der AG Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG-Hauptseite]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: AG Dialektischer Materialismus]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
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		<id>http://wiki.kommunistische.org/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=6836</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2019-11-19T15:12:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Adam: /* Unsere Arbeitsgruppen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
== Willkommen im BolscheWiki! ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willkommen im BolscheWiki, der Online-Plattform der Kommunistischen Organisation. Diese Plattform wird  den organisatorischen Rahmen für den [https://kommunistische.org/klaerungsprozess/der-kommunistische-klaerungsprozess-kann-beginnen/ kommunistischen Klärungsprozess] in den nächsten Jahren stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir rufen Kommunistinnen und Kommunisten auf mitzuhelfen den Dissens und die offenen Fragen der Kommunistischen Weltbewegung zu ergänzen, zu formulieren und zu bearbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihr sehen könnt, ist das BolscheWiki nach [[:Kategorie:AG-Hauptseite|Arbeitsgruppen]] sortiert. Schaut euch doch erst einmal um und verschafft euch einen Überblick über die verschiedenen Fragen und Themen, die wir schon zusammengetragen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier nochmal der ausdrückliche Hinweis, dass die hier produzierten Texte nicht die Positionen der Kommunistischen Organisation wiedergeben. Die Positionen der Kommunistischen Organisation findet ihr ausschließlich in unseren Programmatischen Thesen und auf unserer Internetseite. Die Beiträge auf dem BolscheWiki sind Beiträge zur Diskussion und befinden sich in einem ständigen Prozess der Bearbeitung und Veränderung. Sie werden in den Arbeitsgruppen diskutiert und / oder uns von aktiven Interessierten zugesendet. Sie sind nicht das Ergebnis einer kollektiven Auseinandersetzung und Entscheidungsfindung im Rahmen der Kommunistischen Organisation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter unten könnt ihr euch darüber informieren wie ihr hier mitarbeiten könnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unsere Arbeitsgruppen ==&lt;br /&gt;
*[[AG Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
*[[AG Politische Ökonomie des Imperialismus]]&lt;br /&gt;
*[[AG Revolutionäre Arbeiterbewegung und Kommunistische Partei]]&lt;br /&gt;
*[[AG Formen bürgerlicher Herrschaft|AG Formen bürgerlicher Herrschaft (ehem. Staat, Faschismus und Sozialdemokratie)]]&lt;br /&gt;
*[[AG Sozialismus]]&lt;br /&gt;
*[[AG Klassenanalyse]]&lt;br /&gt;
*[[AG Deutscher Imperialismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wie wird im BolscheWiki gearbeitet? ==&lt;br /&gt;
Offenheit ja, aber ein paar Regeln müssen sein. Der kommunistische Klärungsprozess ist ein offener Prozess, an dem wir so viele Kommunistinnen und Kommunisten, so viele Interessierte mit positivem Bezug auf marxistische Wissenschaft wie möglich beteiligen wollen. Wir sind der festen Überzeugung, dass nur durch einen offenen und transparenten Umgang mit den umstrittenen Fragen innerhalb der Kommunistischen Weltbewegung (KWB) ein Ausweg aus dem Dunkel der Unklarheiten gefunden werden kann. Die einzige Bedingung für die Teilnahme am kommunistischen Klärungsprozess ist die konstruktive Arbeit. Wir dulden keine Beschimpfungen und keine Beleidigungen. Arbeit an der Sache selbst, sachliche Argumentation und die Akzeptanz der organisatorischen Rahmenbedingungen sollen uns dazu befähigen, strukturiert, systematisch und zielführend gemeinsam an den Fragen zu arbeiten, die hier aufgeworfen werden.&lt;br /&gt;
Auch wir machen das hier zum ersten Mal. Erwartet also bitte nicht eine perfekte Form. Unserer Ansicht nach ist es nicht angebracht die perfekte Form für diese Arbeit zu erarbeiten, sondern die Verantwortung für die ständige Verbesserung der Form zu übernehmen. Das erwarten wir von allen Beteiligten. Das heißt konkret: wenn ihr konstruktive Kritik an der Form habt, dann bringt sie ein. Wir nehmen gerne Vorschläge auf, die wir umsetzen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mitmachen == &lt;br /&gt;
Wir freuen uns über eure Anmerkungen und Beiträge, Ideen, Kritik und Ergänzungen. Unter Mitmachen verstehen wir aber mehr als nur kurze Diskussionsbeiträge zu diesem oder jenem Aspekt einer Frage und wünschen uns eine ernsthafte und längerfristige Arbeit an den Fragen. Um das tun zu können, wendet ihr euch bitte an die einzelnen AGs über die jeweilige Email-Adresse der AG. Bei der ersten Kontaktaufnahme macht es Sinn, sich kurz vorzustellen und genauer auszuführen, zu welchen Fragen und Themen ihr arbeiten wollt. Wir bitten um euer Verständnis dafür, dass wir die Diskussionsseiten nicht komplett öffnen können. Wir sehen uns gerade nicht in der Lage diese so zu moderieren, dass Interessierten nicht gleich die Lust am Diskutieren vergeht. Es geht also darum zu verhindern, dass auf der Diskussionsseite eine unstrukturierte und nicht mehr durchschaubare Bleiwüste entsteht. Das kennen einige ja auch aus anderen Foren. Wir werden nach und nach versuchen die Beiträge zur Klärung der Fragen transparent zu machen, indem wir sie systematisch im BolscheWiki darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr findet unter Mitmachen nach und nach eine Liste der Aufgaben, die zu tun sind. Auch unter den jeweiligen Dissensen werden Aufgaben gesammelt. Diese wird ständig aktualisiert. Gerne nehmen wir diesbezüglich auch eure Vorschläge auf. Bitte beachtet, dass wir nicht sofort auf Anfragen zur Mitarbeit antworten können. Die Einbindung findet ab Anfang Februar 2019 statt. Dafür wollen wir im Wiki noch entsprechende Werkzeuge schaffen. Meldet euch aber gerne jetzt schon bei den Arbeitsgruppen. Ihr werdet von uns eine Nachricht bekommen, wenn es losgeht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bitte beachtet unsere [[Hilfe:HowTo | Einführungen]] für Textarbeit.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Adam</name></author>
		
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